Wünschenswerte Apokalypse

Ich verhalte mich so, als gäbe es keine Menschen mehr – was von einer Tatsache nicht weit entfernt ist. Ich frage mich dann: würde ich schreiben und sprechen, wenn diese – für mich im Grunde wünschenswerte – Tatsache einmal eintreten sollte. und die Antwort ist: natürlich. Ja, das würde ich, denn ich tue es ja jetzt auch; und der Unterschied ist nur marginal.

Ähnliche Beiträge

  • Schutz vor dem Autor

    Es ist, wenn man über Bücher schreibt, nicht anderes,  als ob man über sich selbst schriebe; nur ein Vorwand zwischen sich und dem Gedanken, den man formuliert. Auch sucht man selbstverständlich sich selbst, wenn man nach Büchern sucht, die man zu lesen beabsichtigt. Man wartet auf ein Signal, eine Merkwürdigkeit, die aus einem selbst kommt. Bücher sind natürlich keine Lebewesen, auch wenn das ab und zu behauptet wird, sie können nichts leisten ohne unser Zutun, und was wir tun, ist ein Abgleich unserer Selbst mit dem, was ein anderer stellvertretend für uns gedacht hat. Im günstigsten Fall gibt es keine Distanz zwischen dem Leser und dem, der für ihn, unwissentlich, geschrieben hat. Es ist nie verkehrt, wenn der Autor, den man liest, bereits verstorben ist oder zumindest ganz und gar unerreichbar, weil er etwa auf einem anderen Kontinent lebt. Auf diese Weise kann man sich am besten vor ihm schützen und vor all dem, was er über uns weiß.

  • Chaoskulturauftrag

    Ich hege die Vermutung, dass meine andauernde Zeterei an einer geringen Fokussierung meines Kulturauftrags liegt. Damit ist selbstverständlich nicht das gemeint, was der öffentliche Rundfunk von sich hält. Der Kulturauftrag besteht vielmehr darin, alles Nötige zu tun, um die eigene Existenz zu erforschen, quasi von Geburt an. Ohne Richtschnur, eher im Sinne der Chaostheorie. Ich bin bisweilen sehr verblüfft, wie wenig mein Hinausreichen in die Welt dem eigentlichen Spiel entspricht. Das Spiel heißt freilich „gefallen“, aber wenn man das will, muss man die Kuh melken, wenn sie einem hingestellt wird. Da nützt es nichts, wenn man gerade lieber Fischen gehen will.

  • Schweins drüber

    Ich hatte ja immer alles, was mir gefiel, und es gefiel mir besonders dann, wenn jemand zu mir sagte, dass ich nicht bräuchte, was ich da wollte, oder sogar schon hatte, aus heiterem Himmel, der nicht einmal dunkler wurde, als er mir das Gewünschte sozusagen sogar aufdrängte. Keiner wusste, wie es dem heiteren Himmel gelang, sich in meine Stube zu schleichen, denn da musste eine Menge Unbehagen überwunden werden, als da wären rostige Nägel, in die man treten konnte, schwingende Wassereimer, oder eben, je nach Experiment, grandiose Dämpfe oder gar Folterinstrumente, um aus feindlichen Steckenpferden sonder Gnaden die ulkigsten Geständnisse zu pressen, wie ein Beispiel mich anmerken läßt, wer der erste Bespringer dieser oder jener Amme gewesen (da logen die doch am Anfang immer, und manche schwiegen bis in den Besen hinein, was bei uns selbst dem Tode gleicht). Wer also dies, und wer also das, und ob überhaupt, und wenn, dann wo, so dass man es auch finden kann – das wurde erfragt. So ging es auf und ab und hin und wider, oder immer und zu, bis ich ganz voller Geschenke war, die mir ja an sich niemand wirklich geschenkt hatte, wobei das auch schon wieder nicht stimmt, denn ich veranlasste mit der gottgnädigen Alchimie, obwohl ich noch gar nichts davon wusste, dass mich das Universum nicht aus den Augen ließ.

    »Schweins drüber«, sagte der Magister Vollpferd, »Schweins drüber, woher es kommt, wenn es kommt.«

  • Nachtwach unter Himmels Schwärze

    Ich entsinne mich noch – die trübe Gassensuppe kann mein Schweifen nicht verhindern – an den tragischen Fall des Gerulphus Bulwer. Der Vater des Burschen war ein ächter Seemann gewesen, der genügend Sächelchen gehortet hatte, die dem, der die Welt nicht kannte und der diese Utensilien unbedacht schaute, die Haare gegen den Strich bürstete.

    Mehr lesen „Nachtwach unter Himmels Schwärze“
  • Hottingers Gespenster

    Endlich habe ich mit den Analysen zu verschiedenen Gespenstergeschichten beginnen können. Es ist auch diesmal so, dass ich das Thema interessant für ein eigenständiges Weblog halte, allein schon, um bei Interessierten keine Verwirrung zu stiften. Das ergeht mir bei den meisten Themen so, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass all diese Versuche sinnlos waren, das heißt, einer falschen Prämisse folgten, die dann natürlich hinaus ins Nichts flog (gut, es gibt gar kein „Nichts“, aber als Metapher taugt der Vergleich allemal).

    Die einst verlustig gegangenen Hottinger-Gespenster sind wieder in der Bibliothek.
    Einer der ersten „early morning’s dawn“ in diesem Jahr.
  • Wolf aus Erz: 1 Todesfels

    Sie hörten vom Tod nur flüstern. In ihre Spanbrettbude, die sich den ausladenden Flur erobert hatte, drangen die Geräusche eines Zeitpunkts nur sporadisch ein, mischten sich mit Träumen, die noch vormundan das verwirrende Spiel mit ihrer gegenwärtigen Existenz trieben.

    Jedes Wochenende knallte mindestens ein Auto, für alle Insassen stets tödlich, gegen den Stein, auf dem ›Granitwerk Vates‹ stand. Darunter befand sich, ebenfalls gemeißelt, ein Pfeil, der die Richtung vorgab, in der der Steinmetzbetrieb an der Eger zu finden war.

    Mehr lesen „Wolf aus Erz: 1 Todesfels“