Träume im Hexenhaus / H. P. Lovecraft

Das Buch der Geister und Spukhäuser

Walter Gilman, Student der Mathematik und Volkskunde an der Miskatonic University, zieht in ein Dachzimmer des berüchtigten „Hexenhauses“ in Arkham, das als verflucht gilt. Die düstere Geschichte des Hauses wird schon bald offenbar: Es gehörte einst Keziah Mason, einer Hexe, die 1692 aus einem Gefängnis in Salem auf mysteriöse Weise verschwand. Gilman findet heraus, dass zahlreiche Bewohner des Hauses in den letzten zwei Jahrhunderten frühzeitig und unter bizarren Umständen gestorben sind. Besonders auffällig sind die ungewöhnlichen Dimensionen seines Zimmers, das einer unheimlichen, nicht-euklidischen Geometrie zu folgen scheint. Er entwickelt die Theorie, dass diese Struktur Reisen zwischen verschiedenen Dimensionen oder Ebenen des Universums ermöglicht.

Moderne wissenschaftliche Forschungen, insbesondere in den Bereichen Quantenmechanik und Topologie, zeigen erstaunliche Parallelen zu Gilmans Erkenntnissen. Arbeiten über Wurmlöcher, extradimensionale Räume und Multiversum-Theorien bestätigen die damalige fiktive Prämisse auf neue Weise.

Kurz nach seinem Einzug erlebt Gilman verstörende Träume. Er schwebt körperlos durch einen jenseitigen Raum voller unbeschreiblicher Farben, Klänge und fremdartiger Geometrien. In diesen Traumlandschaften begegnet er Wesen, die er instinktiv als intelligente Entitäten wahrnimmt. Dazu gehören schillernde, wuchernde, kugelförmige Blasen und eine sich ständig verändernde polyedrische Figur. Diese Erscheinungen agieren nicht nur eigenständig, sondern verfügen auch über ein verstörendes Bewusstsein.

Noch bedrohlicher sind jedoch seine nächtlichen Begegnungen mit Keziah Mason und ihrem teuflischen Vertrauten Brown Jenkin – einer rattenartigen Kreatur mit einem erschreckend menschlichen Gesicht. Brown Jenkin ist ein groteskes Wesen, das in der Folklore des Hauses immer wieder erwähnt wird. Er ist Keziahs Bote und Vollstrecker ihrer unheiligen Rituale. Er gleitet durch Wände und sucht Opfer auf grausame Weise heim. Gilman beginnt zu zweifeln, ob diese Begegnungen bloße Träume sind oder ob er tatsächlich zwischen den Welten wandelt.

Seine Erlebnisse spitzen sich zu und werden beunruhigend: Er wird in eine bizarre, fremdartige Stadt entführt entführt und bringt eine kleine Statue mit – ein Artefakt aus einem unbekannten Material mit einer seltsamen Legierung, das irdischen Wissenschaftlern Rätsel aufgibt. Die Lage eskaliert, als Gilman im Schlaf im schwarzen Buch des Azathoth unterzeichnet – unter dem Einfluss von Keziah, Brown Jenkin und dem unheilvollen „Schwarzen Mann“, einer Manifestation des niederträchtigen Nyarlathotep. Schließlich wird er in einen entsetzlichen Ritus verwickelt: Er findet sich in einem jenseitigen Raum wieder, wo er gezwungen wird, Azathoth am „Zentrum des Chaos“ zu huldigen und an der Entführung eines Säuglings teilzunehmen. Als er erwacht, entdeckt er Schlamm an seinen Füßen – und eine Zeitungsmeldung bestätigt tatsächlich die Entführung eines Kindes in der vergangenen Nacht.

In der Walpurgisnacht erreicht das Grauen seinen Höhepunkt: Gilman hat einen Alptraum, in dem Keziah und Brown Jenkin das entführte Kind in einem satanischen Ritual opfern wollen. In einem verzweifelten Akt stranguliert er Keziah, doch Brown Jenkin vollendet das Ritual, indem er dem Kind das Handgelenk durchbeißt und dann in einem dreieckigen Abgrund verschwindet. Als Gilman erwacht, vernimmt er ein lautes Geräusch, das ihn fast taub macht.

Er erzählt seinem Mitbewohner Frank Elwood von seinen Erlebnissen, doch in der Nacht wird Elwood Zeuge des ultimativen Horrors: Brown Jenkin frisst sich aus Gilmans Brust heraus. Kurz darauf wird das Haus verlassen und ein Sturm reißt das Dach ein. Jahre später machen Arbeiter bei dem Abriss des Gebäudes verstörende Funde: Keziahs Skelett, zerfallene Bücher der schwarzen Magie, eine Schale aus einem unbekannten Metall sowie Kinderknochen und ein rituelles Opfermesser. Besonders beunruhigend ist die Entdeckung einer deformierten Rattengestalt mit menschenähnlichen anatomischen Merkmalen – das Skelett von Brown Jenkin. Diese Funde werden im Museum der Miskatonic University ausgestellt und stellen die Wissenschaft bis heute vor Rätsel.

Lovecraft ließ sich bei der Geschichte ganz offensichtlich von Willem de Sitters Vortrag zur Größe des Universums inspirieren, den er drei Monate zuvor besucht hatte. De Sitter wird in der Geschichte direkt erwähnt und als mathematisches Genie bezeichnet. Die Erzählung greift Konzepte auf, die auch in Arbeiten von Albert Einstein und Arthur Eddington behandelt wurden – insbesondere die Nutzung höherdimensionaler Räume als Abkürzungen durch den normalen Raum. Das erinnert an Lovecrafts frühere Geschichte „Die Falle“ und zeigt eindeutig sein wachsendes Interesse an der Verbindung von Kosmologie und Horror. Auch Anleihen an Nathaniel Hawthornes unvollendetem Roman „Das Lebenselixier“ sind unverkennbar. (Dieses Fragment wurde später in den „Marmorfaun“ eingearbeitet).

Die Rezeption der Geschichte war gemischt. Zeitgenössische Kritiker empfanden die Handlung als entweder zu vage oder zu explizit. August Derleth bezeichnete sie als „schlecht“ und entmutigte Lovecraft so sehr, dass dieser sie nicht zur Veröffentlichung einreichen wollte. Doch ohne Lovecrafts Wissen tat Derleth es dennoch – und mit Erfolg. „Weird Tales“ veröffentlichte sie. Lovecraft lehnte sogar eine Radioumsetzung ab, da er befürchtete, die öffentliche Wahrnehmung (die über den platten Horror nicht hinaus kam) würde die Geschichte ins Lächerliche ziehen.

Spätere Kritiker bekräftigten Derleths Urteil. Lin Carter bezeichnete die Erzählung als „uninspiriert“, Steven J. Mariconda sprach von einem „großartigen Scheitern“, und S. T. Joshi nannte sie „eine der schwächsten späten Arbeiten Lovecrafts“. Viele monierten eine unzureichend durchdachte Handlung, die lediglich eine lose Abfolge bizarrer Bilder biete.

Neuere Bewertungen fallen eindeutig positiv aus, denn tatsächlich wird Lovecrafts kosmischer Horror hier so rein wie nie zuvor dargestellt. Michel Houellebecq zählt Träume im Hexenhaus ebenfalls zu den „großen Texten“ Lovecrafts und ordnet sie in den „definitiven vierten Kreis“ seines Werkes ein. Die Geschichte ist ein herausragendes Beispiel für Lovecrafts Ambition, Horror mit modernen wissenschaftlichen Theorien zu verbinden.

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    Szene vom Originalcover; Algonquin Young Readers

    In „Das Geheimnis des Glockenturms“ stößt unsere Ermittlerin auf ihren ersten ungeklärten Fall aus der Vergangenheit, etwas, das sich als Cold Case in unseren Jargon gearbeitet hat. Vor Jahren verschwand eine Studentin des örtlichen Colleges unter mysteriösen Umständen, und es wurde nie eine Spur von ihr gefunden. Ein Mord zu Beginn des Romans erinnert an dieses alte Geheimnis, und Myrtle, Miss Judson und die Katze Peoney machen sich auf den Weg, um eine verwickelte Geschichte von Geheimgesellschaften, kryptischen Botschaften, lang vergrabenen Geheimnissen und einem auf Rache sinnenden Mörder zu entwirren.

    Diese Folge spielt in der Weihnachtszeit in Myrtles kleinem englischen Dorf Swinbourne. Festtagskrimis haben eine lange Tradition in der Kriminalliteratur, und viele unserer modernen Festtagsbräuche haben ihren Ursprung im viktorianischen Zeitalter.

    Myrtle ist immer noch so impulsiv, entschlossen und unnachgiebig wie eh und je. Aber nachdem sie nun bereits mit mehreren Morden konfrontiert wurde, hat sich ihre Sicht auf die menschliche Natur definitiv erweitert. In mancher Hinsicht scheint sie verständnisvoller zu sein, aber manchmal ist sie sogar noch misstrauischer gegenüber jedem. Jeder, dem sie begegnet, scheint mörderische Absichten zu haben. In „Das Geheimnis des Glockenturms“ wird Myrtle in ihren bisher persönlichsten Fall hineingezogen, in dem es auch um ihre verstorbene Mutter geht. Myrtle ist in einem Alter, in dem sie beginnt, ihre Eltern als Menschen mit Vergangenheit und Geheimnissen zu sehen, und vielleicht auch mit weniger liebenswerten Eigenschaften. Sie lernt ihre verstorbene Mutter hier aus einer anderen Perspektive kennen.

    Die Myrtle-Hardcastle-Krimis bringen jungen Lesern nicht nur den Spaß an klassischen Detektivgeschichten nahe, sind aber so hervorragend geschrieben und recherchiert, dass sie auch von erwachsenen Liebhabern der gemütlichen Krimis mit Gewinn gelesen werden können. Zum Beispiel sind den einzelnen Kapiteln wie gewohnt Auszüge aus Myrtle Hardcastles Handbüchern vorangestellt. Das sind in jedem Buch andere und in diesem Roman konsequenterweise jene mit dem Titel „Die moderne Julzeit – Ein historischer und wissenschaftlicher Diskurs über Weihnachten & seine altehrwürdigen Traditionen“. Myrtle gibt auch gleich das Datum an, wann sie dies notiert hat, nämlich 1893.

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