Telephon

still, weil kein Wind das Boot aus dem Klee hebt, 
rostig schmatzend, Lavendelburschen hinter Ginster
hervor beobachten nicht eine Bewegung, ihre
Gestalten grünen durch das Licht, Speerspitzen
auf das bewegungslose Schiff gerichtet, damit es
sich auch fürderhin nicht bewege, in mir brennt
dieser Sud und stößt auf, alles läuft über,
köpft die Töpfe, schäumt die Deckel weg, ich werde
geboren, klebrig, an mir der Schleim aus
Kacke, Pisse, Muttersaft, die Schnur
ins Universum, die Leitung steht,
es klingelt, ich geh ran

Schaufenstergefrierungen

Fresko: Es gibt die vielen Ungereimtheiten beim Anblick einer Szene wie dieser. Ich meine das Steingesicht, das seine Schatten über die Narben wölbt.
Zugig plempert die Sonne durch den Tag, in Lichtspitzen gekleidet das gelbe helle Ding, verströmt ein Plemper-Leuchten in dieser saumseligen Jahreszeit, Kräuterasche trägt träge Windes Algebra vor. Verfrorene Hüte bedecken wärmend Köpfe, damit diese eben nicht auch angefasst von Kältefingern in den nächsten Hauseingang stolpern müssen, den Regenabprall vor Schaufenstergefrierungen jedoch können sie nicht halten; wie im Spiegel daheim winkt da einer hinter mir mit kunterbunten Wollhandschuhen, ein sportliches Grinsen im ganzen Gesicht, ein Ballon mit Haarverlust sein Kopf. Falten, tief eingeprägt wie die Exerguen auf den karthagischen Münzen. Ich schließe mich an, denn die Bäckerei ist berühmt dafür, nächtliche Stürme wieder in die Flasche locken zu können, aus der sie zwar jeden Abend wieder entkommen werden, aber für den Moment …
Sonnensoll und Sonnenzins (zwölf Uhr mittags auf der Nachtseite des Mondes) backt die Erde jetzt doch frisch auf. Semmelbrand breitet schwarze Schwingen über raubmordende Täler. Libellenwaben, windelblau und aufgefaltet, flippern mit den neuesten Bällchen, die jüngst in das Sortiment aufgenommen wurden. Lupinenhonig, spreizgeblümt, steht auf jedem Tisch. »Täterätää!« Die Zungen betreten den Saal durchs Aluminiumtürchen neben dem Toilettentrakt. Es wäre mir auch diesmal ernst gewesen, aber ich erwache jedes Mal und frage mich, wo diese Bäckerei wohl steht. Die Antwort ist immer dieselbe: in meinem Labyrinth, das aus Schenkeln besteht, nackte weiße Haut, Mandarinenduft.

Ich war Blumen pflücken

… und das muß man nicht mehr tun, seitdem es Salatmetzgereien gibt, seitdem sie ausgehackt zernommen, aufgehängt um auszumilchen an den kargen Zimmerhaken hänken, seitdem Blattwurst im Insektendarm geliefert werden kann. Aber war pflücken „hallo ich pflücke dich“ war pflücken Ackerwinde und Adonisröschenen und Fieberklee und Mädesüß, betrat das Wiesen=Eiland das Grasgestrüpp und niemand dieser Wesen floh, sangen mich an, sangen Note um Note mit dem Wind, das Streichorchester, sangen Stimme, sangen Alt und sangen Neu und Baß : stimmt es, daß du pflückest damit wir deiner Liebsten Hand befüllen, Vasenfinger um uns Blicken dir ins Auge, nasse Augen, nasser Stiel ? Pflaume von Damas (Dammassine) aus der Jura=Kette, kugelig bis länglich, pflückest wie der Graf Anjou. Und in den Gewittern stehen Reiher Reihen aber auch grüne Tangos, welche Farbe gibt es nicht gäbe es nicht immerwiederkehrende Träufel von Kelchglocken stürmt die Nacht, von Pollen nebelt nabelt es von Wasser der Brau=Gast braut, der Blätter Zunft, der rumorende Pflücker traumächtiger Blüten weiße Sorbets mit Zucker und Honig und Mändelchen. Den Lilien folgt wer sie versteht. Vaina Kardamom : wenn sie ihre Beine spreizt beginnt der Schmetterling den Butterflug und wenn sie steht liegt er still an ihren Lippen. Michelia Champaca : gelbe Schwere, blütig=süß, in Sandelholz und Mandarine taucht sie auch die Veilchen durch den Rosenduft weißer Pfirsich, ihre Haut ist Mandelaprikose, ihre Augen schwarzer Szechuan und alles pfeift schon oft verkohlt und wiederholt verbrannt in Teufels Namen, der doch auch dort tanzt wo feine Füßchen um den Tischen herumwischen, staubleuchtend bastelnd zeh=geln. Die Uhren sind völlig nutzlos, sie ticken stets die gleiche Melodie tack=tieren tick=tieren wie unruhig dahin.

Standort: Baden – CH 2006, Flueholz, eine Lichtung dort, die Geräusche der Fortuna.

Stein und Wasser

Die Luft faltet sich und man erkennt sich,
Wie in einem Spiegel, im Grunde nicht.
So viele Gesichter, so viele eigene Wesen,
Vergorener Pelz, liegen in den Büschen brach.
Vom Boot aus sind wir der tiefere Rinnsal,
Wir kehren zurück, mir tropft das Bein
Schritte hin, zum Ufer, zum Beispiel, oder
In der Badewanne über der Kante, oder wenn
Es regnet, ich nicht abfließen kann. Bleibe
Stehen und betrachte den Rinnstein, sein
Abwaschbares Selbst.

Torotto

Ein wirklich hervorragendes Gift
ist dieses junge Spezialgift, wie
ein Welpe schaut es dich an,
Geräusche jenseits der Datenbank.
Gehörnte Schnecken : auch das ist ein
Fingerzeig für etwas Anderes.
Und so schließen wir mit einem
deftigen Duft und singen.

Biwak im Herbst

Die Hieroglyphen sind der Ort, aus dem die Neonfragmente
Fallen, wenn geschüttelt wird, was nur in der Metapher
Lebt, sich von ihr benetzen lässt
Als auch ernährt. Tragen wir dieses Stück Eisenrohr zu ihr,

Wird sie es lesen können, verschweigen aber, was du
Nachschlagen willst. So gestaffelt, fällt das Bild auf
Uns zurück, drückt uns der Schuh. Du weißt, wie
Die Dinge beschaffen sind, hast sie, sitzend im

Schneidersitz erfunden, ohne sie loszulassen. Sie
Fliegen nicht ohne dich, zumindest steht es so
Geschrieben. Noch einmal überwachen wir die rot
Andämmernde Landschaft, noch einmal erleben wir

Das Ritual des Schuhebindens. Nicht umsonst,
Sagst du, es klingt wie ein Versprechen. Danach
Wird der Deckel von einem Stromschlag geschlossen, von
Dem auch du abhängig bist. Die Volteinheit ist schwer

Zu beobachten, was nicht stimmt.

Stund um Stund



Wenn /
sie es überhaupt erwähnte, setze sie hinzu,
/ dann
weil sie betrunken sei. Ihre bloßen
Fußrücken waren so weiß wie ihre jungen Schultern,
Kissen und Aschenbecher eingerechnet.

Hier ist sie,
rief ein anonymes Mädchen
und setze sich schnell hin.

Das Doppelbett war gemacht,
aber innendrin nicht frisch.

Maskierte ihr Gesicht, bedeckte ihre Flanken,
beschürzte ihren Bauch mit Küssen -
alles durchaus hinnehmbar, solange sie trocken blieb.

Sie, die alles verlegte,
wählte flüssig eine lange Nummer.
Das wäre erledigt.

Die Straßenlaternen gingen in
versetzter Reihenfolge aus. Um ihr
einen leichten Stupser zu geben,
wurde drei Tage später
ein Bote bei ihr vorstellig.

Wie oft waren diese akribischen Meisterwerke
in Kunstbänden abgebildet? Was gibt es
Traurigeres? Diese

automatischen Bilder
seiner letzten Augenblicke
sowie
die Löwentatzen eines Tisches.

Sie wagte nicht, ihre Arme
ziellos hängen zu lassen,
das gleiche Haar, ins Blonde gehend
oder vielmehr palominofarben,
auf einer Landstraße von einem
zurücksetzenden Lastwagen erdrückt.

Seine dicke Schuhsohle
mit einem Muster im Teppich
in Übereinstimmung.

Fieber indessen verwandelt Denksport
in Stoff für Albträume.
Blindekuh wurde nackt gespielt,
manchmal schüttelte die Polizei
einen Voyeur aus einem Baum.

Die letzte Herbaria

Die Schlange biss sich in den falschen Schwanz; welche Wechselwirkung können wir uns nicht vorstellen? Die Sauberkeit des Magens war ihr Thema, von dem sie selbst dann nicht abließ, als ihr bereits Grübchen wuchsen, gefüllt mit Tupfen aller Tugenden, sagen wir: einer Oase, die sich stets sorgenvoll bereit hielt, als könnten wir das jemals vergessen. Selbst das Geschirr umzäunt, selbst die Sandalen am Fliehen gehindert. So könnte sie sich doch sehen lassen, oder etwa nicht? So also sah man sie und sah sie nie wieder wie an diesem Tag, beinahe nass. Dass er in das Gewölk von hintenrum hineinfasste und ein Stück des Wacholders vorfand, unterschied sich nicht von den Praktiken, die unter dem Saum stattfinden sollten. Beschmierte Stullen sind der Preis, also wuchsen sie, je länger sie vermoderten. Eine Party in einer dieser alten Telefonzellen mitten im Wald, mitten im kernigen Moos, Nummern troffen von der bewegten Masse, die Einschätzung war schwierig. Um etwaigen Vergiftungen vorzubeugen kramte sie im Handschuhfach herum, fand tatsächlich Reste dieser alten Landkarte wieder, freigesetzte Plakate sozusagen, an vier von fünf Ecken mit Tesa befestigt, bleich wie ein Glas Milch, bevor es getrunken wird. Die letzte Herbaria.

Vor allem aber ist die Dunkelheit nicht allumfassend. Zünden wir ein Streichholz an, verschwindet sie. Das Streichholz indes haben wir uns von dem Blitz abgeschaut, in einer jenen mystischen Nächte, die nicht näher zu bestimmen sind. Es gab diese Erfindung nämlich nicht, das Feuer hat nie jemand entdeckt.

Fortschritt bedeutet, Wissen auszulöschen, für immer hinter sich zu lassen, um dadurch Kultur zu ersinnen, die aus der Trauer besteht, Verlorenem nie wieder habhaft werden zu können.

Genieprodukte

Die Schatten trinken viel von dir,  
schwemmen aus Gedankennüstern
formlos wallend weite Welten zu
Papier, dem Dichtermeer. Er wird
sich der Phantasie holder Strahlen
bemänteln, er wird die Lücke finden,
in die er sich zu kleiden sucht.
Immer wieder die eiserne Hand im
Samthandschuh, pochende Formen
in der skelettierten Stille, die Liebe
erschauert. Schwermut, ein Schweigen
völlig außer sich im Klang, außerhalb
der Nacht ein Stein, innerhalb des Steins
die Welt. Den Atem borgen sie sich,
die Lust am Sehen, Gesehenes zu
wiederholen weigern sie sich in erlesener
Sinnlosigkeit. Evakuierte Trauerleitungen
ziehen Überland, Verkünder des Todes
des Todes, Brunftgebärden
unter Sternenhimmeln.

Der Route entkommen

Ist die Zigarette auf dem Foto gewollt, mon 
Ami, will ich sie sehen können. Dazu berufe ich
Das Sehen ein, den Betrachter alter Tage schwöre
Ich herauf. Gerade seine Haltung wird
unser Wirtshaus sein, eine Bank, leicht verzerrt von
Unkontrollierten Sitzübungen, dem Schwung eines Librettos, das
Der weiße Schwan singt, bevor er sich
Mit einem Wasserfall verbindet. Ohne uns, die wir

Wellen schlagen, ist der Oktober nur ein Schaf, willst
Du es sein, der seine Mähne streckt? Vor
dem Elektrozaun angekommen, weiß der Wegweiser
Nicht weiter. Jetzt ist es an uns, die Grube auszuschildern,
Das Rätsel der Symbole, in einer fremden Sprache gemalt, der
Strich, der zum Minus wird, so die Welt entschlüpfen lässt,
Die dort auf der Weide grast. Verzeihlich, das
Wissen wir alle, können wir nicht mehr nur zusehen. Die
Mäntel sind geschnitzt, nun zieht sie über! Die
Becher sind versammelt, nun weist sie an, das zu
Tun, was in Euren Träumen Tropfen vergießt! Es
Bleibt noch, die Farbe Rot zu erkennen, wenn sie längst
Schon in den geschichtlichen Fesseln liegt, sich aber rühmt,
Lichter, die fallen, voneinander unterscheiden zu können, ohne
Sie zu sehen. Diese Stille kommt einem Kahlschlag gleich,
Der sich zur Verfügung stellt, über den
Verfügt werden kann, selbst wenn er nur noch wenig zählt.

Eine Formel bringt es auf den Punkt : Es hüte sich der
Hut vor Köpfen, die das Gleiche wollen. Das ist der Konflikt
Vieler Brigaden. Nicht nur die Hydra wird warten, bis Jemand aus

Dem Nichts erscheint; auch die Schatten tun es, zunächst
Noch mit etwas Scheu, dann immer getriebener, bis das Ziel
Erreicht ist, zerschnitten & zerstampft, lethargisch,
Unauffindbar für gewesene Generationen, die nur noch
Den Erzählungen glauben schenken können. Längst in den Punsch gefallen
Ist die Idee von einer Verlängerung der Präambel, die
In ihrem Wesen stolpert.

Schnee bedeckt die Krone, zweischneidig zieht man
Den Anker auf, das Seil ein lästiger Begleiter. Es naht
Der Wurm, er zieht seinen Darm auf einer Karre. Wenn ich
Mir wünschen könnte, dass du dich nicht hier übergibst.

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