Airus

Wie verrückt geht es zu in den inneren Absichten, zürnende Wolken, weil ich zögere, zu notieren, werde blass, so dass ich deine Figur entdecken (unter den Wolkendecken) kann, da wie du oben liegst, ich unten dich sehe, zornende Luftschneise, Airus, Airus, Aehre der Höh’, Regen zaunt den Wanderer (ich Wanderer) ein und lässt ihn nicht seine Trockenheit ausschwitzen. Geh durchnässt wie ein bitterer Gedanke, nähm’ das neue Blatt von einem Stapel, die Zeit, ich grüßt’ sie dort, ich hielt’ mich auf in der Erinnerung nur kurz, dann wurde sie das Erbleben, der Sack, mit dem man weitergeht und gellt (man ist so laut), aber kaum wäre die Semisphäre leiser, würden wir vielleicht nicht, oder vielleicht gar nicht einmal, zweimal existieren, brotnötig, dass ich jetzt in alle 4 Himmelsrichtungen blicke, in 8 Erdrichtungen, in 16 Höllenkreise, in 7 Keller, macht zusammen 35.
Wir destillieren uns ein Universal=Panazee, crepusculum matutinum : die Morgendämmerung der alten Bücher, Rhythmus von Systole & Diastole. Und wenn hinter all den Stürmen der Äther lauert? Das riesige Gesicht, der halbgebrochene Zahn?

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    Im Innern des Küchenflügels roch es nach Linoleum und warmem Holz. Die breiten Treppenstufen quietschten bei jedem Schritt, den Carisma und ihr Enkelsohn taten. Das Geräusch erfüllte auch jene Ecken des Gebäudes, die gar nicht bekannt waren, die sich in fremden Winkeln und Fluchten verschanzten und den Schall mit der Beigabe ihrer Existenz zurückwarfen. Etwas Nachdrückliches lag in dieser Architektur, die sie zu einem vergessenen Bruder des Brandenburger Tors oder der Bayreuther Schlossanlagen machte.

    Carisma atmete schwer, als sie die letzten Stufen erklommen hatten und inmitten eines Korridors standen, der hoch und lang in beide Richtungen floh. Unter einem Arm trug sie einen Wäschekorb aus Bast, in den sie beabsichtigte, einige wertvolle Stücke zu packen, die sich zweifellos unter den Hinterlassenschaften der jüngst verstorbenen Johanna befanden. Schon seit geraumer Zeit kam sie jeden Tag hier in den leeren Küchenflügel des ehemaligen Jagdschlosses, um das kleine Erbe zu sichten, zu verschnüren, und von Schmutz zu befreien, denn die Jahre lagen auf allen Dingen. Und heute wollte ihr Adam dabei behilflich sein.

    »Wenn ich es nicht besser wüsste … aber diese Treppe scheint jeden Tag ein paar Stufen mehr zu bekommen.«

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  • Die Veranda: 10 Die Begegnung mit dem Gevatter

    Jeder intelligente Mensch raucht, also raucht auch Brunswick. Chesterfield, wie Ricky damals, sieht sich um, folgt mit den Augenmuskeln dem Duktus der Skizze, die sich vor ihm ausbreitet. Wie aber kommt er dazu, sich diesen monumentalen Epen zu verschreiben? Gab es da nicht einen Traum, ein wenig hölzerne Romantik? Caspar David Friedrich aus dem Reagens, eine eigene Seelenqual? Verloren … und Verlust, das Tier ist schon tot, man muss es nicht noch durch kochen umbringen. In der Tat, es gibt diese verblassende Liebe, diesen hohlen Schmerz, den man sich ebenso einbildet wie das Begehren (am Ende begehrt man sich doch immer selbst, schaut sich im Spiegel dabei zu, wie man fickt, und wenn beide jetzt auf dieselbe Idee kommen, sieht man im Spiegel zwei glotzende nackte Kreaturen, man stellt die Uhr auf 25 Minuten, das entspricht etwa 5000 Metern), eine Trotzreaktion, Leib und Seele zu gefährden, in das dunkle Gemach der finsteren Zusammenhänge zu treten. Dort sitzt der Gevatter bereits Pfeife rauchend hinter seinem Knochentisch, im Bruyèrekopf nicht etwa ein abwegiges Kraut, nein, unser Lieblingsreiter raucht Asche, die dadurch zwar nicht, wie angenommen, zurück in einen Fleischklumpen revoziert wird, aber nichts desto trotz sein letztes uns bekanntes Leben ausgeschmaucht bekommt.

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  • Haderlumpen in der Küche beim Schmacken

    Wenn’s uns mit dem Kuss so ergeht, als wär’s zunächst ein Gruß von Innigkeit, sind wir vom Schlemmerwort ›Lecktschmandt› nicht mehr weit entfernt. Die Kusskelbertate ist nicht weit von der Hintertür entfernt und uns soll jetzt gar nichts anderes jucken als den Kuss auch auf die Liebe zu verweisen – mit deren Intension wächst auch die Bezeichnung des Kusses selbst.

    Der Gruß von Innigkeit fliegt meist nur durch die Luft oder wird angedeutet, der Kuss der Verehrung wird uns erst die Brücke basteln, die bereits das Lustgefüge gewähren lässt, also bereits den Wechsel zwischen Gruß und lippender Inbesitznahme für das eigene Empfinden meint.
    Bossen, Guschl, Tunsch, und Schmatz sind nur einige seiner sonderbaren Namen, und wo immer wir auch den Gruß des Kusses finden mögen, soll nicht das darin ausgedrückte Besiegeln von Frieden und Freundschaft uns für den Moment interessieren, sondern das Schlemmen des anderen, geliebten Parts. Da wird es nicht wunderlich sein, wenn selbst das höhere »Leck mich« doch eigentlich den Kuss bezeugt, denn ob man einen Arsch nun leckt oder küsst, macht der Frivolität keinen Umstand.
    In Wahrheit geht das Küssen an der richtigen Stelle bereits notwendig in ein forderndes Schlecken über, das nun auf Speis‘ und Trank – du bist mir also Speis‘ und Trank – verweist, auf das Vernaschen. So wird deutlich, dass jemand von der Lust und von der Liebe zu leben vermag, er nascht vom dargebotenen Leib der Inbrunst, der Brunft; von der Aura des oder der Geliebten wird er sich be=essen.
    So wie ebenfalls der Thanatos dem Eros nicht weit, so ist es auch das Essen aus dem Munde. Die orale Befriedigung des Kindes ist auch die Befriedigung des neuen Zustands der Liebe.
    »Gott, wie bin ich beschmetterlingt!« (– statt ›beflügelt‹.)

    Spaziergang; ’s Wonnestündlein hat geschlagen; Magd, gezwickt ins feiste Fleisch unter der Wolle, das sich rosend durch die Maschen zeigt. Willst du, dass man dich niederreißt, auf Schößen zappeln? Titt tatt tatt die Sauce aus den Ärmeln pludert buttert, schmiert und suppt, Gerüche vieler Zecher Dunst und vieler Mägde Beine schwitzen sich beim Kochen knochenglatt. Fisch mit Salbei und Lorbeerstrunk / Blanc Manger / Gesulztes Ochsenmaul / Karmeliter-Torten / Kälberbriesen & Euter / Kuttelflecke / Nierenomelette / Trauben in brauner Sauce / Jagdpasteten / Markmelonen / Böflamod.
    Trippel trappel Mäuse klackern in den Ecken (Josefine, die Sängerin) hinterm Spülstein, Katzen wetzen schlanke Messer (vom Fressen auf den Schlachtfeldern: die Speisekarte – das blutigste Blatt das wir schreiben) schneller Marmortopf; Filme vom Fressen : der Projektor malt stümpernde Kochweisen an die Küchenwand. Im Einkauf nicht bekommen : diese Kapern oder Rosenblätter für den bitter’n Salat, den frischen Lorbeer-Kranz, den Karpfen mit dem tollen Namen und das Brot aus Themenreuth. Aber die Feste sind verändert worden, der Industriefraß dominiert, was frisch ist, wird gleich weggeworfen. Eis am Stiel : früher trug man eine gefrorene Wasserpfütze wie einen Lolli-Pop, die Geschmäcker, dann zertanzte sie einen Beutel Kakao, das anregende Zahlungsmittel der Inka, oder zerbiss eine von Rilkes geliebten Erdbeeren, Saft spritze druckvoll über Finger, klebte an den Lippen, die Zunge tat einen Salto (wie ein Frosch das Insekt).

    orig.
    Die Fett hinunter zu Tisch zurück getrieften Rinnsale ausgestülpter inkompetenter Lippen und auch Wildbart. Besteck=Finger greifen abgekühltes Kochgut Kran Schaufel zwick zwack und Wein Bier Kelch Steingut üppig berankt satter dicker süßer Blätter lutherisch lüstern platscht plantscht das Fußbad (Kamillenschaum, Lavendellwasser) die Knochen fallen wo die Hunde lappend Boden suchen züngeln um das Hühnerbein (Watt – ein sonderbarer Eintopf). Steigt die Brunze wird gepißt und steigt das Blut : der Aderlaß Spaziergang Wonnestündlein hat geschlagen Magd gezwickt in feistes Fleisch unter der Wolle das sich rosend durch die Maschen zeigt willst du daß man dich nieder=reißt auf Schößen zappeln Titt tatt tatt die Sauce aus den Ärmeln pludert buttert schmiert & suppt Gerüche vieler Zecher Dunst und vieler Mägde Beine schwitzen sich beim Kochen knochenglatt (ohne Rasur) den Fisch den sie auch selber reiben mit Salbei & Lorbeerstrunk. Trippel trappel Mäuse klackern in den Ecken (Josefine, die Sängerin / Kafka) hinterm Spülstein Katzen wetzen schlanke Messer mündern (vom Fressen auf Schlachtfeldern : die Speisekarte – das blutigste Blatt, das wir schreiben / Deschner) schneller Marmortopf (oder sonst 1 Stein) Filme vom Fressen : der Projektor malt und sei es vergänglich stümpernde Kochweisen an die Küchenwand) im Einkauf nicht bekommen : diese Kapern oder Rosenblätter für den bitteren Salat, den frischen Lorbeer=Kranz, den Karpfen mit dem tollen Namen & das Brot aus Themenreuth, habe gesehen, daß die jungen Mädel Maische treten und träume, daß man ihre planta pedis sauberlecken darf für 1 Taler (der Krug geht um) Pediküre statt Friseur deshalb Zöpfe. Aber die Feste sind verändert worden der Industriefraß dominiert was frisch ist wird gleich weggeworfen (es ist besser so oh glaube mir) Eis am Stiel : früher trug man 1 gefrorene Wasserpfütze wie 1 Lolli=Pop, die Geschmäcker : Großvaters Reifen, Abrieb auch von Gummistiefeln oder Mückenlarven oder wiedergegebene Tellersulze (wenn man aus dem Besen kam) dann zertanzte sie 1 Beutel Kakao das anregende Zahlungsmittel der Inka oder zerbiß eine von Rilkes geliebten Erdbeeren, Saft spritzte druckvoll über Finger, klebte an den Lippen die Zunge tat 1 Salto (4/4 Offbeat) wie ein Frosch das Insekt.

    Standort : München, Hofbräuhaus 2003, die Klofrauen schauen auf Wunsch beim Pinkeln zu und loben den Penis.

  • Tetra

    Die Milchstraße im Tetra-Pack
    Ist eine Neuerung mit Fortune.
    So schlürfen wir uns selbst &
    Wissen endlich, wo wir bald
    Nicht mehr stehen.

  • Kaffee bei Birnstiels

    Kaffee gibt es in den unterschiedlichsten Höhenlagen, deshalb natürlich auch in Kempten. Wer es gerne hat, dass sein Kaffee nach alten Zeitungsrollen und Druckerschwärze schmeckt, der beehre den Herrn Birnstiel, seines Zeichens freilich kein Kaffee-Ausschenker wienerischer Couleur, sondern hoheitlicher Marketender für Druckartikel aller Art – und einer der letzten einer aussterbenden Zunft.

    Presse Birnstiel

    Heute empfing er den Meister ganz im Blüschen, mit Schlips und ordentlicher Bommelei, festlich und fesch, gekämmt und adrett. Ein stattlicher Zeitungswaren-Vorzeiger (der sich auch mit Tabak, Haschischpfeifen und – nur so zum Spaß – einem Kaffeeautomaten brüsten kann. Man kann sich hier im Laden schlicht über alles unterhalten: Knötchen in der Brust, wo bekommt man ein bezahlbares Hirschgeweih, war die Fußpflegerin heute wieder schick?; bei Presse Birnstiel tobt der Figaro-Gedanke wie sonst nirgends mehr. Hätte Kempten eine Mutter, dann hieße sie Herr Birnstiel. Weiland kaufe ich meine wie auch immer gearteten Heftchen dort, die dann, Opfer jeder Sammlung, irgendwo im Keller lagern. Aber nicht diesmal. Diesmal bin ich auf der richtigen Spur, die da lautet: Hochphilosophie. Im Zeitungsschlabberladen? Oh ja, denn ich habe es auf die Buchrücken der LTBs abgesehen, Kater Karlo als intergalaktischer Schurke. Ist das nicht very well by the way? Tröstet euch: auch wenn der Kaffee für umme war, er schmeckte nicht besser als ein angebohrtes Leitungsloch und ich habe ihn dennoch getrunken. Wird das Auswirkungen auf meine Gesundheit haben? Ich glaube nicht, denn selbst die schlimmste Kloake verwandelt sich in Kempten in ein übersinnliches Tröpfchen aus dem Acheron.