Worauf du achten wirst

I,

Wenn wir wirklich sehr vorsichtig sind mit
Der Wahrheit, dürfen wir unsere Laster behalten,
Zumindest behaupten das die alten Bücher,

Die hinter der Kommode in der Küche
Deiner Mutter sitzen, ihre Flügel strecken, flattern.
Aufmerksam wurde ich durch ein knarzendes

Dielenbrett. Worauf spielt es an? Im
Universum geht Energie nur dann verloren,
Wenn wir nicht mehr sind.

II,

Der gespannte Gummi wäre lieber die Saite
Einer Konzertguitarre, erträgt das Spiel
Der hüpfenden Beine jedoch klaglos, denn

In der Vergangenheit gab es einige Vorkommnisse,
Von denen die Mädchen wussten. Wer in einem
Solchen Ausmaß Bescheid weiß, ist längst

Kein Gegner mehr, sondern jemand, der
Die weite Reise tun muss, und ahnt,
Dass er selbst viele künstliche Stoffe enthält.

III,

Ich springe nicht gern in dieses Wasser hinein,
Das vor Entengrütze steht; verloren
Geglaubt das Schmuckstück, eine Vermutung nur.

Könnte man hineinsehen, hätte man
Überhaupt Augen, um Vergessenes zu betrachten,
Stünde ich nicht hier im Regen, um darauf

Zu warten, bis das Geschmeide mir
Auf den Kopf fällt. Jetzt reichst du mir
Meine Badehose und sagst, es wäre besser so.

Ähnliche Beiträge

  • Mistrabella

    Tief hängen die Decken des Hauses, festgestampft wie der Gartenboden, der sich rund um das Haus findet, und auch wie der Gartenboden zeugen Fußspuren von verdreht angelegten Wegen. Teekessel baumeln an Ketten, in ausgehöhlten Hühnerköpfen leuchten Kerzen durch Augen und aufgesperrte Schnäbel, die Wände krummer Lehm. Katzen schleichen um Porzellanaccessoires herum, die auf Regalen und bemalten Schränken einstauben. Esrabella wartet auf Bartholomäus, der seine Träume nicht versteht, der ihnen aber dennoch folgen wird.

    Mehr lesen „Mistrabella“
  • Der Tod des Sardanapal

    Das verabscheuungswürdige Gemälde über den Tod des Sardanapal, das heute im Louvre zu sehen ist, hat Eugéne Delacroix für eine Ausstellung im Jahre 1827 gemalt. Er hatte dabei nicht bedacht, dass jedes Gemälde auch die Gefahr des Einfrierens eines gewissen Augenblicks birgt, eines rätselhaften Momentes, der die gewesenen Dinge verstärkt und die zukünftigen erfindet.

    Mehr lesen „Der Tod des Sardanapal“
  • Der Gehenkte

    (Am 25. Januar 1855 erhängte sich der heute weltberühmte Dichter Gérard de Nerval in Paris an einem Straßentor der Rue de la Vieille-Lanterne, einer Sackgasse, die es heute nicht mehr gibt. Bei sich trug er das Manuskript der Aurelia.)

    Die ausgelassene Stimmung verpuffte jäh mit dem ersten Glockenschlag. Nicht die Mitternachtsstunde, in der die Geister früherer Zeiten tobten, ist die ungemütlichste der ganzen Nacht, es ist die Spanne zwischen drei Uhr morgens und dem Sonnenaufgang, die für die meisten Todesfälle sorgt. Zu diesem Zeitpunkt steht die absolute Schwärze in ihrem Zenit und jeder positive Gedanke ist nur ein hilfloses Konstrukt innerhalb der unüberwindbaren kosmischen Kälte.

    Mehr lesen „Der Gehenkte“
  • Die Veranda: 9 Spurenkunde

    Die spurenkundliche Bearbeitung des engeren Tatorts ist bereits in vollem Gange, als Egon Brunswik mit Fiffi vorgefahren kommt und vor der Absperrung hält. Felix Gerritzen ist nicht gerade derjenige, der sich darum reißt, mit Brunswik unterwegs zu sein, das tut, soweit er weiß, niemand. Und ›Fiffi‹ ist dann gleich die erste Attacke, die er zu ertragen hat, als wisse der ehemalige Kunststudent von den Zusammenhängen des hündischen Kosenamens und Felix’ sehr komplizierten Schulaufenthalts in der dritten Klasse, wo ihn seine Kameraden vor Schulbeginn mit dem Klassenbesen, der stets griffbereit in der Ecke neben der Tür nur auf diesen Augenblick zu warten schien, auf allen Vieren durch das Zimmer scheuchten und ihn ganz genauso nannten.

    Mehr lesen „Die Veranda: 9 Spurenkunde“
  • ritu

    Geschrieben von A. Anders

    Ich musste, in jener Nacht, in der der Mond meinem Haus sehr nahe stand, wohl etwas von ihr mitgenommen haben, als ich schlafend in meinem Bette lag und zum ersten Mal, mittels eines Stuhls, durch ihre vielen verborgenen Räume geflogen war. Denn seither stand sie jedes Mal, wenn ich in den Spiegel blickte, hinter mir. Tat sie einen Schritt zurück, verschwand sie in tiefer Schwärze. Tat sie einen vor, war mein Gesicht für mich im Spiegel nicht mehr erkennbar. Ich war rastlos seitdem. Blies Nacht für Nacht die fast heruntergebrannte Kerze auf meinem Fensterbrett aus, öffnete das Fenster und hob mit meinem Atem davon.