Der Wechselbalg wird oft mit dem Gestaltwandler verwechselt oder gar mit ihm in einen Topf geworfen. Die einzige Ähnlichkeit besteht vielleicht in der Täuschung durch eine spezifische Form, aber die Vorgehensweisen und Absichten sind doch sehr verschieden.
Im Mittelalter hatten die Eltern ständig Angst vor den Wechselbälgern. In alten Quellen werden sie auch als Tölpel bezeichnet. Ein Wechselbalg war eine Kreatur, die den Platz eines menschlichen Kindes einnahm und das eigentliche Kind oft sterben ließ. Diese Kreaturen konnten sich angeblich in jede beliebige Form verwandeln, ähnelten ihren Opfern aber nur oberflächlich.
Hallowe’en, auch bekannt als All Hallows‘ Eve, ist ein Feiertag, der sich an jedem 31. Oktober fast vollständig in die amerikanische – und damit in die globale – Kultur eingegraben hat.
Das Halloween Amerikas
Während Halloween heute auf unterschiedliche Weise gefeiert wird, hat die Tradition, dass Kinder von Tür zu Tür gehen und ihre Nachbarn um Süßigkeiten bitten, ihren Ursprung im frühen 20. Jahrhundert. Und das alles ist einer Frau zu verdanken, die ihren Garten liebte.
Auch wenn er selten aufgezählt wird, ist eine der bekanntesten Kreaturen der westlichen Volksmärchen der kopflose Reiter. Innerhalb der keltischen Folklore lässt sich die Erscheinung bis ins Mittelalter zurückverfolgen, aber die bekannteste Interpretation des legendären Gespensts stammt aus der Nähe von Terrytown, New York und ist in einem ruhigen Dorf namens Sleepy Hollow entstanden. Niedergeschrieben wurde die Legende von Washington Irving, und gehört hat jeder in der ein oder anderen Form schon einmal davon.
Die Legende besagt, dass das Gespenst einst ein hessischer Soldat gewesen ist, der in einer namenlosen Schlacht während des Revolutionskrieges durch eine Kanonenkugel getötet wurde. Der kopflose Reiter erhebt sich an jedem Halloween, um zu versuchen, seinen Schädel zu finden, indem er andere Köpfe abhackt, bis er den seinen endlich gefunden hat. Doch der kopflose Reiter ist natürlich nicht nur an Irvings Geschichte gebunden.
An einem Sommertag des Jahres 1284 ereignete sich in der kleinen norddeutschen Stadt Hameln ein mysteriöses Ereignis, das durch die Jahrhunderte nachhallen sollte. Der Legende nach wurden 130 Kinder von einer geheimnisvollen Gestalt, dem Rattenfänger, weggeführt. Mit seinem bezaubernden Flötenspiel lockte er sie in ein ungewisses Schicksal. Was wirklich mit diesen Kindern geschah, ist bis heute unbekannt. Die Geschichte entwickelte sich jedoch von einer tragischen historischen Notiz zu einer der berühmtesten Legenden aller Zeiten. Diese Geschichte, in der sich Geschichte und Volksüberlieferung vermischen, inspiriert Künstler seit Jahrhunderten und ist zu einem lebendigen Teil der visuellen, literarischen und darstellenden Kunst geworden.
Die Legende vom Rattenfänger ist einzigartig, da sie die Grenze zwischen aufgezeichneter Geschichte und Mythos überschreitet. Ausgangspunkt ist ein rätselhaftes Ereignis: das Verschwinden von 130 Kindern aus der Stadt Hameln. Im Gegensatz zu vielen anderen Volksmärchen, die nur auf mündlicher Überlieferung beruhen, hat diese Geschichte einen nachvollziehbaren historischen Anker. Die Hausinschrift am Rattenfängerhaus aus dem 17. Jahrhundert berichtet:
Die meisten Menschen wissen, dass Grimms Märchen nicht das verwässerte Zeug sind, das uns Walt Disney gegeben hat. Sie sind viel düsterer, viel grimmiger. Wenn ich darüber nachdenke, kommen mir zwei Fragen in den Sinn: Erstens, wozu dienten die echten Geschichten? (Sie wurden von Generation zu Generation weitergegeben, und ich habe gehört, dass ihre Wurzeln so tief reichen, dass sie geradezu prähistorisch sind), und zweitens, warum wurden sie verschlimmbessert? Wir können nicht alles auf den armen Walt schieben.
Basiert Sweeney Todd auf einer wahren Geschichte oder ist er nur eine Figur, die sich ein Schriftsteller ausgedacht hat?
Ich bin sicher, ihr habt alle schon einmal von ihm gehört. Sweeney Todd, der teuflische Barbier der Fleet Street. Sein Friseurstuhl war auf geniale Weise präpariert, denn nachdem Todd einem Kunden die Kehle durchgeschnitten hatte, bediente er einen Bolzen, der die Leiche rückwärts durch eine Falltür schickte, die in den Keller führte. Dort wurden die Opfer zu Fleischpastete verarbeitet, die in der angrenzenden Konditorei verkauft werden sollte. Geleitet wurde das Geschäft von einer Mrs Lovett, deren Vorname – je nachdem, wer die Geschichte erzählt – variiert.
Stellen wir uns vor, wir könnten in eine Zeitmaschine steigen und in vergangene Epochen reisen. Diese phantastische Reise würde schnell in einen Albtraum umschlagen, nicht etwa wegen technischer oder physikalischer Hürden, die unsere Rückkehr verhindern könnten, oder weil wir uns in einer gefährlichen, gewaltbereite Zeit landen. Nein, unser Untergang wäre weitaus subtiler, heimtückischer – und dennoch unvermeidlich.
Kaum angekommen, würden uns fremde Bakterien attackieren, die unseren Körper in Windeseile überwältigen. Die Luft, die Nahrung, das Wasser – all das, was uns einst am Leben hielt, würde nun zur tödlichen Bedrohung werden. Selbst der Gestank der Städte, den die Menschen jener Zeit wohl kaum noch wahrnahmen, könnte uns den Atem rauben. Ein unschuldiger Händedruck könnte die letzte Berührung unseres Lebens sein.
Wenn Teile der Kulturgeschichte über die Zeit hinweg von Generation zu Generation geflüstert werden, verändern sich die Einzelheiten der Erzählung jedes Mal ein wenig – die Bedeutung verschiebt sich, wird manchmal verschleiert oder geht ganz verloren – bis die Geschichte ein köstliches Gewirr aus Tatsache, Erfindung und Magie ist.
Die Folklore der Sündenesser ist die geflüsterte Variation eines Spiels, das wir als „Stille Post“ kennen, und irgendwie trifft das auf alles zu, was früher einmal geschehen sein soll. Wir kennen es nur aus Erzählungen und unserer Imagination, die uns dabei hilft, die Dinge in unterschiedlichen Variationen ständig neu zu gestalten. So auch hier.
Schottisches Begräbnis im 19. Jahrhundert: The Print Collector/Print Collector/Getty Images
Genrebeschreibungen sind selten eine klare Sache, aber nur deshalb kann man darüber diskutieren. Wäre immer alles klar und für jeden ersichtlich, würde ein Lexikoneintrag genügen und die Sache wäre erledigt. Heute widmen wir uns dem wohl beliebtesten literarischen Genre überhaupt. Dem Kriminalroman.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass es niemals eine erschöpfende Aussage über ein Genre geben kann, und so ist auch dies nur ein kleiner Überblick.
Es gibt so viele verschiedene Arten von Kriminalromanen, dass bereits in den 1920er Jahren eine der ersten „Queens of Crime“, Dorothy L. Sayers, darüber klagte:
„Es ist unmöglich, den Überblick über all die Krimis zu behalten, die heute produziert werden. Buch um Buch, Zeitschrift um Zeitschrift strömt aus der Presse, vollgestopft mit Morden, Diebstählen, Brandstiftungen, Betrügereien, Verschwörungen, Problemen, Rätseln, Geheimnissen, Nervenkitzel, Verrückten, Gaunern, Giftmischern, Fälschern, Würgern, Polizisten, Spionen, Geheimdienstlern, Detektiven, bis es scheint, als müsse die halbe Welt damit beschäftigt sein, Rätsel zu erfinden, damit die andere Hälfte sie lösen kann.“
Beginnen wir unseren kleinen Rundgang jedoch mit einer grundsätzlichen Unterscheidung zwischen Rätselgeschichte und Kriminalroman, bevor wir uns einigen historischen Daten zuwenden.
Dorothy Sayers
Wenn man sich nicht ausschließlich auf die deutsche Terminologie beschränkt, ist es von vornherein angebracht, die hierzulande gebräuchlichen Gattungsbezeichnungen fast ausnahmslos zu verwerfen. Englisch ist die literarische Leitsprache der Populärliteratur, daran ändern auch länderspezifische Besonderheiten nichts. Ein Beispiel von vielen ist die „Mystery Fiction“, also die „Rätselgeschichte“, die hierzulande kaum als Begriff verwendet wird. Stattdessen wird der englische Begriff “Mystery” beibehalten und für eine Form der phantastischen Erzählung verwendet, die eigentlich der Weird Fiction nahe steht, während “Mystery Fiction” zur Kriminalliteratur wird. Diese wäre eigentlich Crime Fiction, die sich wiederum von der Mystery Fiction unterscheidet.
Diese vergoldeten Guillotine-Ohrringe von 1793 zeigen oben die phrygische Mütze als Symbol der Freiheit und unten die gekrönten Köpfe des enthaupteten Königs und der Königin. Mit 16.594 Hinrichtungen zwischen Juni 1793 und Juli 1794 wurde die Guillotine zum Symbol der Schreckensherrschaft während der Französischen Revolution.
Sie war sowohl metaphorisch als auch wörtlich zu verstehen.