Kettengespinst

Die ganze Nacht polterte das Kettengespinst auf den ausgedehnten Treppenstufen, ging auf, flog mit Stufenberührung ab, harrte – ob sich etwas außer ihm bewegte – (Atem wie ein Unimogmotor bei Seilwinde in Betrieb) – und begann von vorne bei einer violetten Stunde. Es wollte eine Ruhe nicht ohne sein Gesäß an einer Tafel, die ausgeschmückt zur winterlichen Zeit mit Kuchen um Kuchen aus der Küche schellte. Da dies nicht infrage kam, besann es sich auf seine Nachttöpfe – in der richtigen Reihenfolge aufgestellt ergaben sie die Skyline einer Blechstadt, in der die Fassaden die einzigen Fluchten waren, die es sich entlang zu flanieren lohnte. So einen schönen Glühbirnenaufgang am Abend, eingewickelte Bonbons in den Backentaschen, Rotz am Ärmel, die Gemeinheiten einer Schlagzeile in den vorgeblichen Schaufenstern einer Besserungsanstalt: Herr Mutter erschlägt Frau Vater; da überkam den Flaneur der eigene Brechreiz von oben, der sich rotmeerisch spreizte, um die Ziehwägen zu locken und mit Brocken dann – die Geschichte ist ein Kreis – in den Schlampampel zu stoßen. Die lautere Absicht zu leugnen hieße, alles zu leugnen. Alles zu leugnen wiederum beträfe auch den eigenen Schlaf zwischen den Scharten ausgewählter Zinnen.

Die Maschinen in den Pflanzen

Dann riß ich die zentnerschwere Last von den Wolken und bedeckte mein Haupt mit dem Dickicht der Triefen. Ich überlebte vage an den Strecken dunkler Bahnen; auf das Eisen gedrückt erlauscht mein Ohr einen neuen Tag. Wird er kommen, wird er fallen, er wird fallen, wie er kam.

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Der zweite Reiter / Alex Beer

Bouquinist

Der zweite Reiter von Alex Beer erschien 2017 im Limes-Verlag. Mittlerweile hat die Reihe sechs Titel aufzuweisen, die in die Kerbe von Kriminalgeschichten zwischen den beiden Weltkriegen schlagen. Das ist im Augenblick eines der interessantesten Settings, an dem sich eine Menge Autoren versuchen. Nicht allen gelingt das gleichermaßen gut, aber man findet dennoch eine Menge erstaunliches und gut recherchiertes Zeitgeschehen in diesen Romanen.

Wo zum Beispiel Volker Kutscher die Weimarer Republik und die beginnende Gefahr des Nationalsozialismus als Kulisse dient, nimmt sich Alex Beer das Wien nach dem ersten Weltkrieg vor, was im Grunde kein Wunder ist, schließlich lebt die Autorin Daniela Larcher (die hier ein Pseudonym verwendet) in der österreichischen Hauptstadt.

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Realität im Extremzustand

Meine Definition von Phantastik, mit der ich hantiere ist folgende: Phantastik ist Realität im Extremzustand. Glücklich bin ich mit dem Begriff der „Phantastik“ – so paradox es klingen mag, ein rein deutsches Unwort, das sich aber gut anhört, nicht. Das liegt nicht am Wort selbst, sondern an der – für mich – blödsinnigen Konstruktion, das Wort auf die drei Säulen „Horror“, „Science Fiction“ und „Fantasy“ zu stellen. Würden wir die Phantastik als ein Synonym der Spekulativen Literatur ausgeben, hätte ich allerdings gar keine Einwände. Denn dann würden wir die „drei Säulen“ um den „Magischen Realismus“, die „Alternative Geschichtsschreibung“ und die „wissenschaftliche Fantasy“ erweitern können. Weitere völlig unklare Begriffe, versteht sich. Aber „Horror“ und „Science Fiction“ gehören für mich nur bedingt zu unserer Vorstellung von Phantastik.

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Als der Meister starb / Wolfgang Hohlbein

Bouquinist

In diesem Buch finden sich die ersten drei ersten Bände um Robert Craven, die zuerst im Gespenster-Krimi erschienen sind (Band 567, 571, 575). Wer dieses Buch gleich nach dem ersten liest, bemerkt hier die stilistischen Unterschiede, die nicht nur darin bestehen, dass Hohlbein Robert Craven in der ersten Person erzählen lässt. Hier ist noch eine Kraft am Wirken, die inspiriert wirkt, während Die Spur des Hexers doch etwas müde wirkt. Trotzdem war es natürlich interessant, die Themen, die in diesem ersten Hexer-GK angesprochen werden, noch einmal ausgearbeitet zu sehen. Und so verbinden sich diese beiden Teile dann doch mehr oder weniger nahtlos, wie es ja auch beabsichtigt war.

Den Prolog haben wir hinter uns, stürzen wir uns also in den Beginn des eigentlichen Abenteuers.

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Der Wurm Ouroboros

Bouquinist
Ouroboros

Dies ist ein Werk heroischer Fantasy, das von Künstlern wie J. R. R. Tolkien, C. S. Lewis und Ursula LeGuin als Inspiration für ihre eigene Arbeit ausgelobt wurde. Und sicherlich finden sich die Ideen des Transfers in eine fremde Welt, heroische Suchen und große, oft scheinbar aussichtslose Auseinandersetzungen gegen böse Mächte als Wurzeln zu großen Teilen in diesem Werk.

Es ist ein seltsames Buch, und das war es bereits 1922, als es zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Allerdings ist es für manche ein sehr befriedigendes seltsames Buch. Der Autor war ein englischer Beamter, außerdem übersetzte er nordische Sagen und galt als Experte für mittelalterliche und Renaissance-Poesie, hatte also viel mit C. S. Lewis gemeinsam. tatsächlich kannte er Lewis und Tolkien persönlich und interagierte mit ihrem Inklings-Kreis. Anders als diese beiden war er jedoch entschieden kein Christ und könnte am ehesten als neoheidnisch angesehen werden – wie auch dieses Buch.

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Kutschen- und Lampenzeit

Auf keinen Fall dürfen wir die Handschrift verlieren, die uns so eine persönliche Note verleiht, nämlich in dem, was wir wirklich denken. Gedacht wird, möchte ich sagen, mit der Hand. Dass bereits eine Schreibmaschine von selbst arbeitet, ist bekannt. Julien Gracq war es, der seine Lektüre stets mit dem Stift begleitete, und so nannte er eines seiner Bücher „schreibend lesen“.

Selbst lese ich gerade den dritten Band von David Morrells De Quincey-Trilogie, und was ich darin unter anderem finde, ist eine Zeit in der Schwebe, eine Kutschen- und Lampenzeit. Im Kern der viktorianischen Epoche fühle ich noch alles Rätselhafte des Überlebens, das Neue allein an der Inbetriebnahme der Eisenbahn. Bei solchen Romanen ist es mir, als ginge ein Ducken damit einher, denn man darf sich nicht frontal von dem treffen lassen, was wir als unsere Gegenwart bezeichnen.

Die Bestie mit den fünf Fingern

Bouquinist
Harvey

Wir gehen heute etwas in der Zeit zurück, um uns einen Klassiker aus dem Hause Diogenes anzuschauen. Ein Verlag mit einem überhaupt interessanten Profil, dessen Credo besagt: „Jede Art des Schreibens ist erlaubt, nur nicht die langweilige“. Zugegeben, das Buch, um das es heute geht, besser gesagt, die Sammlung von Geschichten, ist dort schon lange nicht mehr zu finden. Sie wurde 1979 veröffentlicht und so weit ich weiß, niemals nachgedruckt, aber antiquarisch ist das Taschenbuch nicht schwer zu finden: „Die Bestie mit den fünf Fingern“.

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Arthur Conan Doyle – Spiritist und Gentleman

Arthur Conan Doyle 1

Während der Schriftsteller und Arzt Sir Arthur Conan Doyle heute bei den meisten für seinen logisch denkenden Skeptiker Sherlock Holmes bekannt ist, wissen die Horrorbegeisterten aus aller Welt, dass er mit seiner bösartigen Mumie eine der besten Geistergeschichten der englischen Literatur verfasste und erkennen in ihm einen Vorfahren der Lovecraft unterstellten Weird Fiction. Tatsächlich ist Doyle für die Mumie das, was Stoker für den Vampir ist, und seine Geschichten von spitzhackenschwingenden Serienmördern, gespenstischen Folterinstrumenten, Geistern am sonnenlosen Nordpol, verfluchten Werwölfen, gelatineartigen Monstern am Himmel über uns und verunglückten Séancen, sind genauso kühl vorgetragen wie die Holmes-Abenteuer spannend sind. Der enorme Erfolg dieser Detektivgeschichten erlaubte es Conan Doyle, 1891 seine medizinische Praxis aufzugeben und sich dem Schreiben zu widmen. Sein Schaffen war breit gefächert: Theaterstücke, Verse, Memoiren, Artikel über Sport, Kurzgeschichten, historische Romane und schließlich Schauerromane und Schriften über Spiritualismus. Sein erfolgreichstes Werk blieb jedoch Holmes, sehr zu seiner späteren Frustration.

Es mag überraschen, dass der Schöpfer dieser beständigsten Ikone der englischen Literatur überhaupt nicht Engländer, sondern Schotte war. Arthur Conan Doyle wurde 1859 in Edinburgh geboren und als kleines Kind in ein katholisches Internat geschickt. Wie eine Reihe schottischer Jungen aus der Mittelschicht seiner Generation entschied er sich für ein Medizinstudium und trat 1876 in die Medizinische Fakultät von Edinburgh ein.

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