Borges out of print

Mit einigen Schrecken habe ich festgestellt, dass die Werke von Jorge Luis Borges, also mitunter die wichtigsten Bücher, die die Menschheit besitzt, weder bei Hanser (Hardcover) noch bei Fischer (Taschenbücher) weiterhin erhältlich sind. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn es nicht selbst unmöglich wäre, diese Bücher – bis auf einzeln verstreute – antiquarisch zu erwerben. Das ist eines der beängstigendsten Dinge der letzten Jahre. Sicher, wir befinden uns seit vielen Jahren im kulturellen Verfall, allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass es bereits auf eine Vernichtung des Denkens hinausläuft.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Auf dem Nebelhorn

    Heute Morgen aufgewacht und mich an eine kurze Alptraumsequenz erinnert. Ich träumte mich einer Situation beiwohnend, von der ich den Eindruck hatte, ich solle sie einfach nur sehen. Und was ich sah, war grauenhaft: Menschen vernähten ein Schwein in seiner eigenen Haut, die sie ihm von hinten her ab- und übers Gesicht zogen. Es erstickte in ihr.Um kurz vor Zehn dann mit J. nach Oberstdorf gefahren, um uns mit den Gondeln hinauf auf´s Nebelhorn bringen zu lassen. Schade, dass du nicht auch dabei sein konntest. Zumal ich zum ersten Mal in den Bergen war. Es war großartig. Weder beim Hinauf- noch Herunterfahren musste ich erstaunlicherweise einen Druckausgleich machen. Nachdem wir auf dem Gipfel gespeist hatten, haben wir uns talwärts jede Ebene im Einzelnen vorgenommen. Um dich dann kurz nach 17 Uhr aus dem Haus zu klingeln, um mit dir noch einen Abstecher in die Stadt zu machen. Das hat er sich nicht nehmen lassen. Neugierig war er. Und du warst es auch.

    Nun bin ich bergmüde.

    P.S. Verzeih mir, dass du den ganzen Tag die Wohnung nicht verlassen konntest und auf der Suche nach deinem Schlüssel warst. Er war in meiner Tasche.

  • Portulakröschen

    Eine Zeit der Schlaflosigkeit ist mir nicht unbekannt. Auf allen Strecken ging sie mir entgegen und spuckte aus, wenn sie ungesehen um die Ecke bog.

    Es kam vor, dass ich sie nicht bemerkte. Doch meistens saß sie bei den anderen, die sich über Alpträume unterhielten. Ich hatte sie gar nicht kommen sehen, in ihrem Schal wirkte sie lächerlich laut. Aber Schall war von ihr nicht zu erwarten, dazu wäre sie auch dann nicht imstande gewesen, wenn auf den Toren die eingehängten Rollen versagt hätten.

    Ich sitze wie ein Nachtgeschwader fest in diesen aus Bienenwachs hergestellten Figuren, die alle eine Variation meiner ungeahnten Kräfte zur Schau stellen. Sie bewegen sich wie ein einziger Frosch.

    Now spinning: Jean-Luc Ponty – Enigmatic Ocean (1977)

  • French Press

    Nachdem mir heute morgen die French Press auf dem Boden zerschellte, musste ich mich aus dem Haus winden, um Ersatz zu besorgen. All unsere Filter körnen durch den Zellstoff (Pulp ist dann auch eher für Geschichten geeignet, die darauf geascht werden), da nützt der ganze Keramikkram nichts. Obwohl der angenehme Regen viele davon abhält, durch die Straßen zu wuseln, sind mir selbst die wenigen schon zu viel. Und dann wird mir eine vorgeführt, für die der Marketender fast eine Million Groschen will. Was für ein Planet! Bei uns auf der Erde war dies die Art der Kaffeezubereitung, auf die man in Dachstuben Zugriff hatte. Oft waren sie bereits Inventar, bevor man mit seinem Büchersäckel ankam; die French Press und eine Schreibmaschine. Bei Letzterem musste man sich nur noch um das Papier sorgen, auch wenn man erst einmal die Tapete von der Wand reißen konnte, um erste Gedanken niederzuschreiben. Es gab dann immer auch solche, die Schüler abpassten, um ihnen ihre Schulhefte abzuschwatzen, aber zu denen gehörte ich nie, ich benutze lieber Brotpapier, das man in den Bäckereien umsonst bekam. Heute musste ich also wieder Zellstoff-Filter für den Kaffee nehmen, und prompt körnte alles in den Kaffee. Die Partikel ließen sich aber mit dem Schraubenzieher herausheben.

  • Der ekle Raum

    Wir haben keine guten Schriftstseller, aber wir haben gute Übersetzer, und dafür sei jenen gedankt, die sich leidenschaftlich und ohne Aussicht auf Ruhm darum kümmern, dass hier literarisch überhaupt noch von einem Kulturland gesprochen werden kann. Das alles ist eigentlich kein handwerkliches Problem, sondern ein mentales. Vielleicht liegt meine unverwüstliche Ansicht aber auch daran, dass ich mich mit der deutschen Mentalität so gar nicht anfreunden kann. Meine zwei Versuche, auszuwandern (einmal nach Mexiko 1993 und einmal in die Schweiz 2005) sind ja an unterschiedlichen Dingen gescheitert. In der Schweiz verlor ich durch eine Scheidung mein Aufenthaltsrecht, in Mexiko lag das Unternehmen an umgerechnet zehntausend Mark, die mir für das Land, das ich kaufen wollte, noch fehlten. Puerto Angel an der Pazifikküste wäre meine Destination gewesen; zurück in Deutschland umfing mich mein altes bohemiales Leben, dem ich zu diesem Zeitpunkt nicht auskam. Ich siedelte im Blindflug ins Allgäu um, und bis auf das fünfjährige Schweizer Erlebnis, bin ich seitdem umgeben von Bergen, Kühen und – betrachtet man die Lebensmittelskandale der Republik – gesundem und erstklassigem Essen. Aufregung liegt mir nicht mehr.

  • Viehmarkt

    In erster Linie mochte ich es gar nicht glauben. So leicht wäre es über die Jahre bereits gewesen, die Reiseschreibmaschinen gegen eine zünftige Büromaschine (ein Arbeitspferd) einzutauschen. Ich hätte wohl nicht eine derartige Leidensstrecke zurücklegen müssen. Die Monikas waren mir aufgrund ihrer Robustheit bereits mehr an die Finger gewachsen als die anderen, dennoch gab es Makel, über die ich immer wieder berichtete. Jetzt ist der Koloss Olympia SG vor Ort, eingeritten und für tragfähig befunden. Zudem habe ich, sollte einmal etwas im Argen liegen, einen Mechaniker dazugewonnen, der auch mein zukünftiges Schreiben mit der Maschine gewährleisten kann. Drama beendet? Es sieht leicht danach aus.

    Mehr lesen „Viehmarkt“
  • Blumenkasten

    Die Zigarette fiel mir aus der Zigarettenspitze und verfing sich eine Etage tiefer im Blumengesteck der Nachbarn unter mir, die sich gerade in Spanien aufhalten, was dazu führte, dass es ganz und gar unmöglich war, sie wiederzubekommen. Dort hing sie im Grün und qualmte vor sich hin. Ich steckte eine neue auf und beobachtete diejenige, die als verloren gelten musste. So rauchten wir gemeinsam, der Blumenkasten und ich. Dass wir dabei schwiegen, war mir ein doppelter Genuss.