Fragen an die Maus

Wie viele Bücher könnte man mit allen ersten Sätzen füllen, die je geschrieben wurden?
Schmeckte der Apfel im Paradies nach Oxford?
Wie kann ich an einem Kreuzweg wissen, in welche Richtung ich muss?

Wieviel Klopapier-Tissues kann ich essen, bis ich Verstopfung bekomme?

Wie groß war Karl der Große und wie lautet der Quotient gegenüber den Schlümpfen?

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    Im Januar dementierte der Bürgermeister Max Hager die Gerüchte, Wölfe könnten aus der Tschechoslowakei in das Fichtelgebirge gespült worden sein und Menschen angefallen haben. Das tat er schriftlich in schöner Sütterlinschrift, die in der Redaktion der Frankenpost erst einmal nicht entziffert werden konnte, bis man den verrenteten Chefredakteur Malte Buschbeck bat, seine Eisenbahn – den Waldsteinexpress en miniature – dem man in der Wirklichkeit gerade die Gleise unter dem Treibsatz fortgerissen hatte, kurz abzuschalten, und sich diesen Brief, am besten gleich, anzusehen. Malte wollte noch zwei, drei Bäume pichen, eine neue Naßdampf-D11 auspacken, und versprach, zu kommen, vorausgesetzt, es gäbe keine besonderen Vorkommnisse, die ihn daran hinderten. Manchmal nämlich legten die Kinder Pfennigstücke auf die Schienen, um den Zug entgleisen zu lassen, und das könne er nicht zulassen, da müsse er mit Enthusiasmus und …

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    Wenn das Scheiterfeuer ausfährt, Arme in die Luft walzt und sündengeschwärzt die Grasnaben höllenheiß anlangt, trocknen die schweißverzerrten Gesichter, fallen in sich zusammen, blähen sich neu auf. Mit den Lippen springend führt die Hand den läppischen Wein zum Maule der offenen Kehlen. Aber auch Mineralwasser stehen bereit : Pyrmont, Eger, Karlsbad, Sauerbrunn, Seltz, Fachingen. Aus dem rembrandtschen Feuer hallen Rufe : Man will ins Diesseits brechen, die Aufgabe ist durchaus groß; so sind zwar die Gestalten der langen Nacht nur Boten, die Nachricht aber ist dringlich.

    Da also verlassen sie ihre Schatten wie Pflaumen, die von Bäumen purzeln. Es sind all die toten Dichter und sie fordern ein Buch. Nur Goethe, der Verächter noch im Jenseits, fehlt. Dafür steht der kopflose Schiller Spalier gleich neben Richter, der mich, seinen Landsmann, neugierig anschielt.

    Für diesen seltsamen Besuch habe ich mir einen Vorrat angelegt: Bärendreck, Hefekringel, Puffmais, Rahmstrudel, Zuckermus, Süßholz, Knusperflocken, gedeckte Apfeltorte, Molossol, „verlorene Gier“, Knuddelflecke, Buttensuppe, Pumpernickel. Für ein Bade sind’s zu viele der entrückten Musensöhne. Wer hätte nicht schon gern mit den Geistern der Vergangenheit Zeit in einem Nymphenkübel verbracht? Doch ich befinde mich in der Umgebung nur schlumpiger Moderne, wo Haarhecken und von der Schere abgenagte Nägel dem Abguss regelmäßig einen Pfropf aufsetzen.

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    Traum: Ich in einem Raum ohne Möbel, außer dem Tisch, an dem ich sitze. Mir gegenüber ein Mann, der eine Zeitung studiert. Er ist mir fremd und wartet auf den Bus (oder auf den Zug). Derweil sind zwei Handwerker mit der Tapete beschäftigt. Sie schneiden Steckdosen und Lichtschalter aus. Sie ist weiß und augenscheinlich aus uralten Tagen, schwer mit einem stilisierten, leicht glänzenden Muster.

    Nach vier Tagen mit interessanten Symptomen, die meine Stimme etwas in Mitleidenschaft zogen, geht es mir heute wieder etwas besser. Ich bin recht gut durch diese apokalyptische Stimmung gekommen, aber natürlich wird diese so schnell nicht enden. Es wäre aber falsch zu behaupten, die Misere, die sich seit einem Jahr zeigt, hätte mir gar nichts ausgemacht, schließlich muss ich doch dann und wann das Haus verlassen, um etwas einzukaufen. Ich kann mir nicht alles schicken lassen. Mir war der Kontakt mit vielen Menschen schon vor der Pandemie ein Graus, doch mittlerweile ist es schierer Ekel. Natürlich lege ich meine Einkäufe in die früheste mögliche Stunde, aber man kommt nie ganz davon. Ich wünschte mir eine eigene Infrastruktur für Hochsensible.

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    Breton in einigen wenigen Sätzen zu grundieren, ist ein unmögliches Unterfangen. Ob man ihn nun als den Begründer der einflussreichsten künstlerischen Bewegung, die es jemals gab, anerkennt, oder ihn zum letzten Vertreter der europäischer Intelligenz ausruft. Im Vordergrund steht kein literarisches Schaffen im herkömmlichen Sinn, was Breton sein wollte, war er ganz und gar. Es ist bezeichnend, dass der kontinentale Surrealismus durch ihn initiiert, verstörte und aufbegehrte, beinahe exaktamente mit seinem Ableben ebenfalls das Zeitliche segnete, während der Geist dieser Lebenshaltung – man kann sagen – nach Lateinamerika auswanderte, wo er nicht zuletzt durch Bretons Busenfreund Octavio Paz (aber auch durch Neruda) zu höchsten Weihen fand.

    Auswahlbibliothek:

    Die Manifeste des Surrealismus
    Die magnetischen Felder
     (mit Soupault)
    Nadja
    L’amour Fou
     (in einer grottenschlechten Übersetzung bei Suhrkamp)

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