Tausend Fiktionen

Schlagwort: Thriller (Seite 4 von 7)

Das uns allen vertraute Genre des Thrillers zeichnet sich durch seine Ungewissheit und die ständige Erregung der Sinne aus, die zusammen ein gemischtes Gefühl von Beklemmung und Erstaunen, durchsetzt mit Furcht und sogar Angst, erzeugen.

Acht perfekte Morde / Peter Swanson

Auch hier greife ich erneut auf das Cover der Originalausgabe zurück, weil deutsche Varianten grauenhaft sind.

Der Plot ist wie geschaffen für Bücherwürmer: Ein Buchhändler wird vom FBI angeheuert, um als Experte eine Reihe von rätselhaften Morden zu lösen. Als Malcolm Kershaw vor Jahren als neuer Buchhändler in einer auf Krimis spezialisierten Buchhandlung in Boston anfing, wurde er von seinem damaligen Chef gebeten, auch Inhalte für den Blog des Ladens zu erstellen. Als langjähriger Leser des Genres beschloss Malcolm, einen Blogbeitrag zu verfassen, in dem er acht perfekte Morde aus der Kriminalliteratur auswählte, von Verbrechen, die von Agatha Christie und Ira Levin bis hin zu Patricia Highsmith und Donna Tartt konzipiert wurden. 

Seine Liste blieb weitgehend unbeachtet – aber er hatte auch nicht damit gerechnet, dass ein Buchladen-Blog im Internet viel Aufmerksamkeit erregen würde. Stellen Sie sich also vor, wie überrascht Malcolm ist, als Jahre später, an einem verschneiten Tag in Boston, eine FBI-Agentin vor der Tür der Buchhandlung steht. Diese Agentin kommt mit einer Peter Swanson)bizarren Nachricht: Malcolms Fachwissen wird bei einer Reihe von ungelösten Morden benötigt. Sie hat nämlich eine Vermutung. Sie glaubt, dass einige unerklärliche Morde, die sich in letzter Zeit ereignet haben, durch eine seltsame Gemeinsamkeit verbunden sind: Sie scheinen alle mit den „perfekten“ Morden übereinzustimmen, die Malcolm vor Jahren in seinem Blogpost beschrieben hat. Malcolm ist gleichermaßen entsetzt und fasziniert – schließlich sind diese Verbrechen zwar schrecklich, aber gibt es für einen Krimileser etwas Faszinierenderes als die Möglichkeit, mit seinem Buchwissen zur Lösung eines realen Verbrechens beizutragen? Malcolm sagt seine Hilfe zu und beginnt eine Reise zurück in die dunklen Herzen der Bücher, über die er vor Jahren geschrieben hat … und hinunter in den Kaninchenbau zu einem verworrenen, atemberaubenden Mordfall im echten Leben.

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Der Tod der Mrs Westaway / Ruth Ware

Die britische Autorin Ruth Ware befindet sich in guter Gesellschaft. Ihre Mystery- und Thriller-Romane wurden bereits mit Krimiautorinnen des Golden Age wie Agatha Christie, Josephine Tey und Dorothy L. Sayers verglichen. Ihre früheren Romane – Woman in Cabin 10, In einem dunklen, dunklen Wald und Wie tief ist deine Schuld – basieren auf klassischen Krimimustern und handeln von Frauen, die sich zur falschen Zeit am falschen Ort befinden.

Dieses Konzept hat sie im vorliegenden Roman verändert. Hier schreibt sie über eine Protagonistin, die sich absichtlich in eine trügerische Situation begibt. Es geht um Geld und es geht um eine sehr seltsame Erbschaft.

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Der Mann, der Sherlock Holmes tötete / Graham Moore

Sherlock Holmes ist ein nimmermüde werdendes Thema, das hat vor einigen Jahren die großartige BBC-Modernisierung hinlänglich bewiesen (gegenwärtig macht auch Alice (aus dem Wunderland) wieder ein paar Fortschritte). Die Zahl der „Leichenfliegen“, wie ich jene Autoren nenne, die sich einer Figur annehmen und ihr Schindluder damit treiben, ist Legion. Die können wir – abgesehen von Horowitz, der tatsächlich die legitimen neuen Sherlock-Holmes-Fälle vorgelegt hat, aus unserem Gedächtnis streichen.

Graham Moore freilich geht einen anderen Weg und präsentiert uns Conan Doyle höchstselbst, denn schließlich ist er der Mann, der Sherlock Holmes umgebracht hat. Der Originaltitel lautet The Sherlockian, und ausnahmsweise finde ich hier den deutschen Titel etwas besser, weil er sprechend ist. Tatsächlich ist ein Sherlockianer der Protagonist des zweiten Erzählstranges.

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Der Opiummörder / David Morrell

David Morrell hat in seinen drei De Quincey-Romanen den historischen Kriminalroman unendlich bereichert. Nicht nur, dass sie zum besten zählen, was es auf dem Sektor des viktorianischen London zu lesen gibt, es ist auch eine Meisterleistung der Recherche. Vater und Tochter De Quincey werden im Grunde nur von Sherlock Holmes selbst übertroffen, mit dem einen Unterschied, dass es De Quincey wirklich gab.

Mord als große Kunst

Thomas De Quincey war einer der intelligentesten Autoren, die England je hervorgebracht hat. Im gewöhnlichen Lesebetrieb ist er heutzutage allerdings nicht mehr so bekannt wie etwa Baudelaire oder andere dekadente Autoren. Seine „Bekenntnisse eines englischen Opiumessers“ von 1822 gehören dennoch zu jenen Büchern, die man gelesen haben sollte, und dabei ist es völlig unerheblich, was sonst noch auf dieser Liste stehen mag.

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Das College / Ruth Ware

Ruth Ware ist bekannt für ihre großartigen Psychothriller, die an illustren Schauplätzen spielen, die von einem rustikalen französischen Ski-Chalet bis zu einem dekadenten Kreuzfahrtschiff reichen. Ihr Roman The It Girl mag sich daher ein wenig wie eine Abweichung von ihrer gewohnten Form anfühlen. Der Schauplatz ist weniger luxuriös – er spielt (wie der deutsche Titel bereits suggeriert) in den Studentenwohnheimen der Universität Oxford und in den Straßen des heutigen Edinburgh – und obwohl die Geschichte voller gewohnter Spannung ist, ist das Opfer in dieser Geschichte mehr als ein Jahrzehnt vor den Ereignissen gestorben und das Leben ist weitergegangen.

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Der Club Dumas / Arturo Pérez-Reverte

Zu Beginn lässt sich sagen, dass – Polanski in allen Ehren – der Film “Die neun Pforten” aus dem Jahre 1999 das Buch ziemlich zerstört hat. Meistens ist es so, dass Filme einem guten Buch nichts anhaben können, hier ist es anders. Als der “Club Dumas” 1993 erschien, hat ihn – in Deutschland – niemand wirklich gelesen. Es gibt dann immer diejenigen, die durch den Film auf das Buch aufmerksam werden, was den Verlagen natürlich in die Karten spielt. Das Problem bei einem handlungsgetriebenen Plot: man kennt die Stationen schon und bringt sich um das Lesevergnügen. Natürlich lässt der Roman einige Dinge anders ablaufen und vertieft sie. Polanski hat ziemlich viel weggestrichen und geändert, so dass sich das Buch dennoch lohnt, aber der Film ist nicht das einzige Problem des Romans. Man hat ihn schon als “Umberto Eco Light” bezeichnet, und das ist gar nicht so weit hergeholt. Um die Jahrtausendwende wurden Verschwörungs-Thriller populär, obwohl Eco sein “Foucaultsches Pendel” bereits 1988 vorlegte. Auch den “Club Dumas” hat man versucht, als “literarischen” Thriller zu vermarkten, aber gegen Ecos Arbeiten wirkt das fast wie ein Witz. Am besten, man lässt die Vergleiche und schaut sich an, worum es geht.

Club dumas
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Blutiges Echo / Joe Lansdale

Joe R. Lansdale braucht wahrscheinlich keine allzu große Einführung. Er hat eine Menge Preise gewonnen (u.a. sechsmal den Bram Stoker Award) und lieferte die Vorlage für den Kultfilmklassiker Bubba Ho-Tep. Vorliegender Roman stammt von 2007 und lautet im Original „Lost Echos“, erschien 2013 in Übersetzung bei Golkonda und 2015 – man höre und staune – im Suhrkamp-Verlag. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass ich mit der Übersetzung des Titels wieder einmal nicht einverstanden bin, und das keineswegs, weil ich eine originalgetreue Übersetzung um jeden Preis fordere. Wenn aber der Titel – eigentlich „verlorene“ oder „vergessene“ Echos – ganz präzise das wiedergibt, was im Buch geschieht, und von Verlagsseite nur auf die Knalligkeit Wert gelegt wird, erregt das meinen Unmut.

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