Die Bleimasken von Rio

Paranormal

Es gibt Kriminalfälle, die sich scheinbar mühelos lösen lassen, weil sie einer klaren Logik folgen. Es gibt aber auch jene seltenen Ereignisse, die alle bekannten Erklärungsansätze sprengen und mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten. Einer dieser außergewöhnlichen Fälle ist der so genannte Bleimaskenfall in Brasilien im Jahr 1966, der bis heute ein Rätsel geblieben ist und Wissenschaftler, Hobbydetektive und Verschwörungstheoretiker gleichermaßen auf den Plan gerufen hat. Natürlich gibt es schon viel darüber zu lesen, schließlich ist das alles schon lange her, aber im Phantastikon hatten wir noch nie darauf hingewiesen.

Ein Drachenflieger und ein seltsamer Fund

Der Vorfall begann am 20. August 1966, als ein junger Mann auf dem abgelegenen Vintem-Hügel in den Bergen eines Vororts von Rio de Janeiro seinen Lenkdrachen steigen ließ. Bei seinem Ausflug stieß er auf eine verstörende Szene: die Leichen zweier Männer, nebeneinanderliegend, in feinen Anzügen, mit Regenmänteln bedeckt und Bleimasken über den Augen. Der Fundort war schwer zugänglich, sodass die Polizei erst am nächsten Tag die Leichen erreichen konnte. Was sie vorfand, sollte zu einem der bizarrsten ungelösten Kriminalfälle Brasiliens werden.

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Marilyn Monroes Tod

Eine Schreckensnachricht erreichte die Welt am 5. August 1962: Marilyn Monroe starb im Alter von 36 Jahren. Ihr Leben und ihr Tod haben unzählige Bücher, Filme und Fernsehsendungen inspiriert. Doch was hat die Untersuchung von Marilyn Monroe tatsächlich über ihren Tod ergeben?

Die Geschichte gliedert sich in zwei Teile. Zum einen gibt es den offiziellen Bericht, der besagt, dass der Star an einem „wahrscheinlichen Selbstmord“ gestorben ist, eine Schlussfolgerung, die erstmals 1962 getroffen wurde. Eine erneute Untersuchung ihres Todes im Jahr 1982 ergab, dass Monroe an einer versehentlichen Überdosis gestorben war.

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Die Titanic und das Paranormale

Paranormal

Da sind zunächst die prophetischen Umstände des Untergangs selbst. Im Jahr 1898 veröffentlichte der Autor Morgan Robertson eine Novelle mit dem Titel „Futility“ (Vergeblichkeit), die verblüffende Ähnlichkeiten mit der Titanic-Katastrophe von 1912 aufweist. Von der Kollision mit einem Eisberg auf der Jungfernfahrt von Southampton bis zur angeblichen Unsinkbarkeit des Schiffes aufgrund wasserdichter Abteilungen und eines Mangels an Rettungsbooten – alles glich sich auf unheimliche Weise. Der wohl unheimlichste Aspekt war der Name des fiktiven Schiffes: Titan.

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Der Geist am Hollywood-Wahrzeichen

Paranormal

Die Hügel rund um das berühmte Hollywood-Zeichen in Los Angeles sind ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, Touristen und angehende Schauspieler. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man auf dem Weg zu den großen weißen Buchstaben eine schöne Blondine sieht. Doch eine Besucherin namens Megan Santos spürte etwas Seltsames an der ätherischen Gestalt, der sie auf ihrem Weg den Berghang hinauf begegnete.

Da war diese Frau mit blonden Haaren und sie schien … in der Luft zu gehen„, sagte Santos 2014 gegenüber VF Hollywood. „Ich bin sofort in die andere Richtung gelaufen.“

 Quelle: Wikimedia Commons

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Spook Hill

Paranormal

Zwischen den sanften Kämmen der Catoctin Mountains, dort, wo die Wälder von Maryland in Nebel und Geschichte getränkt sind, liegt eine Straße, die uns das Denken verdirbt. Wer hier sein Auto anhält, den Motor schweigen lässt und den Gang herausnimmt, wird erleben, wie sich das Gefährt in Bewegung setzt – langsam erst, dann entschlossen, und scheinbar bergauf. Auch ein Ball, achtlos zu Boden geworfen, gehorcht demselben Gesetz: Er rollt, als zöge ihn eine unsichtbare Hand, nicht hinab, sondern hinauf.

Die Menschen nennen den Ort Spook Hill, und der Name ist nicht zufällig gewählt. Burkittsville, das stille Städtchen am Fuße eines Hügels, ist seit jeher ein Ort, an dem sich Geschichten sammeln lassen. Im September 1862 tobte hier die Schlacht von South Mountain, nur Tage vor dem Blutbad von Antietam. Hunderte fielen, und das Dorf wurde zum Lazarett: Kirchen verwandelten sich in Krankensäle, Scheunen in Behelfsquartiere für die Sterbenden. Man sagt, die Soldaten hätten keine Ruhe gefunden. Ihre Geister, noch immer auf der Suche nach Kameraden, legen Hand an jedes Fahrzeug, das anhält, und treiben es in Richtung der Häuser, so wie sie selbst einst in die Heimat zurückwollten.

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Urban Fantasy – Teil 3: Die Chronik der urbanen Fantasy

Bouquinist Rubrik

Im vorherigen Beitrag sprachen wir über die ersten Autoren, die sich in den 80er und 90er Jahren in das Neuland der urbanen Fantasy wagten: Charles de Lint, Emma Bull, Laurell K. Hamilton, Neil Gaiman und andere. Nun wollen wir sehen, wie sich die urbane Fantasy im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts entwickelt hat.

Kinderbücher, Jugendbücher und neue Belletristik für Erwachsene

In den 90er Jahren wurden urbane Fantasy-Bücher hauptsächlich für Erwachsene geschrieben. J.K. Rowling änderte das, indem sie urbane Fantasy-Themen in ihre Harry-Potter-Serie integrierte. Die Grundidee der Serie ähnelt derjenigen, mit der Neil Gaiman in Niemalsland gespielt hat, nämlich der Koexistenz zweier Realitätsebenen, einer technologischen und einer magischen . Man kann sogar sagen, dass Harry Potter und der Stein der Weisen (1997) ein Niemalsland für Kinder und Jugendliche ist.

Jugendliteratur (auch „Young Adult“ genannt) hat sich in den 2000er Jahren massiv mit urbaner Fantasy auseinandergesetzt. Twilight (2005) von Stephenie Meyer war ein großer kommerzieller Erfolg, trotz der erheblichen Schwächen des Romans (oder vielleicht wegen dieser Schwächen). Kurz darauf startete Cassandra Clare ihre Chroniken der Unterwelt mit City of Bones (2007). Seitdem hat sich die Urban Fantasy für Kinder u. Jugendliche in den Regalen jeder Buchhandlung festgesetzt und sich zu einem der kommerziell erfolgreichsten Genres der Geschichte entwickelt.

Die neueste Entwicklung ist die Entstehung der sogenannten „New Adult“-Literatur, die sich an Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren richtet. Dieses Genre ähnelt der Jugendbelletristik, enthält aber etwas ältere Protagonisten (Ende der Pubertät und Anfang der Zwanziger) und manchmal auch erwachsenes Material, aber nicht immer. Mit Lev Grossmans Fillroy – Die Zauberer startete 2009 eine neue erwachsene Urban Fantasy, und dieses Subgenre gewannt schnell an Dynamik. Die Zauberer wurde als der Harry Potter für Erwachsene beworben, aber dieser Roman ist nicht nur ein Harry Potter-Abklatsch. Dennoch besteht der Hauptunterschied darin, dass dieser Roman nicht vor erwachsenen Themen zurückschreckt.

Detektive des Übersinnlichen: Wenn Hardboiled auf Fantasy trifft

Detektive und Privatdetektive, die sich mit unerklärlichen, paranormalen Ereignissen beschäftigen, sind kein neues Thema in der Literatur. Eigentlich waren die allerersten Bücher, die sich mit diesem Thema befassten, keine Belletristik, sondern Hexenjägerhandbücher. Das berühmteste von ihnen war der „Hexenhammer“ Malleus Maleficarum, der 1486 von Heinrich Kramer, einem deutschen Geistlichen, geschrieben wurde. Auch das Thema der Detektive, die mit Hilfe von Magie Verbrechen aufklären, ist nicht neu. Als Subgenre der Kriminalliteratur lässt sich die okkulte Detektivliteratur bis in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen.

In den 1990er Jahren waren Fantasy und hartgesottene (Hardboiled) Noir-Detektivgeschichten völlig unterschiedliche Genres und schienen nichts gemeinsam zu haben. Fantasy-Geschichten wurden in sekundären, vorindustriellen Welten angesiedelt, in denen Magie zum Alltag gehörte. Noir-Detektivgeschichten spielten in modernen Metropolen und waren mit den sozialen Brennpunkten der Großstädte verwurzelt. Versuche, diese beiden Genres zu verschmelzen, wurden manchmal mit Erfolg unternommen, wie das Beispiel der Hellblazer-Comics zeigt. Das fantastische Noir blieb jedoch ein relativ kleines Genre, bis Jim Butcher es neu erfand.

Könnt ihr euch eine Kreuzung zwischen Sam Spade und Gandalf vorstellen?

Jim Butcher ist der MacGyver der Fantasy. In „Sturmnacht“ (2000) kombinierte er zwei unterschiedliche Genres zu etwas Neuem und Funktionalem: Die Detektivgeschichten verbindet sich mit Sword & Sorcery. Im Gegensatz zu MacGyver setzte Butcher seine Fähigkeiten jedoch nicht dazu ein, um für Gerechtigkeit zu sorgen, sondern um eine kommerziell erfolgreiche Serie urbaner Fantasy zu schreiben: „Die dunklen Fälle des Harry Dresden“. Wie die meisten Bestseller werden seine Bücher niemanden auf intellektueller Ebene herausfordern, aber sie werden jeden gründlich unterhalten. Meines Wissens ist Butcher der kommerziell erfolgreichste Autor im Genre der urbanen Fantasy. Fünf seiner Bücher belegten den ersten Platz der New York Times Bestsellerliste. Nur wenige Schriftsteller schafften so etwas.

Die Dresden-Files weisen viele Ähnlichkeiten mit Anita Blake auf, es gibt aber auch einige signifikante Unterschiede. Insbesondere die fiktiven Universen sind ganz anders aufgebaut. Die Dresden-Files beziehen sich stärker auf den Hardboiled-Kriminalroman, aber auch auf Sword & Sorcery. In der Serie Anita Blake drehen sich die Geschichten oft um Vampire und andere Untote und ihren Machtkampf. Der andere wichtige Unterschied ist die Entwicklung der Serie, da Anita Blake sich in Richtung paranormaler Romantik und Erotik bewegt, während die Dresden-Files fest im übernatürlichen Detektiv-Genre verwurzelt blieben.

Findest du es lustig, gegen Dämonen zu kämpfen?

Urbane Fantasy-Romane haben oft einen leichten, lässigen Ton. Humor ist omnipräsent, unabhängig davon, wie düster und dramatisch die Geschichte ist. Wir sehen es bereits in Moonheart (1984) von Charles de Lint, sowie in anderen frühe Beispielen urbaner Fantasy. Bittersüße Tode (1993) von Laurell K. Hamilton beginnt so:

Willie McCoy war ein Idiot, bevor er starb. Dass er tot war, hatte daran nichts geändert.

Während einige Urban Fantasy-Autoren einen relativ ernsten Ton anlegten (z.B. Kelley Armstrong in Die Nacht der Wölfin, Patricia Briggs in Moon Called), zögerten andere nicht, ihren Geschichten eine gute Portion Humor hinzuzufügen. Einige Passagen aus Sturmnacht kommen mir in den Sinn, z.B. wenn Harry Dresden mit Bob, einem Geist reinen Intellekts, der einen menschlichen Schädel bewohnt, diskutiert. Auch Neil Gaiman verfolgt in seinen Büchern einen augenzwinkernden Ansatz. „Ein gutes Omen“ (Good Omens: The Nice and Accurate Prophecies of Agnes Nutter, Witch), 1990 zusammen mit Terry Pratchett geschrieben, ist eine Komödie des Übersinnlichen, die den Glauben an die biblische Apokalypse verspottet. Niemalsland (1996) strotzt ebenfalls vor humorvoller Dialoge, und die Bösewichte der Geschichte sind ebenso urkomisch wie finster.

Starke Frauen als Heldinnen

Die überwiegende Mehrheit der urbanen Fantasy-Romane zeigt willensstarke weibliche Protagonistinnen. Die einzigen Ausnahmen, die ich kenne, sind die Dresden-Files und Fillroy – Die Zauberer, beide von männlichen Autoren geschrieben, was nicht gerade überraschend ist.

Anita Blake ist eine ikonenhafte Figur, der Prototyp einer knallharten Heldin (siehe meinen vorherigen Beitrag zur Geschichte der urbanen Fantasy). Sie ist unabhängig, zielstrebig, mutig und in der Lage, sich zu verteidigen. Um das Ganze noch zu toppen, ist sie eine risikofreudige und adrenalinsüchtige Frau. Sie lässt sich von niemandem etwas gefallen und gerät wegen ihrer trotzigen Haltung oft in Schwierigkeiten. Unzählige urbane Fantasy-Heldinnen würden in dieses Profil passen: Elena Michaels (in der Otherworld-Serie von Kelley Armstrong), Mercy Thompson von Patricia Briggs), Rachel Morgan von Kim Harrison, Kate Daniels von Ilona Andrews), Selene (in der Underworld-Filmreihe) und so weiter.

Einige weibliche Protagonistinnen sind femininer und verletzlicher, aber auch sie haben eine starke Persönlichkeit, zum Beispiel Sookie Stackhouse (Buchreihe von Charlaine Harris und TV-Serie True Blood) oder MacKayla Lane, genannt Mac (Fever-Serie von Karen Marie Moning). Sie können aussehen wie Barbie-Puppen, aber sie wissen, was sie wollen, und sie bekommen, was sie wollen. In Im Bann des Vampirs gibt die 22-jährige Mac ihre verschwenderische Lebensweise in Ashford, Georgia, auf und reist nach Dublin, um den Mord an ihrer Schwester zu untersuchen. Ohne Detektivausbildung und ohne Hilfe der Polizei ist es nicht verwunderlich, dass sie schnell in Schwierigkeiten gerät. Doch sie weigert sich, nachzugeben. Einige würden sagen, sie sei mutig und entschlossen, andere würden sie als stur oder hitzköpfig bezeichnen. Wie immer man das sieht.

Das Thema weiblicher Emanzipation ist in der Literatur nicht neu. Die frühesten Beispiele, die ich kenne, sind Schauerromane vom Ende des 18. Jahrhunderts (siehe Ursprünge der Urban Fantasy). Interessanterweise erschien im selben Zeitraum (1792) Verteidigung der Frauenrechte von Mary Wollstonecraft, eines der frühesten Werke feministischer Philosophie. Wie ich bereits in meinem vorherigen Beitrag dargelegt habe, ist die urbane Fantasy das Äquivalent der Gothic Novel des 21. Jahrhunderts, in dem Sinne nämlich, dass diese beiden Genres viel gemeinsam haben. Die urbane Fantasy erlaubt es uns jedoch, das Problem der Frauenrechte aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Werwolf-Geschichten sind in diesem Zusammenhang interessant, zum Beispiel Bitten von Kelley Armstrong, Moon Called von Patricia Briggs oder Kitty and the Midnight Hour von Carrie Vaughn. Sie zeigen weibliche Werwölfe oder Gestaltwandlerinnen und stellen ihre komplexen Beziehungen zu den Werwolf-Clans dar, zu denen sie gehören. Geschlechterrollen, Emanzipation, Homophobie, Autorität und Autoritätskonflikte – es gibt viel zu sagen über Werwolf-Geschichten.

Geht es nur um Sex?

Urban Fantasy hat den Ruf, attraktive Protagonisten, denen sinnliche Genüsse nicht fremd sind, mit ebenso attraktiven Partnern des anderen Geschlechts zu präsentieren. Der Grund dafür ist einfach. Von Anfang an wurde urbane Fantasy eng mit paranormaler Romantik verbunden, obwohl nicht alle urbanen Fantasy-Geschichten Romantik enthalten. Die meisten von ihnen tun das, und ich sehe das nicht als Problem. Wer genießt nicht eine gute Liebesgeschichte?

Das Problem ist, dass sich Romantik in manchen urbanen Fantasy-Geschichten erzwungen anfühlt. Eine alte Vampirin verliebt sich plötzlich in einen Menschen. Warum? Weil es praktisch ist, das ist alles. Ich denke zum Beispiel an die Underworld-Serie. Im ersten Film verliebt sich Selene in Michael Corvin. Warum fühlt sie sich zu ihm hingezogen? Was macht ihn so besonders?

Dreiecksbeziehungen sind auch in der zeitgenössischen Fantasy weit verbreitet. Das kann eine mächtige Erzählstrategie sein, wenn das Thema intelligent eingesetzt wird. In Bitten von Kelley Armstrong enthüllt die Dreiecksbeziehung zwischen Elena, den Protagonisten Phillip (einem Menschen) und Clay (einem Werwolf), die Dualität von Elenas Persönlichkeit. Sie ist ein Werwolf, der versucht, ein normales, menschliches Leben zu führen. Ihr Freund Philip weiß nicht, wer sie wirklich ist. Ihre Liebe zu Phillip rührt von ihrer Verbundenheit mit der Menschheit her und ihrem Wunsch, sich von ihrem Rudel zu emanzipieren. Ihre Sehnsucht nach Clay hingegen kommt von ihren fleischlichen, tierischen Instinkten. Mit anderen Worten, der Mensch in ihr liebt Phillip, während der Wolf in ihr Clay liebt. Welche Seite ihrer Persönlichkeit wird gewinnen? Lesen Sie das Buch, um es herauszufinden!

Eskapismus oder eine andere Sichtweise auf die Realität?

Urbane Fantasy – wie die meisten Fantasy-Subgenres – betont Heldentum und persönliche Leistung. In urbanen Fantasy-Geschichten werden gewöhnliche Menschen jedoch oft in übernatürlichen Machenschaften gefangen gehalten. Wie ich in meinem vorherigen Beitrag schrieb, mag die urbane Fantasy ein eskapistisches Genre sein, aber dies ist ein zweideutiger Eskapismus, der uns immer wieder in die Realität zurückbringt.

Für mich ist der interessanteste Aspekt der urbanen Fantasie, wie dieses Genre mit dem Thema Dualität umgeht. Realität versus Fantasie, Modernität versus Tradition, Technologie versus Magie, Intellekt versus Instinkt. Dualität scheint der Kern jeder urbanen Fantasy-Geschichte zu sein. Die Gegensätze konkurrieren miteinander, um sich besser zu ergänzen. Ein gutes Beispiel für die Yin-Yang-Theorie, oder etwa nicht?

Asterix (Die unbeugsamen Gallier)

asterix

1959 schufen zwei Franzosen, der Autor René Goscinny und der Zeichner Albert Uderzo, eine legendäre Comic-Saga, die Jahrzehnte und Generationen überdauert hat: Asterix. Der Comic handelt von einem kleinen gallischen Dorf in Armorica im Jahr 50 v. Chr. (kurz nach der Eroberung durch die Römer), das den Kampf gegen die Invasoren nur dank eines von einem Druiden gebrauten Zaubertranks weiterführt, der jedem, der ihn trinkt, übermenschliche Kräfte verleiht. Die Hauptfiguren sind der Krieger Asterix und der Hinkelsteinlieferant Obelix, die vom Dorf beauftragt werden, die Pläne der Römer zu vereiteln oder jeden zu unterstützen, der um Hilfe gegen die römische Republik bittet.

Der gallische Krieg

Julius Cäsar führte erfolgreich einen Krieg, der als Gallischer Krieg bekannt wurde. Er dauerte mehrere Jahre. Das betroffene Gebiet in Gallien umfasste ganz Frankreich, erstreckte sich aber auch auf Deutschland, Luxemburg, Belgien, die Schweiz und sogar auf Teile Italiens. Den endgültigen Sieg errang Cäsar in der Stadt Alesia in Frankreich, wo der große belgische Heerführer Vercingetorix seine Waffen niederlegte und sich Cäsar zu Füßen warf. Die gallischen Kriege waren beendet. Cäsar hatte gesiegt. Endlich hatte er ganz Gallien erobert, den größten Teil dessen, was wir heute Europa nennen.

Asterix Gallien
Ehapa

In der Welt von Asterix stellt sich die Frage: Was wäre, wenn ein Dorf an der Nordwestküste Frankreichs seine Freiheit bewahrt und sich niemals der römischen Armee unterworfen hätte? Das ist das Dorf, in dem Asterix und seine Freunde leben und das sie ständig verteidigen. (Oh, und in dieser Welt legt Vercingetorix Cäsar Schild und Schwert nicht höflich nieder, sondern wirft sie ihm mit voller Wucht auf die Füße. Das ist ein viel lustigeres Bild).

Sie haben mit Miraculix einen Druiden, der einen Zaubertrank herstellt, der dem Trinker für kurze Zeit Superkräfte verleiht. Die römische Armee, so gut sie auch sein mag, kann mit einer solchen Kraft nicht mithalten. Außerdem haben Asterix und Miraculix meist einen guten Plan, um den Römern ein Schnippchen zu schlagen.

Jeder Asterix-Band ist ein neues Abenteuer, das mit einer gehörigen Portion Komik erzählt wird. Es gibt einen starken Vaudeville-Einfluss, aber auch jede Menge Wortspiele, historische Anspielungen und ein feines Gespür für menschliche Schwächen, auf die sich die Geschichten oft auf überzogene Weise verlassen können.

Es gibt zwei Arten von Geschichten, die hier vorgetragen werden. In der ersten Form verschlägt es Asterix und seinen besten Kumpel Obelix auf eine Reise in ein anderes Land. Das ganze Buch dreht sich dann darum, was sie dort vorfinden und wie sie mit ihrem neuen Umfeld umgehen. Das Buch ist reichlich gespickt mit Anspielungen auf Land und Leute und macht sich über alle Klischees und Stereotypen des jeweiligen Landes lustig. Die andere Hälfte der Geschichten spielt im Dorf selbst, in der Regel bei der Verteidigung des Dorfes gegen Cäsars neuesten Plan, es endlich unter seine Fuchtel zu bekommen.

Die Grundlagen

Die Prämisse wird in einem mittlerweile zum Kult gewordenen Klappentext erklärt, mit dem jedes Buch beginnt:

Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen…

Die tapferen Gallier können sich mit Hilfe ihres Zaubertranks gegen die Macht der römischen Republik (die zu diesem Zeitpunkt zumindest technisch noch kein Imperium ist) wehren.

Der Comic erschien erstmals 1959 in der französisch-belgischen Zeitschrift Pilote. Er trug den schlichten Titel Asterix der Gallier und folgte dem Titelhelden bei seinem Widerstand gegen den Versuch der Römer, sein Dorf endgültig zu erobern. Goscinny und Uderzo schufen gemeinsam 24 Bände. Zehn weitere Bände schrieb Uderzo mit merklichem Niveauverlust selbst. Natürlich war auch nach Uderzos Tod nicht Schluss. Diese Werke mögen eine Menge Leser begeistern, aber sie können nicht verleugnen, dass sie nur wie eine Nachahmung wirken.

Trotzdem sind alle (bisher) 40 Bände voller Humor, Slapstick, nationalen Stereotypen, Anachronismen, Wortspielen und reichlich lateinischen Sätzen.

Bereits im ersten Comic werden alle Grundkonzepte der Serie eingeführt: der Zaubertrank der Gallier, die ständige Frustration der Römer mit ihnen und die Hauptfiguren. Das sind vor allem Asterix selbst, sein bester Freund Obelix und der Druide Miraculix.

Ursprünglich wurde Asterix als barbarischer gallischer Krieger konzipiert, aber das hätte so nicht funktioniert, also wurde er zu einem Helden der List und Obelix erfunden, der die Kraft auf sich vereint, anstelle alles in einer einzigen Figur abzuhandeln. Der Zaubertrank von Miraculix verleiht Asterix enorme Kräfte, aber ohne ihn ist er auf seinen Verstand und seine Kühnheit angewiesen. Im Vergleich zu Obelix und den anderen Dorfbewohnern spielt er meist die Rolle des Draufgängers.

Der hünenhafte Obelix ist nur selten getrennt von Asterix zu sehen. Im ersten Comic spielt er nur eine relativ kleine Rolle, ab dem zweiten teilt er sich das Rampenlicht fast zu gleichen Teilen mit dem kleineren Gallier. Im Gegensatz zu Asterix muss Obelix den Zaubertrank nicht trinken, um extrem stark zu werden – er ist als Baby in einen Kessel gefallen, die Wirkung ist also dauerhaft. Daran werden wir in jedem Comic mindestens einmal erinnert.

Er unterscheidet sich von Asterix nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch seine Persönlichkeit. Er ist einfältig, direkt und naiv. Seine beiden Lieblingsbeschäftigungen sind Kämpfen und Wildschweine vertilgen. Aber er ist immer bereit, Asterix in das neueste Abenteuer zu folgen und ihm das Denken zu überlassen. Seine Aufgabe ist es, Hinkelsteine zu behauen und auszuliefern – es ist ein Running Gag, dass niemand weiß, wofür sie eigentlich da sind. Oft trägt er einen Hinkelstein bei sich und benutzt ihn als Waffe, Rammbock oder ähnliches.

Idefix, der kleine weiße Hund von Obelix, gehört ebenfalls zu den Hauptfiguren. Er taucht zum ersten Mal als visueller Witz in Tour de France auf. Er folgt dem Hauptduo, als sie durch ganz Gallien fahren (eine Anspielung auf die Tour de France), ohne einen Laut von sich zu geben oder die Aufmerksamkeit der Helden zu erregen. Erst als sie ins Dorf zurückkehrten, kündigte er seine Anwesenheit durch Bellen an. Die Leser mochten ihn, und so beschlossen Goscinny und Uderzo, ihn zum ständigen Begleiter von Obelix zu machen. Idefix ist ein kluger Hund, wenn auch nicht so klug, wie Obelix es gerne hätte.

Und dann ist da noch Miraculix, der Druide. Sein Wissen über den Zaubertrank ist die Prämisse des Comics. Er ist der Einzige, der ihn kennt, denn er wird von einem Druiden zum anderen weitergegeben. Wenn er nicht verfügbar ist oder den Trank nicht brauen kann und die Römer versuchen, den Trank zu stehlen oder Miraculix von der Bildfläche verschwinden zu lassen, kommt es zu zahlreichen Intrigen. Das Rezept für den Zaubertrank ist für die Leser ebenso geheim wie für die Figuren – was Goscinny und Uderzo erlaubt, so ziemlich alles als notwendige Zutat einzuführen. Dazu gehören auch Fisch und Petroleum.

Auch sonst ist Miraculix ein weiser und erfahrener Mann. Asterix betrachtet ihn als seinen Mentor und er ist vielleicht der einzige Mensch, den die widerspenstigen gallischen Dorfbewohner wirklich respektieren und auf den sie hören.

Der Häuptling des Dorfes ist – so sehr er sich auch bemüht – kein solcher Mensch. Majestix taucht zwar in der ersten Folge auf, aber wie der Rest des Dorfes braucht auch er eine Weile, um in seine Rolle hineinzuwachsen. Am Anfang ist er eine ziemlich typische Autoritätsperson, die Asterix und Obelix auf Missionen schickt. Später wird er zu einem Mann, dessen Ehrgeiz seine tatsächlichen Fähigkeiten bei weitem übersteigt. Seine Dorfbewohner machen meist ihr eigenes Ding und beachten ihn nur gelegentlich, seine Frau hat ihn unter der Fuchtel… und die beiden Krieger, die ihn auf seinem Schild tragen, lassen ihn mit deprimierender Regelmäßigkeit fallen.

Zu den anderen Persönlichkeiten des Dorfes gehört der Barde Troubadix. Er ist ein schrecklicher Sänger, aber er weiß es nicht. Seine Auftritte drehen sich meist darum, dass er zu singen versucht und die Gallier nichts davon wissen wollen, obwohl er in einigen Abenteuern eine größere Rolle spielt. Manchmal scheint es, als sei er ein passabler Musiker – aber es ist seine Stimme, die den Tieren Angst macht. Verleihnix ist der Fischhändler des Dorfes, dessen Ware das Haltbarkeitsdatum eigentlich immer überschritten hat. Aber man sollte es ihm nicht unbedingt sagen. Automatix, der Schmied, tut genau das genüsslich regelmäßig. Das führt oft zu Raufereien (die im Dorf ohnehin ein beliebter Zeitvertreib sind).

Die meisten Figuren außerhalb des gallischen Dorfes tauchen nur ein- oder zweimal auf. Die römischen Soldaten, die die Lager besetzen, wechseln jedes Mal, und das konstanteste Gesicht Roms ist Julius Cäsar selbst. Der vermeintliche Herrscher Roms ist der Feind der Gallier, wird aber mit viel mehr Respekt behandelt als die anderen Römer. Uderzo zeichnet ihn auch viel realistischer, und Goscinny schreibt ihn eher nach der Legende als nach der Geschichte. Er ist ein Mann der Ehre, der sein Wort hält. Er stellt sich nur selten direkt gegen die Gallier.

Die am häufigsten vorkommenden Figuren außerhalb des gallischen Dorfes sind jedoch die Piraten. Sie tauchen zum ersten Mal in Asterix der Gladiator auf, dem vierten Band der Serie. Stets planen sie, ein Schiff zu entern und zu plündern, auf dem dummerweise Asterix und Obelix per Anhalter unterwegs sind. Das endet immer damit, dass sie selbst immer auf unterschiedliche Weise versenkt werden.

Asterix Piraten
Éditions Albert René 

Die Piraten sind eigentlich eine Anspielung auf Der rote Korsar, eine französische Comicserie. Die drei „wichtigsten“ Mitglieder der Piratencrew – ein rotbärtiger Kapitän, ein alter, holzbeiniger Pirat und ein afrikanischer Späher – wurde direkt aus dieser Serie übernommen.

Doch neben den großartigen Figuren sind es vor allem der einzigartige Humor und der Sinn für Komik, die Asterix wirklich glänzen lassen. Goscinny und Uderzo beherrschen die Kunst des Wortspiels, der Satire und der historischen Anspielungen mit bemerkenswertem Geschick. Ironische Dialoge und komische Situationen verleihen der Geschichte eine besondere Dimension. Asterix ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch eine Hommage an den Reichtum von Kultur und Geschichte. Die Abenteuer des gallischen Dorfes sind eine Entdeckungsreise durch die verschiedenen Facetten der Gesellschaft und der historischen Ereignisse. Die Serie behandelt tiefgründige Themen wie den erbitterten Widerstand gegen die römischen Invasoren und den unermüdlichen Kampf für die Freiheit. Diese Elemente werden in Geschichten voller epischer Abenteuer entwickelt! Neben den komischen Kämpfen gegen die Römer vermittelt Asterix durch seine Figuren zeitlose Werte. Aufrichtige Freundschaft, Mut, Loyalität und das Ertragen von Widrigkeiten sind Werte, die auf jeder Seite vermittelt werden. Asterix ist mehr als nur ein Comic, er ist ein humorvolles und intelligentes Spiegelbild der Vergangenheit und der Gegenwart geworden, ein Spiegelbild der menschlichen Komplexität und unseres ewigen Strebens nach Freiheit und Gerechtigkeit.

Indiana Jones (Archäologie als Unterhaltung)

Spielfilm

George Lucas gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Popkultur. Unzählige Künstler haben sich von seinem Werk inspirieren lassen und seinen kreativen Kosmos mit neuen Geschichten, Szenarien und Figuren bereichert. Über Star Wars muss man kein Wort mehr verlieren, aber was ist mit Indiana Jones? Obwohl dieser Kanon naturgemäß kleiner ist als der von Star Wars, ist Indiana Jones eine epische Figur mit zeitlosem Charme und einer Abenteuermythologie, die weit über die fünf bekannten Filme hinausgeht. Von Comics und Büchern bis hin zu Videospielen und Fernsehsendungen – die Welt von Indiana Jones ist voll von mystischen Artefakten, exotischen Schauplätzen und waghalsigen Cliffhangern.

Eskapismus vor einer epischen Kulisse

Nachdem George Lucas seinen ersten Spielfilm THX-1138 produziert hatte, spielte er mit dem Gedanken, einen Film zu drehen, der an eine längst vergangene Ära des Kinos anknüpfen sollte: die Samstagmorgen-Abenteuer. Das waren Abenteuerserien mit kleinem Budget, aber hohem Anspruch. Im Mittelpunkt stand meist ein unverwüstlicher Held, Abenteurer oder Wissenschaftler, der die Welt rettet. Jede Episode endete mit einem Cliffhanger, der die Zuschauer eine Woche später wieder vor den Fernseher trieb, um zu sehen, wie es weitergeht. Es waren zwei Ideen, die Lucas in dieses Format einbringen wollte. Die eine war eine Science-Fiction-Geschichte über einen kleinen Bauernjungen, der die Galaxie vor einem bösen Imperium rettet. Die andere war die Geschichte eines Universitätsarchäologen, der sich in seiner Freizeit auf die Suche nach legendären religiösen Artefakten begibt; ein robuster, klassischer Held, der nach Lucas’ Hund benannt werden sollte. Die Geschichte wurde pittoresk Die Abenteuer des Indiana Smith genannt.

Während der „Bauernjunge-rettet-Galaxie“-Stoff zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten wurde, wurde Indiana Smith zunächst auf Eis gelegt. Vier Jahre später, 1977, kehrte Lucas zu diesem Projekt zurück, nachdem er sich eine dringend benötigte Auszeit von der Aufmerksamkeit, die Star Wars auf sich gezogen hatte, gegönnt hatte. Ein anderer junger Filmemacher schloss sich ihm an, um sich von der Produktion von „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ zu erholen: Steven Spielberg. Beide reisten nach Maui, und dort fasste Lucas den Plan, Indiana Smith als bodenständigen Gegenentwurf zu Star Wars zu produzieren. Da er aber nicht selbst Regie führen konnte, weil er sich um „Das Imperium schlägt zurück“ kümmern musste, kam es ihm gelegen, dass Spielberg ein neues Projekt suchte. Lucas konnte Spielberg davon überzeugen, dass es sich dabei um Indiana Smith handeln könnte. Aber Spielberg gefiel der Name nicht, also änderte Lucas ihn.

Im Jahr darauf wurde Lawrence Kasdan mit dem Drehbuch beauftragt, Frank Marshall wurde Produzent. Die vier arbeiteten an der Story, und nach einem langen Casting-Prozess, bei dem Größen wie Tim Metheson und Tom Selleck vorsprachen, wurde Harrison Ford als Hauptdarsteller ausgewählt.

Im Juni 1981 kam der Film mit dem Titel „Jäger des verlorenen Schatzes“ in die Kinos. Er war sofort ein Erfolg und gewann vier der acht Oscars, für die er nominiert war.

Es ist leicht zu verstehen, warum der Film so erfolgreich war. Wie bereits erwähnt, hatte Lucas die Absicht, einen Film zu drehen, der sich an die Samstagsmatineen anlehnt, und Indiana Jones war genau das. Die Geschichte hatte ein entsprechendes Konzept, die Hauptfigur war ein Draufgänger, der sich weder schonte noch lange ausruhte, und der Film donnerte in einem unerbittlichen Tempo voran. So entstanden einige der berühmtesten Actionszenen der Filmgeschichte, wie Indianas Verfolgung eines Nazi-Trucks zu Pferd oder seine unliebsame Begegnung mit der Schlangengrube. Spielbergs Stil, Action und Humor mit Momenten großer Dramatik und mitfühlenden, glaubwürdigen Charakteren auszubalancieren, stellte das Spektakel auf eine Stufe mit Filmen wie Lawrence von Arabien oder Die Brücke am Kwai.

Ein weiteres Element, das Indiana Jones von anderen Actionfilmen unterschied, war die inzwischen legendäre Filmmusik von John Williams, die so berühmte Momente wie den „Raiders March“ enthält. Die Pracht und Größe dieses Stückes gab Indy von Anfang an eine Identität und suggerierte sofort ein hohes Maß an Abenteuer und Eskapismus vor einer epischen Kulisse.

Die kulturelle Bedeutung von Indiana Jones

Als Hommage an die Abenteuerserien der 1930er und 1940er Jahre war “Jäger des verlorenen Schatzes” stark beeinflusst von dem, was sich zuvor im Blockbuster-Kino abgespielt hatte, und hatte dann einen großen Einfluss auf den kommenden Action-Abenteuerfilm und das Fernsehen. Filme wie Captain America oder X-Men sind nichts anderes als direkte Nachfahren eines der kulturell bedeutendsten Filme aller Zeiten.

In “Indiana Jones und der Tempel des Todes”, einem Prequel zum ersten Film, entkommen Indiana und seine Freunde chinesischen Gangstern, retten Kinder und bergen einen heiligen Stein. In “Indiana Jones und der letzte Kreuzzug” begibt sich Indie auf die Suche nach dem Heiligen Gral. Und in “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” überlebt Indie nicht nur eine Atomexplosion, sondern erfährt auch von einem Familienmitglied, von dem er nichts wusste.

Insgesamt hat das Indiana-Jones-Film-Franchise bisher schätzungsweise 1,9 Milliarden Dollar eingespielt, und mit dem fünften Film, der leider wie zu erwarten wirklich schlecht ist, hat sich diese Zahl dennoch weiter in die Höhe geschraubt.

Die kulturelle Bedeutung von Indiana Jones ist eng mit vielen anderen Filmemachern (und anderen Unterhaltungsmedien) verbunden. Vor allem die Videospielindustrie hat Indiana Jones’ Reliquienjagd und seine weltumspannenden Streiche gut aufgenommen.

Lara Croft wird oft als “weiblicher Indiana Jones” bezeichnet, denn auch sie ist eine Archäologin, die es versteht, sich aus schwierigen Situationen zu befreien und sogar übernatürliche Feinde zu besiegen.

Indiana Jones ist in der Tat so inspirierend, dass die Filme zu einem Anstieg der Archäologiekurse und der Zahl der Archäologiestudenten an den Universitäten geführt haben.

Der Club 27

Jim Morrison, Janis Joplin, Jimi Hendrix und Brian Jones, ein frühes Mitglied der Rolling Stones, starben alle im Alter von 27 Jahren innerhalb von zwei Jahren, zwischen 1969 und 1971. Diese berühmten Todesfälle waren zu ihrer Zeit bemerkenswert, aber der Club 27 erhielt seinen Namen erst, als Kurt Cobain im April 1994 im Alter von 27 Jahren Selbstmord beging. Die ausführliche Berichterstattung über seinen tragischen Selbstmord wurde mit dem Tod von Jim Morrison, Janis Joplin, Jimi Hendrix und Brian Jones in Verbindung gebracht, und plötzlich erinnerte man sich an 1969, als der Tod von Brain Jones Schlagzeilen machte.

Club 27

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Tim und Struppi: Die klare Linie

tintin

Aber es ist nicht nur seine kulturelle Bedeutung, die Tintin so langlebig macht. Es ist seine universelle Anziehungskraft. Tims Abenteuer führen ihn um die ganze Welt, von den Tiefen des Amazonas-Regenwaldes bis zu den eisigen Weiten der Arktis. Er ist ein Held, der nationale Grenzen überwindet, und seine Geschichten sind heute noch genauso aktuell wie bei ihrer Erstveröffentlichung vor fast einem Jahrhundert.

Vom Pfadfinder zu Tim und Struppi

Der Schöpfer von Tim und Struppi war natürlich Hergé. Sein richtiger Name war Georges Remi: Sein Pseudonym leitet sich von der französischen Aussprache seiner Initialen RG in umgekehrter Reihenfolge ab. Er wurde 1907 in Etterbeek geboren und war gerade 21 Jahre alt, als er Tim und Struppi erfand, der am 10. Januar 1929 in Le Petit Vingtième, der wöchentlichen Jugendbeilage der belgischen Tageszeitung Le Vingtième Siècle, debütierte.

Hergé mit seiner Schöpfung

Wie viele andere Autoren schien Hergé in seinem jugendlichen, kühnen und weltreisenden Protagonisten die Erfüllung eines Traums zu sehen. Und obwohl er Tim und Struppi in so jungen Jahren auf den Markt brachte, gab es bereits Vorläufer des furchtlosen Abenteurers.

Im Alter von 18 Jahren schuf Hergé den belgischen Pfadfinderführer Totor, der in Texas in verrückte Abenteuer verwickelt wird. Die Serie erschien drei Jahre lang in der Pfadfinderzeitschrift Le Boy Scout Belge.

Totor ist zwar grob gezeichnet, enthält aber Schlüsselelemente, die später für Tim und Struppi bestimmend sein werden. Da ist die Form von Totor, der klare Umriss und das einfache Gesicht. Es gibt einen Wechsel von Untertiteln unter den Panels zu Sprechblasen. Und dann ist da die Figur: Tim verdankt seine Handlungen und seine Einstellung tatsächlich den Pfadfindern. Hergé selbst trat im Alter von 12 Jahren den Pfadfindern bei und nahm an Sommerlagern in Italien, der Schweiz, Österreich und Spanien teil, wo er sogar Hunderte von Kilometern durch die Pyrenäen und Dolomiten wanderte.

Hergé ließ sich von zahlreichen Quellen inspirieren, darunter Abenteuerromane wie Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson und Huckleberry Finn von Mark Twain. Sein Vorstoß in die Welt der Comics wurde jedoch durch das aufkommende Medium Film beflügelt. Von den Zeichentrickfilmen, die Walt Disney zu Beginn der 1920er Jahre erfand, bis hin zum komödiantischen Genie von Pionieren wie Charlie Chaplin und Buster Keaton hinterließ Hollywood einen unauslöschlichen Eindruck auf den jungen belgischen Künstler.

Ligne claire

Hergé arbeitete zunächst als Angestellter, dann als Illustrator bei Le Vingtième Siècle. Diese Zeitung war nicht nur konservativ und katholisch, sondern oft auch faschistisch und antisemitisch. Ihr Herausgeber, der Abbé Norbert Wallez, bewahrte auf seinem Schreibtisch ein signiertes Foto von Benito Mussolini auf, dem Führer der italienischen Faschisten. Als Hergé Tintin auf den Markt bringen wollte, wollte er ihn für sein erstes Abenteuer nach Amerika schicken, wo er in die Fußstapfen von Totor treten sollte, aber Wallez bestand darauf, dass er in die Sowjetunion reisen sollte, wo er die Kommunisten als grausame Gangster entlarven sollte.

Totor

Der Comic, aus dem später das Album Tim und Struppi im Land der Sowjets wurde, war ein sofortiger Erfolg. Die Leser waren begeistert von den Abenteuern, die Hergé mit viel Humor und Charakteren ausstattete – nicht zuletzt mit Tims klugem und treuem Foxterrier.

Sie wurden in einem Stil illustriert, den Hergé als Pionier der „ligne claire“ bezeichnete: einfache, fast gleichmäßig dicke Linien ohne Schattierungen. Seine Technik, ein klares Bild mit robusten, universellen Elementen zu schaffen, verlieh seinen Werken einen unverwechselbaren visuellen Stil und beeinflusste spätere Zeichner wie den Asterix-Zeichner Uderzo und Peyo von den Schlümpfen.

Hergé war auch ein Meister des Tempos und der Erzählstruktur. Er verstand es, die Möglichkeiten des Mediums Comic voll auszuschöpfen, indem er Geschichten schuf, die nahtlos von Panel zu Panel und von Seite zu Seite übergingen. Seine Fähigkeit, komplexe Handlungen und vielschichtige Charaktere zu entwickeln, setzt bis heute Maßstäbe für das Medium.

Haddock, Tim, Struppi

Schon bald wurde Tintin an andere Brennpunkte der Zeit geschickt, von Al Capones Chicago bis zum japanisch besetzten China. Die frühen Alben – Tim und Struppi im Kongo, Tim und Struppi in Amerika und Die Zigarren des Pharao – zeigen Hergés Talent, lebendige, fantasievolle Welten zu erschaffen.

Tim und seine Freunde reisen weit und treffen unterwegs auf verschiedene Kulturen, Sprachen und Sitten. Hergé war bekannt für seine akribischen Recherchen. Wie Jules Verne verließ Hergé nur selten seinen Schreibtisch, aber er machte aus seinem Protagonisten einen Weltenbummler, der Kulturen kennenlernte, die sein Schöpfer nur aus Büchern und Zeitschriften kannte.

Unzählige Stunden verbrachte er mit dem Studium von Geschichte, Geographie und Naturwissenschaften, um seine Geschichten so realistisch wie möglich zu gestalten. Seine Liebe zum Detail erstreckte sich auf jeden Aspekt seiner Arbeit, von der Kleidung seiner Figuren bis hin zur Architektur der Gebäude, die sie besuchen. So ist zum Beispiel die Rakete, mit der Tim zum Mond fliegt, minutiös gezeichnet. Die vielen Fahrzeuge, die Tintin benutzt – Autos, Flugzeuge, Schiffe, Züge und Panzer – sind exakte Abbilder der damaligen Zeit. Und selbst Szenen wie die Inkas in Gefangene der Sonne stammen aus zuverlässigen Quellen wie der Zeitschrift National Geographic.

Tim verkörpert das Ideal eines jungen Helden: mutig, einfallsreich, mit tadellosen Manieren und immer bereit, für das Richtige einzustehen. Ob er gegen Bösewichte kämpft, Schmuggler überlistet oder einfach nur exotische Länder erkundet, er ist eine Figur, zu der die Leser aufschauen und die sie bewundern können.

Ewig und heilig

Schulz und Schultze

Die Comic-Strips und Alben von Tim und Struppi erschienen über ein halbes Jahrhundert lang, aber Hergé behauptete, dass sein Held immer gerade 18 Jahre alt war. Eigentlich war er Reporter, aber es scheint, als hätte er nie Termine oder Redakteure gehabt. Im ganzen Werk gibt es nur eine einzige Szene, in der er einen Bericht abgibt. Trotzdem wird Tim wegen seiner scheinbar unbegrenzten Reisemöglichkeiten manchmal als Schutzpatron der Journalisten angesehen.

Im Laufe der Alben sammelte Tim Freunde an. Zu seinem Gefolge gehörten der griesgrämige Seemann Kapitän Haddock, der exzentrische Professor Balduin Bienlein , die tollpatschigen Detektiv-Doppelgänger Schulz und Schultze mit ihren Bowlerhüten und die eingebildete Operndiva Bianca Castafiore. Seine Abenteuer wurden immer komplexer, vom Drogenschmuggel über Spionage im Kalten Krieg bis hin zur Raumfahrt. Tim erreichte den Mond 15 Jahre vor Neil Armstrong.

Die Kritiker

Trotz ihrer Popularität sind die Geschichten von Tim und Struppi nicht unumstritten. Einige Kritiker warfen Hergé Rassismus und kulturelle Unsensibilität vor und verwiesen auf Elemente der frühen Geschichten wie die karikierende Darstellung afrikanischer Stammesangehöriger in Tim im Kongo (obwohl dieses Album in Afrika besonders populär ist).

Später wurde Hergé als Kriegskollaborateur verhaftet, weil er weiterhin Karikaturen für die Zeitung Le Soir zeichnete, die während des Zweiten Weltkriegs von den Nazi-Besatzern kontrolliert wurde. Er verbrachte eine Nacht im Gefängnis, aber seine Akte wurde schließlich ohne Anklage geschlossen. Dennoch verfolgten ihn Gerüchte und Anschuldigungen sein Leben lang.

Nachwirkung

Hergé starb 1983, kurz nachdem er mit einem neuen Buch begonnen hatte – Tim und die Alpha-Kunst -, in dem es um eine Verschwörung zwischen moderner Kunst und einem religiösen Kult geht. Es ist unklar, wohin die Handlung geführt hätte, da Hergé nur einige wenige Seiten skizzieren konnte – und er sagte ausdrücklich, dass die Tim und Struppi-Serie mit seinem Tod enden würde.

Heute wehrt sich die Hergé-Stiftung dagegen, Tintin als Comic zu bezeichnen, da es sich ihrer Meinung nach um etwas Kunstvolleres und Originelleres handelt.

Doch auch hundert Jahre später ist die Popularität dieser Comics ungebrochen. Von den 23 abgeschlossenen Bänden, die zwischen 1929 und 1976 erschienen, sollen weltweit mehr als 250 Millionen Exemplare verkauft worden sein (die Hergé-Stiftung weigert sich, genaue Zahlen zu nennen). Auch die Tintin-Industrie ruht sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern bereitet sich darauf vor, ihr Angebot für die nächste Generation zu aktualisieren.

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