Edgar Allan Poes „Der Goldkäfer“

Bouquinist

Edgar Allan Poe wurde von Verlagen und Medien zu einen Synonym für Gruselgeschichten und dunkler Poesie stilisiert, vor allem in Deutschland. Zu seinen Lebzeiten war das allerdings nicht der Fall. Eine seiner bei weitem berühmtesten Geschichten ist eine, die heute weniger bekannt ist: Der Goldkäfer.

Ich dürfte etwa 11 Jahre alt gewesen sein, als ich diese Geschichte zum ersten Mal las. Vom ersten Augenblick an hat mich die Liebe zu Edgar Allan Poes Leben und Werk erfasst und nie wieder losgelassen.

Goldkäfer

Obwohl es auf den ersten Blick nicht so aussieht, ist „Der Goldkäfer“ eine Art Detektivgeschichte, mit William Legrand als dem in einer Hütte lebenden amerikanischen Gegenstück zum französischen C. Auguste Dupin in „Der Doppelmord in der Rue Morgue“, „Der entwendete Brief“ und „Das Geheimnis der Marie Roget“ und dem Erzähler als verwirrtem, aber intelligentem Handlanger, der Zeuge des Genies der Hauptfigur wird. Wie Dupin ist auch Legrand der Nachkomme einer alten Familie, der sich an intellektuellen Tätigkeiten erfreut und als Abenteurer nach der Gelegenheit Ausschau hält, einen Teil seines Reichtums wiederzuerlangen. Legrands Erklärung, wie er mit Hilfe von Beobachtung und Logik hinter das Geheimnis von Kapitän Kidds Schatz gekommen ist, weist einige Ähnlichkeiten mit Dupins Methode der Ratiokination auf, und beide zeigen eine Vorliebe dafür, sich auf subtile Weise über andere lustig zu machen, wie etwa den Polizeipräfekten in „Der entwendete Brief“. Auch Legrands Erklärung am Ende hat alle Facetten der Enthüllung eines Detektivs.

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Das Privatgespräch

Es ist stets die Frage, warum man die Faulheit und Bequemlichkeit der Leser berücksichtigen sollte, warum man sich einer zeitgeistigen Sprache bedienen sollte, die diesen geistigen Rost miteinbezieht, warum man alle Kunst, die Sprache betreffend, zu Grabe tragen sollte. Diese Frage stelle ich allerdings nur mir selbst, der ich zwischen der obligaten Lesbarkeit und der Gewissheit, gewisse Wahrnehmungen nicht ohne irritatives Moment darstellen zu können, schwanke. Es geht – wie immer – um Konventionen. Was ist eine private Sprache wert, die ungebräuchlichen Elementen den Vorzug gibt? Ist das Zwiegespräch mit sich selbst am Ende gar der einzig gangbare Weg?

Früher schwebte mir ein Museum vor, bestehend aus Klangskulpturen und Texten, Reflexen und Selbstbeobachtung. Aber was ich da beobachtet hatte …. das war der Beobachter selbst, da gab es kein Objekt mehr. Nun, das gibt es nie. Nur wenn man kein Beobachter mehr ist, sondern ein flüchtig Sehender.

Eine neue Prosa widersetzt sich vor allem dem leicht Verständlichen. Wir sprechen nicht die gleiche Sprache, die Dichter und das Volk. Während in der „Gesellschaft“ keiner weiß, was Sprache ist, gefällt sich der Dichter in seinem Instrumentendasein, weiß ebenfalls nicht, was Sprache ist, ist allerdings der Quell des Universums, an dessen tatsächlichen Rätseln beteiligt. Der Dichter lebt nicht mit. Ich lebte nie mit, ein Außenseiter durch und durch (to the bones), nie gab es eine Gestalt wie mich in meinem Umfeld, nie war eine Verständigung in ihren Grundsätzen möglich. Der Beobachter nach innen. Eine kurze Zeit der Wahrnehmung war mir gewährt, in der ich nach draußen drang, aber auch da war ich ein Quell, dem man brachte.

Monstra sunt

Was soll’s : ich hab’ Mönschen gesehn, die konnten fliegen; weil sie aber nicht wußten, wie sie’s gemacht, sind sie wie die Lemminge in Gruben gestürzt oder haben sich anderweitig den Schenkelhals ruiniert. Vielleicht waren sie ja innen hohl; der Wind findet seine Pforte auch in einem Schlüsselloch, warum denn also nicht in einem aufgesperrten Maul?

Die also habe ich gesehen : Heilige Säufer, Schlangenmenschen habe ich gesehen, aufgestandene Tote. Um die großen Meere herum ist Monsterland, die Meere selbst sind das ›monere‹, deshalb ja wohl die Stürme, von Riesenmaulhaien aufgetürmte Wellen, die nicht wollen, dass wir zu Wundervölkern und phantastischen Kreaturen durchdringen. Wir könnten sonst erkennen … warte, wo hab’ ich nur wieder schnell den Zettel … monstra sunt in genere humano!

Die Macht des Ortes in gotischen Settings

Man mag sich fragen, was das Geheimnisvolle an einer gotischen Umgebung ausmacht, eine gewisse Empfänglichkeit für das Schöne der Vergänglichkeit vorausgesetzt. Es ist das Zusammenspiel von Licht und Schatten, das Flüstern des Unbekannten und die uralte Anziehungskraft von Gebäuden, die den Lauf der Zeit erlebt haben und in denen jeder Stein ein Geheimnis birgt. Die sich abzeichnenden Strukturen, das ferne Heulen und die nebelverhangene Luft schaffen eine Umgebung voller Spannung, und es ist diese Vorahnung, die den Betrachter anzieht und ihn nach mehr verlangen lässt, nach der Entschlüsselung der verborgenen Schichten.

Manderley
Manderley

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Der epikureische Garten

Mag man sich an einen Aspekt erinnern, der, als er noch unverschüttet unser Wesen ausmachte, aufstieg, sich nicht besänftigen ließ: die Heimlichkeit des eigenen unfassbaren Rätsels. Ich war mir als Kind der höchste Philosoph, der mit den Dingen ringt, selbst zu diesen Dinge wird, anstatt sie nur zu greifen und zu untersuchen, wie es die spätere angelernte Distanz fälschlicherweise eine ›objektive Herangehensweise‹ nennt. Die Menschheit (und wir scheinen viel mit ihr zu tun zu haben) ernüchtert; nur ich selbst blieb betrunken, wie es die Götter allzeit gewesen. Das Unglück ach so vieler liegt an der Unfähigkeit, sich zu verweigern. Statt dessen geben sie ihr Fleisch dem Reißwolf der Konvention. Aber das Ringelreihen im Hain, wo wir neben den Weinquellen liegen könnten. Das Odeur unseres Schweißes (der epikureische Garten) scheint mir nach allem, was ich bereits angeschaut, das einzige Ziel zu sein. Nur im Liebesspiel können sich die Momente konservieren, nur darin werden sie unvergänglich sein. Ich erkenne nirgendwo, dass man die Welt entzaubert hätte. Die Brunnen sind gefüllt wie auch die Tassen, die Herzen schwellen an vom prallen Blut; ein Blick treibt alle Wolken aus dem Blau. Du nimmst Raum ein, dein Leib ist mir sinnlicher Gehalt. Kein anderes Mysterium, als über dich zu gleiten, kein anderer Wind als dein Atem, kein anderes Beben als dein Muskelspiel. Kein Zweifel, dass das Leben nur aus dir und mir besteht.

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