Instinct of a crying cabin


Am 5. September 2017 feierte dieses psychologisch herausragende transzendentale Drama Premiere. Es wurde bei den 74. Filmfestspielen in Venedig gezeigt. Am 14. September kam es zu uns in die Kinos. Nicht wenig Applaus, aber auch jede Menge Buh-Rufe hat es geerntet. Als misogyn oder platt-feministisch wurde es bewertet. Gar biblisch wurde es ausgedeuet.

Obwohl ich nun abgrundtief müde bin, bin ich wohl für den Rest des Tages glücksselig. Hatte meine Freude euch beide zu beobachten, dich und Schwarzertd, wie ihr von Anfang an, ohne große Scheu und allzu vorsichtiges Tasten nach dem Anderen, in den Diskurs miteinander gegangen seid. Zum Schluss saßt ihr gar dicht beieinander. Zwei am Tisch auf einer Gerade. Und habt mich stets angegrinst. Erreichtet den Höhepunkt als ihr gemeinsam vor deinem Bücherregal standet und beide einen Arm ausstrecktet, nach einem Werk Arno Schmidts zu greifen. Hätte ich heimlich eine Kamera laufen lassen, hätte ich nun einen Mitschnitt eines literarischen Duetts wie ich es allenfalls noch erlebe, habe ich eines mit dir oder mit ihm. Etwas, das bei den ollen Qua(r)kquartetten in der Flimmerkiste unter ferner liefen läuft. Denn liefe das, müsste man sich eingestehen, this, was da heute gesendet wird: goes not! Geht aber doch: Etwas, das, bin ich gerade lull und lall, und auch nur dann, höchstens noch schabernackig auf mich wirkt. Doof und halbseiden. Grotesk aufgrund der ernsthaften Miene, mit der man vorträgt, was man von sich und dem Leseerlebnis zu berichten hat.
Ich hatte Schwarzertd seit über einem Jahr nicht mehr gesehen, nur hin und wieder mit ihm telefoniert. Und nun, da er sich gerade aus beruflichen Gründen in München aufhielt, hat er die Gelegenheit genutzt, uns zu besuchen. Seine Stimme hörte sich zum ersten Mal anders für mich an, was nur daran lag, dass er die letzten Tage beim Schreiben viel geraucht hat. Wie ein Schlot wohl. Was in früheren Zeiten doch eher mein Part war. Früher. Denn ich rauche ja nicht mehr. Brenne nur noch. Früher. Das meint Heidelberg, als wir uns kennengelernt haben. Ich erinnere mich, wir nahmen beide den selben Bus. Ich saß hinten. Er stand am Fenster in der Mitte. Schaute mich länger an, lächelte. Ich hingegen, ich war aus irgendeinem Grund, den ich nicht mehr erinnere, bräsig, schaute böse zurück. Dumme Nuss! Aber zum Glück gab das Schicksal mir eine zweite Chance. Denn kurze Zeit später stellte sich heraus, wir besuchten die gleiche Gastvorlesung. Und so sprach er mich noch einmal an, als wir im Anschluss mit anderen noch eine qualmten. Andere. Das meint eine kleine Gruppe, die wir später den harten Kern nannten. Sonstige habe ich vergessen. Was wohl sehr daran liegen mag, wie ich mein Studium verfolgt habe. Heidelberg. Das erinnert mich an diese Freundschaft, die eine tiefe ist. An lange Tage und Nächte mit Schwarzertd. Verbrachte Zeit: nicht selten bis in den morgendlichen Duft der Bäckerstuben hinein.
Und so waren wir heute für ein paar Stunden zu dritt.


Ich kann nicht sagen, wie viele Hände ins große Spargelfeld meiner
zweiten Mutter gesickert sind, und ob sie dort noch liegen.
Ich erinnere nur das:
Stets zur Mittagszeit refelten sich feinflechtig, an vier schwebenden
Stühlen aufgespannt, zwei rote Beine auf.
Ich blieb, um zu sehen, wie sie sich verflüchtigten.
Konvex blieb um mich herum der Wald als große Lungenblase
berstend gegen die Ortschaft stehen.
Es dauerte bis in den Abend hinein bis die Spannung seiner
Oberfläche einen Riss bekam, und er mir so sein dunkles Nadelmeer vor Augen spülte.
Es war wie eine gewaltige Traube, die barst.
Ich fand mich unter den Rücken der Tannen wieder.
Von Weitem rief Edith nach mir.
Ich lief zu ihr.
Sie nahm mich an ihre rechte Hand, einen schwarzen
Eimer, gefüllt mit Spargeln, in der linken.
Mich mit ihren durch die dickwandigen Gläser, die sie trug, stark
vergrößerten Augen anschauend, nahm sie mich mit sich.