

Die Kardinalität der leeren Menge
Alles, was wir herstellen, hat einen Geist (innewohnen). Die Atome wollen zusammendrängen, sie wollen sich vereinen. Warum nur?
… Zaubersprüche. Sie schließen das Bewusstsein für das Universum auf, das hineinkommt (leise wuchtig) und trotzdem nichts aus den Fugen gerät.
I,
Wenn wir wirklich sehr vorsichtig sind mit
Der Wahrheit, dürfen wir unsere Laster behalten,
Zumindest behaupten das die alten Bücher,
Die hinter der Kommode in der Küche
Deiner Mutter sitzen, ihre Flügel strecken, flattern.
Aufmerksam wurde ich durch ein knarzendes
Dielenbrett. Worauf spielt es an? Im
Universum geht Energie nur dann verloren,
Wenn wir nicht mehr sind.
II,
Der gespannte Gummi wäre lieber die Saite
Einer Konzertguitarre, erträgt das Spiel
Der hüpfenden Beine jedoch klaglos, denn
In der Vergangenheit gab es einige Vorkommnisse,
Von denen die Mädchen wussten. Wer in einem
Solchen Ausmaß Bescheid weiß, ist längst
Kein Gegner mehr, sondern jemand, der
Die weite Reise tun muss, und ahnt,
Dass er selbst viele künstliche Stoffe enthält.
III,
Ich springe nicht gern in dieses Wasser hinein,
Das vor Entengrütze steht; verloren
Geglaubt das Schmuckstück, eine Vermutung nur.
Könnte man hineinsehen, hätte man
Überhaupt Augen, um Vergessenes zu betrachten,
Stünde ich nicht hier im Regen, um darauf
Zu warten, bis das Geschmeide mir
Auf den Kopf fällt. Jetzt reichst du mir
Meine Badehose und sagst, es wäre besser so.
: und dann pfählen wir
die Nacht vielleicht
ihren Schmetterling. Lass
es fahren, wir wissen es doch
ohnehin niemals genau! Kannst
du dich erinnern?
Das Feuer sang, es sang
atonale Giguen
auf dem Rücken des Holzes,
die Glut eine Stadt im Fluge. Je
mand spielte die Grasflöte memorierend, tat
Klänge hinein, einer Flüssigkeit entnommen,
die durch Dachleisten nieselt. Sonderbare
Keimlinge, nabelfrei, trugen
Schlachtplatten durch ein
Gewirr tiefer Stimmen, lose,
majestätisch, kühn. Ach,
der Luftzug einer Seele, ein
fünfter Wind im Würfel einer Kluft. Die
Augenzahl wie die Tage unbekannt.
Die Zeit wird knapp, in aller Welt werden Bunker geschaufelt. Was aber hat das zu bedeuten? Der Brei der Massen vegetiert in aller Dummheit vor sich hin. Nie war die Welt uninformierter wie jetzt, was selbstverständlich ein Paradox ist, das wir uns selbst zuzuschreiben haben. Ich selbst bin mir noch nicht einig mit mir selbst, was ich von alldem zu halten habe. Natürlich ist es mir ein striktes Anliegen, keine persönlichen Kontakte zu pflegen. Keine. Gar keine. Die Gesellschaft in ihrem Primatendasein stört mich. Aber sie weiß nichts von mir, und das ist ein Segen. Dennoch suche ich die Anderen, und ich höre ihnen zu, so weit sie auch entfernt sein mögen (und sie sind tatsächlich weit entfernt). Aber wir werden uns nie begegnen, so wie ich den Toten nie begegnen werde, deren Bücher ich lese. Nun, ich lese auch manche, die noch am Leben sind, aber nur, um mich mit den Toten über sie zu unterhalten. Sie finden das witzig, wie ich selbst. Aus einer selbstgewählten Isolation heraus darf man hingreifen, wohin man möchte. Alles ist Zeichen, die Werte unterschiedlich. Weder oben noch unten.
No Contact
Time is running out, bunkers are being dug all over the world. But what does it mean? The masses are vegetating in stupidity. The world has never been as uninformed as it is now, which is of course a paradox that we have only ourselves to blame. I myself am not yet sure what to make of all this. Of course, I’m very careful not to cultivate any personal contacts. None. None at all. Society in its primacy bothers me. But it knows nothing about me, and that is a blessing. Nevertheless, I look for others and I listen to them, however far away they may be (and they are indeed far away). But we will never meet, just as I will never meet the dead whose books I read. Well, I read some who are still alive, but only to talk about them with the dead. They find it funny, as I do. From a self-imposed isolation you can go wherever you want. Everything is a sign, the values are different. Neither above nor below.

Ricardo Piglias Essay „Kurzformen. Babylon, Borges, Buenos Aires“ – im Original Formas Breves -, ist ein Schlüsseltext, der die Kraft und den Reiz der Kurzform in der Literatur untersucht. Piglia, einer der bedeutendsten Schriftsteller der lateinamerikanischen Literatur, beherrscht die Kunst, komplexe Gefühle und Botschaften auf engstem Raum zu verdichten. Seine Analyse konzentriert sich auf die literarischen Techniken, die in Kurzgeschichten, Mikrogeschichten und Essays zum Einsatz kommen, und zeigt, wie diese Formen ein reichhaltiges und tiefgründiges literarisches Werk ermöglichen.
Kurzformen in der Literatur sind ein wirkungsvolles Mittel, um auf knappem Raum intensive emotionale und intellektuelle Eindrücke zu erzeugen. Piglia sieht in diesen Formen nicht nur ein Instrument der Verdichtung, sondern auch ein Medium, um komplexe Themen wie Identität, Erinnerung und Politik zu erforschen. Seine Kurzgeschichten und Essays bieten dem Leser literarische und kulturelle Bezüge, die trotz ihrer Tiefe zugänglich und spannungsgeladen bleiben.
Piglia argumentiert, dass große Kurzgeschichten immer zwei Geschichten enthalten: eine sichtbare und eine verborgene, die erst durch die Interpretation des Lesers zum Vorschein kommt. Diese narrative Struktur macht die Kurzgeschichte zu einem idealen Medium, um dichte Bedeutungsschichten zu erzeugen, wie es auch Jorge Luis Borges meisterhaft demonstriert hat.
Dabei handelt es sich bei der Theorie der „zwei Geschichten“ um ein zentrales Konzept, um die narrative Struktur zu beschrieben, bei der zwei Geschichten gleichzeitig erzählt werden:
a. Die sichtbare Geschichte
Die erste Geschichte liegt an der Oberfläche der Erzählung. Sie ist direkt wahrnehmbar, weil sie explizit erzählt wird. Diese sichtbare Geschichte dient oft als eine Art Rahmen oder Kulisse, die den Leser in die Erzählung hineinzieht. Sie ist in der Regel einfach, handlungsorientiert und leicht verständlich.
Beispiel: In einer klassischen Detektivgeschichte könnte die sichtbare Geschichte die Suche eines Detektivs nach dem Täter sein. Sie gibt der Erzählung eine klare Struktur und vermittelt einen offensichtlichen Handlungsverlauf.
b. Die verdeckte Geschichte
Die zweite Geschichte ist subtiler und liegt unter der Oberfläche. Sie wird nicht direkt erzählt, sondern entsteht durch Anspielungen, Symbole und Leerstellen im Text. Diese verborgene Geschichte erfordert die aktive Beteiligung des Lesers, der die verschiedenen Hinweise zusammensetzen muss, um die tiefere Bedeutung oder den subversiven Inhalt der Erzählung zu entschlüsseln.
Beispiel: In derselben Detektivgeschichte könnte die versteckte Geschichte Fragen über Gerechtigkeit, Macht oder die subjektive Natur der Wahrheit aufwerfen. Während der Ermittler den Fall löst, könnte die Erzählung gleichzeitig die gesellschaftlichen Strukturen kritisieren, die solche Verbrechen ermöglichen.
c. Das Zusammenspiel der beiden Geschichten
Piglia argumentiert, dass große Kurzgeschichten von diesem Spannungsverhältnis zwischen sichtbarer und verborgener Geschichte leben. Die sichtbare Geschichte erfüllt eine funktionale Rolle: Sie sorgt für den äußeren Fluss der Handlung und macht die Geschichte für den Leser greifbar. Die verborgene Geschichte hingegen öffnet den Raum für Interpretationen und spiegelt tiefere Themen oder Botschaften wider.
Dieses Konzept lässt sich gut in den Werken von Jorge Luis Borges nachvollziehen. Ein Beispiel ist die Erzählung Das Haus des Asterion (La casa de Asterión), die auf den ersten Blick die Geschichte eines einsamen Wesens erzählt, das durch ein Labyrinth irrt. Erst am Ende wird enthüllt, dass es sich um den Minotaurus handelt – und damit entfaltet sich die verborgene Geschichte, die philosophische Fragen über Isolation, Opferbereitschaft und die Perspektive von Monstern aufwirft.
Jorge Luis Borges nimmt in Piglias Essays eine zentrale Stellung ein, denn für Piglia ist er ein Pionier der literarischen Verdichtung, der mit minimalistischen Mitteln universelle Themen wie Unendlichkeit, Zeit und Wissen verhandelt. Werke wie Die Bibliothek von Babel oder Das Aleph sind hierfür Paradebeispiele für Kurzformen, die auf engstem Raum eine immense Bedeutungsfülle entfalten. Die Verbindung von Piglia und Borges ist in Piglias Werken überhaupt ziemlich prominent, was unter anderem auch an Buenos Aires liegt, jene Stadt also, die für Piglia selbst eine wichtige Inspirationsquelle darstellt. Die urbane Komplexität und kulturelle Hybridität der Stadt ist für beide Autoren ein Ort, an der das Lokale und das Universelle miteinander verschmelzen wie in Europa eventuell Paris.
Die Stadt Buenos Aires wird von Piglia folgerichtig als literarischer Schmelztiegel und als Metapher für die Erzählkunst selbst beschrieben. Buenos Aires ist für ihn eine Art modernes Babylon, in dem Geschichten, Sprachen und Kulturen aufeinanderprallen und neue Erzählformen hervorbringen. In diesem Zusammenhang hebt Piglia an verschiedenen Stellen die Werke exzentrischer Autoren wie Roberto Arlt und Macedonio Fernández hervor, und sogar den polnische Schriftsteller Witold Gombrowicz, deren unkonventionelle Texte die literarische Landschaft Argentiniens geprägt haben.
Piglia geht es aber nicht nur um Borges oder andere Dichter, sondern um die grundlegenden Strukturen und Funktionen der Literatur. Seine Analysen zeigen eine tiefe Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der kurzen Form, die er als eine Art „Mikroskop der Literatur“ betrachtet: Sie fokussiert die Essenz von Geschichten, destilliert Bedeutungen und schafft Raum für Reflexion.
Seine Fähigkeit, eine Vielzahl von Themen auf wenigen Seiten zu verdichten, ist ein Kennzeichen seines Stils. Seine Kurzformen laden den Leser ein, die Lücken selbst zu füllen, Bedeutungen zu entschlüsseln und Zusammenhänge herzustellen. Dabei setzt Piglia stets auf einen intertextuellen Ansatz, in dem seine Texte auf ein weites Netz literarischer und kultureller Bezüge zurückgreifen.
Die deutsche Ausgabe von Formas Breves, übersetzt von Elke Wehr, erschien im Jahr 2006 bei Berenberg.
Mit einigen Schrecken habe ich festgestellt, dass die Werke von Jorge Luis Borges, also mitunter die wichtigsten Bücher, die die Menschheit besitzt, weder bei Hanser (Hardcover) noch bei Fischer (Taschenbücher) weiterhin erhältlich sind. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn es nicht selbst unmöglich wäre, diese Bücher – bis auf einzeln verstreute – antiquarisch zu erwerben. Das ist eines der beängstigendsten Dinge der letzten Jahre. Sicher, wir befinden uns seit vielen Jahren im kulturellen Verfall, allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass es bereits auf eine Vernichtung des Denkens hinausläuft.
wir schauen der welt beim verfall in die zellen die verfallen es ist womöglich ein grosz geschrei auf den wänden sitzend herunterfließend bounce bounce
Die Geschichte der Hexham Heads ist eine Mischung aus archäologischem Rätsel, unheimlicher Folklore und persönlichen Erlebnissen, die die Menschen bis heute nicht vergessen haben. Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1971 sorgen die beiden Steinköpfe nicht nur für wissenschaftliche Diskussionen, sondern auch für andauernde Spekulationen. Was als spielerische Ausgrabung zweier Kinder begann, entwickelte sich zu einem Rätsel, das Fragen aufwirft: Sind die Köpfe Relikte einer längst vergangenen Kultur und sogar Träger dunkler Energien?

Inhalte, Illustrationen, dargestellte Bilder & Fotos sind urheberrechtlich geschützte Werke ihrer jeweiligen Eigentümer*innen.
© 2026 DIE VERANDA | Alle Rechte vorbehalten.