Vampyradonna

»Wie soll ich dich denn lieben, wenn du mich andauernd beißt?!« 

Die Vampirin sieht ihn fragend an, hilflos und nackt; die Erschöpfung ihres Mundes, ihrer Lippen, mit Brüsten schneeweiß, sticht aus ihrem Gesicht. 

»Schau dir diese Sauerei nur an!« Er hält seinen Arm vom Körper abgespreizt und sie schaut dem permanenten Tropfen zu. Im ersten Moment weiß sie nicht, was ihm denn diesen Glanz aus den Augen raubt, der sie überhaupt erst veranlasst hatte, ihm zu folgen. Ist es das herausrinnende Blut vielleicht? Ja, sein Blut hat anderes zu tun, als seinen Schwanz wieder aufzurichten. Es geht um sein Leben, um ein Leben, das sie nicht kennt. 

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Die Straße Malheur

Von meinem Platz aus konnte ich die Straße gut einsehen, während ich am Fenster sitzend Kaffee trank und hin und wieder etwas Gebäck zwischen meine Lippen nahm, mehr aus Gewohnheit, denn schon seit längerer Zeit plagte mich das Unwohlsein gegenüber jeder Nahrung, die zwar zum Erhalt gedacht mir dennoch wie der Versuch einer Selbstvergiftung erschien. So aß ich kaum mehr etwas, dessen Geschmack sich eindeutig bestimmen ließ. Geschmäcker verwirrten mich und ließen mich an der Entscheidung zweifeln, was wirklich zu schmecken war. Meine Parageusie trat besonders in meinen nervösen Zeiten auf, in denen ich selbst in einem Glas Wasser mehr entdeckte als ich eigentlich wollte. Rost, Kalk und der Geschmack von Chitin, auch wenn man annimmt, dieser Stoff reize die Geschmacksknospen nicht, waren dann die Hürden, die ich während einer hypersensiblen Phase zu überwinden hatte, um mich am Leben zu halten.

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Modellbau

»Das sieht alles so roh und verletzlich aus …«
»Nunja, es ist ja auch frisch geschlachtet.« Ogreiner grinst sein fleischiges Mundwerk zur Kundin hin. Im Hintergrund die Poster mit den Hellebarden, eins mit dem Porträt des alten Perdix, Sägemotoren zu seinen Füßen. Im Öl schwimmen Rinderhüften, Haut, Horn. Auf einem großen abgeschabten Holztisch Schlachtschussapparate, eine Wanne voll Blut, auf der einige blau perlende Blasen wippen, zumindest sieht das so aus. Die Knochen … »wenn Sie die nicht zerhacken, können wir sie wieder zusammenbasteln. Die Kinder hätten ihre Freude daran, wollten schon immer ein Skelett. Klar, die Kuh ist ziemlich groß (oh ja), die paßt nicht in ein Kinderzimmer … Wissen Sie, wir haben ja beide Bankert in nur einem Zimmer unterbringen können (verstehe), andererseits wäre es doch mal was anderes …«
»Ich kann Ihnen aber auch ein Kalb von den Knochen schälen, wenn Sie das …«
Sie schürzt die Lippen, ihr Atem will raus. »Ich hätte da aber eine Bitte. Wenn es Ihnen nichts ausmacht.«

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Wanderung durch Innsmouth

Was würde ein Besucher in den Straßen von Innsmouth vorfinden, kurz bevor die Stadt von den Soldaten eingenommen wurde, die den Angriff anführten? Nun, dies ist ein kurzer visueller Führer zu einigen der interessantesten Sehenswürdigkeiten von Innsmouth mit Kommentaren aus den Tagebüchern von Besuchern, die sich kurz vor dem Fall der Stadt dort aufhielten.

Bus nach Innsmouth
Der einzige Bus zwischen Arkham und Innsmouth.

Ein einziger Bus verkehrte täglich auf der Strecke Arkham – Innsmouth; ein schlammiges Fahrzeug in einem heruntergekommenen Zustande und ohne den geringsten Komfort.

Ein einziger Bus verkehrte täglich auf der Strecke Arkham – Innsmouth. Es war ein schlammiges Fahrzeug in einem heruntergekommenen Zustand, ohne den geringsten Komfort. Ein rumpelndes Transportmittel, das endlos lärmend über die verschlungenen, unbefestigten Straßen knarrte, die dem Manuxet folgten.

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Innsmouth – Die geheime Geschichte

Die geheime Geschichte von Innsmouth – Geheimnisse, die nur wenige über die grausame Stadt erzählen

Die wahre Geschichte von Innsmouth bleibt unter einem Schleier des Grauens und der Blasphemie verborgen. Der aber wollen wir uns heute widmen, nachdem wir uns in Innsmouth – Die offizielle Geschichte – bereits angeschaut haben, wie man sie diese in der Öffentlichkeit zurecht gelegt hat.

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Innsmouth – Die offizielle Geschichte

Diese Woche geht es um eine der berühmtesten von H.P. Lovecraft geschaffenen Städte. Eine der bekanntesten abgelegenen Ecken des so genannten Lovecraftschen Landes, Schauplatz einer seiner bekanntesten Kurzgeschichten. „Der Schatten über Innsmouth“.

Heute erfahrt ihr hier die offizielle Geschichte, aber es gibt noch eine geheime Geschichte, die ihr dann im nächsten Artikel – Innsmouth – Die geheime Geschichte – zu lesen bekommt.

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Die drei ??? und der grüne Geist / Robert Arthur

Der Anfang ist vielversprechend: In media res werden Peter Shaw und Bob Andrews von einem markerschütternden Schrei aufgeschreckt, als das alte Herrenhaus der Greens abgerissen wird, um auf dem Grundstück ein neues Gebäude zu errichten. Anscheinend gab es in den sechziger Jahren keine Schutzzäune um die Gebäude, denn der Lärm lockte eine Gruppe von Männern an, die zusammen mit Pete und Bob das Haus betraten und dort einen smaragdgrünen Geist erblickten, der auf dem staubigen Boden keine Fußspuren hinterließ:

Ein grüner Schimmer, kaum wahrnehmbar, verharrte neben einer Tür. Dann wurden die Umrisse klarer. Eindeutig war eine menschliche Gestalt in grünen, fließenden Gewändern wie denen eines chinesischen Mandarins zu erkennen. … Die geisterhafte Gestalt begann sich zu bewegen. An der Wand entlang glitt sie bis ans andere Ende des Flurs. Dort schien sie um die Ecke zu biegen und war gleich darauf verschwunden.

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Kischote

Deine Mühlen werden besser beschienen, Kischote, wenn du dich von Mittag her näherst. Dann werden die Lupinen von deinen Taten zeugen und die Brunnen werden Heimweh haben. Dann wird sich die Erde erheben und die Berge werden dem Gesang lauschen, der hinter einem einsamen Duschvorhang erklingt. Auf einem geschnitzten Abfallhaufen landet deine Lanze, Kischote, wenn du dich vom Abend her näherst, auf einem nur gemalten Gaul, die Rotoren, von Mückenflug und Atemfluch getrieben, zermalmen den Zehnten, den Müller gleich mit, und seine Schürze hängt noch da, wenn du dich vom Morgen her näherst, der Mühle den Hintern zu versohlen, mit Rost und Federhelm und reichlich Irrglauben. Du wirst mit deinen Mühlen besser beschienen, Kischote, wenn du dich von Mittag her näherst.

Das nackte Haus in der Calle Desnuda

Der Kranich aus dem Sumpf über dem Schlot des Hauses mit den Hüften pfeift den Türen nach, den blinden Fenstern, nachtgeschlossen, Röcke für die Blöße bläht der Wind und darunter wird sichtbar das blankhautene Gebinde, das geteilte Geschlecht im Keller der Kohlen, der Hitze für einen Tag und eine Nacht.

Durch die Lippentür und über die Schwelle, der Damm zieht (Windes Wind), es ist Winter, der Kranich steigt der Herde nach, entfellt sie alle um die Suppe, die warm vom Magen her das Kleid für morgen schafft, stehen, manche liegen schon im lichten Fön der Lampen, von der Decke ächzt ein Lied, verteilt gerecht die Noten, um sie am rechten Platz zu keuchen.