Die drei ??? und die silberne Spinne / Robert Arthur

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Die silberne Spinne

Interessanterweise verlassen die drei Detektive in diesem Buch zum ersten Mal Amerika und reisen in das siebtkleinste Land der Welt namens Varania. Wer sich jetzt fragt, wovon ich spreche: Genau. Die ohnehin schon schlechte Übersetzung der ganzen Serie setzt hier noch einen drauf und ändert unsinnigerweise gleich den ganzen Schauplatz und nennt ihn Magnusstad, das in Texas liegt. Diese Änderung macht die ganze Geschichte zu einem völligen Blödsinn, denn hier gelten eigene Gesetze, die in Texas sicher nicht so ohne weiteres gelten würden. Natürlich sind beide Begriffe fiktiv, aber so in ein Werk einzugreifen, zeugt von einer tiefen Respektlosigkeit, oder besser gesagt, man hielt die deutschsprachigen Kinder der damaligen Zeit wohl für komplette Idioten.

Dabei ist die Geschichte ein wahres Vergnügen. Gleich auf der ersten Seite rammt Morton mit seinem vergoldeten Rolls Royce beinahe die Limousine von Lars Holmqvist, dem jugendlichen Erben der Magnus-Werke. Hier hat man aus dem jugendlichen Prinzen Djaro von Varania einfach einen Schweden gemacht. Und mit einem Prinzen aus Varanita macht die ganze Szenerie plötzlich mehr Sinn als mit einer schwedischen Enklave mitten in Texas!

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Die drei ??? und der Fluch des Rubins / Robert Arthur

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Der menschliche Geist ist besessen von Mustern. Sobald wir sie in der Natur erkennen, ergeben sie unweigerlich einen Sinn; sei es der Goldene Schnitt in den Keimspiralen im Kopf einer Sonnenblume, oder die Strömungsdynamik bei der Bildung von Sanddünen – Mustern kann man nur schwer widerstehen.

Bis dahin war Robert Arthurs Serie mit Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews unter dem Namen Die drei Detektive einem eigenen Muster gefolgt: Das Gespensterschloss (1964), Die flüsternde Mumie (1965) und Der verschwundene Schatz (1966) – bekannt als Die ungeraden Nummern – waren sehr gut; Der Super-Papagei (1964), Der grüne Geist (1965) und Die Geisterinsel (1966) – auch bekannt als Die geraden Nummern – waren, äh, weniger gut. Nicht unbedingt schlecht, aber definitiv der schwächere Arm der Serie. Der Fluch des Rubins (1967) ist das siebte Buch der Reihe, und jetzt stehen wir vor den Frage, ob sich das Muster in der Qualität der Nummern hier bestätigt? (Da sich die deutsche Erscheinungsweise vom Original unterscheidet, sollte man sich immer – wie wir hier – um die eigentliche Zählung kümmern. Okay, die deutsche Übersetzung ist ohnehin eher schlecht, aber wir haben nun einmal nichts anderes, und um ehrlich zu sein, gewöhnt man sich irgendwie daran).

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Das ewige Leben

Das ewige Leben scheint die verlockendste Verführung zu sein, die man sich vorstellen kann. Man kann hingehen, wohin man will, alles tun, was man will, und so Erfahrungen sammeln, die man an der Jahrtausendwende weitergeben kann. Doch bevor sich jemand der Unsterblichkeit verschreibt, sei er gewarnt: Es ist nicht alles so wunderbar, wie es scheint. Selbst in der manchmal verzauberten Welt der Fiktion gibt es viele Seelen, die von der Unsterblichkeit verbittert sind. Um es mit den Worten der Rockgruppe Queen zu sagen: „Who wants to live forever? Diese Unsterblichen schon mal nicht. Und hier ist der Grund dafür:

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End of Story / AJ Finn

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Seit seinem fulminanten Debüt haben viele von uns gespannt darauf gewartet, was A. J. Finn in seinem zweiten Roman veröffentlichen würde. Finns erstes Buch –The Woman in the Window – war in jeder Hinsicht ein Erfolg. Es eroberte die literarische Welt im Sturm und erreichte schnell den Status von Gone Girl. Es führte viele Menschen, die sich selbst als Gelegenheitsleser bezeichneten, in die Liebe zu psychologischen Thrillern und mörderischen Wendungen ein. Sein zweiter Roman erschien Anfang 2024, und ich fand, dass End of Story eine andere, aber nicht weniger spannende Richtung für Finn war. Sein erstes Buch war in jeder Hinsicht ein psychologischer Thriller mit kommerzieller Anziehungskraft, sein zweites Buch ist ein literarischer Thriller mit professioneller Planung, der Finns schriftstellerisches Talent unter Beweis stellt.

Nach dem sensationellen Erfolg seines Debüts konnte es nicht ausbleiben, dass sich Schmarotzer an seine Versen hefteten, woraus eine regelrechte Schmutzkampagne gegen ihn Fahrt aufnahm, 2019 abgedruckt im New Yorker. Das soll uns aber hier nicht interessieren, weil es tatsächlich auch uninteressant ist. Konzentrieren wir uns lieber auf ein Buch, das beweist, dass Finn eines der größten literarischen Talente der heutigen Zeit ist. Wenn Sie sich jemals gefragt haben, welche Bücher zeitgenössischer Autoren in fünfzig bis hundert Jahren als Klassiker gelten werden, dann ist End of Story mit Sicherheit eines davon.

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Urban Fantasy – Teil 3: Die Chronik der urbanen Fantasy

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Im vorherigen Beitrag sprachen wir über die ersten Autoren, die sich in den 80er und 90er Jahren in das Neuland der urbanen Fantasy wagten: Charles de Lint, Emma Bull, Laurell K. Hamilton, Neil Gaiman und andere. Nun wollen wir sehen, wie sich die urbane Fantasy im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts entwickelt hat.

Kinderbücher, Jugendbücher und neue Belletristik für Erwachsene

In den 90er Jahren wurden urbane Fantasy-Bücher hauptsächlich für Erwachsene geschrieben. J.K. Rowling änderte das, indem sie urbane Fantasy-Themen in ihre Harry-Potter-Serie integrierte. Die Grundidee der Serie ähnelt derjenigen, mit der Neil Gaiman in Niemalsland gespielt hat, nämlich der Koexistenz zweier Realitätsebenen, einer technologischen und einer magischen . Man kann sogar sagen, dass Harry Potter und der Stein der Weisen (1997) ein Niemalsland für Kinder und Jugendliche ist.

Jugendliteratur (auch „Young Adult“ genannt) hat sich in den 2000er Jahren massiv mit urbaner Fantasy auseinandergesetzt. Twilight (2005) von Stephenie Meyer war ein großer kommerzieller Erfolg, trotz der erheblichen Schwächen des Romans (oder vielleicht wegen dieser Schwächen). Kurz darauf startete Cassandra Clare ihre Chroniken der Unterwelt mit City of Bones (2007). Seitdem hat sich die Urban Fantasy für Kinder u. Jugendliche in den Regalen jeder Buchhandlung festgesetzt und sich zu einem der kommerziell erfolgreichsten Genres der Geschichte entwickelt.

Die neueste Entwicklung ist die Entstehung der sogenannten „New Adult“-Literatur, die sich an Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren richtet. Dieses Genre ähnelt der Jugendbelletristik, enthält aber etwas ältere Protagonisten (Ende der Pubertät und Anfang der Zwanziger) und manchmal auch erwachsenes Material, aber nicht immer. Mit Lev Grossmans Fillroy – Die Zauberer startete 2009 eine neue erwachsene Urban Fantasy, und dieses Subgenre gewannt schnell an Dynamik. Die Zauberer wurde als der Harry Potter für Erwachsene beworben, aber dieser Roman ist nicht nur ein Harry Potter-Abklatsch. Dennoch besteht der Hauptunterschied darin, dass dieser Roman nicht vor erwachsenen Themen zurückschreckt.

Detektive des Übersinnlichen: Wenn Hardboiled auf Fantasy trifft

Detektive und Privatdetektive, die sich mit unerklärlichen, paranormalen Ereignissen beschäftigen, sind kein neues Thema in der Literatur. Eigentlich waren die allerersten Bücher, die sich mit diesem Thema befassten, keine Belletristik, sondern Hexenjägerhandbücher. Das berühmteste von ihnen war der „Hexenhammer“ Malleus Maleficarum, der 1486 von Heinrich Kramer, einem deutschen Geistlichen, geschrieben wurde. Auch das Thema der Detektive, die mit Hilfe von Magie Verbrechen aufklären, ist nicht neu. Als Subgenre der Kriminalliteratur lässt sich die okkulte Detektivliteratur bis in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen.

In den 1990er Jahren waren Fantasy und hartgesottene (Hardboiled) Noir-Detektivgeschichten völlig unterschiedliche Genres und schienen nichts gemeinsam zu haben. Fantasy-Geschichten wurden in sekundären, vorindustriellen Welten angesiedelt, in denen Magie zum Alltag gehörte. Noir-Detektivgeschichten spielten in modernen Metropolen und waren mit den sozialen Brennpunkten der Großstädte verwurzelt. Versuche, diese beiden Genres zu verschmelzen, wurden manchmal mit Erfolg unternommen, wie das Beispiel der Hellblazer-Comics zeigt. Das fantastische Noir blieb jedoch ein relativ kleines Genre, bis Jim Butcher es neu erfand.

Könnt ihr euch eine Kreuzung zwischen Sam Spade und Gandalf vorstellen?

Jim Butcher ist der MacGyver der Fantasy. In „Sturmnacht“ (2000) kombinierte er zwei unterschiedliche Genres zu etwas Neuem und Funktionalem: Die Detektivgeschichten verbindet sich mit Sword & Sorcery. Im Gegensatz zu MacGyver setzte Butcher seine Fähigkeiten jedoch nicht dazu ein, um für Gerechtigkeit zu sorgen, sondern um eine kommerziell erfolgreiche Serie urbaner Fantasy zu schreiben: „Die dunklen Fälle des Harry Dresden“. Wie die meisten Bestseller werden seine Bücher niemanden auf intellektueller Ebene herausfordern, aber sie werden jeden gründlich unterhalten. Meines Wissens ist Butcher der kommerziell erfolgreichste Autor im Genre der urbanen Fantasy. Fünf seiner Bücher belegten den ersten Platz der New York Times Bestsellerliste. Nur wenige Schriftsteller schafften so etwas.

Die Dresden-Files weisen viele Ähnlichkeiten mit Anita Blake auf, es gibt aber auch einige signifikante Unterschiede. Insbesondere die fiktiven Universen sind ganz anders aufgebaut. Die Dresden-Files beziehen sich stärker auf den Hardboiled-Kriminalroman, aber auch auf Sword & Sorcery. In der Serie Anita Blake drehen sich die Geschichten oft um Vampire und andere Untote und ihren Machtkampf. Der andere wichtige Unterschied ist die Entwicklung der Serie, da Anita Blake sich in Richtung paranormaler Romantik und Erotik bewegt, während die Dresden-Files fest im übernatürlichen Detektiv-Genre verwurzelt blieben.

Findest du es lustig, gegen Dämonen zu kämpfen?

Urbane Fantasy-Romane haben oft einen leichten, lässigen Ton. Humor ist omnipräsent, unabhängig davon, wie düster und dramatisch die Geschichte ist. Wir sehen es bereits in Moonheart (1984) von Charles de Lint, sowie in anderen frühe Beispielen urbaner Fantasy. Bittersüße Tode (1993) von Laurell K. Hamilton beginnt so:

Willie McCoy war ein Idiot, bevor er starb. Dass er tot war, hatte daran nichts geändert.

Während einige Urban Fantasy-Autoren einen relativ ernsten Ton anlegten (z.B. Kelley Armstrong in Die Nacht der Wölfin, Patricia Briggs in Moon Called), zögerten andere nicht, ihren Geschichten eine gute Portion Humor hinzuzufügen. Einige Passagen aus Sturmnacht kommen mir in den Sinn, z.B. wenn Harry Dresden mit Bob, einem Geist reinen Intellekts, der einen menschlichen Schädel bewohnt, diskutiert. Auch Neil Gaiman verfolgt in seinen Büchern einen augenzwinkernden Ansatz. „Ein gutes Omen“ (Good Omens: The Nice and Accurate Prophecies of Agnes Nutter, Witch), 1990 zusammen mit Terry Pratchett geschrieben, ist eine Komödie des Übersinnlichen, die den Glauben an die biblische Apokalypse verspottet. Niemalsland (1996) strotzt ebenfalls vor humorvoller Dialoge, und die Bösewichte der Geschichte sind ebenso urkomisch wie finster.

Starke Frauen als Heldinnen

Die überwiegende Mehrheit der urbanen Fantasy-Romane zeigt willensstarke weibliche Protagonistinnen. Die einzigen Ausnahmen, die ich kenne, sind die Dresden-Files und Fillroy – Die Zauberer, beide von männlichen Autoren geschrieben, was nicht gerade überraschend ist.

Anita Blake ist eine ikonenhafte Figur, der Prototyp einer knallharten Heldin (siehe meinen vorherigen Beitrag zur Geschichte der urbanen Fantasy). Sie ist unabhängig, zielstrebig, mutig und in der Lage, sich zu verteidigen. Um das Ganze noch zu toppen, ist sie eine risikofreudige und adrenalinsüchtige Frau. Sie lässt sich von niemandem etwas gefallen und gerät wegen ihrer trotzigen Haltung oft in Schwierigkeiten. Unzählige urbane Fantasy-Heldinnen würden in dieses Profil passen: Elena Michaels (in der Otherworld-Serie von Kelley Armstrong), Mercy Thompson von Patricia Briggs), Rachel Morgan von Kim Harrison, Kate Daniels von Ilona Andrews), Selene (in der Underworld-Filmreihe) und so weiter.

Einige weibliche Protagonistinnen sind femininer und verletzlicher, aber auch sie haben eine starke Persönlichkeit, zum Beispiel Sookie Stackhouse (Buchreihe von Charlaine Harris und TV-Serie True Blood) oder MacKayla Lane, genannt Mac (Fever-Serie von Karen Marie Moning). Sie können aussehen wie Barbie-Puppen, aber sie wissen, was sie wollen, und sie bekommen, was sie wollen. In Im Bann des Vampirs gibt die 22-jährige Mac ihre verschwenderische Lebensweise in Ashford, Georgia, auf und reist nach Dublin, um den Mord an ihrer Schwester zu untersuchen. Ohne Detektivausbildung und ohne Hilfe der Polizei ist es nicht verwunderlich, dass sie schnell in Schwierigkeiten gerät. Doch sie weigert sich, nachzugeben. Einige würden sagen, sie sei mutig und entschlossen, andere würden sie als stur oder hitzköpfig bezeichnen. Wie immer man das sieht.

Das Thema weiblicher Emanzipation ist in der Literatur nicht neu. Die frühesten Beispiele, die ich kenne, sind Schauerromane vom Ende des 18. Jahrhunderts (siehe Ursprünge der Urban Fantasy). Interessanterweise erschien im selben Zeitraum (1792) Verteidigung der Frauenrechte von Mary Wollstonecraft, eines der frühesten Werke feministischer Philosophie. Wie ich bereits in meinem vorherigen Beitrag dargelegt habe, ist die urbane Fantasy das Äquivalent der Gothic Novel des 21. Jahrhunderts, in dem Sinne nämlich, dass diese beiden Genres viel gemeinsam haben. Die urbane Fantasy erlaubt es uns jedoch, das Problem der Frauenrechte aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Werwolf-Geschichten sind in diesem Zusammenhang interessant, zum Beispiel Bitten von Kelley Armstrong, Moon Called von Patricia Briggs oder Kitty and the Midnight Hour von Carrie Vaughn. Sie zeigen weibliche Werwölfe oder Gestaltwandlerinnen und stellen ihre komplexen Beziehungen zu den Werwolf-Clans dar, zu denen sie gehören. Geschlechterrollen, Emanzipation, Homophobie, Autorität und Autoritätskonflikte – es gibt viel zu sagen über Werwolf-Geschichten.

Geht es nur um Sex?

Urban Fantasy hat den Ruf, attraktive Protagonisten, denen sinnliche Genüsse nicht fremd sind, mit ebenso attraktiven Partnern des anderen Geschlechts zu präsentieren. Der Grund dafür ist einfach. Von Anfang an wurde urbane Fantasy eng mit paranormaler Romantik verbunden, obwohl nicht alle urbanen Fantasy-Geschichten Romantik enthalten. Die meisten von ihnen tun das, und ich sehe das nicht als Problem. Wer genießt nicht eine gute Liebesgeschichte?

Das Problem ist, dass sich Romantik in manchen urbanen Fantasy-Geschichten erzwungen anfühlt. Eine alte Vampirin verliebt sich plötzlich in einen Menschen. Warum? Weil es praktisch ist, das ist alles. Ich denke zum Beispiel an die Underworld-Serie. Im ersten Film verliebt sich Selene in Michael Corvin. Warum fühlt sie sich zu ihm hingezogen? Was macht ihn so besonders?

Dreiecksbeziehungen sind auch in der zeitgenössischen Fantasy weit verbreitet. Das kann eine mächtige Erzählstrategie sein, wenn das Thema intelligent eingesetzt wird. In Bitten von Kelley Armstrong enthüllt die Dreiecksbeziehung zwischen Elena, den Protagonisten Phillip (einem Menschen) und Clay (einem Werwolf), die Dualität von Elenas Persönlichkeit. Sie ist ein Werwolf, der versucht, ein normales, menschliches Leben zu führen. Ihr Freund Philip weiß nicht, wer sie wirklich ist. Ihre Liebe zu Phillip rührt von ihrer Verbundenheit mit der Menschheit her und ihrem Wunsch, sich von ihrem Rudel zu emanzipieren. Ihre Sehnsucht nach Clay hingegen kommt von ihren fleischlichen, tierischen Instinkten. Mit anderen Worten, der Mensch in ihr liebt Phillip, während der Wolf in ihr Clay liebt. Welche Seite ihrer Persönlichkeit wird gewinnen? Lesen Sie das Buch, um es herauszufinden!

Eskapismus oder eine andere Sichtweise auf die Realität?

Urbane Fantasy – wie die meisten Fantasy-Subgenres – betont Heldentum und persönliche Leistung. In urbanen Fantasy-Geschichten werden gewöhnliche Menschen jedoch oft in übernatürlichen Machenschaften gefangen gehalten. Wie ich in meinem vorherigen Beitrag schrieb, mag die urbane Fantasy ein eskapistisches Genre sein, aber dies ist ein zweideutiger Eskapismus, der uns immer wieder in die Realität zurückbringt.

Für mich ist der interessanteste Aspekt der urbanen Fantasie, wie dieses Genre mit dem Thema Dualität umgeht. Realität versus Fantasie, Modernität versus Tradition, Technologie versus Magie, Intellekt versus Instinkt. Dualität scheint der Kern jeder urbanen Fantasy-Geschichte zu sein. Die Gegensätze konkurrieren miteinander, um sich besser zu ergänzen. Ein gutes Beispiel für die Yin-Yang-Theorie, oder etwa nicht?

Jim Butcher: Geistergeschichten (Die dunklen Fälle des Harry Dresden 13)

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Geistergeschichten

In der Dresden-Files-Reihe sind wir nun bei Buch 13 angekommen und im Gegensatz zu vielen langlebigen Serien, die sich irgendwann in Wiederholungen ergeben und nicht wissen, wie sie weitermachen sollen, ist das für Jim Butcher überhaupt kein Problem. Von Beginn an, namentlich der Sturmnacht, zieht Butcher sein Projekt hoch und wird von Buch zu Buch besser, bis er irgendwann ein Plateau erreicht, auf dem die besten Teile miteinander tanzen, ohne sich etwas zu nehmen. Wer vielleicht nur das erste oder zweite Buch gelesen hat, wird kaum verstehen, warum die Dresden-Files das beste sind, was die Urban Fantasy zu bieten hat. Das mag daran liegen, dass Butcher die Welt, mit der wir es hier zu tun bekommen, sorgfältig vorbereitet. Die Leser werden nicht einfach in irgendetwas hineingeworfen, das sie dann mühevoll herausfinden müssen. Alles beginnt interessant und spannungsgeladen, aber noch nicht auf dem höchst möglichen Niveau. Doch darüber sind wir längst hinaus, und so ist Geistergeschichten ein weiteres Monument der Saga um den unaufhaltsamen Magier aus Chicago. Wobei… unaufhaltsam? Nicht ganz, denn Harry Dresden ist tot. Er starb im letzten Band Wandel.

Im Laufe von 13 Romanen, in einem sich ständig erweiternden Universum von Magiern, Vampiren, Dämonen, Mystikern und Feen, hat sich Dresden im Umgang mit den Gesetzen der paranormalen Welt ziemlich gut bewährt. Früher hatte er ein ganz normales Büro, in dem Klienten erschienen (übernatürliche und andere), die ihn darum baten, den Müll, der seine Stadt bedrohte, aus dem Weg zu räumen. Und Harry rettete am Ende des Tages wieder einmal die Welt. Für Harry lief alles mehr oder weniger wie immer – mit anschwellender Tendenz zum unmöglichen. Bis zu seinem Mord.

Als Geist bekommt Harry die andere Seite von Chicago zu sehen. Es ist eine Seite, die in den 13 Romanen von zwar mehrfach erwähnt, aber nie vollständig beschrieben wurde. Dieses Zwischenspiel bietet dem Autor die Möglichkeit, seine Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten und einen neuen Bogen für die Serie zu schlagen. Auf der anderen Seite trifft Harry auf alte Freunde, die ihre „Fleischanzüge“ schon vor langer Zeit aufgegeben haben. Es gelten neue Regeln, wenn man nicht mehr körperlich anwesend ist, aber mit der Zeit und ein wenig Übung gelingt es Harry, seine neu gewonnenen Fähigkeiten genauso zu beherrschen wie die Magie, die er zu Lebzeiten zur Verfügung hatte. Diese Parallele zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Ironischerweise erfahren wir erst jetzt, da der Held tot ist, wie er zu dem Mann wurde, der er einst war. Und das ist sicher eines der zahlreichen Highlights hier.

Im Leben und im Tod, bei jeder Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, gibt es einen Raum für das Bedauern: für Verlust, für Leid, für Schmerz und Versagen. Im Laufe von Geistergeschichten findet Harry heraus, wer und was er ist, und vor allem, was er getan hat. Die Menschen in seinem Leben, seine Erfahrungen mit ihnen sind unauslöschlich. Sie haben ihn beeinflusst, so wie seine Anwesenheit auch sie beeinflusst hat. Als er sechs Monate nach seinem Tod nach Chicago zurückkehrt, mag es Harrys oberstes Ziel sein, seinen Mörder zu finden, doch sein unveränderliches Ziel ist es, diejenigen zu schützen, die ihm wichtig sind. In der kurzen Zeit, in der er „nicht anwesend“ war, hat sich viel verändert, und zwar nicht zum Besseren. Seine langjährige Freundin Murphy hat wegen Harry ihren Job bei der Polizei verloren. Sie ist abgehärtet, fast rücksichtslos in ihren Urteilen und tut alles, was nötig ist, um die nächtlichen Bedrohungen einer Stadt im Niedergang zu bekämpfen. Molly, Harrys Lehrling, wurde gezwungen, die Verantwortung eines vollwertigen Magiers zu übernehmen. Sie ist unvorbereitet, ihr Verstand ist angeknackst, und sie wird dazu getrieben, die Gesetze der Zauberer und der Menschen zu missachten.

Andere langjährige Fan-Lieblinge wie die Alphas (ein Team von Werwölfen), Father Forthill (ein Priester mit einem tiefen Verständnis für das Paranormale), Daniel Carpenter (der riesenhafte Bruder von Molly) und Butters, der Gerichtsmediziner, tauchen alle in dieser Geschichte wieder auf. Und der Geisterflüsterer Mortimer Lindquist spielt sogar eine Hauptrolle und es wird klar, dass Harry sich auch in ihm geirrt hatte. Und auch wenn sein Bruder Thomas oder Gentleman Marcone nicht als handelnde Figuren dabei sind, werden sie zumindest erwähnt und wir wissen, was sie gerade tun.

Eine gefährliche Nekromantin kehrt zurück, um sich an den Seelen der Toten zu laben. Kleine Zauberer führen Banden von Kindern an und versuchen, die Machtlücke zu füllen, die mit der Vernichtung des Roten Hofes der Vampire einhergeht. Da Harry nicht in der Lage ist, sich durch seine Feinde zu prügeln, muss Harry seine Probleme mit anderen Mitteln lösen. Er hat mehr Zeit zum Nachdenken während er versucht, sich mit den Ereignissen zu versöhnen, die zu seiner aktuellen Krise geführt haben. Nachdem eines ihrer Teammitglieder bei einem Angriff auf ihr Haus verletzt wurde, ist Murphy bereit, erst zu schießen und dann Fragen zu stellen.

Offenbar war dies die Rolle, die Harry bis dahin eingenommen hatte. Es war die Rolle, die schließlich zu seinem Tod führte. Da Harry die Attentäter aufspüren kann, bekommt er Einblick in eine Situation, die er selbst gut genug kennt. Die Kinder, die dieses Attentat verübten, wurden von einem zweitklassigen egomanen Magier dazu gezwungen. Harry hat Mitleid mit ihnen, Murphy allerdings nicht. So entsteht fast ein Rollentauch, den in den vorherigen Büchern war es stets Murphy, die Harry bremsen musste.

Harrys Unfähigkeit, zu handeln, gibt ihm die Möglichkeit, seine Prioritäten neu zu überdenken. Nachdem ihm sein eigenes Leben genommen wurde, empfindet er eine neue Verachtung für diejenigen, die andere kontrollieren und ohne Rücksicht töten: 

„Wenn man jemandem den Willen nimmt, nimmt man ihm damit die Identität. Das ist schlimmer als Mord, denn wenn man jemanden umbringt, leidet dieser Mensch wenigstens nicht mehr.“

Während Harry sich langsam weiterentwickelt, bleiben seine Welt und seine Gegner weitgehend gleich. Genre-Literatur hat das wenig beneidenswerte Ziel, die Erwartungen der Fans zu erfüllen. Die Fans erwarten bestimmte Elemente und Charaktere: eine Prise übernatürliche Action, einige witzige Bemerkungen und Anspielungen auf die Popkultur, eine ständig wachsende und verschlungene Mythologie und eine Reihe von Figuren, die ihnen vertraut, wenn auch nicht immer sympathisch sind. Die Veränderung von Harrys körperlichem Zustand ändert nicht viel an seiner Persönlichkeit oder seinem detektivischen Konzept. Er ist vielleicht ein bisschen introspektiver als im ersten Buch, eine natürliche Entwicklung des Älterwerdens, aber er ist immer noch derselbe Klugscheißer. Es gibt neue Hindernisse, die es zu überwinden gilt, neue Methoden im Umgang mit Widersachern, aber nichts allzu Radikales. Diejenigen, die die Serie bereits verworfen haben, werden hier wahrscheinlich nichts finden, was sie wieder anlockt; bei so viel Hintergrundgeschichte sollten diejenigen, die die Dresden-Files noch nicht kennen, woanders anfangen. Für die Anhänger der Serie dürfte es ein angenehmes Vergnügen sein, zu sehen, dass die Serie eben nicht einfach mit dem Tod des Helden endet. Der Fortgang der Handlung fühlt sich eher wie ein Seitenschritt als ein Sprung nach vorn an. Trotz der unklaren Position des Helden ist es klar, dass diese Serie weiterleben wird, solange die Fans zufrieden sind.

Das blutrote Kleid

Jedes Bild in Das blutrote Kleid des Genreregisseurs Peter Strickland ist bis ins kleinste Detail stilisiert. Eine solche Stilisierung mag die Geduld mancher Zuschauer auf eine harte Probe stellen, aber hier ist ein Maß an schamlosem Selbstbewusstsein vorhanden, das man nur begrüßen kann. Die Handlung dreht sich um ein verzaubertes Kleid und seine unheimlichen Auswirkungen, wenn es von einer Trägerin zur nächsten weitergereicht wird. Das Kleid selbst ist wunderschön anzusehen – seine tiefrote Farbe und die drapierte Silhouette sind unbestreitbar sinnlich, während der Stil des Giallo, der Softcore-Pornografie und des klassischen europäischen Kammerspiels imitiert wird.

Wie schon Stricklands Vorgängerfilm The Duke of Burgundy spielt Das blutrote Kleid in einem Universum, das an die 1970er Jahre erinnert, aber letztlich aus der Zeit gefallen ist. Beide Filme sind üppig und karg zugleich. Stricklands Inszenierung ist von fetischistischen Details geprägt, und einige der auffälligsten Passagen in Das blutrote Kleid drehen sich um Schaufensterpuppen und vaginale Bilder.

Das blutrote Kleid
(c) Koch Films

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Holmes Bd. 1: Abschied von der Baker Street

Eigentlich ist dem Kanon von Sherlock Holmes nichts mehr hinzuzufügen, vor allem auch, weil durch unzählige Filme und grauenhafte Weiterschreibungen mittlerweile ein recht dreckiges und unansehnliches Wasser entstanden ist. Es gab nach Arthur Conan Doyle nur wenige autorisierte Autoren, die sich diesem Kanon mit allem gebührenden Respekt näherten. Von allem anderen sollte man tunlichst die Finger lassen, wenn man sich wirklich für den Mythos interessiert.

Jetzt könnte man natürlich reflexartig auch das Werk von Luc Brunschwig, das von Cécil gezeichnet wurde als apokryphen Nonsense verwerfen, aber das wäre dann doch ein wenig verfrüht. Die Prämisse, die hier geboten wird, ist nämlich eine, die durchaus auch schon von den Sherlockians diskutiert wurde: Wie weit ging Sherlocks Kokainsucht? Was könnte daraus resultieren?

Zeichnung: Cécil
Die gewohnte Idylle: Mrs Hudson serviert Tee, Watson liest die Times und Sherlock sinniert mit seiner Pfeife am Fenster. (c) Jacoby & Stuart; Zeichnung: Cécil

Am 4. Mai 1891 verschwand Sherlock Holmes in den Reichenbachfällen und nahm Professor Moriarty, seinen größten Feind, mit in den Tod. Doch ist der große Detektiv wirklich tot? Wenn ja, warum lässt sein Bruder Mycroft die Baker Street 221b räumen und alle Akten verbrennen, an denen er in den letzten zwei Jahren gearbeitet hat? Warum enthält die Moriarty-Akte, die Inspektor Patterson vom Yard ausgehändigt wurde, nur leere Blätter? Je mehr Dr. Watson ermittelt, desto größer wird das Rätsel…

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Starte bitte neu und neu und neu und neu

Während des Voranschreitens überhole ich mich meist selbst. Was vor einigen Jahren noch als Traumidee galt, könnte ich jetzt besser machen. Es wäre zum Beispiel kein Problem, den Phantastikon-Podcast so hinzubiegen, dass er meinen gegenwärtigen Vorstellungen entspricht, aber nein, ich schaue mich gleich nach einer neuen Plattform um und will alles von vorne beginnen. Dabei geht es thematisch gar nicht um einen großen Wechsel. Interessante Geschichten sollen es sein, nicht länger als im Schnitt zehn Minuten. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, falsch begonnen zu haben; der Podcast sollte ein Zusatzangebot im Magazin sein, und so ist dieses jetzt ein Gewurstel aus Artikeln und Audiotexten, die ohnehin niemand liest. Und manche dieser Texte sind ja auch scheiße, was die Formulierungen betrifft. Nachzulesen ist das ja auch in manchen Artikeln, die ich hier in der Veranda eingestellt habe. Nur weil ich bereits über 200 Folgen produziert habe, bedeutet das nicht, dass es nur um die Erhöhung der Zahl geht. So eine frische Nummer 1 ist durchaus ein attraktiver Gedanke.

Schusters Gespenster: Eine spukhafte Kinderserie aus dem Jahr 1978

Pidax Film

Wann immer ich eine Serie oder einen Film aus den guten alten Zeiten ansehe, dann fallen mir vor allem die Farben auf. Ich könnte auch über Düfte reden, aber die sind für Filme eher uninteressant. Die Realität – oder zumindest das, was wir so nennen – hatte andere Farben als heute. Und ich kann euch auch sagen, woran das liegt: es handelt sich nicht um die gleiche Welt. Nehmen wir zum Beispiel Schusters Gespenster. Erinnert sich noch jemand daran?

Diese Kinderserie war in den späten 70er Jahren ein Hit im deutschen Fernsehen und erreichte ziemlich gute Einschaltquoten. Die meisten dürften sie aber vergessen haben. Sie ist – wie vieles, das einen bestimmten Punkt in der Zeit abbildet – darüber hinaus völlig irrelevant.

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