Unter Huf & Egge

Alle Gewässer fallen zusammen und alle Städte fallen zusammen, am Strom, am großen Knoten, Zeitenkelch; der Brunnen gibt und nimmt das Wasser. Die Tropfen in den Kelchen, Pfannen, Augen, sie kochen hoch und regnen davon. Ich suche dich und finde mich, ich brenne aller Feuer mit. Willst du mich wiedersehen, dann reise in das Gestern … Weiterlesen

Simon Tinkerbell

Sie sah mich an. Anderen war sie versprochen. Anderen. Und weil in mir alle sind, kann sie mit mir allein nicht ihr großes Haus bewohnen. Ich erinnere mich an eine Geschichte. Wieder ist es eine Liebesgeschichte – vielleicht ist es sogar eine moralische Geschichte, aber das war mir zum Zeitpunkt der Lektüre noch nicht klar: … Weiterlesen

Der schwarze Punkt

Langform

Die im roten Kleid. Die hätte mir auch gefallen. Ein rotes Kleid ist etwas ungemein Bizarres; auf der Leinwand steht es scheinbar still, jedoch hier vor meinen Augen flattert es umher, wirft sich in nicht ganz ernst zu nehmende Falten – und schwebt in den anliegenden Raum davon, das exakte Ebenbild von diesem. Gab es einen Unterschied, so bestand er in den Bildern an der Wand. Nur in den Bildern an der Wand; bis vor wenigen Augenblicken. Jetzt ist da noch das rote Kleid hinzuzufügen.

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Sprache und Nichtsein

Es ist mir die Sprache das einzige Transportmittel, um in Regionen vorzustoßen, um die man kaum mehr zu kreisen wagt. Dazu aber muss eine bloße Erzählhaltung aufgegeben werden, die so sehr unsere Sinne beeinflusst und in den meisten Fällen auch einengt, wie alles, was man Gegenwart nennt. Nun ist Gegenwart nichts Endgültiges, man kann sie … Weiterlesen

Der Mann mit der Axt

Die Stunde vierteilt sich, der Mann mit der Axt, nackter Teint, die Warzen: übergroß das Instrument, der Richter.Nicht in den Mantelsack der Nymphen fällt der Kopf, nicht aus dem Blute entspringt der Pegasus, der dünne Ölfilm einer Pfütze wirft das Bildnis einer Laterne zurück, immer wieder die Axt, auch die Laterne.Er hatte keinen Schlüssel, er … Weiterlesen

Nyctanthes

Die Freiheit, die man gerne leugnet, besteht darin, sich in jeder Sekunde entscheiden zu können, was man als nächstes tut, ja, dass man bei einer Entscheidung oftmals ganz ohne Gedanken auskommt. Es mag uns scheinen, als dränge etwas wie ein Vulkan zur Eruption. Nur die Intensität markiert den Unterschied. Doch von Freiheit zu sprechen, wenn man voller Staunen zum ersten Male in das unbekannte Antlitz blickt, das so vertraut, weil vielleicht vor langer Zeit in allen Einzelheiten erträumt, weil vielleicht in einer anderen Zeit, in einem anderen Leben so verabredet – man mag sich einst nur verlassen haben, in dem man, wie im Irdischen auch, sich Bilder voneinander schenkte – ist nicht mehr möglich. Man kann sich auf seinen Pfaden, die durch unterschiedliche Landschaften führen, an etwas erinnern, ohne genau zu bestimmen, was es ist, das immer wieder die Gewissheit anstachelt. Man kann sich vormachen, man bilde sich aus und gehe dahin, wo es einen beliebt, man mag in einsamen Stunden der Illusion genügend Macht einräumen, wenn man für sich selbst versunken sitzt in lauen Lüften unterm Sternenzelt oder mit seinen Träumen einsam spaziert. Man mag so oft den Mut fahren lassen, wenn man plötzlich bemerkt, wie unwegsam das Gelände geworden ist; und man fragt sich nicht selten, ob man denn richtig abgebogen sei. Doch niemals wird sich verleugnen lassen, was gerade in unserer Zeit der Raison zum Opfer ward, dass sich zwei Herzen finden können, weil sie füreinander bestimmt, sich noch im unbekannten winden, nicht eigentlich unglücklich, doch an einer ganz bestimmten Stelle leer oder noch nicht angefüllt. Man liebt so dann und wann drauflos und hält es für die Höhenluft. Da kommt es kaum in den Sinn, dass auch die Liebe ihre Lehrjahre kennt, dass nicht jedes mit Freuden angenommene Gefühl gleich das Jauchzen der Ewigkeit verspricht. Wir pilgern stumm, auch wenn wir laut und tönend uns durchs Leben peitschen, rennen oder ziehen, wir entwickeln uns zu einem Menschen, dessen Vorgänger wir schon bald nicht mehr kennen. Dann sagen wir: Ich habe mich verändert und ich bin nun bereit für dies und das. Bis dann das Unbekannte eingreift, mit dem wir uns selbst vor langer Zeit in dieser Weise verabredet haben.

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Von Hirsch- und Bäckerhefe

Die Vererbung ist ein Speicher für alle Erfolge, die das Leben jemals errungen hat. Die Niederlagen werden vergessen. Kein Fehler bleibt im genetischen Code bewahrt. Durch diese Perseveranz lernt die Natur aus ihren Fehlern nicht und wiederholt sie andauernd. Ein albinotischer Hirsch ist durch seine Auffälligkeit unterprivilegiert. Im Mythos – weg von der Natur, hin … Weiterlesen

Eins

Die Queste ist das Synonym des Lebens. Mit dieser Reise als Symbol verbunden ist der Weg. Abzweigungen deuten an, dass wir uns zu entscheiden haben. Aber nicht überall stoßen wir auf einen Kreuzweg, der uns eine Entscheidung abverlangt. Können wir umkehren? Ja, das können wir, aber dennoch bleibt die Teilstrecke begangen. Was wir dort schauten, … Weiterlesen

Lit-Life

Anmerkung, März 2025: Auch wenn die Veranda ein Reboot erfahren hat, dachte ich mir, dass ich am ersten Eintrag im Jahre 2005 festhalten sollte, weil es doch ein Schlüsselmoment war. Es gibt einen weiteren im Jahre 2014, der zur Entstehung des Phantastikon-Magazins beitrug. Namentlich die Übersetzung eines Interviews, das Matt Cardin mit Thomas Ligotti geführt … Weiterlesen

Stille im Universum

Die Natur spuckte aus, es war Stille im Universum. Nur die Steine sprachen miteinander. Fünfzehn Stufen lagen vor mir, und die erste fand ich hell erleuchtet. Nebel, die Stufen aus Knochenmark geformt, in der Mitte schwielig, braun zurückgelassener Fußabdrücke, Dornenstaub darüber, Gestalt des Wahnsinns.

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