Revival / Stephen King

Bouquinist

Stephen Kings großartiger neuer Roman „Revival“ bietet das atavistische Vergnügen, in der Dunkelheit näher ans Lagerfeuer zu rücken, um einer Geschichte von jemandem zu lauschen, der genau weiß, wie er seinen Zuhörern eine Gänsehaut verschaffen kann, indem er ihnen zuflüstert: „Schau nicht hinter dich“.

King war immer großzügig, wenn es darum ging, die Autoren zu nennen, die ihn inspiriert haben. Diesmal nennt er Arthur Machens The Great God Pan (1894), eine der besten Fantasy-Geschichten, die je geschrieben wurden.

Es mag schwierig erscheinen, auf Anhieb zu beurteilen, was man von King in letzter Zeit zu erwarten hat. Galt er in den 70er Jahren noch als Meister des Horrors, so hat er dieses Etikett längst an eine jüngere Generation abgegeben und wird allgemein als „Chronist des amerikanischen Alltags“ anerkannt. Die Grotesken, die übersinnlichen Spinnereien etc. hat man ihm längst verziehen. King ist eindeutig im Mainstream angekommen, er erhält den Beifall des literarischen Establishments, über das er sich gerne lustig macht. Der große amerikanische Roman 11/22/64 war nicht der einzige Grund dafür, aber er hat geholfen. Die Meinung der literarischen Torwächter geht eindeutig dahin, dass King einer der ganz großen amerikanischen Erzähler wäre, wenn er nur auf seine exzentrischen Ausbrüche verzichten könnte. Im Umkehrschluss heißt das natürlich nichts anderes, als dass er es längst ist. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Harold Blooms unermüdlicher und scharfer Kritik an Kings Sprache und den feierlichen Adjektiven, die sich in den letzten zehn Jahren angesammelt haben, um Kings Bedeutung als Schriftsteller zu beschreiben.

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Changiere das rechte Ding

Fortschritt ist zunehmende Entropie; Veränderung, die nicht eigentlich den Fortschritt bezeichnet, sowieso. Genau genommen gibt es einen Fortschritt nicht, er bezieht sich nur auf zwanghaftes Verhalten. Veränderung hingegen kann ein notwendiger Umstand sein. Mit ihr ist gemeint, die Dinge willentlich in einen anderen Zustand zu überführen, denn Veränderung ist sekündlich, demnach nicht der Rede wert. Zwei große Zeitparzellen verzeichne ich : Das Fichtelgebirge der Abkunft; Das Allgäu des Bauern. Unterbrochen sind diese Zeitparzellen durch unablässiges Reisen und Stolpern, sowie mein Leben in der Schweiz. Ein kurzes Aufbegehren, das mich nicht Fuß (und Knöchel) fassen ließ, so sehr ich es auch versuchte. Dass ich je nur meine Ruhe wollte, um schreiben zu können, ist dem Erringen um jeden Preis zuzurechnen, ein wahrer Wettkampf mit den Unbilden einer im Grunde menschenverachtenden und seelenvernichtenden Gesellschaftsform. Nun, ich nehme das zur Kenntnis und setze meinen Weg fort. Sinnlos, nonkonform, aber unablässig. Standin‘ at the crossroad, tried to flag a ride. Didn’t nobody seem to know me, babe, everybody pass me by. Betwixt and Between.

lass das doch ma Bertha!

tass ich mich bewegen muss
ist 1 dill emma, kann ja
kaum fornvon hintn unna
scheide. ich sheep noch
schnelltee in mein mitt hünnerbrüh
gefülltn munt. feffermin zeh.
/ oder
diarrhoe bekam sie vom
dauernden arschfingern
/ oder
vom dusch=schlauch drin:
jetzt
lass das doch ma Bertha!

Die Tausend Träume von Stellavista (J. G. Ballard)

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Wer bereits mit Ballards Werk vertraut ist, der wird auch seine surreale Bildsprache bereits kennen: mutierte tropische Pflanzen, stillgelegte Flugzeuge und ein besonderes Korallenwachstum. Die Geschichten in dieser Sammlung stammen aus der letzten Phase seines Schaffens, als er noch als  exzentrischer “Science Fiction” – Autor betrachtet wurde, den man im Grunde gar nicht zuordnen konnte, denn Ballards Geschichten hatten nichts mit der konventionellen SciFi am Hut.

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Von nicht geringer Konzentration

Es sollte also Johanniskraut sein gegen meinen fundamentalen Kummer. Aber ich löse mich in meine Bestandteile auf, wenn mir nicht etwas grundlegendes widerfährt. Doch liegt es am Zeitstrahl, dass ich, bevor ich meine Mitte erreichen kann, in den Orkus abdrifte. Ich habe mir schon oft überlegt, wie es kam, dass nichts kam, dass nichts wurde, wie ich das wohl geschafft haben könnte. Ohne Zutun freilich nicht, aber welches? Ich war doch stets ein Blatt Papier, das durch die Gegend geweht wurde. Ich war hier, um mir alles einmal anzusehen, zu befühlen. Aber ins Leben kam ich nie, es befand sich stets außerhalb von mir. Ich glotzte es an wie ein fremdes Wesen. Dabei kann man es zähmen, man kann es aber auch wild lassen. Mir widerfuhren die Dinge wie es der objektive Zufall vorschreibt. Erstaunliche Dinge, unmögliche Dinge. Genug für ein magisches Leben, genug zu behaupten, Surrealist gewesen zu sein. Von Handreichungen spreche ich gar nicht erst. Aber auf allen Wegen steht der Teufel, ich habe ihn gesehen.

Interview mit Thomas Ligotti

Interview geführt von Matt Cardin, Juli 2006, Erschienen in The Teeming Brain und in The New York Review of Science Fiction, Issue 218, Vol. 19, No. 2 (October 2006). Gedruckt erschienen in Matt Cardin: Born to Fear (Interviews mit Thomas Ligotti)

Übersetzt von Michael Perkampus, mit freundlicher Genehmigung von Matt Cardin.

Anmerkung: Dieses Interview übersetzte ich im Dezember 2014, als ich begann, unter einer ähnlichen Problematik zu leiden wie Thomas Ligotti. Im Grunde war es für mich eine Art Trostpflaster. Daraus resultierte dann das Magazin PHANTASTIKON.

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Der neue Brieföffner

Lieber Herr Munkulus,
meine neueste Erfindung haben Sie sich noch gar nicht angesehen! Es handelt sich dabei um einen Brieföffner, der keine Briefe öffnet sondern sie erhört, der also deren Inhalt öffnet, mit dem, was da steht Vögel füttert, die dann den Wortlaut singen.
Anbei der Brieföffner, zwei Batterien und ein Vogel der Gattung Pflaumenkopfsittich, den sie bitte kurz unters kalte Wasser halten, um ihn zu aktivieren.

Joe Abercrombies Klingen-Trilogie

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Abercrombie betrat die Bühne im Jahre 2006 als ein junger Filmeditor, der sich der Schreiberei zuwandte. Sein erstes Manuskript, „The Blade itself“, wurde vom britischen Verlag Victor Gollacz Ltd. gekauft. Interessanterweise erschien die deutsche Ausgabe bei Heyne im selben Jahr, während der Roman in den USA erst 2008 herausgegeben wurde (da hatte Abercrombie seine Trilogie mit „Before They Are Hanged“ und „Last Argument of Kings“ bereits abgeschlossen). Das ist deshalb gesondert hervorzuheben, weil Abercrombie, wie wir gleich sehen werden, zu einer günstigen Zeit ins Feld schoss.

2003 hat R. Scott Bakker sein „The Darkness that Comes Before“ veröffentlicht, epische Fantasy mit einer extremen Überbetonung der schmutzigen Seite des Geschichtenerzählens. Manche nannten das mutig. Zu der Zeit, als Abercrombie seine Romane begann, schien sich gerade ein neues Subgenre herauszubilden – Grimdark (wörtlich sowas wie “trostlosdunkel”). Es ist fast unmöglich, Grimdark sinnvoll zu definieren. Manche nennen es einfach Realismus.

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Tetra

Die Milchstraße im Tetra-Pack
Ist eine Neuerung mit Fortune.
So schlürfen wir uns selbst &
Wissen endlich, wo wir bald
Nicht mehr stehen.

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