Neue Fremdheit

Von einem dysfunktionalen „literarischen“ Weblog zur Aufarbeitung popkultureller Tendenzen, Vorlieben und Referenzen, die vielen Snobs (wenn sie davon wüssten), ihr Gallwasser auslaufen ließen. Die Rätselhaftigkeit, die unser Dasein ausmacht, ist merkwürdigerweise der Ausgangspunkt. Weder Philosophie noch Wissenschaft haben mich so sehr von der conditio humana überzeugen können wie der vermeintliche Unterhaltungssektor. Ich könnte in ihm leben – natürlich immer aus der Distanz heraus, denn wirkliche Kontakte mit wie auch immer gearteten Menschen, sind mir nicht möglich, erfüllen mich mit Abscheu und Herzrasen. Ich bin vor etwa zehn Jahren aus der Menschheit ausgetreten, was nicht heißt, dass ich nicht sehe, was sie tut. Um das Jahr 2000 herum, haben wir ein neues Programm bekommen, also ist das hier nicht die Welt, die ich einst kannte. Sie sieht ähnlich aus und es gibt Dinge in diesem Programm, das uns an eine ältere Ausgabe erinnert, aber das sind alles nur verblassende Erinnerungen.

Die Berge, die Stadt, die Leere

Meine allererste Erinnerung ist, wie mein Vater im Vorgarten unserer gelben Hütte in Tacoma, Washington, stand und Blumen in die Erde steckte. Ich beobachtete ihn dabei. Es war ein warmer Frühlingstag im Jahr 1966, und ich trug ein plissiertes Kleid und Mary Janes. Ich erinnere mich, wie ich über unseren immergrünen Garten schaute und die hohen Telefonmasten mit ihren langen Drähten betrachtete, die sich kreuz und quer durch den Himmel zogen. Überall Weite und trübes Schweigen in den Ästen, graue Wolkenmassen, die lange Schatten auf den smaragdgrünen Rasen warfen. Der Garten war aufgeräumt, und die Häuser in unserer Nachbarschaft waren hell und ordentlich, aber gleich hinter den geraden Hinterhofzäunen und den gestutzten Rhododendren kehrte das Land zu seiner natürlichen Ursprünglichkeit zurück, explodierte in einem dunklen Gewirr von Bäumen und Farnen von vorsintflutlicher Größe, um sich in der Höhe zu sammeln, bevor sie sich in der Kaskadenkette und dem Mount Rainier auf der einen und der Olympic Mountain Range auf der anderen Seite ergossen.

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Indiana Jones (Archäologie als Unterhaltung)

Spielfilm

George Lucas gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Popkultur. Unzählige Künstler haben sich von seinem Werk inspirieren lassen und seinen kreativen Kosmos mit neuen Geschichten, Szenarien und Figuren bereichert. Über Star Wars muss man kein Wort mehr verlieren, aber was ist mit Indiana Jones? Obwohl dieser Kanon naturgemäß kleiner ist als der von Star Wars, ist Indiana Jones eine epische Figur mit zeitlosem Charme und einer Abenteuermythologie, die weit über die fünf bekannten Filme hinausgeht. Von Comics und Büchern bis hin zu Videospielen und Fernsehsendungen – die Welt von Indiana Jones ist voll von mystischen Artefakten, exotischen Schauplätzen und waghalsigen Cliffhangern.

Eskapismus vor einer epischen Kulisse

Nachdem George Lucas seinen ersten Spielfilm THX-1138 produziert hatte, spielte er mit dem Gedanken, einen Film zu drehen, der an eine längst vergangene Ära des Kinos anknüpfen sollte: die Samstagmorgen-Abenteuer. Das waren Abenteuerserien mit kleinem Budget, aber hohem Anspruch. Im Mittelpunkt stand meist ein unverwüstlicher Held, Abenteurer oder Wissenschaftler, der die Welt rettet. Jede Episode endete mit einem Cliffhanger, der die Zuschauer eine Woche später wieder vor den Fernseher trieb, um zu sehen, wie es weitergeht. Es waren zwei Ideen, die Lucas in dieses Format einbringen wollte. Die eine war eine Science-Fiction-Geschichte über einen kleinen Bauernjungen, der die Galaxie vor einem bösen Imperium rettet. Die andere war die Geschichte eines Universitätsarchäologen, der sich in seiner Freizeit auf die Suche nach legendären religiösen Artefakten begibt; ein robuster, klassischer Held, der nach Lucas’ Hund benannt werden sollte. Die Geschichte wurde pittoresk Die Abenteuer des Indiana Smith genannt.

Während der „Bauernjunge-rettet-Galaxie“-Stoff zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten wurde, wurde Indiana Smith zunächst auf Eis gelegt. Vier Jahre später, 1977, kehrte Lucas zu diesem Projekt zurück, nachdem er sich eine dringend benötigte Auszeit von der Aufmerksamkeit, die Star Wars auf sich gezogen hatte, gegönnt hatte. Ein anderer junger Filmemacher schloss sich ihm an, um sich von der Produktion von „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ zu erholen: Steven Spielberg. Beide reisten nach Maui, und dort fasste Lucas den Plan, Indiana Smith als bodenständigen Gegenentwurf zu Star Wars zu produzieren. Da er aber nicht selbst Regie führen konnte, weil er sich um „Das Imperium schlägt zurück“ kümmern musste, kam es ihm gelegen, dass Spielberg ein neues Projekt suchte. Lucas konnte Spielberg davon überzeugen, dass es sich dabei um Indiana Smith handeln könnte. Aber Spielberg gefiel der Name nicht, also änderte Lucas ihn.

Im Jahr darauf wurde Lawrence Kasdan mit dem Drehbuch beauftragt, Frank Marshall wurde Produzent. Die vier arbeiteten an der Story, und nach einem langen Casting-Prozess, bei dem Größen wie Tim Metheson und Tom Selleck vorsprachen, wurde Harrison Ford als Hauptdarsteller ausgewählt.

Im Juni 1981 kam der Film mit dem Titel „Jäger des verlorenen Schatzes“ in die Kinos. Er war sofort ein Erfolg und gewann vier der acht Oscars, für die er nominiert war.

Es ist leicht zu verstehen, warum der Film so erfolgreich war. Wie bereits erwähnt, hatte Lucas die Absicht, einen Film zu drehen, der sich an die Samstagsmatineen anlehnt, und Indiana Jones war genau das. Die Geschichte hatte ein entsprechendes Konzept, die Hauptfigur war ein Draufgänger, der sich weder schonte noch lange ausruhte, und der Film donnerte in einem unerbittlichen Tempo voran. So entstanden einige der berühmtesten Actionszenen der Filmgeschichte, wie Indianas Verfolgung eines Nazi-Trucks zu Pferd oder seine unliebsame Begegnung mit der Schlangengrube. Spielbergs Stil, Action und Humor mit Momenten großer Dramatik und mitfühlenden, glaubwürdigen Charakteren auszubalancieren, stellte das Spektakel auf eine Stufe mit Filmen wie Lawrence von Arabien oder Die Brücke am Kwai.

Ein weiteres Element, das Indiana Jones von anderen Actionfilmen unterschied, war die inzwischen legendäre Filmmusik von John Williams, die so berühmte Momente wie den „Raiders March“ enthält. Die Pracht und Größe dieses Stückes gab Indy von Anfang an eine Identität und suggerierte sofort ein hohes Maß an Abenteuer und Eskapismus vor einer epischen Kulisse.

Die kulturelle Bedeutung von Indiana Jones

Als Hommage an die Abenteuerserien der 1930er und 1940er Jahre war “Jäger des verlorenen Schatzes” stark beeinflusst von dem, was sich zuvor im Blockbuster-Kino abgespielt hatte, und hatte dann einen großen Einfluss auf den kommenden Action-Abenteuerfilm und das Fernsehen. Filme wie Captain America oder X-Men sind nichts anderes als direkte Nachfahren eines der kulturell bedeutendsten Filme aller Zeiten.

In “Indiana Jones und der Tempel des Todes”, einem Prequel zum ersten Film, entkommen Indiana und seine Freunde chinesischen Gangstern, retten Kinder und bergen einen heiligen Stein. In “Indiana Jones und der letzte Kreuzzug” begibt sich Indie auf die Suche nach dem Heiligen Gral. Und in “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” überlebt Indie nicht nur eine Atomexplosion, sondern erfährt auch von einem Familienmitglied, von dem er nichts wusste.

Insgesamt hat das Indiana-Jones-Film-Franchise bisher schätzungsweise 1,9 Milliarden Dollar eingespielt, und mit dem fünften Film, der leider wie zu erwarten wirklich schlecht ist, hat sich diese Zahl dennoch weiter in die Höhe geschraubt.

Die kulturelle Bedeutung von Indiana Jones ist eng mit vielen anderen Filmemachern (und anderen Unterhaltungsmedien) verbunden. Vor allem die Videospielindustrie hat Indiana Jones’ Reliquienjagd und seine weltumspannenden Streiche gut aufgenommen.

Lara Croft wird oft als “weiblicher Indiana Jones” bezeichnet, denn auch sie ist eine Archäologin, die es versteht, sich aus schwierigen Situationen zu befreien und sogar übernatürliche Feinde zu besiegen.

Indiana Jones ist in der Tat so inspirierend, dass die Filme zu einem Anstieg der Archäologiekurse und der Zahl der Archäologiestudenten an den Universitäten geführt haben.

Der Gehenkte

Langform

(Am 25. Januar 1855 erhängte sich der heute weltberühmte Dichter Gérard de Nerval in Paris an einem Straßentor der Rue de la Vieille-Lanterne, einer Sackgasse, die es heute nicht mehr gibt. Bei sich trug er das Manuskript der Aurelia.)

Die ausgelassene Stimmung verpuffte jäh mit dem ersten Glockenschlag. Nicht die Mitternachtsstunde, in der die Geister früherer Zeiten tobten, ist die ungemütlichste der ganzen Nacht, es ist die Spanne zwischen drei Uhr morgens und dem Sonnenaufgang, die für die meisten Todesfälle sorgt. Zu diesem Zeitpunkt steht die absolute Schwärze in ihrem Zenit und jeder positive Gedanke ist nur ein hilfloses Konstrukt innerhalb der unüberwindbaren kosmischen Kälte.

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Die Erfindung der Liebe

Langform

Kurz bevor Sie aufgetaucht sind, fragte mich Irma doch tatsächlich, was ich von der Liebe hielte. Ausgerechnet. Einen schlechteren Zeitpunkt hätte sie sich gar nicht aussuchen können. Im Moment kann ich mich auf solche Diskussionen nicht einlassen. Ramon wartet im Park. Wir wollen unbedingt unsere neuen Enten ausprobieren. Ich musste natürlich dennoch etwas sagen und konfrontierte sie gleich mit der Wahrheit: „Über die Liebe kann ich dir alles erzählen, schließlich habe ich sie erfunden!“

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Swamp Thing vs. Man-Thing

Seit es Comics gibt, sind Plagiatsvorwürfe, Ideenklau und Abzocke ein großes Thema. Ein früh bekannt gewordener Fall betrifft Marvels „Man-Thing” und DCs „Swamp Thing”. Beide Verlage kopierten dabei allerdings dieselbe Figur aus dem Goldenen Zeitalter. Marvel und DC sind bereits seit den 1940er Jahren Rivalen, doch erst im Silbernen Zeitalter verschärfte sich ihre Konkurrenz zunehmend. In den 1960er Jahren überholte Marvel dank Kreationen wie X-Men, Fantastic Four und Spider-Man DC und wurde Amerikas führender Comicverlag. Diese Vorreiterrolle hielt Marvel über Jahrzehnte, wobei beide Unternehmen immer wieder sehr ähnliche Figuren zur gleichen Zeit herausbrachten. Ein prägnantes Beispiel dafür ist das Erscheinen der sumpfartigen Kreaturen Man-Thing und Swamp Thing, die nur wenige Monate voneinander entfernt debütierten. Dies führte zu Anschuldigungen gegenseitiger Absprachen und Plagiatsvorwürfen. Tatsächlich aber wurden beide Monsterhelden von der Figur des Heap aus dem Goldenen Zeitalter inspiriert.

Wer hat wen inspiriert?

The Heap
Quelle: PS Publishing

Das Goldene Zeitalter hat den Superhelden der späteren Jahrzehnte stark beeinflusst. Ein gutes Beispiel ist Will Eisners „Spirit”, der den klassischen Fedora-tragenden Privatdetektiv einführte und damit Helden wie Rorschach, Mr. A, Das Schemen und sogar Howard the Duck beeinflusste. Auch die Einbindung von Doc Savage in Supermans Geschichte zeigt, wie ungeniert Schöpfer bei klassischen Comics Anleihen nahmen. Viele Zeichner haben diesen Figuren ihren eigenen Stempel aufgedrückt, wobei einige Kreationen bis auf den Namen identisch blieben. Egal, ob Fans das als schmeichelhafte Nachahmung oder als unoriginelles Kopieren sehen, es ist üblich, dass Schöpfer ältere Figuren in ihren Werken überarbeiten. Jede Generation von Autoren wurde von den Comics ihrer Kindheit beeinflusst, was ganz normal ist. Marvel und DC zeigen eine hohe Bereitschaft, unoriginelle, gemeinfreie Figuren wie Dracula, Frankensteins Monster, Sherlock Holmes und Jekyll & Hyde zu nutzen und zu bearbeiten. Bei neueren Figuren mit gemeinsamer Inspiration verteidigen viele schnell einen davon als „originell” und unterstützen oft ihren bevorzugten Verlag. So auch bei Man-Thing und Swamp Thing, wo einige meinen, Marvel habe DCs Swamp Thing kopiert, und andere das Gegenteil. Beides ist jedoch falsch, da beide Figuren auf dem Heap basieren, ähnlich wie George, der aus dem Dschungel kam, und Ka-Zar sich eindeutig auf Tarzan berufen.

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Die drei ??? und der verschwundene Schatz / Robert Arthur

Bouquinist

Diesmal beginnt das Abenteuer in einer lokale Ausstellung der sagenhaft teuren Regenbogenjuwelen, deren Herkunft ungeklärt ist, die aber einen hohen kulturellen Stellenwert genießen. Und Just – in Holmes’scher Manier ruhelos und zerstreut, ohne einen Fall, der ihn beschäftigt – macht ein Gedankenexperiment, wie man sie stehlen könnte:

»Im Raum mit den Juwelen befinden sich ständig mehrere Aufseher. Im Büro der Verwaltung wird die Regenbogen-Sammlung über eine Fernsehkamera ununterbrochen auf einem Monitor beobachtet. Nachts wird der Raum mit einem Gitterwerk aus unsichtbaren Strahlen durchschossen. Würde einer dieser Strahlen durch einen Eindringling unterbrochen, so würde dies ein lautes Warnsignal auslösen. Außerdem sind in das Glas der Schaukästen dünne Drähte eingelassen, die ebenfalls mit dem Warnsystem verbunden sind. Zerbricht eine Scheibe, so schrillt der Alarm los. Die Anlage wird von einem unabhängigen Stromnetz gespeist, so daß sie auch dann noch funktioniert, wenn zum Beispiel ein heftiger Sturm die allgemeine Stromversorgung unterbricht.«
»Also kann sie auch keiner stehlen!« sagte Peter, nun völlig überzeugt
.

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Vampyradonna

»Wie soll ich dich denn lieben, wenn du mich andauernd beißt?!« 

Die Vampirin sieht ihn fragend an, hilflos und nackt; die Erschöpfung ihres Mundes, ihrer Lippen, mit Brüsten schneeweiß, sticht aus ihrem Gesicht. 

»Schau dir diese Sauerei nur an!« Er hält seinen Arm vom Körper abgespreizt und sie schaut dem permanenten Tropfen zu. Im ersten Moment weiß sie nicht, was ihm denn diesen Glanz aus den Augen raubt, der sie überhaupt erst veranlasst hatte, ihm zu folgen. Ist es das herausrinnende Blut vielleicht? Ja, sein Blut hat anderes zu tun, als seinen Schwanz wieder aufzurichten. Es geht um sein Leben, um ein Leben, das sie nicht kennt. 

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Die Straße Malheur

Langform

Von meinem Platz aus konnte ich die Straße gut einsehen, während ich am Fenster sitzend Kaffee trank und hin und wieder etwas Gebäck zwischen meine Lippen nahm, mehr aus Gewohnheit, denn schon seit längerer Zeit plagte mich das Unwohlsein gegenüber jeder Nahrung, die zwar zum Erhalt gedacht mir dennoch wie der Versuch einer Selbstvergiftung erschien. So aß ich kaum mehr etwas, dessen Geschmack sich eindeutig bestimmen ließ. Geschmäcker verwirrten mich und ließen mich an der Entscheidung zweifeln, was wirklich zu schmecken war. Meine Parageusie trat besonders in meinen nervösen Zeiten auf, in denen ich selbst in einem Glas Wasser mehr entdeckte als ich eigentlich wollte. Rost, Kalk und der Geschmack von Chitin, auch wenn man annimmt, dieser Stoff reize die Geschmacksknospen nicht, waren dann die Hürden, die ich während einer hypersensiblen Phase zu überwinden hatte, um mich am Leben zu halten.

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