Schlafmähre

Landschaft verschwimmt mitsamt unseren Körpern zu einem ununterscheidbaren Gewimmel. An der Oberfläche blendet uns das Licht, in der Tiefe verwirrt uns die Fülle, die wir uns nur zu ertasten wissen. Etwas steht uns bevor: wir werden uns von Raupen in Schmetterlinge und Falter verwandeln, von Milch- in Reißzähne.

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Der Tag, an dem die Nacht nicht mehr verging

Langform

Die Kunde, dass Bobby in Beate reingepinkelt hat, macht an diesem Tag den Star der Ereignisse aus. Alle sind sich einig, dass sie jetzt sterben wird, denn die Tabus verwandeln sich bekanntermaßen in Gift, Gift verwandelt sich immer in entsetzliche Natur. Ein Schwebezustand zwischen Ekel und Bewunderung macht die Runde, dem die Legendenbildung folgt, die aus dem Körper lallt, schäumend wie ein halbstark gärender Krätzer. Vor dem Alkohol haben sie mehr Respekt, denn den tragen sie in ihrem jungen Blut nach Hause. Er wird der Verräter sein, der promillige Judas; und nicht die verästelten Zungen, mit denen sie sich gegenseitig an Stellen belecken, die schon sehr nahe dem Gift, die das Tabu (schon wenn man es denkt) brechen.

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Flamboyant: 10 Feuerbohren

Langform

Paris zu verlassen war für Willi ein Akt der Gewalt. In einen Rausch war er geraten, vielleicht nur ein Tapetentraum, Frühlingserwachen trotz Horizontlosigkeit. Energie kaskadierend, ternerer Schlafrhythmus, Jazz der Wahrnehmung. Das geschriebene Wort verweht im Sand. Nur in Sand geschrieben beobachtet man die Worte aufmerksam, nimmt die Muschel auf, hält sie an sein Ohr, so dass man die ganze Welt darin vernimmt, dass man sie aber nicht zu entschlüsseln weiß. Die Muschel aufzuheben ist wie eine Landnahme; wie der Freibeuter : nimmt Land, nimmt Frau, hört Muschel. Das Weibe dann ist Freibeuterin des Herzens, das Herz dann hohe See, Sturm auf diesem See – Bora, Mistral, Kalmen. Willis Gedanken schwirren von Galaxie zu Galaxie.

»Haben wir ihn wirklich gesehen?« Der Name perlte zwischen Madeleines Zähnen, aber sie ließ ihn nicht aus dem Mund fallen.

»Ich möchte die Straße bewachen als Stein, langsam schwingend, als unerschöpfliches Archiv der Erdgeschichte, stehend liegen, befahren werden.«

Die Straße, die Straße in den Raumdimensionen.

Willi und Madeleine arbeiteten sich innerhalb einer motorisierten Kutsche durch sphärischen Widerstand. Sie könnten beide schwimmen, sollte sich die Straße in Wasser verwandeln, sie könnten nicht im Feuer ausharren, würden dort verbrennen. Madeleine, Madeleine dient mit ihrem Anzündhütchen als Sprengkapsel, gefüllt mit Knallquecksilber bis zum Rand, in einer Stoßwelle kommt es zur Detonation. Es ginge auch durch Reibung, Funkenschlag, Dekompression, Feuerbohren.

»Lass uns feuerbohren!«

»Es wäre Brandstiftung. Hast du ihn gesehen?«

»Er hat mich gemalt, natürlich habe ich ihn gesehen. Er fuhr mich mit den Augen ab, natürlich nur ein Spuk, der Befehl ging an seine Hand, den Spuk zu malen. Dort hielt er einen Stift begraben, auch wenn begraben nicht das richtige Wort ist. Ich konnte das Weiß seiner Knöchel sehen.«

»Du meinst, er hatte den Stift fest in der Hand.«

»Nein, er hatte ihn vergraben, auch wenn begraben nicht das richtige Wort ist.«

Madeleine schwenkte ihren Kopf hin und her, um abzuwägen, ob es sinnvoll sei, das Automobil bei voller Fahrt zum Stehen zu bringen. Willi erinnerte sich an den Montmartre, an eine Straße aus der Gesichter spähten, Madeleine erinnerte sich an eine Hand an ihrer linken Brust, bis sie aufjappste.

Von den Hexenjagden

Ich erinnere mich nicht daran, dass ich Hexen fürchtete, als ich aufwuchs. Stattdessen fürchtete ich die Männer, die sie verbrannten. Als merkwürdiges, tyrannisches Kind, das Magie immer für selbstverständlich hielt, nahm ich stillschweigend an, wenn die Hexenjagd jemals wieder beginnen würde, wäre ich nicht sicher. Jemand würde mich schnell als „falsch“ erkennen und an den nächsten Scheiterhaufen binden.

Hexenjagden waren für mich der Stoff, aus dem echte Alpträume sind. Männer würden einen in der Nacht aus dem Bett reißen und in eine dunkle Zelle sperren. Die Chance auf einen fairen Prozess war nicht gegeben. Und sie taten dies angeblich zum Wohle der Nachbarn und der Familie, um sie vor einem zu schützen. Auch zum eigenen Besten würden sie das tun. Bereue vor deiner Hinrichtung, so wie die Flammen dein Fleisch verbrennen und deine Seele erlöst werden wird, sagen sie. Sie würden dich umbringen, um dich zu „retten“.

Ich tröstete mich damit, dass es besser war, dieses Risiko zu kennen. Märchen haben uns gelehrt, dass alles besiegt werden kann, oder? Wenn ein Wolf an der Tür stünde, würde ich ihn als das erkennen, was er war, und ich könnte mein bestes tun, um ihn auszusperren.

So wirbelte die Frage in meinem Kopf herum: Wer waren diese Inquisitoren? Wie könnte ich sie in der Menge erkennen, um vor ihnen auf der Hut sein? (Als ob es in der Logik eines Kindes ausreichen würde, sie zu identifizieren, um sich zu schützen). Die Hexenjagd-Abbildungen aus dem Mittelalter zeigten nur sehr wenig. Die Inquisitoren sahen so gewöhnlich aus wie normale Männer. Das hat nicht geholfen. Schließlich waren die Männer überall, und sie konnten nicht alle Inquisitoren sein, die auf der Lauer lagen.

Oder etwa doch?

***

Im Grunde geht es bei Hexerei um Macht. Es geht darum, Stärke zu finden, auch wenn die Gesellschaft dir alles verwehrt hat. Als solche war die Magie schon immer ein Zufluchtsort für Frauen. Bei den europäischen Hexenjagden, die zwischen 30.000 und 100.000 Menschenleben forderten, waren auch Männer Opfer, aber die meisten von ihnen waren Frauen. Hexenjagden waren vor allem eine Frage der Frauenfeindlichkeit. Frauen, die zu stark wurden, die sich zu weit über das hinaus wagten, was „gut und normal“ war, mussten mit allen Mitteln gestoppt werden.

Wegen seinem inhärenten Schrecken hat der Horror die Tiefen der Hexerei schon lange ausgelotet. Aber das Genre hat mit seinen Darstellungen nicht immer gute Arbeit geleistet. Bis hin zu Shakespeare werden die Weird Sisters beschuldigt, Macbeth in seinen mörderischen Amoklauf geführt zu haben, als wäre er von Anfang an unschuldig gewesen. Im Kino wird Witchfinder General oft als Klassiker angesehen, aber es wird fast ausschließlich durch den männlichen Blick erzählt, wobei die einzige weibliche Hauptfigur meist in den Hintergrund ihrer Geschichte gedrängt wird. Und es tut mir leid, Christopher Lee, aber Menschenopfer in geflochtenen Weidenfiguren sind mit ziemlicher Sicherheit nie passiert. Dies war eine Fälschung, die Julius Cäsar auf der Grundlage eines Gerüchts wiederholte. Ja, es war die alte urbane „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt“-Legende, die fest in der populären Denkweise verankert ist.

Im moderneren Kino stellt The Vvitch von 2015 eine beißende Kritik an religiöser Hysterie dar, aber die namensgebende Figur wird auf ganz normale Weise dargestellt. Das heißt, eine gottlose Frau, die im Wald allein gelassen wurde, konnte nur ein laszives Monster werden. Und obwohl ich den „schwarzen Phillip“ so sehr liebe wie jeder Horror-Fan, ist Thomasins Unterschrift in seinem Buch am Ende eine typische Inquisitionspropaganda: dass alle weibliche Kraft satanischer Herkunft ist, und nicht einmal von Natur aus weiblich. Weil eine Frau allein keine Macht haben kann; sie muss sie sich von einem Mann leihen.

Von all den Ungenauigkeiten des Films abgesehen ist es jedoch eine frühe Szene, die mir am unangenehmsten auffiel. Nachdem die Hexe das Baby der Familie entführt hat, bringt sie es in ihre Hütte, wo sie sein Fett entfernt und eine Flugsalbe daraus herstellt. Dies verewigt eine Lüge, mit der die Inquisition unschuldige Frauen verurteilt hat. Einige Hexen haben unter anderem Flugsalben oder ähnliche Salben aus Lanolin hergestellt. Selbst wenn sie keine Magie praktizieren würden, könnte diese gelatinöse Creme in ihrem Haus vorhanden gewesen sein. Wegen seiner seltsamen Konsistenz und seiner Allgegenwart könnten die Inquisitoren dies als Beweis für einen Kindesmord benutzen. Unabhängig davon, ob überhaupt Babys vermisst wurden, sie hatten ihren „Beweis“ und das genügte.

Es mag leicht sein, diese fehlerhaften Bilder in Horrorfilmen als Spaß abzutun, aber diese Logik birgt eine Gefahr.

Die Leugnung der Erfahrungen von Frauen ist für uns seit Anbeginn der Zivilisation zweitrangig. Wenn man den Babyfett-Mythos benutzt, ist die reale Implikation klar: Eine Frau kann die Wahrheit sagen – dass es nur Lanolin ist – aber sie werden sie eine Kindsmörderin nennen und sie trotzdem verbrennen, während sie ihre falsche Anschuldigung wiederholen, bis sie als die einzige Realität akzeptiert wird. Die Lügen der Hexenjäger ergeben für uns mehr Sinn als die Wahrheiten der Frauen.

Und diese Unwahrheiten gewinnen an Macht, je mehr sie sich wiederholen. In der Regel erzählen wir Geschichten, die bereits vertraute Elemente nachbilden, weil sie uns sicherer machen. Wir kennen diese Geschichten. Die Welt ist ein chaotischer und unsicherer Ort, aber zumindest haben wir vorhersehbare Geschichten, die uns den Weg weisen.

Aber es gibt keine Sicherheit in Lügen. Diese Mythen weiter zu reproduzieren – ohne Kommentar, ohne etwas Neues hinzuzufügen, um die Trugschlüsse zu entwirren, die sie erschaffen haben – das grenzt an Rücksichtslosigkeit. Sie behalten ihren Status quo bei, auch wenn sie vorgeben, ihn in Frage zu stellen. Und heute, in einer immer gefährlicheren Welt, können wir nicht riskieren, auch nur der kleinste Teil des Problems zu sein.

***

Im vergangenen Jahr bekam ich endlich die Antwort auf diese Frage aus meiner Kindheit. Unsere modernen Inquisitoren wurden demaskiert, mit ihren hasserfüllten Tweets und ihrer endlosen Flut von grausamen Gesetzen gegen jeden, der nicht zu ihrer engen Definition von dem, „was richtig ist“, passt.

Wie Wölfe stehen sie jetzt vor der Tür.

Aber es passiert noch etwas anderes. Inmitten dieser unsicheren Zeiten, in denen der Aktivismus blüht, kehren die Menschen zur Hexerei zurück. Als ob es ein Trostpflaster wäre, suchen sie darin einen Zufluchtsort. Einen Monat nach seiner Einweihung machten Tausende von Hexen im ganzen Land Schlagzeilen, als sie sich zusammenschlossen, um Donald Trump zu verzaubern (eine der Komponenten: eine orangene Kerze). Was weniger Schlagzeilen machte, war, dass viele Hexen diesen Zauber weiterhin jeden Monat als Teil einer wachsenden Fraktion aufführen, die politischen Aktivismus und Hexerei nicht so weit voneinander entfernt sieht. Und warum nicht beides kombinieren? Denn ist das gemeinsame Singen während eines Protestes nicht eine Form des Zauberspruches, der Hoffnung, die Welt mit der Kraft der Worte zu verändern?

Es ist noch nicht zu spät, um unsere verlorenen Geschichten zurückzufordern. Wir müssen nicht länger die Lügen akzeptieren, die uns unserer Macht beraubt haben, Geschichten, die einst von Cäsar und der Inquisition verewigt wurden, sich jetzt in verschiedenen, aber ebenso schädlichen Permutationen einer Präsidialverwaltung, die niemals hätte existieren dürfen, wieder zu erkennen gibt.

Obwohl Hexenjagden als uralte Geschichten gelten, gibt es auch heute noch jene, die weiterhin offen die Hexerei verleumden. In einigen Ländern bleibt die Ausübung von Magie illegal, und Frauen werden immer noch zu Tode gesteinigt, weil sie die kleinste Neigung zu etwas Okkultem zeigen.

Es gibt auch diejenigen, die Hexerei nicht aus moralischer Panik, sondern aus intellektuellen Gründen verleumden. Hexerei ist dumm, sagt man. Das ist Pseudowissenschaft, das ist New Age-Quatsch. Aber ob die Magie objektiv funktioniert oder nicht, ist dabei fast nebensächlich. Hexerei ist für die Verlorenen, die Verlassenen, die Anderen. Es geht um Synergie auch in den dunkelsten Zeiten. Es sind Frauen und Männer, die zusammenkommen und sich weigern, eine Gesellschaft zu akzeptieren, die nicht alle als gleichberechtigte Mitglieder dieses Planeten anerkennt. Hexerei ist Widerstand, schlicht und einfach.

Und es gibt nichts Mächtigeres als das.

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Flamboyant: 9 Mädchen aus Ebenholz

Langform

Die Berge bewegten sich, Nachtgeräusche drangen aus tiefen Falten, hingen im Gebüsch, in jedem Gesträuch. Kälte und Schmutz krochen durch die Röhren der Hemdsärmel und Hosenbeine. Flöhe, die einzigen Tiere weit und breit, degustierten Haut und Haar. Lichter sangen im Gebirge, manchmal ganz unverständliche Rufe aus der Ferne, dort, wo die Sauer uns begleitete. So viele einsame Seelen schweiften nach Hause, nach dem holzsatten Ofen, der dort ansässigen Katze, dem lieben, wirkenden Herzen, der Schwester, dem Bruder. Tagsüber leuchtete uns die Maisonne – gerade für dieses Wetter hatte man den Feldzug gegen Frankreich neunundzwanzig Mal verschoben – aber die Nächte in diesem hohen Wald fanden wir frisch. Davon abgesehen plagte uns die Müdigkeit mehr als die Gegenwehr der Gallier. Drei Tage schaufelten wir Pervetin in uns hinein, halluzinierten den Schlaf als eine Göttin im wallenden Kleid, die uns aus den Lüften winkte, mörderselig am dritten Tag. Aber fremder Boden ist jener, der dich verschlingt, der eine Grube auftut, dich einlädt, in seinen Sumpf zu steigen. Du steigst dann auch hinein und wartest, hältst Wache, weißt vor dir Dörfer, in denen man deine Sprache nicht versteht; dort sind sie jetzt aufgebracht, weil du vor ihren Türen liegst.

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Flamboyant: 8 Der flammende Bert

Langform

Place des Innocents: In der Rue Pierre-Lescot stand ein Koloss, eine griechische Skulptur aus Daidalus’ Werkstatt. Wuchtige Feuerstöße forderten das Staunen der Menge ein. Hier stand Babylons Sirrusch, einst abgebildet auf dem Ishtar-Tor, jetzt frei und gewaltige Hitze freisetzend. Warum hast du so große Hände, warum hast du so einen großen Mund?

Ein ganzes Bestiarium tanzte zähnebleckend. Pudel befanden sich auf ihren Hinterpfoten, aufgehübscht mit selbstgestrickten Pullovern in grellen Farben, Zwerge trommelten auf Bärenköpfen herum. Zunächst trat der Riese mit einer struppigen, großmäuligen Teufelsmaske auf. Die Schellenklingeln an den Füßen der Harlekin-Leute überschlugen sich. Dann legte er seinen grellroten Kapuzenmantel ab, während die Harlekins ihr Charivari durch die Gassen trugen.

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Flamboyant: 7 Madeleine Ledoyen

Langform

Beinahe hätte er es Ella gestanden, ihr von der Blumentapete neben seinem Bett erzählt, die dafür verantwortlich war, dass er an allem zweifelte, was als gegeben hingenommen wurde. Er stellte sich vor, wie er sagte : »Die Muster verändern sich, die Tapete ist organisch. Ich weiß nicht, ob andere es können, aber ich kann durch sie hindurch gehen, ich schlüpfe einfach durch den Wirrwarr der Blumen. Manchmal bin ich gar nicht weit von der uns bekannten Welt entfernt, nur ein bisschen nebenan. Es hängt von der Musik ab, die ich höre, glaube ich. In der Ferne steht eine Stadt, das ist die einzige Konstante. Ich weiß, dass sie sehr weit entfernt ist, eigentlich unerreichbar. Aber die Luft ist so über alle Maßen klar, dass man ihre Mauern sehen kann.«

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Flamboyant: 6 Zurück im Paradies

Langform

1967 fiel es Willi Kreutzmann nicht schwer, das ganze Leben als eine Folge von Zufällen zu betrachten, die schließlich auch den Reiz eines Glücksspiels ausmachten. Er fühlte sich ganz und gar wohl in seiner Zeit. Mit seinen langsam aber stetig wachsenden Haaren, den unmöglichen Koteletten, brachte er zwar die anständigen Bürger gegen sich und seine Familie auf, aber niemand versuchte, ihn zu steinigen oder an einem Ast aufzuknüpfen. Der ein oder andere mochte sich fragen, was er denn daran fand, ein Gammler zu sein, wo es doch keine Veranlassung dazu gab. Soweit er wusste, hatte sich nur Wilme Penning, die unter ihnen im Parterre mit zwei plüschähnlichen Hunden lebte, dazu durchringen können, sich zumindest darüber zu informieren, ob es denn nicht strafbar sei, sich … nun, eben … wie ein Gammler herumzulaufen, ob es denn nicht ein Gesetz gegen diese Zumutung gab. Selbstmord sei ja schließlich auch nicht erlaubt, argumentierte sie, fand aber kein Gehör, obdoch sie ihr Anliegen recht sachlich hervorzubringen wusste. Als sie bei der Polizei abgeblitzt war, versuchte sie es beim Gesundheitsamt. Läuse und Ungeziefer wollte sie aus der Kreutzmann-Wohnung herauskrabbeln gesehen haben und selbst ihre Strick-und Häkelfreundin Lore könne bestätigen, dass es neuerdings Mäuse im Haus gab, was ja nicht von ungefähr kommen könne. Sie bedaure es bisweilen, keine Katze halten zu können, wegen der Hunde doch!

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Flamboyant: 5 Zeitschaltung

Langform

»Was machst du da? Du durchwühlst doch nicht etwa Schubladen?« Ella stand an der Tür und hatte festgestellt, dass sie verschlossen war, dass Maltes Eisenbahner-Wohnung einer Festung glich, denn auch die kleinen Fenster ließen sich nicht dazu bewegen, eine Verbindung nach draußen herzustellen.

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Flamboyant: 4 Maltes Eisenbahn

Langform

Hier wurde bereits viel gesehen. Gespenster blicken aus allen Fenstern, in den Kaminen hängen die Laken der Steckengebliebenen, die Keller überlaufen von dunklen Obsessionen, die ihr Geheimnis ablegten in den Ecken, den Spalieren, unter den Dielen, in einer Truhe unterm Dachgebälk oder im Gedächtnis der Ortschaft. Viel gesehen, viel geschwiegen, vergraben – ausgemerzt. Keiner weiß mehr.

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