Ein Höllenkapinski. Das ist ein erfundenes Wort (der Witz liegt darin, dass alle Wörter erfunden sind). Die Sprache verändert sich. Liegt das an der Evolution der Zungen und Backen? Ich habe ein Instrument im Hals, das sich archaisch anhört, wenn ich normal-täglich spreche (ich rede schnell und vervollständige die Sätze nicht); sobald ich mich konzentriere, höre ich mich an wie ein Sprachanfänger; also bleibe ich beim Lallen. Nein, ich bin kein Redner. Wenn mir gerade nicht schwindelig ist, bin ich allerdings ein Quasselbold. Das ist ein Kompositum (der Witz liegt darin, dass man auf diese Weise tiefer und tiefer gelangen kann). Weil ich also eher still und scheu bin, bin ich laut und rumpelig. Ich nehme Witze für bare Münze und mit dieser bezahle ich mein Emmerkornbrot.
Die Briten essen ihre Rosinenbrötchen an Karfreitag und nennen sie „cross buns“, im deutschen Norden ist das Rosinenbrötchen auch als „Heißweck“ bekannt. Auch in Frankreich backt man ein ähnliches kleines Ding, das im Grunde nichts anderes ist als ein Milchbrötchen mit Rosinen, wobei dort eher Rosinenschnecken aus Blätterteig favorisiert werden. Den Hefe- oder Germteig gibt es allerdings schon seit dem Mittelalter. Das Wort Rosine selbst stammt aus dem Lateinischen racemus (Beere); von dort wurde es zum französischen raisin und wurde dann umgebildet, und auch die hat man (etwa in Leipzig) schon 1502 in den Teig gemengt. Unsere Romantiker mampften sich mit Rosinenbrötchen durch ihre Kindheit, die armen Studenten hatten meist gar nichts anderes zu essen, denn so ein Hefebrötchen, leicht gesüßt und mit Rosinen gefüllt, ist mit wenig Geld herzustellen. Ein wenig Mehl und Zucker, Ei und Milch, sowie die wertvolle Hefe – und schon ist die brustförmige Leckerei zum Einsatz bereit. Ein kleines Glück ist dieses goldbraune Ding. Tatsächlich aber ist die Variante, die man bei sogenannten heutigen Bäckern bekommt, meist mit Backtriebmittel oder Trockenhefe aufgeschwemmt und hat wenig von dem vollmundigen, klassischen Geschmack an sich.
Um die besonderen Bücher zu finden, insofern man sie nicht bereits in seiner Sammlung hat, ist es unabdingbar, immer weiter den Spuren zu folgen. Früher war es so, dass man dem Literaturverzeichnis folgte und sich die nächsten Stationen heraus schrieb. Des weiteren fand man – gerade in Taschenbüchern – am Ende ein reichhaltiges Register oder sogar Werbung für ähnliche Werke wie dieses, das man gerade in Hände hielt. Das bedeutet nicht, dass es heute nicht ähnlich funktioniert, aber die Trefferquote ist doch längst nicht mehr so hoch wie zu Beginn eines Leselebens, aber die Spurensuche funktioniert weiterhin überragend bei Sachbüchern, die sich sozusagen per definitionem aus angegebenen Quellen speisen.
Überlegt man sich, wie eine ausgewachsene und nennenswerte Bibliothek überhaupt zustande kommt, dann wird man zugeben müssen, dass – abgesehen vom Grundstock, den jede Bibliothek pflegen sollte, unabhängig davon, in welchen Zweig hinein sie sich später entwickelt – ein Großteil der Anschaffungen zunächst ungelesen eingeordnet wird. Man beginnt ein vielversprechendes Werk und legt es enttäuscht zur Seite, um zum nächsten Buch zu greifen. Manchmal kommt es sogar vor, das im gesamten Pulk nicht das zu finden ist, nach dem man gerade dürstet und schon mit der nächsten Bestellung zugange ist. Selbstverständlich hat man immer etwas zu lesen, es ist ganz und gar unmöglich, leer zu laufen, aber ich spreche hier von besonderen Büchern, von jenen, die sofort in den persönlichen Kanon wandern. Um so mehr Bücher auf den Markt geworfen werden, desto geringer werden die Meisterwerke, desto höher aber auch die Sichtungen, die dann den Umfang der Bibliothek merklich erhöhen.
Ich bin in einer Welt gefangen, zu der ich nicht nur nicht gehöre, sondern seit meinem ersten Atemzug nicht gehörte. Und dennoch ist – wie Camus sagt – der Selbstmord zwar eine immerwährende Option, aber nie die richtige Wahl, um sich dem Absurden zu stellen. Das ließ sich für jemanden, der 1960 ermordet wurde, etwas leichter formulieren als jetzt (auch wenn Camus das nicht wusste). Nun, die Endzeit begann mit Newton (was tatsächlich zu erklären wäre) und erreichte ihren Höhepunkt mit dem Ausschalten Teslas (was ebenfalls zu erklären wäre). Nimmt man den Apfel, der zur Vertreibung aus dem Paradies führte, dann hat er seine zweite Schuldigkeit damit getan, dass er einem Universalgelehrten auf den Kopf fiel. Nun, er wusste freilich nicht, dass die Natur keine Gesetze hat. Was ein Alchimist nicht alles angerichtet hat. Aber freilich – auch ihn trifft keine Schuld.
Wie viele Bücher könnte man mit allen ersten Sätzen füllen, die je geschrieben wurden? Schmeckte der Apfel im Paradies nach Oxford? Wie kann ich an einem Kreuzweg wissen, in welche Richtung ich muss?
Wieviel Klopapier-Tissues kann ich essen, bis ich Verstopfung bekomme?
Wie groß war Karl der Große und wie lautet der Quotient gegenüber den Schlümpfen?
Es gibt einen neuen Klang, einen Ton nach dem Lorebuch, die unter dem LIVEBOOK entstehen. In der Lorebuch-Endphase dachte ich noch, dass dieser 2018 begonnene Abschnitt weitergeführt werden müsste (und könnte), aber eines der merkwürdigsten Instrumentierungen (insofern ich mich als „bestückt“ bewerte), hat mit den unsichtbaren Grenzen zu tun, die eine Stimmung von der anderen trennt. Nie könnte ich zB wieder an den Stratumgedichten arbeiten, GrammaTau und Huntertprosa fielen etwas leichter, würden aber den Punkt nicht mehr treffen. Diese unidentifizierbaren Ströme sind es, die mich durch ein Dichterleben navigieren, das ich nun nicht umhinkomme, als solches endgültig zu akzeptieren. Meine vehemente Abwehr gegen jegliche Art des Schreibens war nicht ertragreich. Keine Gegenwehr hat sich als erfolgreich herausgestellt. Ich hasse das Schreiben nicht mehr, hasse nicht mehr die Destination, zu der es nicht führt. Ich bin kein Dichter wie irgendein anderer lebender Dichter. Ich bin das eigentliche Unikat in einer deformierten Welt.
Ich erarbeite mir gegenwärtig 1 Wortkunstwerk mit pastoralem Hintergrund, das also räumlich das Fichtelgebirge benennt, und zeitlich das ganze Wahrnehmungsspektrum, ausgehend von den 70er Jahren fächerförmig in den Geschichtsstrahl lenkt. Das bedeutet, dass einerseits die Jean Paul-sche Ästhetik der Abschweifung mit den modernen Techniken der (fälschlich) so bezeichneten experimentellen Schreibweise zusammenfällt, deren Ausführung mit den jeweils angestrebten Effekten der einzelnen Szenen changiert. Dabei ist es mein Anliegen, die ganze Bandbreite einer poetischen Sprache zu entsprechen.
Hardekopf – Ausgabe?
Das Drama eines Lebens
und wennd U da bist ist Licht in Deinem Zimmer; wennd U dabist fickt ein Stein Dein
Glas caput draconis
Vorn. Überhöhtes Wurzelkrösen, abstolperndes Herbringen der Argu menten=Kuh, die dann ja auf mault mit Gesichtshafer, RülpsRöhre, Schwarten=Nabe, die Tanja einen fahren löst gen Traubenhausen. Ocker fotzglatze Stirntuperecht. Einpfusch – öh – 1 Spruch Feuer nähren