Gespräch mit einem Vampir

Bouquinist

Im Jahre 1976 schrieb Anne Rice ein ikonisches Buch, das den Auftakt zu einer ganzen Vampir-Chronik bildete, um ihren Kummer loszuwerden. Und auch wenn Interview mit einem Vampir nicht der stärkste Roman der Reihe ist, sorgte er bei seinem Erscheinen für nicht gerade wenig Aufsehen.

In diesem mittlerweile klassischen Roman hat Anne Rice den archetypischen Vampirmythos für das Publikum des ausgehenden 20. Jahrhunderts aufgefrischt. Die Geschichte ist auf den ersten Blick einfach: Ein Plantagenbesitzer im Louisiana des 18. Jahrhunderts namens Louis Pointe du Lac verfällt nach einem schweren persönlichen Verlust in einen Alkoholrausch. An seinem emotionalen Tiefpunkt wird er mit Lestat konfrontiert, einem charismatischen und mächtigen Vampir, der Louis zu seinem Schützling macht. Die beiden machen Jagd auf Ahnungslose, geben ihre „dunkle Gabe“ an ein junges Mädchen weiter und machen sich in Paris auf die Suche nach anderen ihrer Art (vor allem nach dem alten Vampir Armand). Eine Zusammenfassung dieser Geschichte geht jedoch an den zentralen Reizen des Romans vorbei. Zum einen ist es die von Rice gewählte Erzählweise – Louis erzählt einem skeptischen Jungen aus der Ich-Perspektive sein Leben, was den Vampir von einem abscheulichen Raubtier in eine äußerst sympathische, verführerische und allzu menschliche Figur verwandelt. Zweitens konnte Rice durch das Eintauchen in die Erfahrung einer unsterblichen Figur, die mit einem tiefen katholischen Glauben aufgewachsen ist, tiefe philosophische Fragen – die Natur des Bösen, die Realität des Todes und die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung – auf eine Weise erforschen, die aus der Perspektive eines begrenzteren Erzählers nicht möglich gewesen wäre.

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Der Historiker / Elizabeth Kostova

Bouquinist

Der in Schäßburg (wo man heute noch sein Geburtshaus besichtigen kann) geborene Vlad Tepes war bereits zu seinen Lebzeiten eine Legende. Über seine Grausamkeiten kursieren im Westen die unterschiedlichsten Geschichten (während im Osten ganz andere Variationen kursieren), und nicht zuletzt lieferte er einen Teil der Blaupause zu Bram Stokers “Dracula”. Aufzeichnungen vermuten sein erstes Grab in der Kirche des Klosters einer Insel im Snagov-See. Als man es öffnete, fand man es allerdings leer. Das passt als Grundlage für den Vampirmythos recht gut ins Bild, denn wenn er nicht in seinem Grab liegt, könnte das durchaus bedeuten, dass er noch lebt. In Elizabeth Kostovas vielgerühmten Roman tut er das tatsächlich.

Wenn jemand in der heutigen Zeit zehn Jahre an einem Roman über Dracula schreibt, kann das nur bedeuten, dass sich da jemand in etwas verliert, dem man kaum mehr etwas Neues abgewinnen kann. Zumindest muss das von außen so aussehen. Wir reden hier nicht über einen fast schon alltäglich gewordenen Fantasy-Zyklus über Vampire, sondern über ein ambitioniertes Werk, das seinen Namen “Der Historiker” nicht umsonst trägt. Genau aus diesem Grund musste Kostova so lange recherchieren und schreiben. Das Ergebnis ist erstaunlich und weit entfernt von Teenager-Romanzen und bissigen Horror-Tropen. Wenn auf dem Umschlag zu lesen ist: Der Roman gibt einen vielschichtigen Einblick in 500 Jahre südosteuropäische Geschichte, dann ist das keineswegs gelogen. Kostova geht als Romanautorin exakt so vor, wie ein Historiker das tun würde. Natürlich schlüpft sie dabei in die Rolle ihrer 16-Jährigen Protagonistin, die namenlos bleibt (bis auf einen einzigen Hinweis, der leicht zu überlesen ist), und selbst Historikerin, aber auch Tochter eines Historikers und einer Anthropologin ist.

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Ninegal (Repositorium)

[Eigentlich: Drunten im Hermelin war‘s. Wir kneipten fröhlich, naschten von den rossigen Lippen, tätschelten das feiste Arschfleisch, tranken immer noch was mehr. War‘s noch, daß die Mägdlein lachten und sich auf die Hose setzten für ein Weil der Energie. Da wollt‘ kein Licht Gesichter reißen aus den Schatten in der Luft, kerzenflammend teinted jedwed fremd Entzücken über=All, Musik schwoll aus dem Gläserrücken, Bierverschütten, Händekramen. Gesang marscht aus dem Zähneblecken, Augengecken: nassem Wort; auch ein Kuß auf nackten Arsch. Und später, wenn man’s treiben wollt‘, fiel man betrunken heimwärts.]

[Dann: Da wollt‘ kein Licht Gesichter reißen aus den Schatten in der Luft, kerzenflammend teinted jedwed fremd Entzücken über=all, Musik schwoll aus dem Gläserrücken, Bier verschütten, Händekramen. Gesang marschiert aus Zähneblecken, Augengecken: nasses Wort; auch ein Kuß auf nackten Arsch. Und später, wenn man’s treiben will, fällt man betrunken heimwärts.]

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