Weihnachten: Seit Charles Dickens 1843 „Eine Weihnachtsgeschichte“ veröffentlicht hatte, ist der Name Scrooge zu einem Synonym für einen gemeinen, geizigen Menschen geworden. Ebenezer Scrooge ist Dickens‘ berühmteste Figur und eine der berühmtesten Charaktere der so reichen englischen Literatur. Bei der Erschaffung von Schurken hat sich Dickens von jeher mehr ins Zeug gelegt und mehr Energien auf sie verwendet als bei seinen gutherzigen Figuren. In unseren Breitengraden ist Scrooge zwar bekannt, nimmt aber keineswegs die Popularität ein wie in englischsprachigen Ländern. Selbst der bekannteste (und vielleicht beliebteste) Ableger in Form der Ente Scrooge McDuck heißt bei uns „nur“ Dagobert.
Laut imdb gibt es 124 Darstellungen sowohl im Film als auch im Fernsehen über den Misanthropen, der solange von Geistern gequält wird, bis er schließlich geläutert ist. Er mag zwar nicht erfolgreicher als der Weihnachtsmann selbst sein, ist aber aus den jährlichen Dezember-Events nirgendwo mehr wegzudenken.
Ikonische Filme und Geschichten, die sich tief in die Erzählung der Gesellschaft eingegraben haben, verlieren oft mit der Zeit ihre substanzielle Wirkung. Das trifft vor allem immer dann zu, wenn der Disney-Konzern sich eines eigentlich düsteren Märchens annimmt und dieses in ein zuckriges, ungenießbares Substrat verwandelt. Eines der besten Beispiele ist Dornröschen. Der Film basiert natürlich auf dem Märchen, in dem ein verheirateter König ein schlafendes Mädchen findet, das er nicht aufwecken kann und stattdessen vergewaltigt.
Die 1940er Version von Pinocchio ist da keine Ausnahme. Der Film basiert auf einer Geschichte, die 1881 und 1882 von Carlo Collodi als Fortsetzungsgeschichte mit dem Titel Die Abenteuer des Pinocchio in einer Zeitung veröffentlicht wurde. Jiminy Cricket erscheint im Buch als Sprechende Grille und spielt keine so große Rolle.
Er taucht zum ersten Mal in Kapitel 4 auf, in dem die Binsenweisheit veranschaulicht wird, dass Kinder es nicht mögen, wenn ihr Verhalten von Leuten korrigiert wird, die viel mehr wissen als sie selbst. Als die sprechende Grille Pinocchio sagt, er solle wieder nach Hause gehen, springt Pinocchio wütend auf, nimmt den Hammer von der Bank und wirft ihn mit aller Kraft nach der Grille.
Die Geschichte vom Däumling, von den Brüdern Grimm auch „Daumesdick“ oder „Daumling“ genannt, ist das älteste englische Märchen, das in gedruckter Form vorliegt. Sicherlich gibt es Märchen, die noch älter sind, das Motiv des Rumpelstilzchens zum Beispiel ist über 4000 Jahre alt, aber das älteste erhaltene gedruckte Märchen ist „The History of Tom Thumbe“ von Richard Johnson. Es wird vermutet, dass nur ein einziges Exemplar des Originaldrucks aus dem Jahr 1621 erhalten ist. Möglicherweise handelt es sich aber bereits um einen Nachdruck.
Und so alt die gedruckte Geschichte vom Däumling auch ist, die (mündliche) Legende von Tom Thumb ist noch älter, denn in Texten aus dem sechzehnten Jahrhundert finden sich zahlreiche Hinweise darauf.
An einem Sommertag des Jahres 1284 ereignete sich in der kleinen norddeutschen Stadt Hameln ein mysteriöses Ereignis, das durch die Jahrhunderte nachhallen sollte. Der Legende nach wurden 130 Kinder von einer geheimnisvollen Gestalt, dem Rattenfänger, weggeführt. Mit seinem bezaubernden Flötenspiel lockte er sie in ein ungewisses Schicksal. Was wirklich mit diesen Kindern geschah, ist bis heute unbekannt. Die Geschichte entwickelte sich jedoch von einer tragischen historischen Notiz zu einer der berühmtesten Legenden aller Zeiten. Diese Geschichte, in der sich Geschichte und Volksüberlieferung vermischen, inspiriert Künstler seit Jahrhunderten und ist zu einem lebendigen Teil der visuellen, literarischen und darstellenden Kunst geworden.
Die Legende vom Rattenfänger ist einzigartig, da sie die Grenze zwischen aufgezeichneter Geschichte und Mythos überschreitet. Ausgangspunkt ist ein rätselhaftes Ereignis: das Verschwinden von 130 Kindern aus der Stadt Hameln. Im Gegensatz zu vielen anderen Volksmärchen, die nur auf mündlicher Überlieferung beruhen, hat diese Geschichte einen nachvollziehbaren historischen Anker. Die Hausinschrift am Rattenfängerhaus aus dem 17. Jahrhundert berichtet:
Schottlands Loch Ness ist annähernd 1000 Meter tief und 35 Kilometer lang. Von vielen wird der See als Heimat eines unbekannten Lebewesens angesehen, das man weltweit unter dem Namen „Nessie“ kennt. Die Öffentlichkeit wurde 1933 auf das Monster aufmerksam, seitdem ist das Phänomen zu einem regelmäßigen Medienereignis avanciert, zu einem regelrechten Wahrzeichen Schottlands geworden. Dutzende von Spielfilmen, Bücher, Zeitungsartikel und Dokumentationen haben Nessie zum Thema, so dass sich leicht behaupten lässt: sie ist die bekannteste kryptozoologische Kreatur der Welt.
Es gibt immer wieder Rückschläge auf der Suche nach Seeungeheuern ganz allgemein. Trotz vieler glaubwürdiger Augenzeugen, die die Monster gesehen haben wollen, wurden nach unzähligen Versuchen in den jeweiligen Seen noch keine lebenden Monster gefangen. Es wurden niemals irgendwo Kadaver gefunden, die etwas anderes als bereits bekannte Tiere sein könnten. Es ist eine Tatsache, dass gigantische Netze, U-Boote, Unterwasserkameras, Sonar- und Taucher es bislang versäumt haben, soliden Beweise dafür zu finden, dass es ein Monster von Loch Ness gibt.
Basiert Sweeney Todd auf einer wahren Geschichte oder ist er nur eine Figur, die sich ein Schriftsteller ausgedacht hat?
Ich bin sicher, ihr habt alle schon einmal von ihm gehört. Sweeney Todd, der teuflische Barbier der Fleet Street. Sein Friseurstuhl war auf geniale Weise präpariert, denn nachdem Todd einem Kunden die Kehle durchgeschnitten hatte, bediente er einen Bolzen, der die Leiche rückwärts durch eine Falltür schickte, die in den Keller führte. Dort wurden die Opfer zu Fleischpastete verarbeitet, die in der angrenzenden Konditorei verkauft werden sollte. Geleitet wurde das Geschäft von einer Mrs Lovett, deren Vorname – je nachdem, wer die Geschichte erzählt – variiert.
Die Appalachen, eine beeindruckende Gebirgskette, erstrecken sich über den Osten der Vereinigten Staaten. Die natürliche Schönheit der Wälder und Berge ist unbestreitbar, doch die düstere, mystische Atmosphäre macht sie zu einem besonderen Ort. In dieser Region gibt es eine Vielzahl von dunklen Geschichten. Sie warnen den Wanderer nicht nur vor natürlichen Gefahren, sondern auch vor den unerforschten, mystischen Elementen des Landes. Das Sprichwort „Schau nicht in die Bäume“ ist ein markantes Beispiel für diese düstere Weisheit. Es verweist auf die tief verwurzelte Angst und den Respekt, die die Menschen gegenüber der Wildnis der Appalachen empfinden.
Die Bäume und Wälder der Region sind dicht und unübersichtlich. Sie bergen viele Geheimnisse. Für die ersten Siedler, die in dieser rauen Umgebung lebten, war der Wald sowohl Quelle des Lebens als auch potentiell tödlicher Ort. Die Appalachen-Warnungen spiegeln eine tief verwurzelte psychologische Vorsicht wider, abgesehen von den natürlichen Gefahren wie giftigen Schlangen, wilden Tieren und extremen Wetterbedingungen.
Hercule Poirot gehört neben Sherlock Holmes zu den großen und wohl beliebtesten fiktiven Detektiven. Der zierliche und etwas pingelige belgische Detektiv wurde 1920 von Agatha Christie für den Roman „Das fehlende Glied in der Kette“ geschaffen und ist für seinen scharfen Verstand, seine komische Arroganz und seine Rolle in einigen der berühmtesten Krimis, die Christie je geschrieben hat, bekannt. Er hatte eine für fiktionale Verhältnisse lange Karriere und starb erst 1975 mit dem Roman Vorhang. Zwischen seinem ersten und seinem letzten Roman wirkte Poirot in mehr als 50 Kurzgeschichten und 30 Romanen mit.
Ähnlich wie Sir Arthur Conan Doyle seine Abneigung gegen Holmes zum Ausdruck brachte, begann Christie in den 1960er Jahren Poirot zu verachten und äußerte den Wunsch, ihn zu töten. Für die Leser ist es ein Glück, dass sie damit gewartet hat, denn Curtain gilt als einer von Christies besten Romanen, die sie gegen Ende ihrer Karriere schrieb. Interessant ist, dass die New York Times nach dem Tod der Figur sogar einen Nachruf auf ihn veröffentlichte. Es war das erste Mal, dass die Times eine fiktive Figur lobte.
George Lucas gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Popkultur. Unzählige Künstler haben sich von seinem Werk inspirieren lassen und seinen kreativen Kosmos mit neuen Geschichten, Szenarien und Figuren bereichert. Über Star Wars muss man kein Wort mehr verlieren, aber was ist mit Indiana Jones? Obwohl dieser Kanon naturgemäß kleiner ist als der von Star Wars, ist Indiana Jones eine epische Figur mit zeitlosem Charme und einer Abenteuermythologie, die weit über die fünf bekannten Filme hinausgeht. Von Comics und Büchern bis hin zu Videospielen und Fernsehsendungen – die Welt von Indiana Jones ist voll von mystischen Artefakten, exotischen Schauplätzen und waghalsigen Cliffhangern.
Eskapismus vor einer epischen Kulisse
Nachdem George Lucas seinen ersten Spielfilm THX-1138 produziert hatte, spielte er mit dem Gedanken, einen Film zu drehen, der an eine längst vergangene Ära des Kinos anknüpfen sollte: die Samstagmorgen-Abenteuer. Das waren Abenteuerserien mit kleinem Budget, aber hohem Anspruch. Im Mittelpunkt stand meist ein unverwüstlicher Held, Abenteurer oder Wissenschaftler, der die Welt rettet. Jede Episode endete mit einem Cliffhanger, der die Zuschauer eine Woche später wieder vor den Fernseher trieb, um zu sehen, wie es weitergeht. Es waren zwei Ideen, die Lucas in dieses Format einbringen wollte. Die eine war eine Science-Fiction-Geschichte über einen kleinen Bauernjungen, der die Galaxie vor einem bösen Imperium rettet. Die andere war die Geschichte eines Universitätsarchäologen, der sich in seiner Freizeit auf die Suche nach legendären religiösen Artefakten begibt; ein robuster, klassischer Held, der nach Lucas’ Hund benannt werden sollte. Die Geschichte wurde pittoresk Die Abenteuer des Indiana Smith genannt.
Während der „Bauernjunge-rettet-Galaxie“-Stoff zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten wurde, wurde Indiana Smith zunächst auf Eis gelegt. Vier Jahre später, 1977, kehrte Lucas zu diesem Projekt zurück, nachdem er sich eine dringend benötigte Auszeit von der Aufmerksamkeit, die Star Wars auf sich gezogen hatte, gegönnt hatte. Ein anderer junger Filmemacher schloss sich ihm an, um sich von der Produktion von „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ zu erholen: Steven Spielberg. Beide reisten nach Maui, und dort fasste Lucas den Plan, Indiana Smith als bodenständigen Gegenentwurf zu Star Wars zu produzieren. Da er aber nicht selbst Regie führen konnte, weil er sich um „Das Imperium schlägt zurück“ kümmern musste, kam es ihm gelegen, dass Spielberg ein neues Projekt suchte. Lucas konnte Spielberg davon überzeugen, dass es sich dabei um Indiana Smith handeln könnte. Aber Spielberg gefiel der Name nicht, also änderte Lucas ihn.
Im Jahr darauf wurde Lawrence Kasdan mit dem Drehbuch beauftragt, Frank Marshall wurde Produzent. Die vier arbeiteten an der Story, und nach einem langen Casting-Prozess, bei dem Größen wie Tim Metheson und Tom Selleck vorsprachen, wurde Harrison Ford als Hauptdarsteller ausgewählt.
Im Juni 1981 kam der Film mit dem Titel „Jäger des verlorenen Schatzes“ in die Kinos. Er war sofort ein Erfolg und gewann vier der acht Oscars, für die er nominiert war.
Es ist leicht zu verstehen, warum der Film so erfolgreich war. Wie bereits erwähnt, hatte Lucas die Absicht, einen Film zu drehen, der sich an die Samstagsmatineen anlehnt, und Indiana Jones war genau das. Die Geschichte hatte ein entsprechendes Konzept, die Hauptfigur war ein Draufgänger, der sich weder schonte noch lange ausruhte, und der Film donnerte in einem unerbittlichen Tempo voran. So entstanden einige der berühmtesten Actionszenen der Filmgeschichte, wie Indianas Verfolgung eines Nazi-Trucks zu Pferd oder seine unliebsame Begegnung mit der Schlangengrube. Spielbergs Stil, Action und Humor mit Momenten großer Dramatik und mitfühlenden, glaubwürdigen Charakteren auszubalancieren, stellte das Spektakel auf eine Stufe mit Filmen wie Lawrence von Arabien oder Die Brücke am Kwai.
Ein weiteres Element, das Indiana Jones von anderen Actionfilmen unterschied, war die inzwischen legendäre Filmmusik von John Williams, die so berühmte Momente wie den „Raiders March“ enthält. Die Pracht und Größe dieses Stückes gab Indy von Anfang an eine Identität und suggerierte sofort ein hohes Maß an Abenteuer und Eskapismus vor einer epischen Kulisse.
Die kulturelle Bedeutung von Indiana Jones
Als Hommage an die Abenteuerserien der 1930er und 1940er Jahre war “Jäger des verlorenen Schatzes” stark beeinflusst von dem, was sich zuvor im Blockbuster-Kino abgespielt hatte, und hatte dann einen großen Einfluss auf den kommenden Action-Abenteuerfilm und das Fernsehen. Filme wie Captain America oder X-Men sind nichts anderes als direkte Nachfahren eines der kulturell bedeutendsten Filme aller Zeiten.
In “Indiana Jones und der Tempel des Todes”, einem Prequel zum ersten Film, entkommen Indiana und seine Freunde chinesischen Gangstern, retten Kinder und bergen einen heiligen Stein. In “Indiana Jones und der letzte Kreuzzug” begibt sich Indie auf die Suche nach dem Heiligen Gral. Und in “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” überlebt Indie nicht nur eine Atomexplosion, sondern erfährt auch von einem Familienmitglied, von dem er nichts wusste.
Insgesamt hat das Indiana-Jones-Film-Franchise bisher schätzungsweise 1,9 Milliarden Dollar eingespielt, und mit dem fünften Film, der leider wie zu erwarten wirklich schlecht ist, hat sich diese Zahl dennoch weiter in die Höhe geschraubt.
Die kulturelle Bedeutung von Indiana Jones ist eng mit vielen anderen Filmemachern (und anderen Unterhaltungsmedien) verbunden. Vor allem die Videospielindustrie hat Indiana Jones’ Reliquienjagd und seine weltumspannenden Streiche gut aufgenommen.
Lara Croft wird oft als “weiblicher Indiana Jones” bezeichnet, denn auch sie ist eine Archäologin, die es versteht, sich aus schwierigen Situationen zu befreien und sogar übernatürliche Feinde zu besiegen.
Indiana Jones ist in der Tat so inspirierend, dass die Filme zu einem Anstieg der Archäologiekurse und der Zahl der Archäologiestudenten an den Universitäten geführt haben.
Die Geschichte des wohl berühmtesten Piraten der Popkultur ist vor allem die Geschichte seiner Interpretation durch Johnny Depp. Doch genau diese Interpretation sorgte anfangs für einige Irritationen. Und beinahe wäre eine der beliebtesten Filmfiguren aller Zeiten gar nicht erst entstanden.
Der Pirat als Rockstar
Als Johnny Depp sich auf seine Rolle als Captain Jack Sparrow im ersten Fluch der Karibik-Film vorbereitete, las er alles, was es über Piraten zu lesen gab, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sein Charakter aussehen sollte. Je mehr er über Piraten las, desto mehr gewann er den Eindruck, dass sie die Rockstars ihrer Zeit waren.
Jack Sparrow, von „itsmyself“
Sie waren trinkfreudige, exzentrische Gauner, die ständig auf Reisen waren, begleitet von einem unermesslichen Ruhm, der ihnen auf ihren Reisen folgte. Ihr extravagantes Aussehen und ihr manchmal bizarres, aber immer unterhaltsames Verhalten trugen zu ihrem Mythos bei. Die Piraten nahmen sich die Freiheit, sie selbst zu sein, ohne sich dafür zu entschuldigen.
Johnny Depp hatte also eine Vorstellung davon, wie Jack Sparrow sein könnte, aber er wusste, dass er einen echten Rockstar brauchte, um sich von ihm inspirieren zu lassen. Also wandte er sich an seinen Freund Keith Richards von den Rolling Stones, den er für den „größten Rock’n’Roll-Star aller Zeiten“ hält.
Er studierte Keith Richards ohne dessen Wissen und traf ihn so oft wie möglich, bevor die eigentlichen Dreharbeiten begannen. Viele der Eigenheiten, Persönlichkeitsmerkmale und sogar die Stimme von Jack Sparrow stammen aus Depps Studium von Keith Richards.
Es dauerte nicht lange, bis Jack Sparrow in Johnny Depps Kopf Gestalt annahm. Er erkannte, dass er aus dieser Figur etwas Großes machen konnte.
Der besondere Pirat – Ein Schock für Disney
Das Problem war, dass die Disney-Manager, die für den Film verantwortlich waren, eine ganz andere Vorstellung von Jack Sparrow hatten. Sie wollten einen traditionellen Piraten, wie man ihn aus den üblichen Piratenfilmen kennt: rau, gut aussehend, männlich, mit einem leicht düsteren Sinn für Humor. Nichts Außergewöhnliches.
Aber Johnny Depps Captain Jack Sparrow war nichts, was die Leute bei Disney je zuvor in einem Piratenfilm gesehen hatten. Depp gab ihnen einen Jack Sparrow, der sowohl männlich als auch weiblich war, abseits des Mainstreams, ganz zu schweigen von seinem unerwarteten Aussehen.
Sie waren schockiert und im Grunde verachteten sie die Darstellung. In einem Interview mit Vanity Fair beschrieb Depp, wie die entsetzten Disney-Manager begannen, ihn mit Fragen zu traktieren:
“Was ist mit Jack Sparrow los? Ist er ein komischer Dummkopf? Ist er betrunken? Und übrigens: ist er vielleicht sogar schwul?”
Aber die schlimmste Reaktion behielt sich der Disney-Chef vor, der, nachdem er einige Szenen mit Jack Sparrow gesehen hatte, wütend schrie: “Er ruiniert den Film!”
Die Dinge entwickelten sich nicht gut, und es sah so aus, als ob Johny Depp den interessanteren Jack Sparrow aufgeben müsste, um den faden Charakter zu spielen, den Disney wollte.
Die Chance nutzen
Doch Johnny Depp wollte nicht nachgeben, zu sehr war er an der von ihm geschaffenen Figur interessiert und bereit, sich für sie einzusetzen.
Interessanterweise hatte Disney Depp überhaupt erst engagiert, weil sie einen Film wollten, der aufregender und interessanter ist als ein traditioneller Disney-Film. Aber jetzt, wo sie eine Figur hatten, die genau das war, bekamen sie kalte Füße.
Als Depp merkte, dass Disney dabei war, den Jack Sparrow, den er im Sinn hatte, zu verhindern, beschloss er, alles auf eine Karte zu setzen. Er ließ den Konzern wissen, dass es um alles oder nichts gehe. Entweder sie vertrauten ihm, weil er davon überzeugt war, dass er der richtige Captain Jack Sparrow für den Film sei, oder sie würden ihn hier und jetzt feuern, weil er die Figur nicht anders spielen würde.
Keith Richards
Damit ging Johnny Depp ein hohes Risiko ein, das sich aber am Ende auszahlte. Sein Vertrauen in die Figur überzeugte Disney schließlich, und sie hörten auf, ihn zu drängen, es sich noch einmal zu überlegen. Zumindest größtenteils.
Er musste noch darum kämpfen, genau das Kostüm und das Aussehen in den Film einbringen zu dürfen, das wir heute alle kennen.
Johnny Depp wusste, dass ein Pirat wie Jack Sparrow sich nicht nur wie ein Rockstar verhalten, sondern auch so aussehen musste. Ein fadenscheiniges Halstuch und ein klischeehafter goldener Ohrring würden nicht ausreichen. Also machte er sich daran, einen Look zu kreieren, der dem Charakter treu blieb und ein wenig auf die Vergangenheit des Piraten anspielte. Rastalocken, jede Menge Goldzähne (Disney war darüber wirklich nicht glücklich), ein geflochtener Spitzbart, Tätowierungen und Ähnliches wurden sorgfältig angebracht, um den Look zu kreieren.
Auch hier suchte er Inspiration bei Keith Richards. Richards hatte die Angewohnheit, kleine Schmuckstücke als Andenken an seine Reisen und Tourneen zu sammeln und sie in sein Haar zu stecken. Depp beschloss, dass Jack Sparrow genau das getan haben könnte, um sich an seine Abenteuer zu erinnern.
Er sah etwas und beschloss, es als Andenken in sein Haar zu stecken, und jedes Objekt hatte eine Geschichte.
So wie der Rentierknochen, der an einem seiner Dreads hängt. Nur Jack Sparrow kennt die Geschichte, aber sie muss interessant sein, wenn man bedenkt, dass es in der Karibik keine Rentiere gibt.
Johnny Depp war mit dem Verlauf des Films sehr zufrieden, denn alles schien zu seiner Rolle zu passen. Aber der wahre Test, ob er mit seiner Interpretation richtig lag, stand noch aus.
Captain Jacks Vater
Als die Premiere von Pirates of the Caribbean: Curse of the Black Pearl anstand, lag eine Frage in der Luft.
Würden die Zuschauer Johnny Depps Version von Jack Sparrow akzeptieren oder würden sie einen so ungewöhnlichen Charakter am Ende ablehnen, weil sie ihn nicht verstanden?
Viele Medienvertreter gingen ohnehin davon aus, dass der Film ein Flop werden würde, da Piratenfilme zu dieser Zeit nicht besonders populär waren. Außerdem ahnten sie, dass Johnny Depps eigenwilliges Spiel alles nur noch schlimmer machen würde.
Doch genau das Gegenteil war der Fall. Fluch der Karibik wurde ein großer Erfolg, und die Art, wie Johnny Depp Captain Jack Sparrow spielte, war einer der Hauptgründe für diesen Erfolg. Es war eben der Reiz, dem übermütigen und etwas seltsamen Piraten dabei zuzusehen, wie er sich geschickt aus schwierigen Situationen herausmanövriert.
Das Rockstar-Image von Jack Sparrow machte den Piraten zum Publikumsliebling und den Film zu einem der erfolgreichsten aller Zeiten. Und niemand bestritt mehr, dass man mit Johnny Depp die richtige Wahl getroffen hatte. Niemand hatte mit einem solchen Erfolg gerechnet.
Was Keith Richards betrifft…. er fand erst nach Erscheinen des Films heraus, dass er eine der großen Inspirationen für Jack Sparrow gewesen ist.
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