Das Scheitern eines Planeten

Schwärzer als die
Textur der Nacht schält sich ein
Symbol aus der dunklen Leere.

Was würdest Du tun, wenn die
Skepsis uns fräße, wenn unsere
eigene Natur eine Barriere bildete,
die zu überwinden unmöglich ist?
Das Paradoxon anerkennen, oder
zurückkehren, in den Traum vergangener
Ungewissheiten kriechen, die allesamt
besser sind als die Tatsache
einer Endgültigkeit?
Das Scheitern eines Planeten ist nicht laut.
Aber in diesem Orkan schreibe ich mich warm.

Die Kerntransplantation der Sinne,
eine Oktavenleiter hinauf oder
hinab (so genau lässt sich das nicht
feststellen), das löchrige Netz der
Spinne, die ihren Preis durch ihr
Verschwinden bezahlt. Dieser Ausgang
als eine neue, elementare Währung,
wahrhaftiger als die jeweilige
Wahrheit. Kaum sind wir hier, sind
wir auch schon wieder verschwunden,
das Leben als webender Minotaurus,
als Spinne, die zur Jagd
nur Ruhe benötigt.

Manche Gedanken sind donnernde
Vasallen, aber: ein Maulbeerbaum
erblüht und die Hufe sind geschwächt.

Ähnliche Beiträge

  • Das Singen niederstürzenden Regens

    Das Gelände zu betreten ist nicht das eigentliche Problem, die Stadt schläft und die Illusions-Programme laufen ohne Unterlass, schalten Träume hinzu, koordinieren die Nachtarbeit; auch ich selbst werde für gewöhnlich aus den Computern gespeist. Ein ganz hervorragendes Weltbild wird uns allen zuteil, es ist wandelbar, widersprüchlich und lernfähig, reagiert also auf unsere Vorstellung von der Welt mit präzisen und sofortigen Korrekturen. Ich bin an der Schönheit interessiert, nicht an der Harmonie, gespannt auf ein allgegenwärtiges Gestern, diesem ewigen Tag, wie ihn Mnemosyne überbringt. Ich begreife, wie wichtig die Zwiesprache der Vögel ist, die sich gegen den Bass des Donners abhebt, das Singen des niederstürzenden Regens. Da erkunden wir der Erde Klang. Auf den Feldern, die sich überschwemmen lassen, wo das Wasser männliche Attribute zeigt, überläuft, den Acker begießt, die Knollen des Goldregens, der Akelei, und jene rosa Wiesenblumen, die wir ›Zahnbürsten‹ nennen, tränkt. Die Schafe stehen in ihren Pullovern im Stall und warten in ihrer ausschließlichen Gegenwart auf das neue trockene Jetzt. Die Säfte beschleunigen sich in allen Rinnen, spülen die Staubjacken von den Steinen und Quadern, auch von mir, der ich mit einem Brocken Kernseife in der Hand unter dem Wassersturz ein kosmisches Bad zelebriere, während die tief hängenden Augen des Jagdschlosses auf mir ruhen, in der Ferne rauscht ein Schienenbus vorbei.

  • Im Garten der Hyacinthe (Reprise)

    Der Turm der höchsten Trümmer liegt in Sprachen, sendet Mauerstein hinein in die brühende Melange. Zucksuppe gischtet brandig, sendet das schwarze Röcheln uteralwärts. Schaumige Maische verdreht die Worte. In diesem Blut erhebt sich Pflanzenseiber, darin gebettet befinden sich die Kehlen, die sich rühren, kleben finster, schlotig, kahl hochgereckt an der Wand, die sich farblos gen Norden neigt. Man hört sie röcheln, aber kein Wort formuliert sich. Schutt und Schlamm in inniger Umarmung.

    Mehr lesen „Im Garten der Hyacinthe (Reprise)“
  • Die Veranda: 9 Spurenkunde

    Die spurenkundliche Bearbeitung des engeren Tatorts ist bereits in vollem Gange, als Egon Brunswik mit Fiffi vorgefahren kommt und vor der Absperrung hält. Felix Gerritzen ist nicht gerade derjenige, der sich darum reißt, mit Brunswik unterwegs zu sein, das tut, soweit er weiß, niemand. Und ›Fiffi‹ ist dann gleich die erste Attacke, die er zu ertragen hat, als wisse der ehemalige Kunststudent von den Zusammenhängen des hündischen Kosenamens und Felix’ sehr komplizierten Schulaufenthalts in der dritten Klasse, wo ihn seine Kameraden vor Schulbeginn mit dem Klassenbesen, der stets griffbereit in der Ecke neben der Tür nur auf diesen Augenblick zu warten schien, auf allen Vieren durch das Zimmer scheuchten und ihn ganz genauso nannten.

    Mehr lesen „Die Veranda: 9 Spurenkunde“
  • Wir bezahlen den Wein natürlich

    Der Empfang, dem man dem Triumphator bereitet, währt kurz, Io Triumphe, Thriambos, gesiegt hast du, Bacchus! Wolf zwitschert auf einem Grashalm ›Mull of Kintyre‹, die anderen sehen lieber zu, dass sie weg kommen: da brandet bereits der Ärger mit einer Schürze bekleidet heran, naht in Form einer Donnerwolke. Bloß zurück, zurück zu den Strohbundhäusern!

    Adam verteilt die Flaschen, der schwarze Asphalt gibt ihren derben Tritten Geschwindigkeit.

    »Wir bezahlen den Wein natürlich!«

    Mehr lesen „Wir bezahlen den Wein natürlich“
  • Die letzte Herbaria

    Die Schlange biss sich in den falschen Schwanz; welche Wechselwirkung können wir uns nicht vorstellen? Die Sauberkeit des Magens war ihr Thema, von dem sie selbst dann nicht abließ, als ihr bereits Grübchen wuchsen, gefüllt mit Tupfen aller Tugenden, sagen wir: einer Oase, die sich stets sorgenvoll bereit hielt, als könnten wir das jemals vergessen. Selbst das Geschirr umzäunt, selbst die Sandalen am Fliehen gehindert. So könnte sie sich doch sehen lassen, oder etwa nicht? So also sah man sie und sah sie nie wieder wie an diesem Tag, beinahe nass. Dass er in das Gewölk von hintenrum hineinfasste und ein Stück des Wacholders vorfand, unterschied sich nicht von den Praktiken, die unter dem Saum stattfinden sollten. Beschmierte Stullen sind der Preis, also wuchsen sie, je länger sie vermoderten. Eine Party in einer dieser alten Telefonzellen mitten im Wald, mitten im kernigen Moos, Nummern troffen von der bewegten Masse, die Einschätzung war schwierig. Um etwaigen Vergiftungen vorzubeugen kramte sie im Handschuhfach herum, fand tatsächlich Reste dieser alten Landkarte wieder, freigesetzte Plakate sozusagen, an vier von fünf Ecken mit Tesa befestigt, bleich wie ein Glas Milch, bevor es getrunken wird. Die letzte Herbaria.

    Vor allem aber ist die Dunkelheit nicht allumfassend. Zünden wir ein Streichholz an, verschwindet sie. Das Streichholz indes haben wir uns von dem Blitz abgeschaut, in einer jenen mystischen Nächte, die nicht näher zu bestimmen sind. Es gab diese Erfindung nämlich nicht, das Feuer hat nie jemand entdeckt.

    Fortschritt bedeutet, Wissen auszulöschen, für immer hinter sich zu lassen, um dadurch Kultur zu ersinnen, die aus der Trauer besteht, Verlorenem nie wieder habhaft werden zu können.

  • Zweites surrealistisches Märchen (Pilze zu Gast)

    Geschrieben von A. Anders und Michael Perkampus

    C: Könntest du dir – und ich frage das ohne Hintergedanken – sonnengebräunte Pfifferlinge vorstellen, die eines Tages ihren Standort wechseln wollen? Und jetzt die eigentliche Frage: müssen sie nicht bei uns vorbeikommen, wenn sie ihr Ziel je erreichen wollen?

    A: Aber doch, ja, ich denke, sie sollten sich Beine machen und recht flink bei uns vorbeikommen. Dann gesellen sich zu Flora und Faun auch die Fungi. Ich mag die Plasmodien der Gelben Lohblüte gebraten als „caca de luna“ („Mondkacke“). Pilze sind hübsch. Besonders die mit den Häubchen, den Schwammporen oder Lamellen.

    C: Sie leben ja auch zu Mars, die Pilze. Da müsste sich doch was machen lassen, um für immer in den interstellaren Gebräuchen zu verschwinden? Sind sie erst da, werden sie schnell flach und alt. Sie seibern Stoffe von hoher Qualität und drängeln nicht wissentlich. Mehr von der Hinterfotze, also heimlich. Nun, du deckst den Tisch und ich suche in den Winkeln. Da fand ich noch immer von Spinnen geröstete Hüllen einst blühender Larven.

    A: Dann sind sie, wenn sie auf meinem Tellerchen landen, flunderflach? Ist ihr Durchmesser dann nicht um ein Beträchtliches gestiegen? Wie soll ich sie dann verspeisen können? Klingt, als bräuchte ich danach einen „Fotzenspangler“.

    C: Oh ja, ja oh! Sie sind dann so grooß wie einmal um die Oberfläche Gottes gelegt. Wie soll ein kleines Schnütchen wie das deine alles auf einmal wagen? Es gälte, sofort den Yogi – so man kennt – anzurufen, um eine fernöstliche Fressmethode zu erlernen. Wir machen es uns einfacher. Du wirst sehen: mit einer frisierten Kettensäge lassen sich auch Flunder brechen und in schlummernde Frittengröße schneiden. Aber horch! Da klingelts’s schon!

    A: Äh, Monsieur Frits holt di Kättensege aus där Schübläd. Nurzu! Werden ja sehen, ob der Lappen Gottes nicht rechtzeitig über den Tellerrand schaut und hüpft. Vielleicht zieht er dann, höchst beleidigt, ziharmonisch reisend von dannen und es ertönt eine kosmische Melodei …

    (RÖÖÖÄÄÄÄÄMMM BRABA BRABABA BRA, FROMM FROOOOOMM … (lautes Geschrei, das sich verbietet hier in Worte zu fassen. Und dann kippt auch noch irgendwo ein verdammter Stuhl um!)

    ENDE