Die Legende von Sleepy Hollow

Bouquinist

Wenn ich heute von der Legende von Sleepy Hollow spreche, dann dreht es sich explizit um die Geschichte von Washington Irving, die ja bereits mehrere Male verfilmt und die direkt von der Sage beeinflusst wurde. Einen Artikel (und Podcast über den kopflosen Reiter gibt es bereits im Phantastikon). Die Unterschiede liegen auf der Hand. Hier wurde ein Stoff fiktionalisiert, der schon lange im Umlauf war.

Die Legende ist sowohl eine charmant-kuriose Geschichte über die Versuche eines unbeholfenen Lehrers, die Tochter eines reichen Gutsbesitzers zu umwerben, als auch eine Charakterisierung des gotischen Schreckens, wie er in Geschichten wie Das Schloss von Otranto, Der Käfer oder Dracula vorkommt.

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Das Kriegspferd

Langform

Ich sah bei der Nacht, und siehe, ein Mann saß auf einem roten Pferde, und er hielt unter den Myrten in der Aue, und hinter ihm waren rote, braune und weiße Pferde. Und ich sprach: Mein HERR, wer sind diese? Und der Engel, der mit mir redete, sprach zu mir: Ich will dir zeigen, wer diese sind. – Sacharja 1:8

Während ich das hier niederschreibe, scheine ich in Sicherheit zu sein. Ich habe die Bilder nummeriert, auf deren Rückseite ich zwar nur wenig Platz finde, aber ich habe nichts anderes zur Verfügung.

Das Land, das ich beinahe ein ganzes Jahr mit einem Kriegspferd an meiner Seite durchstreifte, wurde zu einer verbotenen Zone erklärt; nicht weil man jemanden vor den dortigen Gefahren schützen wollte, sondern weil man den wissenschaftlichen Nutzen noch nicht gänzlich erfasst hatte.

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Falsche Ahnung

Ich erhaschte heute nach einer sehr langen Pause einmal wieder einen Hauch einer anderen Welt. Keine Welt, die man sich imaginiert, sondern in der ich einst zugange war. Man mag es fälschlicherweise Vergangenheit nennen, aber wie ich schon einmal betonte, ist nichts je vergangen. Das Wort selbst ist ein Hilfskonstrukt, um unser Bewusstsein nicht zu Fall zu bringen. Eine Ahnung kam mich an, während ich auf dem Fahrrad saß, unterwegs Richtung Pflanze, die ich gießen musste, nach der ich überhaupt sehen musste, und die ich in Folge dessen ins Kunstlicht stellte, weil sich Trauermücken an ihr gütlich taten. Diese Ahnung ist jedoch – so vermute ich – falsch, vor allem, weil diese Art der Erfahrung sich bisher immer als falsch herausstellte. Zumindest in der Version dieser Welt. Ich könnte jetzt natürlich behaupten, ich sei zu sehr in anderen Welten unterwegs und könne deshalb mit den Informationen hier nichts anfangen, doch das ist schwer zu evaluieren.

Jim Butcher: Wandel (Die dunklen Fälle des Harry Dresden 12)

Bouquinist Rubrik

Statt langsam an Qualität abzunehmen, wie es vielen Serien fast zwangsläufig nach einem längeren Zeitraum passiert, ist es bei den Dresden Files genau umgekehrt. Mindestens seit Grabesruhe oder Silberlinge wird die Serie von Buch zu Buch immer besser, und das, obwohl sie bereits einen starken Start hinlegte. Doch da konnte man sich noch nicht einmal ansatzweise vorstellen, wohin das alles führen würde. Im zwölften Band fackelt Jim Butcher nicht lange und bricht gleich im ersten Satz mit der Tür ins Haus:

Ich ging ans Telefon, und Susan Rodriguez sagte: „Sie haben unsere Tochter entführt.“

Es dürfte sich von selbst verstehen, dass man hier nicht einsteigt, sollte man die Serie aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen nicht kennen. Der Titel passt hier wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge: Alles steht hier im Zeichen des Wandels, tatsächlich in jeglicher Form.

Geplantes Blutfest

Arianna Ortega, Vampirin vom Roten Hof, macht Harry für den Tod ihres Mannes verantwortlich – und sie sinnt auf Rache. Ihre Entdeckung, dass Susan Rodriguez Harry eine Tochter geboren hat, war ein unerwartetes Geschenk. Als Nächstes entführt Arianna das Mädchen und plant, ihr Blut in einem groß angelegten Opferritual zu verwenden, um Harry, Susan und ihre Tochter zu töten.

Harry ist sowohl emotional als auch von der Waffenstärke her völlig unvorbereitet. Susan war nach einem Angriff seiner Feinde, der sie mit einem Vampir-Fluch belegt hatte, nach Südamerika verschwunden. Und da zwischen dem Weißen Rat der Zauberer und dem Roten Hof ein Waffenstillstand herrscht, ist die Verstärkung durch seine „eigenen Leute“ sehr dünn gesät, um nicht zu sagen – gar nicht vorhanden.

Eine neue Quelle der Macht

Da es um nichts Geringeres als Leben seines Kindes und Susans Menschlichkeit geht, und außerdem sein eigener Tod droht, muss Dresden eine neue Quelle der Stärke finden. In der Vergangenheit gab es immer eine Grenze, die Harry nicht überschreiten wollte. Obwohl ihn finstere Mächte immer wieder in Versuchung geführt haben, hat er sich nie der vollen Wut seiner eigenen, unausgeschöpften dunklen Kräfte hingegeben. Aber damals stand ja auch nur sein eigenes Leben auf dem Spiel.

Wir haben hier natürlich Harry Dresden vor uns, aber es ist ein Harry, wie ihn die Leser noch nie gesehen haben. Er verändert sich buchstäblich vor unseren Augen, während er seine bisher schwierigste Mission in Angriff nimmt: die Rettung seiner Tochter aus den Fängen der Vampire des Roten Hofes.

Ein neuer Handlungsstrang

Bei früheren Romanen dieser Reihe wurde unter anderem kritisiert, dass sich Butcher zu viel Zeit gelassen hat, um einen langjährigen Handlungsbogen über eine mysteriöse Gruppe schwarzer Magier (bekannt als der Schwarze Rat) auszubauen, die möglicherweise die höchsten Ebenen des Weißen Rates der Zaubererwelt infiltriert haben. Dieser Handlungsstrang wird für die Änderungen hier erst einmal beiseite gelegt, und an seine Stelle tritt ein überraschender neuer Handlungsstrang über die junge Tochter, von der Harry nie wusste, dass er sie hat, die sich in den Händen der Vampire des Roten Hofes in Lebensgefahr befindet. Damit hat der Leser ganz sicher nicht gerechnet!

Butcher lässt nicht lange auf sich warten und überrascht sowohl die treuen Leser der Serie als auch Harry auf der ersten Seite des Romans mit der Nachricht, dass er Vater geworden ist und seine Tochter entführt wurde. Von da an lässt er die dramatische Spannung und das Tempo des Romans auf den nächsten rund 400 Seiten nicht mehr nach.

Harry Dresden hat in seiner Karriere als Magier sicherlich schon große Herausforderungen gemeistert. Er ist vielleicht nicht immer mit heiler Haut davongekommen, aber er hat seine Begegnungen mit Dämonen, Hexenmeistern, Zombies, Feen und Gespenstern immer gewonnen. Diesmal scheint alles gegen ihn zu stehen. Sein Feind ist gewaltig – die alte herrschende Vampir-Elite des Roten Hofes, seine Verbündeten sind dünn gesät – ganz zu schweigen davon, dass sie waffentechnisch unterlegen sind. Die Verzweiflung führt ihn auf seinen bisher dunkelsten Weg und bringt ihn weit weg vom braven Harry, der in den ersten Büchern dieser Reihe zu finden war.

Wandel ist ein entscheidender Roman für die Dresden Files und enthält auch einige von Jim Butchers besten Passagen in der Serie. Der verworrene Handlungsstrang ist gut durchdacht und verschleiert den schockierenden Höhepunkt der Geschichte auf angemessene Weise, während es an Witz und Zauberei nicht mangelt, um wie immer – bei aller Dramatik – auch unterhaltsam zu sein. Vampirfans kommen hiervoll auf ihre Kosten, denn dies ist eine der vampirzentriertesten Geschichten der Serie überhaupt. Hartnäckige Vampir-Attentäter sorgen für reichlich Gefahr für Harry und seine Freunde – das mystische Maya-Thema für den Hof der Roten Vampire ist nur ein spannender Bonus für Fans des Übernatürlichen.

Wandel ist erneut ein fantastischer Roman, der die Fans der Dresden Files garantiert nach mehr verlangen lässt. Ganz zu schweigen davon, dass er sie mit Fragen zurücklässt wie „Wohin wird Harry von hier aus gehen?“ und „Wie weit kann er einen solch dunklen Pfad überhaupt beschreiten?“

Seelen am Ufer des Acheron

Langform

Ich schreibe dies hier nieder, bevor ich endgültig Aufgabe übernehme, die Schatten über den Fluss zu geleiten, die den Fährmann nicht bezahlen können.

Vorher muss ich jedoch um Nachsicht bitten, denn im Schreiben bin ich nicht geübt, und so darf es nicht verwunderlich scheinen, dass ich dies als Bericht begriffen haben will, der keine literarischen Ambitionen hegt, auch wenn meine Worte noch so phantastisch anmuten mögen. Eine Moral habe ich euch nicht zu geben, denn die Dunkelheit in meinem Herzen macht mich für diese charakterliche Eignung blind. Ich kann nur sagen, dass ich außer diesem Schriftstück – ein Fragment meines Erblühens – nichts hinterlassen werde, doch die Möglichkeit besteht, dass wir uns eines Tages kennen lernen. Nämlich dann, wenn das Silberstück vergessen wurde. Diese Vertraulichkeit nehme ich mir heraus. Ich schlummere in den Schatten einer alten Mythologie.

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Ehre dem Sinnlosen

Ich müsste aufhören, Podcasts zu machen, aufhören, mich ins Getümmel zu werfen, aber es treibt mich immer weiter, weil die Dinge mich interessieren, von denen ich da spreche. Ich habe keine Gesprächsrunden mit easy talk, ich bemühe mich nicht um Werbepartner, und meine Überschriften sind kein Clickbait. Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass mein Zielpublikum nicht aus jenen Idioten besteht, die man damit gewöhnlich angelt. Das trifft ja mehr oder weniger auch auf die Veranda zu. Natürlich ist es absurd, alles rundherum zu verachten, um es dann auf irgendeine Weise doch zu nutzen. Aber es ist eine andere Art. Ich genieße die Sinnlosigkeit hinter allem. Sie ist mein eigentlicher Beweggrund und ihr gebührt mein ganzes Vertrauen.

Asterix (Die unbeugsamen Gallier)

asterix

1959 schufen zwei Franzosen, der Autor René Goscinny und der Zeichner Albert Uderzo, eine legendäre Comic-Saga, die Jahrzehnte und Generationen überdauert hat: Asterix. Der Comic handelt von einem kleinen gallischen Dorf in Armorica im Jahr 50 v. Chr. (kurz nach der Eroberung durch die Römer), das den Kampf gegen die Invasoren nur dank eines von einem Druiden gebrauten Zaubertranks weiterführt, der jedem, der ihn trinkt, übermenschliche Kräfte verleiht. Die Hauptfiguren sind der Krieger Asterix und der Hinkelsteinlieferant Obelix, die vom Dorf beauftragt werden, die Pläne der Römer zu vereiteln oder jeden zu unterstützen, der um Hilfe gegen die römische Republik bittet.

Der gallische Krieg

Julius Cäsar führte erfolgreich einen Krieg, der als Gallischer Krieg bekannt wurde. Er dauerte mehrere Jahre. Das betroffene Gebiet in Gallien umfasste ganz Frankreich, erstreckte sich aber auch auf Deutschland, Luxemburg, Belgien, die Schweiz und sogar auf Teile Italiens. Den endgültigen Sieg errang Cäsar in der Stadt Alesia in Frankreich, wo der große belgische Heerführer Vercingetorix seine Waffen niederlegte und sich Cäsar zu Füßen warf. Die gallischen Kriege waren beendet. Cäsar hatte gesiegt. Endlich hatte er ganz Gallien erobert, den größten Teil dessen, was wir heute Europa nennen.

Asterix Gallien
Ehapa

In der Welt von Asterix stellt sich die Frage: Was wäre, wenn ein Dorf an der Nordwestküste Frankreichs seine Freiheit bewahrt und sich niemals der römischen Armee unterworfen hätte? Das ist das Dorf, in dem Asterix und seine Freunde leben und das sie ständig verteidigen. (Oh, und in dieser Welt legt Vercingetorix Cäsar Schild und Schwert nicht höflich nieder, sondern wirft sie ihm mit voller Wucht auf die Füße. Das ist ein viel lustigeres Bild).

Sie haben mit Miraculix einen Druiden, der einen Zaubertrank herstellt, der dem Trinker für kurze Zeit Superkräfte verleiht. Die römische Armee, so gut sie auch sein mag, kann mit einer solchen Kraft nicht mithalten. Außerdem haben Asterix und Miraculix meist einen guten Plan, um den Römern ein Schnippchen zu schlagen.

Jeder Asterix-Band ist ein neues Abenteuer, das mit einer gehörigen Portion Komik erzählt wird. Es gibt einen starken Vaudeville-Einfluss, aber auch jede Menge Wortspiele, historische Anspielungen und ein feines Gespür für menschliche Schwächen, auf die sich die Geschichten oft auf überzogene Weise verlassen können.

Es gibt zwei Arten von Geschichten, die hier vorgetragen werden. In der ersten Form verschlägt es Asterix und seinen besten Kumpel Obelix auf eine Reise in ein anderes Land. Das ganze Buch dreht sich dann darum, was sie dort vorfinden und wie sie mit ihrem neuen Umfeld umgehen. Das Buch ist reichlich gespickt mit Anspielungen auf Land und Leute und macht sich über alle Klischees und Stereotypen des jeweiligen Landes lustig. Die andere Hälfte der Geschichten spielt im Dorf selbst, in der Regel bei der Verteidigung des Dorfes gegen Cäsars neuesten Plan, es endlich unter seine Fuchtel zu bekommen.

Die Grundlagen

Die Prämisse wird in einem mittlerweile zum Kult gewordenen Klappentext erklärt, mit dem jedes Buch beginnt:

Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen…

Die tapferen Gallier können sich mit Hilfe ihres Zaubertranks gegen die Macht der römischen Republik (die zu diesem Zeitpunkt zumindest technisch noch kein Imperium ist) wehren.

Der Comic erschien erstmals 1959 in der französisch-belgischen Zeitschrift Pilote. Er trug den schlichten Titel Asterix der Gallier und folgte dem Titelhelden bei seinem Widerstand gegen den Versuch der Römer, sein Dorf endgültig zu erobern. Goscinny und Uderzo schufen gemeinsam 24 Bände. Zehn weitere Bände schrieb Uderzo mit merklichem Niveauverlust selbst. Natürlich war auch nach Uderzos Tod nicht Schluss. Diese Werke mögen eine Menge Leser begeistern, aber sie können nicht verleugnen, dass sie nur wie eine Nachahmung wirken.

Trotzdem sind alle (bisher) 40 Bände voller Humor, Slapstick, nationalen Stereotypen, Anachronismen, Wortspielen und reichlich lateinischen Sätzen.

Bereits im ersten Comic werden alle Grundkonzepte der Serie eingeführt: der Zaubertrank der Gallier, die ständige Frustration der Römer mit ihnen und die Hauptfiguren. Das sind vor allem Asterix selbst, sein bester Freund Obelix und der Druide Miraculix.

Ursprünglich wurde Asterix als barbarischer gallischer Krieger konzipiert, aber das hätte so nicht funktioniert, also wurde er zu einem Helden der List und Obelix erfunden, der die Kraft auf sich vereint, anstelle alles in einer einzigen Figur abzuhandeln. Der Zaubertrank von Miraculix verleiht Asterix enorme Kräfte, aber ohne ihn ist er auf seinen Verstand und seine Kühnheit angewiesen. Im Vergleich zu Obelix und den anderen Dorfbewohnern spielt er meist die Rolle des Draufgängers.

Der hünenhafte Obelix ist nur selten getrennt von Asterix zu sehen. Im ersten Comic spielt er nur eine relativ kleine Rolle, ab dem zweiten teilt er sich das Rampenlicht fast zu gleichen Teilen mit dem kleineren Gallier. Im Gegensatz zu Asterix muss Obelix den Zaubertrank nicht trinken, um extrem stark zu werden – er ist als Baby in einen Kessel gefallen, die Wirkung ist also dauerhaft. Daran werden wir in jedem Comic mindestens einmal erinnert.

Er unterscheidet sich von Asterix nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch seine Persönlichkeit. Er ist einfältig, direkt und naiv. Seine beiden Lieblingsbeschäftigungen sind Kämpfen und Wildschweine vertilgen. Aber er ist immer bereit, Asterix in das neueste Abenteuer zu folgen und ihm das Denken zu überlassen. Seine Aufgabe ist es, Hinkelsteine zu behauen und auszuliefern – es ist ein Running Gag, dass niemand weiß, wofür sie eigentlich da sind. Oft trägt er einen Hinkelstein bei sich und benutzt ihn als Waffe, Rammbock oder ähnliches.

Idefix, der kleine weiße Hund von Obelix, gehört ebenfalls zu den Hauptfiguren. Er taucht zum ersten Mal als visueller Witz in Tour de France auf. Er folgt dem Hauptduo, als sie durch ganz Gallien fahren (eine Anspielung auf die Tour de France), ohne einen Laut von sich zu geben oder die Aufmerksamkeit der Helden zu erregen. Erst als sie ins Dorf zurückkehrten, kündigte er seine Anwesenheit durch Bellen an. Die Leser mochten ihn, und so beschlossen Goscinny und Uderzo, ihn zum ständigen Begleiter von Obelix zu machen. Idefix ist ein kluger Hund, wenn auch nicht so klug, wie Obelix es gerne hätte.

Und dann ist da noch Miraculix, der Druide. Sein Wissen über den Zaubertrank ist die Prämisse des Comics. Er ist der Einzige, der ihn kennt, denn er wird von einem Druiden zum anderen weitergegeben. Wenn er nicht verfügbar ist oder den Trank nicht brauen kann und die Römer versuchen, den Trank zu stehlen oder Miraculix von der Bildfläche verschwinden zu lassen, kommt es zu zahlreichen Intrigen. Das Rezept für den Zaubertrank ist für die Leser ebenso geheim wie für die Figuren – was Goscinny und Uderzo erlaubt, so ziemlich alles als notwendige Zutat einzuführen. Dazu gehören auch Fisch und Petroleum.

Auch sonst ist Miraculix ein weiser und erfahrener Mann. Asterix betrachtet ihn als seinen Mentor und er ist vielleicht der einzige Mensch, den die widerspenstigen gallischen Dorfbewohner wirklich respektieren und auf den sie hören.

Der Häuptling des Dorfes ist – so sehr er sich auch bemüht – kein solcher Mensch. Majestix taucht zwar in der ersten Folge auf, aber wie der Rest des Dorfes braucht auch er eine Weile, um in seine Rolle hineinzuwachsen. Am Anfang ist er eine ziemlich typische Autoritätsperson, die Asterix und Obelix auf Missionen schickt. Später wird er zu einem Mann, dessen Ehrgeiz seine tatsächlichen Fähigkeiten bei weitem übersteigt. Seine Dorfbewohner machen meist ihr eigenes Ding und beachten ihn nur gelegentlich, seine Frau hat ihn unter der Fuchtel… und die beiden Krieger, die ihn auf seinem Schild tragen, lassen ihn mit deprimierender Regelmäßigkeit fallen.

Zu den anderen Persönlichkeiten des Dorfes gehört der Barde Troubadix. Er ist ein schrecklicher Sänger, aber er weiß es nicht. Seine Auftritte drehen sich meist darum, dass er zu singen versucht und die Gallier nichts davon wissen wollen, obwohl er in einigen Abenteuern eine größere Rolle spielt. Manchmal scheint es, als sei er ein passabler Musiker – aber es ist seine Stimme, die den Tieren Angst macht. Verleihnix ist der Fischhändler des Dorfes, dessen Ware das Haltbarkeitsdatum eigentlich immer überschritten hat. Aber man sollte es ihm nicht unbedingt sagen. Automatix, der Schmied, tut genau das genüsslich regelmäßig. Das führt oft zu Raufereien (die im Dorf ohnehin ein beliebter Zeitvertreib sind).

Die meisten Figuren außerhalb des gallischen Dorfes tauchen nur ein- oder zweimal auf. Die römischen Soldaten, die die Lager besetzen, wechseln jedes Mal, und das konstanteste Gesicht Roms ist Julius Cäsar selbst. Der vermeintliche Herrscher Roms ist der Feind der Gallier, wird aber mit viel mehr Respekt behandelt als die anderen Römer. Uderzo zeichnet ihn auch viel realistischer, und Goscinny schreibt ihn eher nach der Legende als nach der Geschichte. Er ist ein Mann der Ehre, der sein Wort hält. Er stellt sich nur selten direkt gegen die Gallier.

Die am häufigsten vorkommenden Figuren außerhalb des gallischen Dorfes sind jedoch die Piraten. Sie tauchen zum ersten Mal in Asterix der Gladiator auf, dem vierten Band der Serie. Stets planen sie, ein Schiff zu entern und zu plündern, auf dem dummerweise Asterix und Obelix per Anhalter unterwegs sind. Das endet immer damit, dass sie selbst immer auf unterschiedliche Weise versenkt werden.

Asterix Piraten
Éditions Albert René 

Die Piraten sind eigentlich eine Anspielung auf Der rote Korsar, eine französische Comicserie. Die drei „wichtigsten“ Mitglieder der Piratencrew – ein rotbärtiger Kapitän, ein alter, holzbeiniger Pirat und ein afrikanischer Späher – wurde direkt aus dieser Serie übernommen.

Doch neben den großartigen Figuren sind es vor allem der einzigartige Humor und der Sinn für Komik, die Asterix wirklich glänzen lassen. Goscinny und Uderzo beherrschen die Kunst des Wortspiels, der Satire und der historischen Anspielungen mit bemerkenswertem Geschick. Ironische Dialoge und komische Situationen verleihen der Geschichte eine besondere Dimension. Asterix ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch eine Hommage an den Reichtum von Kultur und Geschichte. Die Abenteuer des gallischen Dorfes sind eine Entdeckungsreise durch die verschiedenen Facetten der Gesellschaft und der historischen Ereignisse. Die Serie behandelt tiefgründige Themen wie den erbitterten Widerstand gegen die römischen Invasoren und den unermüdlichen Kampf für die Freiheit. Diese Elemente werden in Geschichten voller epischer Abenteuer entwickelt! Neben den komischen Kämpfen gegen die Römer vermittelt Asterix durch seine Figuren zeitlose Werte. Aufrichtige Freundschaft, Mut, Loyalität und das Ertragen von Widrigkeiten sind Werte, die auf jeder Seite vermittelt werden. Asterix ist mehr als nur ein Comic, er ist ein humorvolles und intelligentes Spiegelbild der Vergangenheit und der Gegenwart geworden, ein Spiegelbild der menschlichen Komplexität und unseres ewigen Strebens nach Freiheit und Gerechtigkeit.

Watching The Boys

The Boys von Garth Ennis habe ich noch nicht gelesen und mich dennoch erbarmt, die Serie anzuschauen (obwohl Comicverfilmungen nie mit den Comics selbst mithalten können; auch bei Büchern gelingt das nur bedingt). Eine fünfte Staffel steht noch aus und wird uns erst 2026 erreichen, dafür bekommen wir im nächsten Jahre bereits ein Prequel. Wie schon bei Preacher ist Ennis‘ Handschrift klar zu erkennen. Das kann man von anderen Adaptionen nun wirklich nicht behaupten. Für mich selbst ist es interessant zu sehen, dass ein Schotte aufzeigt, wie Amerika funktioniert. Nun, ich werde sicherlich noch irgendwann darauf zurückkommen.

*

Irgendwo habe ich gelesen, dass Blogs bereits kurz nach ihrem Aufkommen (zur Jahrtausendwende) totgesagt wurden; allerdings gingen die Foren zuerst. Ich könnte mir auch kaum mehr vorstellen, mich in einem solchen zu tummeln. Durch das Aufkommen der KI werden sicherlich sehr viele Blogs verschwinden, oder eben mit nachgeahmten Beiträgen alles fluten. Doch warum sollte uns das kratzen? Bloggen ist eine Einstellung, so wie es das Schreiben früher ganz generell war. Viele tun das, um sich auszutauschen. Ich aber nicht. Ich habe nicht das geringste Interesse an einem Austausch.

Die Gasse der sprechenden Häuser (Druckversion)

Langform

In meinem Zimmer gibt es keinen Tisch, an dem vier Stühle stehen könnten, in meinem Zimmer gibt es nichts. Das Zimmer ist nicht etwa leer, es ist vielmehr angefüllt mit allem, was nicht hier ist. Kein Tisch, kein Bett, kein Teller, kein Besteck. Es ist unmöglich, etwas hinein zu tun, etwa einen Stuhl, um darauf zu sitzen, solange ich hier bin. Um so mehr Dinge nämlich hereingebracht würden, desto mehr würde ich verschwinden, bis ich, wenn der Raum komplett ausgestattet wäre, mit allem, was man so braucht, mich völlig aufgelöst haben würde. Ich meine damit nicht etwa, dass man mich dann nicht mehr sehen könnte, dass ich unsichtbar wäre, nein, ich wäre ganz einfach nicht mehr da. Ausgelöscht. In diesem Zimmer hielt ich mich den ganzen Tag über auf und auch den überwiegenden Teil der Nacht. Ich verließ das Zimmer nur in den frühen Morgenstunden zwischen 2 und 3 Uhr, wenn mir die Existenz der Dinge am wenigsten Schaden zufügen konnte. Dann schlich ich düstere Wege entlang, verschwand mit den Schatten in Seitengassen oder durchwanderte die langgestreckte, unbeleuchtete Parkanlage. Der einzige andere Zeitvertreib war die Briefe zu lesen, die mir ein Unbekannter regelmäßig unter der Tür hindurch schob. Es war nie mein Bedürfnis, nachzusehen, wer mir die Briefe brachte. Ganz ruhig saß ich auf dem Boden und wartete auf die sich entfernenden Schritte. Erst dann ging ich hinüber, hob den Brief auf, der wie stets in einem strahlend weißen Kuvert, ohne Absender oder Adressat, geliefert wurde.

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Die Mörder der Queen / David Morrell

Bouquinist

Interessiert man sich für historische Kriminalromane, die das viktorianische London lebendig machen, sind David Morrells drei Romane um Thomas De Quincey ganz oben auf der Liste anzusiedeln. Morrell erreicht das hauptsächlich damit, dass er auch den Stil, in dem im 19ten Jahrhundert Romane geschrieben wurden, anwendet. Für heutige Autoren ist das gar nicht so leicht. Morrell hat sich viele Jahre lang in den Duktus der damaligen Zeit versetzt und darüber hinaus intensiv Recherche betrieben, um die viktorianische Zeit lebendig zu machen und die Fakten mit der Erzählung zu verschmelzen. Vielleicht ist der notwendige Aufwand auch der Grund, warum es so wenige erstklassige Romane in dieser Gattung gibt, denn man merkt als interessierter Leser sofort, wo die Fehlerquellen liegen.

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