Die Blaupause des Spionagethrillers: Die neununddreißig Stufen

Im August 1914, dem Monat, in dem Großbritannien in den Krieg eintrat, begann John Buchan mit der Niederschrift eines Romans, der als Blaupause für Spionagethriller in die Geschichte eingehen sollte: Die Neununddreißig Stufen. Als das Buch im Oktober 1915 veröffentlicht wurde, war es sofort ein Erfolg, nicht zuletzt bei den Soldaten an der Front: “Das ist genau die Art von Literatur für uns”, schrieb ein Offizier dem Autor.

Es wird vermutet, dass die Erstausgaben deshalb so selten zu bekommen sind, weil die meisten von ihnen im Schlamm Frankreichs verloren gingen. Das Buch, das Buchan nonchalant als “Schocker” abtat, veränderte sein Leben, und Hitchcocks Film von 1935, in dem der Inhalt massiv verändert wurde, zementierte es endgültig in der öffentlichen Vorstellung. Richard Hannay, der Held der Geschichte, wurde zum Inbegriff für Mut und Einfallsreichtum unter Druck.

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Huckleberry Finn (Der Aussteiger)

Wie viele herausragende Ikonen ist auch Huckleberry Finn eine zutiefst amerikanische. Die Zeiten, in denen man die Figur halbwegs auch bei uns verstehen konnte, sind anscheinend vorbei, und doch führen seine Spuren durch die gesamte Kultur der westlichen Welt. Seine ursprüngliche Wildheit und Seltsamkeit mag Huck im Laufe der Zeit wohl verloren haben, er hat der heutigen Zeit jedoch mehr zu sagen, als man vermutet.

Ein Jahrhundert voller Filme, Cartoons, Comics, versteckter und weniger versteckter Anleihen in Romanen, sagt vor allem eines aus: wie frei und unschuldig die Kindheit früher war. Aber es gab auch im viktorianischen Amerika Banden, Schulschießereien und die Ängste der Eltern, dass ihre Kinder der gewalttätigen Popkultur ausgeliefert sind. Mark Twain schrieb über all das. Für heutige Eltern, die sich um ihre Kinder und deren Kontakt zu dekadenten Medien sorgen, sich über die Natur oder eine standardisierte Bildung Gedanken machen, ist Huck Finn kein Rückfall in eine unschuldigere Zeit, sondern erinnert sie nur daran, dass die gleichen Debatten seit mehr als einem Jahrhundert stattfinden.

Huckleberry Finn With Rabbit

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Der Graf von Saint Germain – Der Unsterbliche

Wer war der Graf von St. Germain? War er unsterblich oder gar ein Zeitreisender? Außer ihm selbst weiß das wohl niemand. Tatsache ist, dass er seine Zuhörer oft in Erstaunen versetzte, wenn er Erfindungen beschrieb, die im 18. Jahrhundert noch unbekannt waren – die Eisenbahn und das Dampfschiff. Woher wusste er davon?

Der Graf von Saint Germain gilt als berühmter Abenteurer des 18. Jahrhunderts, der in ganz Europa als „der Wunderliche“ bekannt war. Über seine Abstammung ist nichts Genaues bekannt, auch sein Tod liegt im Dunkeln. Voltaire, ein Zyniker, der sich nicht leicht beeindrucken ließ, charakterisierte ihn – im Angesicht Friedrichs des Großen – als „den Mann, der alles weiß und nie stirbt“.

Nach Zeugenaussagen lebte er mindestens zweihundert Jahre und hatte sein Aussehen kaum verändert.

Der Graf tauchte plötzlich aus dem Nichts auf. Sein Leben lang umgaben ihn Intrigen und Gerüchte über magische Kräfte. Er soll über achtzig Pseudonyme gehabt haben, und auch der Name Saint Germain war wahrscheinlich nicht sein richtiger.

Zum ersten Mal taucht er 1710 auf, bezeugt durch den Komponisten Jean-Philippe Rameau und die junge Gräfin von Geordie, die ihn als einen Mann von vierzig bis fünfundvierzig Jahren beschreiben. Über die folgenden zwei Jahrzehnte ist kaum etwas bekannt, außer dass er ein enger Vertrauter von Madame de Pompadour war und großen Einfluss in den Freimaurerlogen und anderen Geheimbünden seiner Zeit hatte.

Zwischen 1737 und 1742 hielt sich Saint Germain am Hofe des Schahs von Persien auf, wo er vermutlich einen Teil seiner umfangreichen Kenntnisse über Diamanten erwarb. 1743 erschien er am Hof von König Ludwig XV. und war für seinen großen Reichtum und seine alchemistischen Fähigkeiten berühmt. Er selbst behauptete, den Stein der Weisen gefunden und Diamanten hergestellt zu haben sowie in den Himalaya gereist zu sein, um die Menschen zu finden, die „alles wissen“. Er fügte hinzu, dass „man in den Pyramiden studiert haben muss, wie ich es getan habe“, um hinter sein Geheimnis zu kommen. Er sagte auch, dass er durch den Weltraum gereist sei. „Ich bin eine sehr lange Zeit durch den Weltraum geflogen. Ich sah Kugeln, die Welt drehte sich um mich und zu meinen Füßen“. Bei einer anderen Gelegenheit sagte er: „Ich reiste durch die Zeit und fand mich unbewusst in fernen Ländern wieder. „

Der Graf galt als Visionär – er erzählte von Erfindungen aus der Zukunft. Er konnte sich vor Zeugen unsichtbar machen und plötzlich erscheinen, wann und wo er wollte.

1744 wurde der Graf in England wegen Spionage verhaftet, aber nach einem Verhör wieder freigelassen. In den Jahren 1745 und 1746 lebte er am Wiener Hof wie ein Fürst und war „geistreich und hochbegabt“. Er wurde nicht nur als sehr reich beschrieben, sondern sprach neben mehreren europäischen und arabischen auch orientalische und klassische Sprachen und war ein ausgezeichneter Geigen- und Klavierspieler. Außerdem war er Vegetarier und trank nur gelegentlich Wein.

Den Höhepunkt seines Ruhmes erreichte er zwischen 1747 und 1760 am Hof Ludwigs XV., vor dem er Diamanten schliff und vermehrte. Dort wurde ihm ein Labor für seine alchemistischen Experimente zur Verfügung gestellt. Die siebzigjährige Gräfin von Geordie war sehr überrascht, dass Saint Germain noch genauso aussah wie bei ihrer Begegnung vor fünfzig Jahren.

Von 1762 bis etwa 1773 erschienen in ganz Europa Berichte über seinen wissenschaftlichen und politischen Werdegang: „Ein außergewöhnlicher Mann, der Eisen in ein Metall verwandeln konnte, das für die Arbeit des Goldschmieds mindestens so gut und schön ist wie Gold“.

In Venedig besaß er eine Fabrik mit hundert Arbeitern. Das Unternehmen beschäftigte sich mit der Herstellung von Leinen, das wie Seide aussah.

Zwischen 1774 und 1784, nach dem Tod Ludwigs XV., warnte er Ludwig XVI. und Marie Antoinette vergeblich vor einer „Riesenverschwörung“, auf die er durch seine Einblicke in Freimaurer- und Illuminatenkreise aufmerksam geworden war.

Danach lebte er hauptsächlich in Deutschland. Dort soll er sich zusammen mit seinem Schüler und Gönner Prinz Karl von Hessen-Kassel in Freimaurer-, Rosenkreuzer- und Templerkreisen engagiert haben.

Am Hof von Karl von Hessen-Kassel erkannte der Graf erstmals, dass er alt wurde. Am 27. Februar 1784 soll er plötzlich in den Armen zweier Mägde gestorben sein, die Beerdigung soll am 02. März 1784 stattgefunden haben, was auch in den Kirchenbüchern von Eckernförde vermerkt ist. Doch als sein Sarg einige Tage später wieder geöffnet wurde, war er leer!

Es folgte sein von zahlreichen Zeugen bestätigter Auftritt bei einer großen Versammlung von Okkultisten am 15. Februar 1785 in Wilhelmsbad – darunter Freimaurer, Illuminaten und Geisterbeschwörer -, bei der die unterschiedlichen Auffassungen der Logen geklärt werden sollten. Er erschien dort in Begleitung des berühmten italienischen Abenteurers und Alchemisten Cagliostro, des Wiener Arztes Franz Mesmer, der auch als Begründer des „animalischen Heilmagnetismus“ (Mesmerismus) gilt, und des französischen Schriftstellers und Philosophen Louis Claude Saint Martin.

1788 lebte er wieder hauptsächlich in Frankreich und warnte den Adel vor der bevorstehenden Revolution. Doch auch hier wurde er nicht ernst genommen. 1789 reiste er nach Schweden, um König Gustav III. vor einer möglichen Krankheit zu schützen.

Er schien die Menschen, mit denen er verkehrte, über den inneren Sinn des Lebens zu belehren und sie – da er die bevorstehende Revolution voraussah – mit der Aussicht auf die feinstoffliche Welt – das Leben nach dem Tod – zu trösten.

Marie Antoinette sagte er 1793 Tag und Stunde ihres Todes voraus. Die Königin selbst bezeugte, dass der Graf mit seinem Seelenleib (Astralleib) in ihrer Zelle erschien und ihre Seele aufrichtete, indem er ihr die Gewissheit eines glorreichen Lebens im Jenseits gab, was ihr die edle Würde verlieh, als sie die Guillotine bestieg.

Urban Fantasy – Teil 2: Geburt eines Genres

Im vorigen Beitrag sprachen wir über die Definition der urbanen Fantasy und ihren Ursprüngen. Nun wollen wir mal sehen, wie dieses Genre entstanden ist und warum es so populär wurde.

Charles de Lint, der Pionier der urbanen Fantasy

Das allererste Werk der Urban Fantasy war wahrscheinlich der 1984 erschienene Roman „Moonheart: A Romance“ von Charles de Lint. Den Begriff Urban Fantasy gab es damals allerdings noch nicht. Urban Fantasy wurde 1997 von John Clute und John Grant in ihrer Encyclopedia of Fantasy als Texte definiert,

„in denen die phantastische und die herkömmliche Welt interagieren, sich kreuzen und zu einer Geschichte verschränken, die sich signifikant um eine reale Stadt dreht.“

Ironischerweise war die Serie, die das Genre begründete, nicht in einer realen Stadt angesiedelt, sondern in einer imaginären. Newford, das von Charles de Lint erfunden wurde, stellt eine typisch amerikanische Stadt dar, mit seinen wohlhabenden Wohngebieten und Slums, seinen Stränden und Brachflächen und natürlich seinem ausgedehnten Netz von unterirdischen Tunneln. Die Newford-Serie begann mit der Kurzgeschichte „Uncle Dobbin’s Parrot Fair“, die 1987 zum ersten Mal in Isaac Asimovs Science Fiction Magazin erschien. 1993 wurden mehrere Kurzgeschichten von Charles de Lint, alle in Newford angesiedelt, von Terri Windling zusammengestellt und unter dem Titel „Dreams Underfoot“ veröffentlicht.

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Urban Fantasy – Teil 1: Die Quellen des Genres

Was ist Urban Fantasy?

„Das Göttliche. Das Verrückte. Das Fantastische oder sogar das Spirituelle. Wie auch immer der Begriff lautet, die Menschen haben ein tiefes Bedürfnis, eine größere Realität jenseits unserer weltlichen Existenz zu erblicken.“

Diese Aussage von Damien Walter besagt, dass die urbane Fantasy das Fantastische ins Alltägliche überführt – das ist gleichzeitig auch die kürzeste Definition des Genres, die man sich denken kann. Mit anderen Worten: Die urbane Fantasy bringt Mythologie und Überlieferung in einem modernen Rahmen zur Geltung. Und es war Charles de Lint, der dieses Genre Anfang der 90er mit ins Leben rief.

Urban Fantasy ist ein junges, lebendiges Genre der spekulativen Literatur, das erst in den letzten Jahren zur Reife gelangt ist.

Besonders beliebt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, gibt es mittlerweile jedoch auch die sogenannte Adult Urban Fantasy. An sich ist es ein hybrides Subgenre an der Schnittstelle zwischen Fantasy, Horror, Science Fiction, Hardboiled-Krimis, Thriller und Romantik. Man könnte auch sagen, dass die urbane Fantasy ein Liminalgenre ist und dort zur Blüte gelangt, wo sie sich mit anderen Genres trifft, an der Grenze zwischen Alltäglichem und Phantastischem, Natürlichem und Übernatürlichem, zwischen Technik und Magie. Jede dieser Geschichten beinhaltet einige übernatürliche Wesen und / oder Menschen mit magischen Fähigkeiten, die ihre Wurzeln aber immer auch in der Realität haben.

Einige urbane Fantasy-Serien sind in naher Zukunft angesiedelt oder in einer alternativen Realität, in der übernatürliche Kreaturen der Welt ihre Existenz offenbaren. In True Blood, der TV-Serie, die von Charlaine Harris‘ Sooki-Stackhouse-Serie inspiriert wurde, erlaubte die Erfindung des synthetischen Blutes den Vampiren, friedlich mit den Menschen zusammenzuleben – zumindest theoretisch. In dieser Serie finden wir die üblichen übernatürlichen Kreaturen, die man in einer Fantasy-Geschichte erwarten kann: Feen, Vampire, Werwölfe, Gestaltwandler, Dämonen usw.. Andererseits scheut die Serie keine wirklichen sozialen Probleme: Drogenmissbrauch, Rassismus, religiöser Fanatismus und Intoleranz im Allgemeinen.

In einigen urbanen Fantasy-Serien existiert das Übernatürliche am Rande der menschlichen Gesellschaft, und paranormale Kreaturen koexistieren mit Menschen, ohne unsere Gesellschaft zu bedrohen. In anderen Serien jedoch bedroht das Übernatürliche das Überleben unserer Zivilisation. In der Serie Stadt der Finsternis von Ilona Andrews zum Beispiel zerreißt Magie das Gewebe unserer technologischen Gesellschaft und zwingt den Menschen zur Anpassung. In dieser nahen, postapokalyptischen Welt gehört das, was früher als übernatürlich galt, heute zum Alltag.

Elfen spielen Gitarre in Rockbands, Goblins durchstreifen die unterirdischen Tunnel unserer Städte, und die Toten steigen aus den Gräbern, um die Lebenden zu quälen oder zu verführen. Diejenigen, die auf dieses Genre herabsehen und es als bloßen Eskapismus abtun, wären überrascht, wenn sie etwas über seine Quellen erfahren würden. Ja, meine Damen und Herren, wie wir sehen werden, ist die urbane Fantasy von nobler Abstammung!

Der Unterschied zwischen Urban Fantasy und Paranormaler Romantik

Gibt es einen Unterschied zwischen urbaner Fantasy und paranormaler Romantik? Das ist eine strittige Frage. Theoretisch sind das verschiedene Genres, aber in Wirklichkeit ist es schwierig, sie zu trennen. Jim Butchers Serie Die dunklen Fälle des Harry Dresden ist zweifellos urbane Fantasy, während die Black Dagger-Serie von J. R. Ward gewöhnlich zu den paranormalen Romanzen gezählt wird. Aber was ist zum Beispiel mit der Mercy Thompson-Serie von Patricia Briggs? Viele Buchreihen, die zum Genre der urbanen Fantasy gehören, haben auch eine gehörige Portion Romantik unter ihren Hauptbestandteilen, aber das ist nicht immer der Fall.

Grundsätzlich ist urbane Fantasy für jeden, der eine gute, fantasievolle Geschichte zu genießen weiß, unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung oder ethnischer Zugehörigkeit. Das Genre ist so vielfältig, dass jeder in der Lage sein sollte, Urban Fantasy, die seinem Geschmack entspricht, zu finden.

Die Quellen der Urban Fantasy

Der Pionier der heutigen urbanen Fantasy war Charles de Lint, ein Schriftsteller, Poet, Folklorist, Künstler, Songwriter und Performer (laut seiner offiziellen Biographie). Sein erster Roman Moonheart: A Romance erschien 1984, so dass wir dieses Jahr als Ausgangspunkt unserer Zeitreise betrachten können.

Der unmittelbarste Vorläufer der urbanen Fantasy war die Horrorgeschichte, insbesondere der Vampirroman, wie ihn z.B. Anne Rices in ihren Vampire Chroniken (beginnend mit Interview mit einem Vampir, 1976) etabliert hat. Tatsächlich ist es schwierig zu sagen, wo das Vampir-Subgenre endet und die urbane Fantasy beginnt. Horrorliteratur bringt ebenfalls mythologische Kreaturen in einem modernen Setting unter. Der Hauptunterschied liegt in der Atmosphäre der Geschichten; während Horrorliteratur sich auf das Schreckliche und Makabre konzentriert, ist die urbane Fantasy in der Regel leichter im Ton und legt mehr Wert auf Weltenbau.

Die Entwicklung der traditionellen Fantasy in den 60er und 70er Jahren trug ebenfalls dazu bei, den Weg für die urbane Fantasy zu ebnen. Einige Autoren begannen, Science Fiction und Fantasy, Technologie und Magie zusammenzubringen. Bemerkenswert waren in dieser Hinsicht die Amber-Chroniken von Roger Zelazny (1970), die mit Corwin beginnen, der in einem Krankenhaus in New York aus dem Koma erwacht. Er hat Amnesie, findet aber bald heraus, dass er nicht von der Erde stammt. Er ist Mitglied einer übermenschlichen Königsfamilie, die über eine Welt namens Amber herrscht. Ebenfalls findet er heraus, dass unsere Realität nur ein „Schatten“ von Amber ist, und dass es unendliche Parallelwelten gibt, die „Schatten“ genannt werden, durch die die Fürsten von Amber zu reisen vermögen.

Dank Autorinnen wie Ursula Le Guin und Anne McCaffrey traten damals weibliche Protagonistinnen in Fantasy-Geschichten auf. Überhaupt begannen Frauen eine aktivere Rolle in der Fantasy zu spielen und waren nicht mehr nur Mädchen in Not, die darauf warteten, aus irgendeinem Kerker gerettet zu werden.

Die Romantische und Viktorianische Ära

Gehen wir nun noch etwas weiter zurück in die viktorianische Zeit. Dort finden wir viele Bücher mit magischen Objekten oder Kreaturen wie Geistern, Vampiren oder übernatürlichen Doppelgängern. Einige dieser Bücher wurden zu Klassikern, z. B. Sheridan Le Fanus In a Glass Darkly (1872), Robert Louis Stevensons Dr. Jekyll und Mr. Hyde (1886), Oscar Wildes Das Bildnis des Dorian Gray (1891), Arthur Machens Der große Gott Pan (1894), Bram Stokers Dracula (1897), und Henry James‘ Die Drehung der Schraube (1898).

Dieses Interesse am Übernatürlichen war nicht neu. Wenn wir weiter in der Zeit zurückgehen, stellen wir fest, dass sich auch romantische Autoren für das Phantastische interessierten. Das Chagrinleder (1831) von Honoré de Balzac ist ein gutes Beispiel dafür. Aber auch Theophile Gautiers Novelle Die tote Geliebte (1836). Hier wird die Geschichte einer wunderschönen Frau erzählt, die in Wirklichkeit ein Vampir ist und sich in einen Priester verliebt. Kann man ein besseres Beispiel paranormaler Romantik des 19. Jahrhunderts finden?

Jetzt erreichen wir das 18. Jahrhundert, stoppen unsere Zeitmaschine und sprechen über den Schauerroman. Diese Art von furchterregenden Geschichten gewannen in den 1780er Jahren an Popularität, erreichten im Jahr 1800 ihren Höhepunkt und fielen 1820 allmählich wieder in Ungnade. Der gotische Roman war mehr als der Vorläufer der Horrorliteratur – er legte den Grundstein für alle Genres, die wir gemeinsam als „spekulative Fiktion“ kennen, einschließlich der Fantasy. Der gotische Roman hat viele Ähnlichkeiten mit der urbanen Fantasy: das Eindringen des Übernatürlichen in den Alltag, die ständige Präsenz von Spannung und Angst, und – wichtig – weibliche Protagonisten. Der Hauptunterschied besteht darin, dass gotische Schauergeschichten meist im Mittelalter angesiedelt waren, während urbane Fantasy-Geschichten in der Gegenwart oder der nahen Zukunft spielen.

Jetzt sind wir in der Vergangenheit rund 250 Jahre gereist. Ist unsere Reise etwa vorbei? Nicht ganz! Ziehen wir noch einmal am Hebel und wagen uns noch ein Stück weiter. Das Rad der Zeit dreht sich und führt uns ins Mittelalter. Auch dort finden wir Werke, die der urbanen Fantasy ähneln.

Okay, nicht „urban“ im modernen Sinne. Dennoch finden wir Geschichten, Gedichte und Balladen, die uns von magischen Kreaturen oder Gegenständen erzählen, die den Alltag der Menschen durcheinanderbringen. Arthurianische Legenden sind das berühmteste Beispiel dafür. Wer ist schon davon überzeugt, dass Chrétien de Troyes wirklich an die Existenz von magischen Bechern glaubte, als er mit dem Parzival die Gralsgeschichte schrieb? Wahrscheinlich nicht mehr als Neil Gaiman an die Existenz eines unterirdischen London glaubt (oder glaubt er das vielleicht doch?) Für mittelalterliche Autoren war der Gral ein Symbol, eine Metapher, und ich sehe nicht, warum wir die Geschichten über Parzival nicht als eine mittelalterliche Form der Fantasy betrachten sollten.

Unsere Reise geht weiter. Wenn wir weiter in der Zeit zurückgehen, wird es immer schwieriger, Mythologie und Fantasy voneinander zu trennen. Die Römer zum Beispiel nahmen die Religion sehr ernst, da sie Teil ihres Alltagslebens war. Für die Griechen war Herkules keine fiktive, sondern eine historische Figur. Die Menschen glaubten wirklich an Sirenen, Geister und Feen. Hier finden wir die wahren Ursprünge der Fantasy, nämlich den Glauben, dass es neben der Welt, wie wir sie kennen, eine andere Realität gibt, ein magisches Reich, in dem alles möglich ist.

Zusammenfassung

Was haben wir von unserer Reise mitgebracht? Wir haben gelernt, dass die urbane Fantasy zwar ein junges Genre ist, ihre Wurzeln aber bis ins Mittelalter und in die Antike zurückreichen. Sie ließ sich von einigen der größten literarischen Werke der Geschichte inspirieren: dem Gilgamesch-Epos, den Metamorphosen des Ovid, dem Beowulf, dem Parzival von Chrétien de Troyes, Shakespears Sommernachtstraum, und anderen Klassikern.

Auf einer tieferen Ebene können wir sagen, dass die urbane Fantasy ein Genre ist, das uns mit unserer fernen Vergangenheit verbindet. Indem wir die Türen unserer Städte für das Magische und das Phantastische öffnen, hilft uns die urbane Fantasy, die Kulturen unserer Vorfahren zu entdecken, sie verständlicher und für moderne Leser attraktiv zu machen.

Im nächsten Beitrag werden wir über die Entstehung der urbanen Fantasy sprechen und sehen, wie es einer Handvoll Autoren gelungen ist, eines der populärsten Genres der Geschichte zu erschaffen.

Die drei ??? und das Gespensterschloss / Robert Arthur

Kommen wir noch einmal zu den drei Fragezeichen zurück. Am Anfang (und zu seiner Zeit) war das eine verdammt gute Serie von Robert Arthur, und neben Miss Marple und Sherlock Holmes sicherlich eine der Buchreihen die mich zum Krimi gebracht haben. Insgesamt gibt es 43 Originalbücher, die von 1964 bis 1987 erschienen sind, bevor die drei Detektive zu einer rein deutschen Angelegenheit wurden. Allerdings hören die guten Abenteuer ab Band 29 auf.

Die Grundidee, die Mitte der 60er Jahre das Licht der Welt erblickte, war, dass drei Jugendliche eine Detektei gründen. Sie hießen Jupiter Jones, Bob Andrews und Peter Crenshaw. Ihr Hauptquartier befindet sich auf dem Schrottplatz von Jupiters Onkel Titus in Rocky Beach.

Findet mir eine Gespensterschloss!

Rocky Beach liegt in einer Ebene, die auf der einen Seite vom Meer und auf der anderen von einer Bergkette begrenzt wird, unweit von Los Angeles. Die Stadt selbst ist fiktiv, obwohl es ein echtes Rocky Beach im Indischen Ozean gibt, das heute allerdings Gilchrist Beach heißt. Und natürlich heißen die drei Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Die Hörspiele mit den drei Fragezeichen sind Kult, auch wenn sie nur rudimentäre Versionen der Bücher enthalten und nicht alle Bücher gleich gut sind, aber es lohnt sich, sie noch einmal zu entdecken. Die Abenteuer begannen mit dem Gespensterschloss, das 1964 im Original und vier Jahre später auch bei uns erschien. Es ist nicht gerade das beste Buch über die drei Detektive, aber immerhin das erste. Natürlich geht es um ihre blutigen Anfänge. Sie drucken ihre berühmten Visitenkarten und haben am Anfang noch nichts mit Alfred Hitchcock zu tun, der ihnen später immer wieder Fälle schickt. Er ist zunächst nicht begeistert, als sie sich in sein abgeschirmtes Studio einschleichen, um für ihn ein Geisterhaus für einen seiner Filme zu finden.

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Lord Dunsany – Die Nacht ist groß und voller Wunder

In dem Stück “The Laughter of the Gods” des irischen Schriftstellers Lord Dunsany (Edward Plunkett) kann man folgende Zeile lesen:

“Ein Mensch ist eine sehr kleine Sache, und die Nacht ist sehr groß und voller Wunder.”

Man wird hier sehr kurz stutzen, denn irgendwie kommt einem dieser Satz bekannt vor, und dann hat man es herausgefunden. Er erinnert an die Beschwörung der Priesterin Melisandre in George R.R. Martins Lied von Eis und Feuer: Die Nacht ist dunkel und voller Schrecken. Es besteht kein Zweifel daran, dass Martin mit Dunsanys Werk vertraut ist, und diese Ähnlichkeit ist durchaus beabsichtigt. Martin, wie viele wahrscheinlich wissen, liebt es, uns in Ein Lied von Eis und Feuer gelegentlich schräge Anspielungen auf die Werke anderer Autoren unterzujubeln. H.P. Lovecraft ist einer der Autoren, die von Martin solche Anspielungen erhalten haben, und Martin war zweifellos ein Anhänger von Lord Dunsany.

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Yuggoth und die Mi-Go

Zahlreiche Texte, die dem chaotischen Universum von Lovecrafts Cthulhu-Mythos gewidmet sind, sprechen von der geheimnisvollen Welt Yuggoth, aus der die Mi-Go gekommen sein sollen, um die Erde zu kolonisieren.

Für viele ist Yuggoth der transneptunische Himmelskörper, der als Pluto bekannt ist. Er wurde 1930 von Astronomen entdeckt, im selben Jahr zum neunten Planeten des Sonnensystems erhoben und 2006 zum Zwergplaneten im Kuipergürtel degradiert. Pluto ist je nach Umlaufbahn zwischen 2,6 und 4,7 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt.

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Die Hand des Ruhmes

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Photo Credit: Hulton Archive / Getty Images

Vielleicht kennt ihr diese scheußlichen magischen Gegenstände – abgetrennte Hände von teuflischen Menschen, die in Salzlake eingelegt und getrocknet zu Talismanen verarbeitet werden. Solche Gegenstände tauchen häufig in Rollenspielen wie Dungeons & Dragons auf und geben den Charakteren einen zusätzlichen Bonus. Die Ruhmeshand hat jedoch eine lange Geschichte in Folklore, Mythen und Fakten – und ihr werden weitaus unheimlichere Kräfte nachgesagt als nur eine kleine Spielerei zu sein.

Die Idee der volkstümlichen Ruhmeshand reicht mindestens bis ins 16. Jahrhundert zurück, wo sie in Zauberbüchern wie dem Kleinen Albert von 1722 und dem Compendium Maleficarum, einem 1608 in Italien erschienenen Handbuch für Hexenjäger, erwähnt wird. Die Methoden zur Herstellung der Hand variieren ebenso wie ihre angeblichen magischen Eigenschaften, aber praktisch alle enthalten die abgetrennte Hand eines gehängten Verbrechers oder manchmal die abgetrennte Hand eines toten Kindes.

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All die toten Dichter (2)

Und der Sterbliche steht da mit nassen, aber stumpfen Augen neben der überirdischen Szene, eingesponnen von Geisterraupen.

Ein Buch, vielblättriges Klee. Ein Buch, mit wilden Ergänzungen, neugefundenes Land, Noval-Acker im Broca-Hirn. Du musst – ich kann’s nicht mehr, sagt Richter, schiebt die Buttensuppe etwas unsauber zur Seite und fragt nach einem Humpen Bayreuther Bier, während die anderen die Tapeten befummeln.

„Brauchen die etwa Stifte?“

Und Schang dreht sich zu Hardenberg und Tieck. „Vielleicht fehlt ihnen der persönliche Bezug zur Tafel, die du feilhältst. Und ich bin’s nun auch leid. Es ist mitnichten angenehm, durch den Nebel zu schwirren, der ja von keinem Stoffe daran gehindert wird, in direkter Weise das Gemüt einzunässen. So ist’s als Geist. Wir hatten noch kurz vorher ein Gespräch, wie es denn wohl gewesen wäre, wenn man Lenzens Reformplan des Militärwesens in Weimar angenommen hätte, der aus einem kühnen Amazonenkorps von ledigen Edelhuren bestehen sollte, als die Nebulnis auch gleich nachließ und uns alle an ein Gasthaus denken ließ, das sich da wie ein zerrissener Traum auftat. Denk an, wir schliefen bis heut‘, und träumten, was wir jetzt würklich vor uns sehen. Eindrucksvoll und garstig. Gib ihnen Stifte, mir bitte einen Humpen! Alles ist mir recht, nur golden muss das Flüsschen sein!“