H.P. Lovecraft: Verkünder des Erhabenen

Die meisten Menschen wissen, dass Grimms Märchen nicht das verwässerte Zeug sind, das uns Walt Disney gegeben hat. Sie sind viel düsterer, viel grimmiger. Wenn ich darüber nachdenke, kommen mir zwei Fragen in den Sinn: Erstens, wozu dienten die echten Geschichten? (Sie wurden von Generation zu Generation weitergegeben, und ich habe gehört, dass ihre Wurzeln so tief reichen, dass sie geradezu prähistorisch sind), und zweitens, warum wurden sie verschlimmbessert? Wir können nicht alles auf den armen Walt schieben.

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Sweeney Todd (Der teuflische Barbier)

Basiert Sweeney Todd auf einer wahren Geschichte oder ist er nur eine Figur, die sich ein Schriftsteller ausgedacht hat?

Sweeney

Ich bin sicher, ihr habt alle schon einmal von ihm gehört. Sweeney Todd, der teuflische Barbier der Fleet Street. Sein Friseurstuhl war auf geniale Weise präpariert, denn nachdem Todd einem Kunden die Kehle durchgeschnitten hatte, bediente er einen Bolzen, der die Leiche rückwärts durch eine Falltür schickte, die in den Keller führte. Dort wurden die Opfer zu Fleischpastete verarbeitet, die in der angrenzenden Konditorei verkauft werden sollte. Geleitet wurde das Geschäft von einer Mrs Lovett, deren Vorname – je nachdem, wer die Geschichte erzählt – variiert.

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Vergessene Weihnachtsbräuche

Die Weihnachtszeit ist immer auch die Zeit der Märchen und Wunder. Ob in der Kirche, zu Hause vor dem Kamin oder im Kino, diese Geschichten werden seit Generationen erzählt. Die Weihnachtsgeschichte von Dickens ist vielleicht eines der besten Beispiele dafür, was einer modernen mündlichen Tradition am nächsten kommt. Leider kennen wir diese und andere Geschichten aus dem Volksmund heute fast nur noch als verwässerte Disney-Versionen.

Das Entfernen von Ecken und Kanten hat aber eine noch längere Tradition, die Jahrhunderte zurückreicht. Als sich das Christentum im heidnischen Europa ausbreitete, wurden einige einheimische Wintermärchen so umgeschrieben, dass sie in ein neues Gewand passten, um das anvisierte Publikum anzusprechen. Andere Elemente wurden einfach weggelassen. Viele Erwähnungen von Dunkelheit, Gewalt oder wilden Geistern wurden aus den Geschichten entfernt. Das mag man schade finden, in Wirklichkeit ist es eine Katastrophe und eine fundamentale Zerstörung menschlicher Kultur.

Nehmen wir zum Beispiel den Weihnachtsmann. Die meisten Menschen stellen sich heute wahrscheinlich so etwas wie die Coca-Cola-Version des alten Nikolaus vor:

Ein bärtiger, dicker Mann im roten Anzug. Er lächelt und hat einen großen Sack voller Geschenke dabei. In Wirklichkeit wurde er traditionell als schlank, in Pelz gekleidet, streng und autoritär dargestellt. Einigen Legenden zufolge trug er eine Birkenrute und war ein Symbol für Disziplin und Bestrafung. In anderen Darstellungen gleicht er einem schelmischen Kobold, der stets fröhlich und betrunken ist. Wenn man bedenkt, dass der heilige Nikolaus unter anderem der Schutzpatron der Pfandleiher, Piraten, Diebe und Waisenkinder ist, ist eine Mischung aus beiden Bildern wohl eher passend.

Und diese älteren Geschichten über den Weihnachtsmann zeigen ihn oft nicht in Begleitung von Wichteln oder Rentieren, sondern umgeben von anderen Figuren. Während der Weihnachtsmann die braven Kinder belohnte, quälten seine Helfer die unartigen Bälger. Dazu gehörten Knecht Ruprecht, der teuflische Kobold Robin Goodfellow und der Krampus.

Der Krampus hat seinen Ursprung in der vorchristlichen Folklore des europäischen Alpenraums, ein ziegenähnliches, gehörntes Tier mit Fell und gespaltener Zunge. Er bestrafte und erschreckte unartige Kinder und entführte die schlimmsten. Trotzdem luden die Eltern den Krampus oft zu einem Schluck Schnaps ein. Interessanterweise haben einige moderne Darstellungen des Krampus diesen Teufel in eine harmlosere Kreatur verwandelt.

Obwohl die dämonischen besten Freunde des Weihnachtsmannes weitgehend verschwunden sind, haben viele heidnische Symbole und Zeremonien in der einen oder anderen Form überlebt. Der Dezember war schon immer eine Zeit des Feierns, aber aus verschiedenen Gründen. Einerseits steht der Winter traditionell für eine Zeit des Todes, der Dunkelheit und des zunehmenden Chaos. Die Grenzen zwischen dem Diesseits und dem Jenseits verschwimmen und die Toten kehren zurück. Andererseits war die Wintersonnenwende auch die Zeit, in der die Sonne wiedergeboren wurde und die Tage länger wurden.

Eines der ältesten heidnischen Feste ist die „Wilde Jagd“. Dabei handelt es sich um eine gespenstische Gruppe von Hunden und Jägern, die von König Artus über Knecht Ruprecht, Krampus und Wotan, auch bekannt als Woden, Odin und Jolnir, angeführt wird. Letzterer Name ist einer der Ursprünge des Wortes Yule, des einmonatigen Festes, das aus Schlemmen, Essen und Opfern bestand. Die Familien erfreuten sich an einer Weihnachtsziege oder einem Schinken. In dieser Zeit der Dunkelheit und des Todes wurden auch immergrüne Bäume gepriesen. Sie wurden ins Haus geholt und im Laufe des Monats wurden große Weihnachtsscheite verbrannt.

Ein weiteres Fest ist die slawische Tradition der Koliada. Bei diesem Fest zu Ehren des Gottes der Unterwelt und der Rückkehr der Sonne zogen Gruppen von Kindern singend von Haus zu Haus, um das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres zu feiern. An jedem Haus wurden sie mit Süßigkeiten oder Geld belohnt.

Wenn Sie sich also dieses Weihnachten von einem mit Speisen und Getränken beladenen Tisch zurückziehen, um Lieder zu singen, Geschenke auszutauschen und brave Kinder zu belohnen, denken Sie daran, dass Sie eine Tradition feiern, die aus einer Zeit stammt, als der Wald draußen ein dunkler, gefährlicher und böser Ort war.

Und wenn Sie mir das weihnachtliche Wortspiel verzeihen, vergleichen Sie diese Weihnachtsgeschichten mit Obstkuchen. Die modernen sind süß, die echten, die traditionellen, haben viele Geschmacksrichtungen: dunkel und hell, bitter und süß. Manchmal ist es besser, sich an diese alten Rezepte und Geschichten zu erinnern. Und wenn man weiß, dass Geschichten Jahrhunderte überdauern können, weil sie dynamisch sind und sich weiterentwickeln, dann verleiht das den Feiertagen einen besonderen Zauber.

Waldfrauen, Beschützerinnen des Waldes

waldfrauen

Die Waldfrauen der Folklore sind unter vielen verschiedenen Namen bekannt, je nach lokaler Tradition: grüne Frau, skoggra, skogsfru – Holzfrau, Wunschfrau, Holzmädchen und Waldfrauen. Man glaubte, dass sie zum gleichen Feenvolk wie Elfen, Zwerge und Geister gehörten und tief im Herzen der alten Wälder wohnten [1]. Sie scheinen eine ähnliche Rolle gespielt zu haben wie die Dryaden der antiken griechischen Mythen, da ihr Leben mit dem Wohlergehen des Waldes verflochten war. Es hieß, dass eine Waldfrau sterben würde, wenn der Stamm eines jungen Baumes so lange gedreht wurde, bis die Rinde abgerissen war [2].

Die Dryade von Evelyn De Morgan –
Public Domain

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Urban Fantasy – Teil 2: Geburt eines Genres

Im vorigen Beitrag sprachen wir über die Definition der urbanen Fantasy und ihren Ursprüngen. Nun wollen wir mal sehen, wie dieses Genre entstanden ist und warum es so populär wurde.

Charles de Lint, der Pionier der urbanen Fantasy

Das allererste Werk der Urban Fantasy war wahrscheinlich der 1984 erschienene Roman „Moonheart: A Romance“ von Charles de Lint. Den Begriff Urban Fantasy gab es damals allerdings noch nicht. Urban Fantasy wurde 1997 von John Clute und John Grant in ihrer Encyclopedia of Fantasy als Texte definiert,

„in denen die phantastische und die herkömmliche Welt interagieren, sich kreuzen und zu einer Geschichte verschränken, die sich signifikant um eine reale Stadt dreht.“

Ironischerweise war die Serie, die das Genre begründete, nicht in einer realen Stadt angesiedelt, sondern in einer imaginären. Newford, das von Charles de Lint erfunden wurde, stellt eine typisch amerikanische Stadt dar, mit seinen wohlhabenden Wohngebieten und Slums, seinen Stränden und Brachflächen und natürlich seinem ausgedehnten Netz von unterirdischen Tunneln. Die Newford-Serie begann mit der Kurzgeschichte „Uncle Dobbin’s Parrot Fair“, die 1987 zum ersten Mal in Isaac Asimovs Science Fiction Magazin erschien. 1993 wurden mehrere Kurzgeschichten von Charles de Lint, alle in Newford angesiedelt, von Terri Windling zusammengestellt und unter dem Titel „Dreams Underfoot“ veröffentlicht.

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Die Geschichte der Vampire

Unheimliche Wesen

Die Geschichte der Vampire ist umstritten. Manche behaupten, sie seien „so alt wie die Welt“. Neuere Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass unser Glaube an Vampire und Untote in 18. Jahrhundert entstand, als die ersten europäischen Berichte über dieses Phänomen erschienen.

Wir wissen, dass 1732 das Annus Mirabilis des Vampirs war. In diesem Jahr wurden 12 Bücher und 4 Dissertationen zu diesem Thema veröffentlicht. Laut dem Gothic-Experten Roger Luckhurst taucht der Begriff „Vampir“ in diesem Jahr zum ersten Mal auf. Archäologische Funde ungewöhnlicher Bestattungen in Europa in den letzten Jahren legen jedoch nahe, dass der Glaube an Vampirismus und Wiedergänger die Menschen schon vor 1500 beschäftigte.

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Die grünen Kinder von Woolpit

Paranormal

Die Geschichte der Woolpit-Kinder ist vielen Menschen bekannt. Unzählige Artikel wurden geschrieben und viele Theorien wurden von verschiedenen Leuten aufgestellt, um zu erklären, was passiert ist. Es gibt so viele Ideen und Interpretationen, dass ich nur kurz auf einige eingehen werde, aber in der Bibliographie am Ende des Artikels habe ich eine Reihe von Quellen aufgelistet, die das Thema viel ausführlicher behandeln.

Die Chronisten

Es gibt zwei beinahe zeitgenössische Quellen, die über die Ereignisse in Woolpit und das Erscheinen der grünen Kinder berichten, der eine ist Ralph of Coggeshall, der andere William of Newburgh.

Mittelalterlicher Schreiber  

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Baba Yaga (Die alte wilde Mutter)

Unheimliche Wesen

Baba Yaga und die slawischen Folklore

Oft werden Hexen als böse, hässlich und gefährlich dargestellt, die mit dunkler Magie und teuflischen Mächten paktieren. Doch nicht alle Hexen sind gleich. In der slawischen Folklore gibt es eine besondere Hexe, die viel mehr ist als nur eine alte Frau mit einem spitzen Hut und einem Besen: Baba Yaga.

Baba Yaga
 Ivan Bilibin: „Vasilisa the Beautiful and the Baba Yaga“ (Detail)

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Dorothy Gale (Wir sind nicht mehr in Kansas)

Ob man nun durch das originale Kinderbuch von L. Frank Baum aus dem Jahr 1900 oder durch die Verfilmung mit Judy Garland aus dem Jahr 1939 zur Geschichte kam, Der Zauberer von Oz ist Teil eines gemeinsamen emotionalen Eigentums geworden, das sich tief in der kollektiven persönlichen und kulturellen Psyche verankert hat. Jüngst haben Filmwissenschaftler aus einer groß angelegten Studie die Erkenntnis gewonnen, dass besagter Film der einflussreichste aller Zeiten ist. Das mag das deutsche Publikum etwas staunen lassen, denn hierzulande kennt man Dorothy Gale zwar auch, hält das Phänomen aber wohl für ein rein amerikanisches. Und das stimmt eben nicht. Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben unvergessliche Verbindungen zu dieser Erzählung voller Wunder, Gefahren, Freundschaft und Gegenspieler. Natürlich sind das Erfahrungen, die oft durch die nostalgische Linse der Kindheit verstärkt werden, aber nur wenige Geschichten wurden mythologisiert wie Oz. Nein, selbst Mittelerde nicht.

Dorothy Gale
Dorothy Gale

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Der Winter in der Fantasy-Literatur

Bouquinist

Der Winter wird oft als die dunkle und unwillkommene Jahreszeit angesehen, und das ist auch verständlich – wenn man weit genug vom Äquator entfernt lebt, kann er längere Nächte, kalte Temperaturen, eisige Bedingungen, graue Gärten und blattlose Bäume bedeuten. Besonders hart kann es sein, wenn man kein warmes Zuhause hat, in das man sich zurückziehen kann. Doch die Jahreszeit hat auch ihre Reize: weiße Schneedecken, wärmende Feuer, herzhafte Mahlzeiten, dampfende Getränke und Feste wie Weihnachten machen sie zu etwas, auf das sich viele Menschen freuen. Diese positiven Aspekte können eine magische, fast fiktionale Qualität haben, die zweifellos durch Geschichten wie Dickens‘ A Christmas Carol, Märchen und Volksmärchen, in denen der Winter eine Rolle spielt, und die einfache Tatsache, dass warme Feuer und gemütliche Hütten die besten Schauplätze für fantasievolle Geschichten sind, hervorgerufen werden.

Doch so sehr Winter und Magie auch Hand in Hand zu gehen scheinen, in der Fantasy kommt die Jahreszeit nicht gut weg. Vielleicht liegt das daran, dass das Genre oft auf ältere Traditionen und alte Symbolik zurückgreift. In diesem Artikel wird darauf hingewiesen, dass viele vorchristliche Weihnachtsmärchen düstere, weniger fröhliche Elemente und Figuren enthielten. Die Heiden sahen den Winter als eine Zeit der Dunkelheit und des Todes, in der die Grenzen zwischen den Welten am schwächsten waren.

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