Hermann Szobel, unbekannt

Andy Edwards erzählte mir von einem österreichischen Musiker namens Hermann Szobel, der 1976 im Alter von 18 Jahren ein einziges Album aufnahm. Beim Einspielen seines zweiten Albums wurde er verrückt und verschwand. Bis heute konnte er nicht aufgefunden werden. Ich habe die Platte gefunden und sie auch sofort im Amerika bestellt. Wenige Exemplare gibt es, aber warum das Album selbst in Jazz-Fusion-Kreisen so unbekannt ist, bleibt ein ebensolches Rätsel wie Hermanns verschwinden.

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  • Radsfatz

    Heute sind wir das erste Mal auf unseren Böcken den Berg hinunter zum Feneberg gezickelt. Um uns wasserlösliche Feennuggets zu kaufen, die so gut wie immer auf unseren Neonpostitz notiert sind, die wir uns in der Hoffnung eines in die Zukunft reichenden Weitblicks schreiben. Einer, der uns im Hier und Jetzt die Aura der Lebensmittel wahrzunehmen vermöge macht, die bald durch ihr Nichtmehrvorhandensein in unserer Kemenate glänzen werden. Klappt aber nicht immer. Hinzu kam noch ein Sack Kartoffln, zwei kleine ovale Bassins mit eingelegten Heringsfilets & ein O-Saft (o o). Wir waren schnell, radsfatz! Wie auch du es die letzten Wochen mit der SANDSTEINBURG warst. Wir haben nun über 800.000 Zeichen, wir sind jetzt bei Seite …, vermeldest du immer am Ende der verrichteten Arbeit eines Tages (manchmal auch einer Nacht) an ihr. Wir …: als ob ich sie mitgeschrieben hätte. Klammheimlich womöglich. Was ja feuchtversteckt bedeutet, denke ich über dieses Wort nach, das sowohl vom Wetter als auch von einer tiefen, engen Gebirgsschlucht erzählt, in der ein Wildbach fließt oder reißt. Die heimliche Nässe im Stoff und den Dingen. Denn: Vor allem aus Wasser bestehen wir. Sehr falsch dagegen, wie du erst kürzlich anmerktest, ist der Ausspruch: Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst. Asche zu Asche usw.. Wieder zu Erde zu werden ist mir ja nachvollziehbar, jedoch ein Nymphenbad in ein Marienstaubbad zu verwandeln, würde aus uns ganz andere Wesen machen. Sehr trockene und flüchtige im Angesicht des Windes. Stets Verwehte wären wir, die nichts hält, solange kein Regen, kein Wasser uns bindet. Ähnlich den Orten und Wesen der SANDSTEINBURG. Wabernde, fragmentarische und doch ineinander verwobene Welten eines Kosmos, der sie ermöglicht und doch nicht inne hat. Faszinierende Erscheinungs- und Formenreichtümer, wie wir sie vom Mandelbrotmännchen kennen, die sich stetig wandeln und neuern. Welten, wie wir sie in der Welt vorfinden können, können wir es noch, wie es unserem eigentlichen Wahrnehmungsvermögen entspricht / entsprechen könnte, unterlägen wir nicht auch der Fähigkeit dieses Vermögen unseres Bewusstseins eichen und formen zu lassen.

  • Indem das Wunderbare und Übernatürliche genügt

    Todorov, dem ich einige Dummheiten unterstelle, zählt Kafkas „Verwandlung“ zum Beispiel nicht mehr zur Phantastik, weil hier das Übernatürliche von Anfang an vorgesehen sei. Es geht ihm hier um das fehlende Überraschtsein angesichts der phantastischen Ereignisse. Dass die Psychoanalyse die phantastische Literatur ersetzt habe, ist eine weitere Merkwürdigkeit; doch angemerkt werden muss, dass aus heutiger Sicht selbst die Psychoanalyse ein überholtes Modell darstellt. Längst hat sich alles den Neurowissenschaften zugewandt. Es gibt natürlich andere Kandidaten, die Todorov widersprechen, aber auch sie überzeugen letzten Endes nicht. Hans Richard Brittnacher ist so jemand, wenn er behauptet, dass das Phantastische im Grunde kein ästhetisch innovatives Potential mehr entwickeln könne. Das Problem der deutschen Phantastikforschung wird da schon mitgeschrieben, denn sie stecken diese Begrifflichkeit einfach zu eng, weshalb unbedingt angeraten ist, den germanistischen Ansatz völlig hinter sich zu lassen und sich der angloamerikanischen Literaturwissenschaft anzuvertrauen. Es mag manchen staubigen Backen nicht gefallen, dass hier Phantastik und Fantasy im Grunde auf das gleiche abzielen, indem das Wunderbare und Übernatürliche genügt, um einen Text als phantastisch erscheinen zu lassen, denn „im Laufe des Jahrhunderts ist das Phantastische selbst zur Dominante des modernen Romans geworden“, wie Bernhard Cornwell feststellt.

  • Schreddermaschine

    Literarisch bin ich ein Nichts. Ich habe nie gelernt, meinen Stoff zu bewältigen, ich habe nie gelernt, meine Sprache zu domestizieren, und so passe ich mehr als überhaupt nicht mehr in unsere Gegenwart, der ich schon immer murksig war. Das hatte einst anders aussehen sollen, als ich 89 aufbrach, um eine Schneise zu hinterlassen, die sich allerdings sehr schnell wieder schloss. Über tausend Gedichte später, mehreren Novellen und Erzählungen und zwei Romanen, befinde ich mich weiterhin in meiner katastrophalen Hand. Ich hatte stets versucht, meine Prosa von Sprachspielen zu reinigen, aber dann blieb recht wenig übrig. Meine Handlungen haben keinen Sinn und erreichen kaum einen Klimax, was geschieht, geschieht ohne jegliche Motivation. Die brutale Wahrheit: mir gefällt das, es ist genau mein Literaturverständnis, in dem es kein oben und unten gibt, sondern nur das burleske, chaotische Walten der Seele. Die Sprache, in der ich arbeite, leistet nahezu alles, sie ist ein überaus flexibler Werkstoff, der selbst schon reiner Geist zu sein scheint.
    Wenn ich so etwas schreibe, ist es aus mit mir:

    hinten im Eck beim Kickertisch
    1 Spiel in der Spiel=Lunke, rotierende Stangen mit ›Manneken Pis‹ hinter dem Kachelofen, Geruch nach friedlich ausgelaufenem Bier, schlecht weggelappt, das Licht im Spiegel oder im Fensterglas humpelt, die Wirtin Erna uns zu Diensten, stapft uns Geld zu wechseln, humpelt uns Flasche um Flasche in den Nebenraum (Schaumbart x Schaumbart : laut juveniles Gedorf); pengt der Ball an die Kant Kantaten Kanten. Jetzt tickt die Tür, geht auf und es läuten alle Korken, jetzt sitzen wir bey Tisch, jetzt jetzt und sprechen : nichts Gehörtes. Im Erdenwall dort nebenan, dem Graben, den wir schufen (Nacht für Nacht) mit Spaten Schaufeln Kufen. Erdschlitten & der Ostermann (fanden die Leiche einer Kickermaschine neben 1 leeren Haus, neben puzzelierten Scheiben). Sekunden triefen von den Bäumen, aber wo sie auf die Erde fallen –
    1 trübes Bild : Stangen & Federn, 1 zugehäuftes Äschchen, 1 Münz­ monument, zwölf Bälle (für jeden Mond) : Halb=Ball, Voll=Ball, Neu=Ball, gingen wieder rein, verplemperten die Zeit der Wirtin im Keller, die 1 Faß zapft, wir in der Stube Fußzapfen sammelten, Fußzapfen vorzeigten und aus der Flasche tranken, auf gespannt die Gesichter an den Scheiben, die wir mieden / rieben (die es in den Träumen trieben mit Spucke als Ersatz), festgepint am Schaukelpferdchen, hübsch und vor=zurück verschwammen. Mal Mond mal nicht mal Mond mal Licht mal völlig ist die Dunkelheit. Wirtin piepst aus einem Wangenloch, schlägt den Schaum mit einem Schläger westwärts wo schon Kacheln quadern, Netz um Netz sich dadurch spinnt, daß sie nie trifft den Siphon.
    Eines Tages war der Kickertisch verschwunden–

    Und es ist ja auch sofort klar, warum. Das entspricht nun einmal ganz und gar nicht den Gepflogenheiten, die man als Leser kennt und gerne hat. Es scheint wie ein willkürliches Spiel, wie die Erfindung einer Schreddermaschine. Die Entropia hatte ich fast nur in diesem Kammerton geschrieben, und so weit ich weiß, hat das Manuskript nur Friedericke Mayröcker genossen, aber die Dame kommt nicht nur aus einer anderen Zeit sondern auch von einem anderen Stern. Die Zeit: Als Literatur noch geholfen hat. Der Stern: Far from all.

    In der Sandsteinburg habe ich nicht gar so viel dieser Griffe in den Kessel der faghaim nan Daoine, stattdessen rolle ich Zeit und Raum einfach zusammen und werfe den entstandenen Teppich in einen Winkel des Universums, wo ihn garantiert niemand für sein Wohnzimmer beanspruchen wird.

    Denn: wie könnte ich mich dem Rätsel um mich herum mit einer blankpolierten Sprache nähern? Das Problem hingegen ist mein eigener Schädel.

  • Herd

    Immer wenn ihre Silhouette in die Nacht hinaus schleicht, um das Zentrum der Dinge zu ernähren, verbleibe ich in der Höhle, reduziere das Feuer um das Nötigste, und bange, nichts Unbekanntes möge aus den Wänden brechen. Erst am Morgen werden wir sehen, ob Getier gerissen wurde.

    Wir ersetzen es dann schnell, um die Energie der Herde wieder zu vervollständigen. Ihr Tanz wird dieses Wunder offenbaren. Ihre Rückkehr treibt die Dämonen aus. 

  • Zwietracht und Not

    „Alles entsteht durch Zwietracht und Not“, lautet ein Satz des Heraklit; und auch wenn man niemals Sätze aus dem Körper herausfleischen darf, kann man sich auf ein Zentrum eines jeden Satzes berufen, vorausgesetzt der Satz trifft zu. Dann verliert er zwar seine Eigenschaft als bestimmter Satz, beginnt aber – wie ein verwitterter Ziegel, der einst eine Burg zum Halten verpflichtete – ein anderes Haus zu stützen.

    Varianten des Tuns. Man kann eine Sache, die man bereits abgeschrieben hat, weil man seine sämtlichen Varianten erprobt hat, durchaus noch einmal unter anderen Voraussetzungen in Angriff nehmen. Diese anderen Voraussetzungen erschafft allerdings nur die Zeit.

  • „Kriminelle“ Fantasy

    Neben der offensichtlichen Verbindung zwischen einer Detektivgeschichte und Fantasyliteratur wie den Dresden-Files oder den Flüssen von London, gibt es die beinahe schon genrelos zu nennenden alternativ-historischen Kriminalromane, in denen entweder berühmte Persönlichkeiten wie Goethe oder die Gebrüder Grimm sich als Ermittler betätigen (und neuerdings sogar die Queen), oder sich die Kriminalgeschichten einfach nur in einer anderen Epoche abspielen.

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