szene 1 einer möglichen bartstämmigkeit

dann habe ich es mir in der letzten woche in der handschrift 
gütlich getan und scribiere was ein wilder warmer wind
nicht wahrhaben kennte. so ein falsch gesetztes wort im klang
wiederholung ist des schlusses schluss

darob tüten die tüten darob
hüften die hüften
darob

eine rückfälligkeit eine bartstämmige barbarei
ein bodenloser boden

ja sie können das alles als kunst verkaufen warten sie ich gebe ihnen noch einen eimer tapetenkleister mit für die kleinen ja ihnen dann auch

Niemand war unendlich

Die Zirkus hat die Stadt verlassen, aber alle Parabeln
im Hinterzimmer verstaut, möge sie finden, wer
immer im Hinterzimmer sucht, früher ein Treffpunkt
für Ideen und das Sinnenrauschen, angeheizt von
parfümiertem Qualm, dem Parfüm an sich, das
im Innenfutter des Mantels dunstet, von den obligatorischen
Umtrünken

Nichts. Man will Nektar verkaufen
granatenhaft (zupackend die Wirkung erzielen)

Der Zirkus hat die Stadt verlassen, aber ein Clown purzelt
stets hintendrein immer hinterher. Jeder Gedanke
um ein Bleiben könnte sein Gehen verhindern.

In den Nomadenstuben dunkles
Eingemöbel und die Matratze
auf dem Boden voller splitterharter
Brotkrumen und

ein Gedeck am Mittag, ein nächstes dann um vier,
ein Mitternachtsmahl geisterhaft zwischen Rittern, die
zu ihren Rüstungen ein enges Verhältnis pflegten, und
einen Kamin, der all die abgesonderten Gedanken
als Nebel über die Dächer schickt.

Niemand war unendlich,
aber die Eindrücke lebten fort.

Treibsand

"Es ist Treibsand, ich bin mir sicher!" Diesen Satz
sagt er so häufig, dass TREIBSAND die normalste Sache der
Welt wurde. Ob beim Essen

(Es ist Treibsand, ich bin mir sicher!)
oder beim Einkaufen, wenn die Kasse streikte
(Es ist Treibsand, ich bin mir sicher!)

Als wäre man in seinen Geheimnissen schön

ich wollte Dichtung immer
als etwas begreifen das ich nicht begriff
wir waren nie auf dieser Klippe
von der man alles überblicken konnte
ich habe die Erinnerungen
mit viel Blut gepachtet
trug es wie einen Sack dem Horizont zu
und als ich schaute war da nichts

als wäre man in seinen Geheimnissen schön
trug ein Moment dem anderen
ein Flüsterraunen zu und wie es gewesen wäre
wäre man geblieben und hätte sich
nie sehen lassen – das berühmte
‚unter den Linden‘ – nur ein Traum
den die Zeit in eine Wolke hüllt

Ich kam an und es war dunkel

Ich kam an und es war dunkel, alles war in leblose Schatten gehüllt und die Fenster waren geschlossen; es war, als ob hier nie jemand gelebt hätte, und wenn ich nicht da war, lebte hier auch niemand, aber diesmal war man nicht vorbereitet, man hatte die Fenster nicht geöffnet, die Gardinen nicht zurückgeschlagen, den Kuchen nicht gebacken, die Post nicht aus dem Briefkasten geholt, man war nicht rechtzeitig zurück aus dem Nirgendwo, um mir meine Kulisse zu stellen.

Es fehlte das, was nicht mein Leben war, wo wir an der Kreuzung unterschiedlich abbogen. Ich war jetzt mit diesem stillen Anblick konfrontiert, und ging die Stufen zum Garten hinunter, ich hakte ein Fenster aus und schlüpfte in den Raum, ich musste zum ersten Mal die Erinnerung tragen, und ich steckte sie schnell in meine Tasche, um sie an einem anderen Ort ausgiebig zu betrachten.

von der fliederprecht (ein gehippe von nippel)

sie duckt von unten hebt sies auf
wo noch und nöcher nochen graben
es könnte sein dass wie der wutz
ein ei entlarvt sich schönerwetter dinge tun

wie uff der blitz und nocheinmal
auf einmal zweiereigerauff
gibt elend in die knochen
da plumpert gerte wie der wisch
und fortan ist das zeug so nass

ein willste ewig brüllt herauf
und lotst und lottert wie der lotse
down zu graben wo der wolf
in manniglich manier ganz schau

Die Muschelsause

Ich sehne mich nach dem Trapez der Stunde
Glühend rund mit feistem Munde
Und ob es wahr ist kann man nicht
Mehr sehn vor lauter Licht

Das schwellend schwebt nach unten hin
Wo ich im Watt verstromt doch bin
Die Muschelsause nannte man
Die Reise mit der Eisenbahn

Zirbelkiefer

wie – und das frage ich mich wieder – soll man die Dinge sehen
und erkennen und ordnen, wenn man sie nicht beschreiben kann
und wie soll man sie beschreiben können, wenn man sie nicht
sieht wie sie sind sobald man nicht dazu übergeht, seinem Auge
einen Stift zu verpassen und überhaupt das Auge auszutauschen
gegen ein inneres Konstrukt wie etwa der Zirbeldrüse
die dann sieht, was an der Aufhängung des Bewusstseins
vor sich geht

nur ohne Geschmack und derlei anzuwenden

aus ihr entweicht nichts, wie aktivieren?

eine Höhle war das erste, das mir auffiel
aber wie so oft war sie ein imaginäres Ziel dessen
was ‚auch‘ hätte sein können
die Wahrscheinlichkeiten
immer die Wahrscheinlichkeiten
es waren nicht selten die letzten Mohikaner die ich anführte

Etwas schleicht in Schleifen

Es kann verbunden werden, das Geschehen nicht verkleistert, sondern
In einem Rutsch auf das Ziel zugesteuert, das mag im Dunkel liegen,
Mag sich sogar dem Einsatz entziehen, hat aber eine große Geltung
Wenn es darum geht, zu bleiben wie man ist. Die Bewegung treibt sich
Um das fokussierte Etwas herum, schleicht in Schleifen davon, kehrt
Bei mangelndem Licht zurück, um etwas Körperloses zu sagen.

Vergangene Weihnacht

Ich würde gerne hineingleiten
in eine Spukhütte an unbenennbarer Stelle
fern jeglicher Beschreibung
nicht dem Wetter ausgesetzt
nicht der Zeit ausgesetzt
und dort die Gestalt der vergangenen Weihnacht
am Kamin stehen sehen
diese Hand wäre es mir wert
geschüttelt zu werden

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