Heute morgen noch schnell ein Stück meines Fingers abgeschnitten

Heute morgen noch schnell ein Stück meines Fingers abgeschnitten und Heißa, bald ist Weihnacht da. Gestern schon gepackt, Destination: Pfalz. Das Problem wird nachher wieder sein, mit dem miesesten Unternehmen der Welt konfrontiert zu werden: der Bahn. Könnte ich es mir aussuchen, würde ich lieber einen Bus im Kongo wählen, aber diese Wahl haben wir zum Leidwesen nicht. Unglücklicherweise ist es meine Schreibhand, die verletzt ist, und so muss mir Albera nicht nur beim Kochen, sondern auch beim Schreiben assistieren, so kann ich mich gleich im Diktat üben.

Wer es sich wünscht, von uns bewünscht zu werden, dem sei eine vollendete Weihnacht!

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    Es ist stets die Frage, warum man die Faulheit und Bequemlichkeit der Leser berücksichtigen sollte, warum man sich einer zeitgeistigen Sprache bedienen sollte, die diesen geistigen Rost miteinbezieht, warum man alle Kunst, die Sprache betreffend, zu Grabe tragen sollte. Diese Frage stelle ich allerdings nur mir selbst, der ich zwischen der obligaten Lesbarkeit und der Gewissheit, gewisse Wahrnehmungen nicht ohne irritatives Moment darstellen zu können, schwanke. Es geht – wie immer – um Konventionen. Was ist eine private Sprache wert, die ungebräuchlichen Elementen den Vorzug gibt? Ist das Zwiegespräch mit sich selbst am Ende gar der einzig gangbare Weg?

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