Montsegur

Vortex-Reise, hinaus aus schalen Wassern kriecht
Das bildhafte Reptil, das Lungen
Überall an seinem Körper verteilt, damit atmet,
Brennt, Kiemen wandelt. Auskeimend,
Bringend weiches Leder zu den Tälern ins Stroh,
Ins sonnenlose Gras,
Zahnrascheln, in den Nacken stürzen,
Tief ins Blut taucht ein Zahn,
Betrinkt sich, gerinnt Blut im Castrum Montsegur.

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    Alles ist ein Akt, immer trägt er etwas anderes. Je mehr man spricht, desto stummer wird man. Je mehr man fragt, desto mehr antwortet man sich selbst. Nichts kommt zur Ruhe, nichts verwandelt sich. Alles bleibt Traum, von einem Moment zum nächsten.

    Doch wie lange währt die Gegenwart? Sie scheint ewig zu dauern und vergeht doch zugleich. Wohin sie geht, sagt sie uns nicht. Wo sie verweilt, können wir nicht sein – Wanderer im unendlichen Äon.

    Wenn ich keine Flächen mehr beschreibe, wachsen Blumen. Sie haben etwas zu geben, doch sobald ich mich nähere, werfen sie sich fort in ein dunkles, schwarzes Loch und sagen: „Es waren deine Worte. Folgst du ihnen, wird niemand wissen, wohin du gegangen bist. Tust du es nicht, bleibt dir nur das Warten.“

    Ich muss hinaus. Heute scheint die Sonne, und ich spüre, dass ich hinaus muss. Mein Appetit kehrt nicht zurück, aber ich trinke viel Wasser. Es bleibt ein Vakuum, und mir gelingt es nicht, mich selbst zu beobachten, um herauszufinden, was ich tun soll.

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    Für den Kanon kam heute Benjamin Percys „Roter Mond“ an. Die Postbotin klingelt mich verlässlich um 9 Uhr aus dem Bett, ich versuche dann, ohne in den Schrankspiegel zu fallen, zur Sprechanlage zu gelangen. Sie sagt: „Hallo, die Post.“ Sie sagt es ohne Komma: Hallodiepost. Und ich sage: „Ich komme!“ Dann drücke ich auf den Summer und mache mich auf den Weg. Von oben kann ich dann das Päckchen auf der ersten Stufe der Haustreppe liegen sehen.

    Percy schrieb auch für Detective Comics und sehr erfolgriech für Green Arrow, aber auch für das Wall Street Journal oder den Esquire. Diese Verbindungen sind immer wieder amüsant, wenn man unsere eigene literarische Landschaft so betrachtet. Die Rezensionen über Jedediah Berry Handbuch für Detektive und Steven Ericksons Das Meer kam um Mitternacht für das Phantastikon sind geschrieben, ein Interview mit Berry habe ich übersetzt. Gegenwärtig sehe ich mir Kirsten Bakis und ihr Leben der Monsterhunde genauer an (in Wirklichkeit lese ich es). Man muss sich den Slipstream, also die Phantastik, die nicht unter dieser Kategorie firmiert, überall mühsam zusammensuchen und dann auch noch nachsehen, ob es überhaupt eine Übersetzung gibt. Manchmal überrascht mich das, manchmal enttäuscht es mich, der Punkt aber ist: ich werde fündig.

    This is the wall of dolls
    Secret world of smalls

    – Golden Earring, The Wall of Dolls

  • Redgauntlet

    Wie die Hunde hängen sie heute am Wasser rum, die Stadt ist wie leergefegt. Ich verkrieche mich (niemals ohne Kaffee) in meinem abgedunkelten Arbeitszimmer. Mich wirft alles aus der Bahn, komme nicht vor acht Uhr aus dem Bett, sehe dann aus wie ein gemästeter Hering in der Sonne. An mein tägliches Bad ist in den letzten Wochen ohnehin nicht zu denken. Hantiere an Tableau No. 9 herum, wünsche mir das Fieber zurück. Der Herbst vor der Tür, mich freuts. Beruhige und zentriere mich mit Sir Walter Scotts aus dem Roman Redgauntlet ausgekoppelter Erzählung Wandering Willie’s Tale, mit seiner authentischen schottischen Idiomatik, der mehrfachen perspektivischen Brechung und der Detailgenauigkeit. Ein Glanzstück englischer Ezählkunst, ganz eigentlich Scotts Meisterwerk.

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    Es sind schmierige Tage, diese Tage – und die Nächte sind ein Dilemma für sich, die mich auch am Tag nicht loslassen. Wie sollten sie auch, wüssten sie doch mit ihren Klauen sonst nichts anzufangen. Das Unbekannte geht mir ungeheuer auf die Nerven. Wie kann man eine Fleischmaschine nur derart verhöhnen, ihr immer nur das Gefühl geben, sie hätte für sich selbst etwas entdeckt, für sich selbst etwas evaluiert, die schiefen Sandmäuerchen am Strand durch eigenes Denkmanöver vor das Meer gepflanzt, das nun gar nicht zu bemerken scheint, dass der Gegner an Land mit seiner Plastikschaufel unüberwindbar ist. Die Welt erinnert mich durchaus an eine Weißwurstpelle, die im Aschenbecher des Hofbräuhauses liegt. Ich habe die Geschichte schon erzählt, wie einst dort Beutelschneiderinnen, die sich als Klofrauen ausgaben, das Schwanzkommando, das gegen die Wände pisste, dirigierte. Nur waren das keine schmierigen Tage, sondern lebendige Höfe in einem Taschenuniversum. Zumindest von hier aus gesehen.