Der seltsame Gebäude-Schlaf

Nehmen wir einmal an, das hier wäre ein riesiges Gebäude und nicht nur ein Stein. Ich habe gesucht, aber keine wirkliche Entsprechung gefunden, worin ich heute Nacht eigentlich herum irrte. Die Aufzüge an der Schnittstelle gingen nicht nur nach oben, sondern auch seitwärts davon und es schien mir ein Gebäude zu sein, das einerseits als gigantisches Büro aber auch als Wohnhaus diente. Und es lag irgendwo im Radius um Bozen (Südtirol) herum. Ich fuhr dort mit dem Zug hin, kann mir aber die Einzelheiten dieser Fahrt nicht mehr ins Gedächtnis rufen. Der Traum war insofern merkwürdig, als dass er die ganze Nach einnahm und absolut kontinuierlich war, ganz ohne die surrealen Komponenten einer Traumlogik. Ich hatte ein Büro, in dem ich mich mit Aristoteles‘ Texten und irgendwelchen juristischen Protokollen auseinandersetzen musste, aber das kam erst später und ich hatte absolut keine Vorstellung, was ich da wirklich zu tun hatte. Ein Großteil der Menschen kannte mich und ich sie wohl auch, obwohl es keine Entsprechung zu meinem tatsächlichen Leben gab. Meine Mutter war die distanzierte Chefin, und ich war etwas verwirrt, dass diese Person tatsächlich meine Mutter sein sollte. Irgendetwas schien vorgefallen zu sein, um uns nicht gerade Nähe empfinden zu lassen. Nun verbrachte ich meine Nacht damit, mir die Dinge überhaupt zusammenzureimen und hatte auch die ein oder andere hilfreiche Person an meiner Seite. Da gab es etwas Unausgesprochenes, als wüssten alle mehr oder weniger, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich mich befand und wie ich hierher gekommen war. Tatsächlich als wäre ich nach langer Abwesenheit wieder da, hatte aber keinen Schimmer, was das zu bedeuten hatte.

Nun, es gab keinen Tod, der mich begleitete und ich hatte ein großes Appartement, eine Art Mentor, der mir allerdings nicht wie mein Vater vorkam (wobei meine Mutter wesentlich distanzierter gewesen ist). All diese Leute würde ich nicht wiedererkennen, und was mögen sie denken, wo ich doch jetzt gerade erneut verschwunden bin?

Was Katzen wollen

Manchmal weht uns ein Hauch des Ewigen an, sei es die konkrete Biegung eines Kreislaufs, die engerwerdende Schlaufe einer endlosen Schnecke oder die Begegnung mit einem Mittlwerwesen, die von einem Augenblick bis immerwährend reichen kann. Diese Kontakte sind unerklärlich, aber profund und aus jedem Winkel des eigenen Seins zu begreifen. Als äußerst primitive Lebewesen sind wir allem Irdischen unterlegen, aber wir sind im Stande zu staunen, wie sich außerhalb unserer ranzigen Sinne Schönheit und Würde erheben.

Milu
Milu

Behroka ever

Es ist eine kleine Stadt, die ich im ungarisch-österreichischen Grenzland verorte, obwohl ich im Nachhinein nicht konkret behaupten kann, dass sie auch wirklich dort lag. Im Traum selbst vergas ich den Namen zunächst, aber als ich nachfragte kristallisierte sich den Name Behroka ever heraus. Tatsächlich war das Städtchen so schön, dass mir die Tränen kamen, umgeben von einem sanften Gebirge, das mir aber nach dem Erwachen entwischte. Die Recherche, die Albera ausführte, förderte Beróka als einen speziellen Männertanz oder Geschicklichkeitstanz in der ungarischen Folklore zutage, während meine eigene Suche nach einem ähnlich klingenden Ort (denn dass es sich um einen solchen handelte, ging ja aus dem Traum hervor) zum Kurort Bükfürdő führte, was mich weniger befriedigen konnte.

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Zeichen meines schlechten Geschmacks

In Zeiten von KI und einem widerlich abstoßenden deutschen Kulturbetrieb, bleibt dies hier ein klassisches Weblog, das nicht darauf ausgerichtet ist, irgendjemanden nach dem Maul zu reden. Auch eine wie auch immer geartete Leserschaft ist völlig unerheblich, und tatsächlich ist es besser, wenn niemand von diesem Weblog weiß. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht zugänglich gemacht werden soll. Es mag noch Leser geben, die – so wie ich – diese Welt mit Stumpf und Stiel ablehnen und nach interessanten Geschichten suchen. Manche Artikel (Stories, Poems, Essays, Übersetzungen) mögen elitär erscheinen, andere als reiner Trash. Und so ist es. Ein Empfinden ist immer nur so gut wie das Gehirn des Betreffenden. Die VERANDA war stets eine Art Steckenpferd, den eigenen Interessen nachzugehen.

Nachdem ich nun das Online-Magazin PHANTASTIKON endgültig eingestellt habe (das geschah fürwahr schon öfter, hielt aber nie lange an), sortiere ich die relevanten Artikel hier ein und verwerfe Überholtes oder Irrelevantes. Doch es bleibt genug übrig. Auch die Audiospuren werden nach und nach eingepflegt. Die VERANDA ist und bleibt ein Zeichen meines schlechten Geschmacks.

Ein leerer See wie aus der alten Welt

Ich denke selten an Isny, aber wenn, dann natürlich an ein Isny in einer anderen Welt, an einen Baggersee, der nach wie vor zu finden ist, aber nichts mit besagtem Baggersee zu tun hat, den ich – und viele andere – kennen. Aber er sieht noch genauso aus, nicht wahr? Nun, vieles aus der alten Welt sieht tatsächlich verblüffend ähnlich aus und vielleicht gibt es noch eine Restenergie oder eine Verbindung, die – wie alles – auf Energie beruht. Diese Entleertheit gibt es natürlich nicht nur hier. Sie ist überwältigend, weil sie ja gerade überall ist. Ähnlichkeit. Täuschung.

Baggersee Burkwang/Isny

Eskapismus

Lesen ist wie Reisen. In beiden Fällen verlässt man für eine gewisse Zeit seinen Alltag, kehrt erholt und im besten Falle begeistert zurück und bekommt dadurch eine neue Perspektive geliefert. Wenn Lesen Eskapismus ist, dann frage ich mich, warum Reisen das nicht weniger sein sollte. Der Vorwurf des Eskapismus kann nur von bösartigen und teuflischen Leuten vorgebracht werden. Das erinnert mich an denkwürdige Aussagen wie: „Furcht vor dem Feind“, oder „Fahnenflucht“, Begriffe der Kriegsmaschinerie und von Leuten, die wir heute zurecht aus tiefstem Herzen verachten. Das Gegenteil von Flucht ist Angriff. Sollte man wirklich die möglichen Macher der „Realität“ angreifen? Das halte ich für närrisch. Eskapismus ist die einzige Form des empfindsamen Menschen, in dieser Hölle, die uns umgibt, zu überleben. Und das sollten wir; wir sollten überleben.

Ein merkwürdiges Opossum

die Veranda ist kein chronisches vorgehen gewöhnt
sie gewöhnt sich an alles aber ist in sich nicht von
unbeschwertem Interesse

ich könnte eine verrückte zeit beschreiben wobei
alle federn einmal fallen nachdem sie lange zeit
in der schwebe blieben aufgrund man weiß es nicht genau

vermutet wird ein absturz in den anden bei vollem
bewusstsein eine metapher fürwahr und entbehrlich
wie alles was um diesen ausgedörrten brunnen liegt

Zu folgen ist unmöglich

Ich schrieb – stets und immer -, bereits im Kessel der Imaginationen, bereits nach diesem Prinzip gestaltet, die Schattenspiele wahrzunehmen, die Unverständlichkeiten, die nie anders zu benennen sein werden als durch die Expansion der Muttersprache. Die Dichtung ist nur Wissenschaft, nicht etwa Literatur, die Verpflichtung, wahrzunehmen. Allein für etwas anderes, nicht für die Menschheit, die es nicht Wert ist, sie im Weltenall zu grüßen. Die fehlerhafte Welt, die unvollständige Natur, der dilettante Aufbau der Schöpfung. Auf der Suche nach Etwas, das diesen gewaltigen Error beseitigen könnte. Der Dichter kann, aber ihm zu folgen ist unmöglich.

Schlechtigkeit des Lebens

Es ist eine schöne Illusion sich in guter Gesellschaft zu wähnen sobald man ein Buch zu lieben lernt, einen Film, ein Musikstück, denn tatsächlich ist man selten der einzige, der sich einer bestimmten Sache annimmt. Jedoch führt das nicht automatisch zu einer wie auch immer gearteten Geselligkeit. Ich für meinen Teil bleibe isoliert, weil es die Welt, in der ich lebe, längst nicht mehr gibt, und so auch die Entitäten dieser Welt nicht mehr existieren, die Spielregeln nicht, die Spiele nicht. Am Horizont tauchen all die Türen auf, durch die ich jetzt gehen könnte, sie alle führen aus der substanziellen Schlechtigkeit des Lebens heraus.

Ins Nichts hinein

Ich dachte mir immer, dass es so sein könnte, dass ich meine Produktion ins Nichts hinaus stelle, möglicherweise ins Nichts hinein. Dass ich für das Universum schreibe, aus wie vielen Taschen es auch bestehen mag. Schriebe ich nicht, bliebe etwas ungeschrieben. Ein bedeutungsloser Teil, fürwahr, aber ein unentbehrlicher bei der Vollendung des Universums.

Ich bin von dieser Situation angezogen | etwas zu tun und etwas nicht zu tun; ein wurmstichiges Haus mag eine Leier ergeben und die Würmer den Chor einer Menge Leiber

am Ende sind wir Partisanen einer utopischen Welt

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