Frisch bläst uns der Wind ins Gesicht

… und frisch bläst uns der Wind ins Gesicht, als wir vom Walde her die freie Flur betreten. Leise steigt er heraus aus dem Tal der Eger, raunt und wipfelt in den Schattenseiten der Fichtenschonung. Packt er aber härter zu, schüttelt die wetterzerzausten Kronen der alten Überhälter und erstickt das hohe Trommeln des Buntspechtes, dann empfindet man es gerade hier, als gingen die Geister noch um von der Herren Raitenbach aus der Burg Graßlitz, den Grafen von Liebenstein aus dem alten Schloß oder den rauflustigen Forstern aus der Burg Neuhaus auf dem Schloßberg, die aus ihren Raubnestern ausgezogen, um sich zu ergötzen am gruseligen und grausamen Spiel, das sie trieben, als sie hier und in der ganzen Umgebung die Kaufleute und sonstiges fahrende Volk ausraubten und ausplünderten. Bis es den Egerern zu dumm wurde und sie sich mit einer Reihe von Fürsten, darunter Herzog Ludwig von Bayern, die Markgrafen von Weitzen, ferner die Städte Eger, Zwickau, Ölnitz usw. zusammenschlossen, um den Landfrieden wieder herzustellen und zu erhalten. 1412 wurde Graßlitz geschleift. Dann kam die Rache auf Neuhaus zu. Alle Zünfte, voran die Tuchmacher und Metzger aus Eger, erstürmten die Burg und zerstörten sie vollständig.

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    sie hatten sich geliebt im Hochzeitsbett des Marduk, jetzt gibt es dort Weinbergschnecken und Entenmuscheln, Bordeaux im goldenen Glas
    die Tür aufmachen und gehen, irgendwohin, einen Bau betrachten, innehalten in einem Kaufhaus, stocksteif stehen

    ein guter, heißer April; kein Grund, jemals an das zu denken, was du heute vorfindest : einen kühlen April, einen April danach, Skizzen ordnen

    der Fremde nickt den Bergen zu, der zweite Fremde weicht aus, die an der Kasse nimmt das lächelnde Geld mit den Schultern. Du.

    Rufst jemanden an : »Wie verschwindet man spurlos?«

    Unterschiedliche Töne und Szenarien, die lose von der Decke hängen wie Lappen, die auf einen Tisch geworfen wurden. Der bärtige Kontinent, der seine Magie an die Ränder hinausdrängt : Andalusien, Normandie, Bretagne, Irland, Skandinavien, Britannien, Griechenland.

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    Um ein Gulyás zu kochen, wäre es unbedingt erforderlich gewesen, ausschließlich Rindfleisch zu verwenden, und so wurde es bei uns heute nur ein Pörkölt, das aus verschiedenen Fleischarten besteht; was aber nimmt man, wenn man kein Schaf zur Hand hat und der Metzger sich nicht vom Fleck rührt, sobald man ihn auffordert, augenblicklich eines zu zerlegen, man bräuchte kleine magere Stücke, und die Wolle für den Überzieher nähme man auch gleich mit? Man schielt zur Sau, man denkt an die Sau, man nimmt die Sau und verdrängt das Gulyás für dieses eine Mal, weil das Rindfleisch zusammen mit dem Schwein heute günstiger angeboten wird. Außerdem flattert draußen ein Wenigelchen Schnee in der Luft herum und man denkt, das sei ein guter Tag für Pörkölt. Man nimmt noch einen ganzen Sack Zwiebeln, weil man davon ebenso viel braucht wie vom Fleisch, und besteigt seinen Schlitten, der, weil dieses verdammt seltene weiße Zeug nicht mehr liegen bleibt in unseren Breiten, seine Kufen bereits nach den ersten Hundert Metern völlig aufgebraucht hat. Das war dann wohl das Zahnfleisch des Transportmittels. Kurt, nimm mir mal den Sack da von dem Schlittern, Kurt, hörst du nicht? – Ah, da kommter!
    „Den Sack, Kurt!“
    „Was gibts denn, Renchen?“
    „Pörkölt!“
    Wenn er jetzt noch lange so kuckt, lange ich ihm eine.

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    Es ist die dritte Nacht, in der mich die Poltergeister drangsalieren. Heute war es die Hexe mit ihrem Hexenschuss (wahrscheinlich habe ich mir einen Nerv im Steiß eingeklemmt), so dass ich bei jeder Drehung aufwachte. Als ich schließlich den Abort aufsuchen musste – ein Drang, der weißgott nicht zu ignorieren ist, will man überhaupt noch ein Auge zutun – kam ich nicht in die Höhe. Nach einer Viertelstunde hatte ich mich zumindest an der Bettkante aufgesetzt. Es gelang mir, mich in die Küche zu schleppen, um etwas Voltaren aufzutragen und siehe da, es wurde zumindest in der Weise erträglich, dass ich mich Bewegen konnte.

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